Am 20. April feierte die aktuelle Animationsserie Maul: Shadow Lord um den ehemaligen Jedi-Gegner und Schurken aus den Klonkriegen mit der fünften und sechsten Episode das Bergfest der ersten Staffel. Dabei wurden die Rahmenbedingungen auf Janix, mit denen sich die (Anti-)Heldinnen und Helden herumschlagen müssen, völlig durcheinandergewürfelt, wie der verheißungsvolle Titel von Kapitel 5: „Inquisition“ bereits andeutet. Geschrieben wurde die fünfte Episode von Resistance– und The Bad Batch-Autorin Jennifer Corbett, während sich Veteran Saul Ruiz und Newcomerin Tatyana Drewry Carvin – bisher für Lucasfilm Animation als Storyboard-Artistin tätig – die Regie teilten. Der direkte Nachfolger „Nacht der Gejagten“ wurde von Steward Lee inszeniert, mit einem Drehbuch von Christopher Yost (Rebels Staffel 3 und 4).
„Captain Lawson sieht sich mit einer erschreckenden neuen Realität konfrontiert.“
„Zum Äußersten getrieben, bleibt unseren Helden nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen.“
Folgenbeschreibungen auf Disney+
Hinweis: Diese Rezension ist bis zum Inhalt vor den besprochenen Folgen weitgehend spoilerfrei, in der Kommentarsektion dürft ihr aber frei und spoilerlastig eure Eindrücke zur Serie mitteilen. Die Kommentare können also Spoiler enthalten!

Two-Boots, ich glaube, wir sind nicht mehr in Kansas.
Das Imperium erreicht Janix und mit ihm neben neuen Antagonisten auch eine völlig neue Atmosphäre, durch die sich die Handlung vorwärts bewegt. Vom Milieu der kriminellen Randwelt wird Maul: Shadow Lord nun zur typischen Jagd- und Fluchtgeschichte, die schon als Blaupause für die ebenfalls animierten Serien Rebels und The Bad Batch diente. Mit diesem Wendepunkt schließt sich dem Ensemble der wunderbar schmierige Bilderbuch-Imperiale Lieutenant Blake an. Als zentraler Gegenspieler tritt jedoch der in Ahsoka eingeführte und in Geschichten des Imperiums kurz gezeigte Ersten Bruder auf, der Inquisitor Marrok. Seine düstere Präsenz und unangenehm inexplizite Verhörszenen verleihen dem einst eindimensionalen Hintergrund-Charakter eine neue Bedrohlichkeit, die als Gegengewicht für den mächtigen Maul ebenso eine Herausforderung bietet, wie für die „durchschnittlicheren“ Bürger von Janix.
Natürlich verkörpert der Inquisitor als Nutzer der Dunklen Seite nur einen Aspekt vom unterdrückenden Apparat des Galaktischen Imperiums mit seiner faschistischen Ausprägung. In bester Andor-Tradition erlebt man in einzelnen Momenten hautnah, wie das Imperium auf der Suche nach Maul Stück für Stück die individuelle Freiheit abschafft und schließlich jeden Winkel des Lebens infiltriert, um absolute Kontrolle zu erlangen. Die Figuren, die es gewohnt waren, sich in Grauzonen zu bewegen, sind nun gezwungen, sich in einer Situation, die nur noch Schwarz und Weiß kennt, für eine Seite zu entscheiden – und ausgerechnet am Droiden (!) Two-Boots, dessen Wertlegung aufs Protokoll den neuen Status Quo überhaupt ermöglichte, wird dieser Einschnitt am deutlichsten.

Keep it in the family
Vorbei sind die Intrigen und Ermittlungen, im dritten Doppelpack der Serie geht es nunmehr ums nackte Überleben und die Flucht vor den gleichgeschalteten Behörden, deren alten Version der gutmütige Captain Lawson doch vor kurzer Zeit noch selbst angehörte. Die größere Rolle seines Sohnes Rylee Lawson erhöhen die emotionale Fallhöhe der Serie und erweitern das Handlungsgerüst neben den flüchtenden Jedi um ein klassisches Familiendrama, durch das die Titelfigur Maul nun eher in den Hintergrund rückt. Dessen dosierte Auftritte zählen dafür unverändert – selbst mit geschlossenen Augen 😉 – zu den besten Momenten des Geschehens.

Sonderzug mit Lichtschwert
Dass in der eigenen Serie für einen Charakter wie Maul mit jemandem im Titel geworben wird, der Kinogängern neben einer furchterregenden Optik vor allem für seine beeindruckende Lichtschwert-Kunst bekannt ist, gibt natürlich das Versprechen, dass man entsprechend abliefert. Tatsächlich sind die Duelle in den beiden Folgen wieder auf einem hohen Niveau und zeigen, wie Maul vor ihrem nicht-chronologischen Debüt in Rebels die ebenfalls doppelten roten Klingen eines Inquisitors kreuzt. Leider wird das Schnitt- und Inszenierungstempo in den Actionszenen mit einem Mal viel unübersichtlicher, als noch in den Schießereien und Kämpfen der letzten Folgen. Zwar ist ein Hochgeschwindigkeitszug natürlich kein Setting, bei dem man eine zu langsame Bildabfolge präsentieren sollte, aber es gibt immer wieder einzelne Momente, in denen sich die Action verliert und nicht mehr so unmittelbar wirkt, wie sie es bei einer ruhigeren Kameraführung tun könnte. Möglicherweise ist dies aber auch den modernen Sehgewohnheiten eines großen Teils der jugendlichen Star Wars-Zielgruppe geschuldet, die Maul: Shadow Lord natürlich genauso abholen möchte, wie die nun erwachsene erste The Clone Wars-Generation.

Fazit
Nicht mehr ganz das hohe Niveau der ersten vier Episoden erreichend, schwächelt Maul: Shadow Lord erstmals, wenn auch wenig. Zu hektische Schnitte in Actionszenen trüben die Gesamtwirkung der Folgen, dafür überzeugen die Lichtschwert-Action und die beeindruckende Optik nach wie vor. Was bleibt ist eine zwar immer noch überraschungsarme, aber nachvollziehbar erzählte und sich selbst ernst nehmende Reise von verschiedenen Personen, die sich in einem radikal veränderten Umfeld behaupten müssen, um zu überleben. Maul: Shadow Lord ist konstant überdurchschnittlich starke Star Wars-Animationsunterhaltung.
Zum Schluss verweise ich wieder gern auf unseren weiterführenden und umfangreichen Guide zu allen Romanen und Comics, die weitere Geschichten zum gehörnten Sith erzählen – in der Zeit vor Episode I, sowie vor und während The Clone Wars.












