Rezension: Bekanntes auf neue Art in Die Zuflucht: Ein Bad-Batch-Roman – mit Gewinnspiel!

Im Mai 2024 wurden die Abenteuer von Kloneinheit 99 nach drei Staffeln auf Disney+ zu einem guten und runden Abschluss geführt. Doch schon ein Jahr später kehrte die Schaden-Charge für weitere Stories in der wunderbaren Welt der Star Wars-Literatur zurück, platziert zu früheren Punkten auf der Timeline.

2026 liegen uns diese Geschichten dank den übersetzenden Verlagen endlich auch auf Deutsch vor. Nach dem Comic The Bad Batch: Geisteragenten bei Panini zur Zeit der Klonkriege ist es vor allem Lamar Giles‘ Die Zuflucht: Ein Bad-Batch-Roman von Blanvalet, der mit neuen Abenteuern der ungewöhnlichen Klone mehr Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle ermöglichen könnte, als die Serie. Wie sehr macht der mehrfach für den Edgar Allan Poe Award Nominierte aus Virginia etwas aus seiner Möglichkeit? Und gelingt Hunter, Wrecker, Tech und Omega glaubhaft der Sprung aus einer familientauglichen Animationsserie auf die Seiten eines Erwachsenenromans?

Seit dem 22. Juli kann man sich in der deutschen Übersetzung von Andreas Kasprzak zurück auf die Marauder begeben und dem Interlude der Serienhandlung folgen, das genau zwischen zwei Folgen gegen Ende der zweiten Staffel stattfindet, „Pabu“ und „Der Wendepunkt“. Die englische Ausgabe erschien am 5. August 2025 und wurde kurz darauf von Ines rezensiert.

Das Bad-Batch-Team versucht, sich auf dem Planeten Pabu eine Basis aufzubauen. Doch es fehlt an Ressourcen. Da taucht die Glücksritterin Phee Genoa auf und überredet das Team zu einem waghalsigen Plan. Der erste Schritt ist der Diebstahl eines rätselhaften Artefakts. Doch noch bevor der Einsatz richtig beginnt, geht alles schief. Hunter, Wrecker, Tech und Omega müssen sich auf den Grundsatz zahlloser erfolgreicher Missionen besinnen, wenn sie überleben wollen: Sie müssen auf einander vertrauen. Aber auch auf Phee Genoa?

Klappentext

Vertrautes Terrain

Ausgerechnet dem Ensemble des The Clone Wars-Spin-Offs nach dessen Ende einen Roman für Erwachsene zu widmen, wenn die Figuren doch mehr an die Kampfklassen eines Shooterspiels erinnern, als an real wirkende und ausgearbeitete Charaktere, ist zunächst eine merkwürdige Entscheidung. Dann noch einen Autoren zu verpflichten, der bisher vor allem im Young-Adult-Bereich tätig war, macht die Entscheidung nur noch merkwürdiger. Jedoch gewähren diese Umstände gewisse Freiheiten, die Giles zur Gestaltung seiner zwei-Missionen-in-einer für das Bad Batch zu nutzen weiß.

Die Besatzung der Marauder muss nach der Serie nämlich nicht mehr vorgestellt werden. Nach ihrem vierteiligen TCW-Debüt folgte man der Crew und ihrem Umfeld ganze 47 Episoden. Die Klone, Phee Genoa, MEL-222 und auch die Ausgangssituation um den Planeten Pabu muss man niemandem erklären. Der Autor hat – trotz aller Stereotypen – ein reichhaltiges Fundament, auf dem er aufbaut. Er kann den freien Platz auf seinen Seiten nutzen, um die insgesamt vier weiteren, brandneuen Hauptfiguren mit genug Persönlichkeit und sehr interessanten Hintergründen auszustatten, damit man bei diesem zwischengeschobenen Abenteuer dranbleiben möchte. Das ist auch nötig, weil es durch den bekannten Fortgang der Serie für die Schaden-Charge natürlich nicht zu viel Konsequenz und Entwicklung geben darf. Bleibende Schäden gibt es natürlich trotz der ein oder anderen brandgefährlichen Situation auch keine für die Animationscharaktere. Dank der flott erzählten und in 46 kurz-knackige Kapitel geteilten Struktur fliegt man dafür schnell durch die kurzweilige Handlung.

Spagat 99

Weiter spricht für den Mehrwert des Romans als Ergänzung zur Serie die aktuelle Besetzung der Truppe zum gewählten chronologischen Zeitpunkt. Wie schon im Comic Geisteragenten ist es nämlich eine weitere Zusammensetzung, die man zum Großteil der Serie in der Form selten hatte und deren Dynamik man so weiter erkunden kann. Echo hat sich vor kurzem Rex und seinem Klonwiderstand angeschlossen, Omega ist ausnahmsweise gerade nicht entführt und der Roman gliedert sich kurz vor jenem dramatischen Staffelfinale ein, das tragische Veränderungen brachte. Im Kopf werden all diese Figuren wieder genauso lebendig, wie im Bewegtbild und die Schrödinger-Romanze, die einfach nicht vom Fleck kommt, zieht sich als herrliche Konstante durch die ganze Handlung, auch wenn sie dank der Ketten der Kontinuität natürlich auch keine nennenswerte Entwicklung machen darf – was allerdings genau ihr Punkt ist.

Dass man trotz des perfekt getroffenen Tons von Figuren und Abenteuern einer Serie für Jüngere auch als Erwachsener dranbleibt und dieser Spagat gelingt, ist vor allem der Verbindung mit den toll ausgearbeiteten Schurkenfiguren zu verdanken. Deren Motivationen und Vorgeschichte enthält nämlich genau die düsteren und brutaleren Elemente, die man aus anderen Star Wars-Romanen für ein älteres Publikum wiedererkennt. Die Welt der Spione und mordende Anhänger des Imperiums, was beides von Andor unvergleichlich auf die Bildschirme gebracht wurde, steckt auch hier drin und wird organisch in die animierte und buntere Welt eines Wrecker und einer Omega gebracht. Einem Kunststück gleich gibt es hier sogar Verbindungen zur militärischen bzw. medizinischen Vergangenheit der Figuren. Die Zuflucht wird zur Brücke der stilistischen Vielfalt des Star Wars-Kanons.

Truppen-Übersetzung

Abgesehen von ein paar Nebenschauplätzen und kleinen Gastauftritten einer bestimmten Figur, die den Andor-Vibe befeuert, bleibt die Geschichte sehr fokussiert auf sich selbst und sein überschaubares Ensemble, ohne erzwungene Verbindungen zu anderen Werken zu brauchen. Dafür steht sie selbst schon stark genug mit dem, was sie erzählt. Kurz vor dem Ende der 416 Seiten kommt es aber doch noch zu einem ganz bestimmten Cameo-Auftritt, den ich in ausgerechnet diesem Werk als Allerletztes erwartet hätte, da die Figur bisher nie in Werken rund um The Bad Batch referenziert wurde. Die Versuchung war bei Lamar Giles wohl in dieser Ära groß, sie in seinem ersten vollen Star Wars-Roman einmal schreiben zu dürfen, wie er das dann aber präsentiert, ist absolut famos und auf den Punkt.

Bei Blanvalets Übertragung in die deutsche Ausgabe fällt zunächst auf, dass der Klappentext etwas am Inhalt vorbei formuliert ist. Ja, die von Phee als kurz und unkompliziert bezeichneten Missionen gehen schnell schrecklich schief, aber Vertrauensprobleme zwischen den Klonen und der Piratin stehen hier nicht im Mittelpunkt. Bei Kasprzaks Übersetzung bemerkt man hingegen , dass mir beim Lesen nicht ein einziger kleiner Tipp- oder Flüchtigkeitsfehler ins Auge gesprungen wäre, nach zahllosen anderen deutschen Erstauflagen eine willkommene Seltenheit. Ob hier wohl auf neue oder neuartige Unterstützung seitens der Übersetzungsarbeit gesetzt wurde? Einzig stört man sich an der plötzlich männlichen Cid in zwei Erwähnungen, dem Kürzel „KT“ statt dem bisher auch im Deutschen benutzten „CT“ für die Klone und einem Thermo- (sic) statt Thermaldetonator im Finale. Apropos Finale: trotz toller Erzähllänge und weitgehend sehr gutem Pacing kommt das Ende auch in diesem Roman etwas abrupt und bietet nach dem tollen und dramatischen Aufbau eine zu schnelle und unbefriedigende Auflösung. Das Momentum in der großen Konfrontation wird von Giles leider um Handbreite verfehlt.

Fazit

Kann man an diesem Roman etwas aussetzen? Nicht viel, wenn man von der etwas limitierten Spannung bei Gefahren für die Seriencharaktere und dem ganz leicht stolpernden Ende absieht. Man hat es hier mit einem astreinen Star Wars-Roman zu tun, der sein Szenario kurzweilig und stringent durchzieht, ohne an allzu großen Ambitionen zu scheitern. Das originale Schurken-Duo, von dem es einer sogar zum gelegentlichen PoV-Charakter schafft und die Figuren, die den Weg mit der Schaden-Charge kreuzen, reichen mit ihrem ernsten Hintergrund als Fokus völlig aus, um eine tolle Geschichte zu liefern. Dazu kommen noch spannende Gespräche und das Innenleben der Crew, welche die Serie ergänzen, um starke 4,5 Holocrons zu verdienen. Ein rundum gelungenes Werk. Klare Leseempfehlung!

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

Wir danken Blanvalet für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Mehr Meinungen über den Roman findet ihr in der JediCast-Ausgabe Ausgelesen #90, in der sich Ines und Tobias über ihn ausgetauscht haben:


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