Nach der Rückkehr der Jedi-Ritter kehrt nun auch Doktor Aphra zurück. Letzte Woche versorgte Panini die deutsche Leserschaft mit dem neuen Sammelband ihrer Abenteuer nach Episode VI und ihrem Werdegang in der noch jungen Neuen Republik.
Der Inhalt

Nicht allen Helden der Rebellion war es vergönnt, nach der Zerstörung des zweiten Todessterns und dem Sturz des Imperators, von dem man nie wieder etwas hören würde (hüstel), einen Job in der Regierungsverwaltung der Neuen Republik ergattern zu können. So manch einer oder eine musste mit dem weitermachen, was sie eben am besten konnte, was dann auch in der Neuen Republik die üblichen Komplikationen nach sich zog. Jedenfalls findet sich Aphra zu Beginn der Geschichte mal wieder vor einem Strafgericht wieder. Ein unerwartet mildes Urteil zu einer Bewährungsstrafe und einen heftigen Verstoß gegen die damit verbundenen Bewährungsauflagen später findet sich Aphra dann vor der Direktorin der Abteilung zur Nachverfolgung von Kunstgegenständen und Relikten wieder, die ihr ein unwiderstehliches Angebot macht. Unter strenger Aufsicht mitarbeiten oder einfahren.
Kurz: Auch in der Verwaltung der Neuen Republik weiß man, dass es oftmals besser ist, die größten Gangster in eigenen Diensten zu haben, als sie frei und auf eigene Rechnung unterwegs sein zu lassen. Und nach so vielen Jahren imperialer Zwangswirtschaft gibt es so einiges zu tun, auch im Bereich der Nachverfolgung bestimmter Artefakte. Damit Aphra bei ihren Aufträgen nicht allzu sehr über die Stränge schlägt, bekommt sie jeweils einen speziellen Aufpasser zur Seite gestellt. Erst Luke Skywalker, dann Han Solo, gefolgt von Chewie und schließlich DG78. Was kann da schon schiefgehen?
Die Umsetzung
Nachdem ihr Überleben nach Episode VI in der Die Schlacht von Jakku-Reihe schon angeteasert wurde, haben natürlich viele Comic-Fans sehnsüchtig auf ihre Rückkehr gewartet. Und zunächst wirkt die Grundgeschichte ja auch solide und vielversprechend. In etwas unfreiwilligen Diensten der Neuen Republik darf und soll sie das tun, was sie am besten kann, wenn auch am kurzen Zügel und unter Aufsicht des einen oder anderen Helden. Was aus Sicht einer Redaktion erst einmal wie ein bewährtes, sicheres Konzept wirkt, birgt jedoch einen Geburtsfehler, an dem auch Autorin Cherish Chen nicht viel ändern kann. Eine solche Konzeption bindet die Figur Aphra zwar stärker an die klassischen Helden und macht sie so vielleicht auch einigen Fans bekannt, die sie bislang ignoriert hatten, aber so etwas kann nicht auf Dauer funktionieren. Der Verschleiß an Helden ist einfach zu hoch, und was soll dann passieren, wenn man alle passenden Helden durchhat? Die Aphra-Reihen haben immer – trotz einer gewissen Nähe zu Darth Vader – von ihrer Eigenständigkeit und all den Figuren, die rund um Aphra entstanden sind, gelebt. Die bisherigen Tie-in-Versuche waren meist nur bedingt gelungen bis völlig missraten. Man kann eine so starke Figur wie Aphra einfach nicht zum Sidekick einer anderen Heldenfigur machen und umgekehrt auch nicht. Da sich Chen zudem für eine schnelle Folge kurzer Missionen ohne große Rahmenhandlung entschieden hat, war die Verschleißrate zu hoch, und die Geschichte entsprechend nach fünf Heften am Ende.
Aber es besteht noch Hoffnung, denn Aphra macht sich zum Ende der Geschichte ja wieder „selbständig“ und hat sich zumindest eine neue Figur an ihrer Seite geschaffen, auch wenn ich persönlich mit dieser noch nicht so warm geworden bin. Wir werden wohl einfach abwarten müssen, wann und wie es weitergeht. Marvel hat ja seine Produktionsrate im Star Wars-Bereich insgesamt stark reduziert, sodass es wohl eine Weile dauern wird, bis wir wieder Neues von ihr erfahren können.

Wie immer gibt es den Sammelband auch mit einem limitierten Hardcover.
Für das wilde Potpourri an Zeichnern gibt es noch immer keine ganz zufriedenstellende Erklärung. Die optische Metamorphose, die Aphra dabei insbesondere von Gabriel Guzman (Hefte 1-3) zu Kieran McKeown (Heft 4) durchmacht, ist schon bemerkenswert, wobei meiner Meinung nach Kieran McKeowns Umsetzung ihren Charakter noch am besten wiedergibt. Ansonsten gibt es bei keiner der Künstler-Kombinationen wirklich etwas zu meckern, denn auch Steven Cummings hat gute Zeichnungen gefertigt, auch wenn sie alle mit den menschlichen Köpfen, auch durch einige unvorteilhafte Perspektiven und etwas übermäßige Schattierungen, zu kämpfen haben.
Die Qualität der durchgängig sehr detaillierten Zeichnungen ist in allen fünf Heften gleichbleibend hoch. Ein Poster-Panel ist nicht dabei, was auch an der etwas gedrängten Komposition und Orchestrierung der Panels liegt. Michael Atiyeh sorgt mit der durchgängig stimmigen Kolorierung für etwas mehr Konstanz im Erscheinungsbild, und auch Joe Caramagna darf mal zeigen, was er kann, da bei gleich zwei Wookiees im Einsatz natürlich der Anteil der Laute höher ist als sonst.
Fazit
Eine solide Doktor-Aphra-Geschichte in der gewohnten, funktionell schnörkellosen Panini-Sammelband-Aufmachung. Nicht der beste Handlungsbogen dieser Figur, aber trotzdem schön, dass sie nicht vergessen wurde und wir uns wohl Hoffnungen auf eine neue Geschichte irgendwann und irgendwo machen dürfen.
Wir danken Panini für die Bereitstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars sowie des Gewinns unseres Preisrätsels.










