Marvel-Mittwoch: Rogue One: Cassian Andor #1

Damit die Marvel-Comic-Fans nicht völlig ausgehungert dahinvegetieren müssen, startet heute eine Mini-Reihe mit fünf One-Shots, die sich jeweils um einen der Charaktere des namensgebenden Films drehen.

Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Der Inhalt

Wir starten in das 10-jährige Jubiläum von Rogue One: A Star Wars Story mit einem One-Shot zu Cassian Andor, der unverschämterweise mit Bad Reputation – also Schlechter Ruf betitelt wird. Als ob Cassian wirklich einen so schlechten Ruf – naja okay irgendwie doch. Aber lassen wir den Titel mal so stehen. Worum geht es nun in dieser Geschichte? Ich gestehe, als ich die ersten Seiten gelesen habe, hatte ich schon ein bisschen Sorge, dass wir es mit einer ausgedehnteren Version der „Comic-zum-Film“-Variante zu tun hätten, nur eben mit einem Fokus auf Cassian. Diese Sorge wurde mir aber ebenso schnell wieder genommen. Der Comic setzt nahtlos and das Ende von der Live-Action Serie Andor an, überschneidet sich in ein, zwei Panelen sogar so stark, dass ein böser Mensch an Blaupause denken könnte. Dieses Bild wandelt sich aber sehr schnell, denn hier wird nicht einfach Rogue One nacherzählt, sondern clever noch ein bisschen Handlung hinzugefügt. Wer Andor gesehen hat, erinnert sich vielleicht noch daran, dass Cassian am Ende aufbricht, um den Informanten Tivik auf dem Ring von Kafrene zu treffen, was uns vor 10 Jahren in Rogue One präsentiert wurde. Allerdings vermisst das Imperium ja bereits einen gewissen Frachterpiloten namens Bodhi Rook. Auf der Suche nach diesem hat kein geringerer als Orson Krennic den Kriminellen Barger beauftragt, ausgerechnet um den Ring von Kafrene Ausschau nach dem entflohenen Piloten zu halten. Barger, der selbst im Fälschungsgeschäft tätig ist, erkennt dass Cassians U-Wing einen gefälschten Code ausweist und beschattet den Rebellen dann, bis dieser sich per Komlink mit Tivik kurzschließt, um einen Treffpunkt auszumachen. Mit dem Wissen um den Treffpunkt greift sich Barger Cassian und ein kurzer Kampf entbrennt, der nur durch K-2SOs Auftauchen zugunsten von Cassian ausgeht. Natürlich wird K-2 nicht müde Cassian darauf hinzuweisen, auch dass es eine schlechte Idee wäre, wenn K-2 auf dem Schiff warten solle. Dass dem armen Droiden aber auch nie jemand glaubt. Das bewahrheitet sich nur Sekunden später, als die beiden in eine imperiale Patrouille geraten und K-2 prompt den Trick anwendet, der auf Jedha in der erneuten Anwendung leider fehlschlagen wird. Doch die Sturmtruppen auf Kafrene lassen sich von dem Droiden einschüchtern und befolgen seine Befehle ohne zu Zögern. Das öffnet Cassian den Weg zu Tivik, während K-2 sich zurück zum Schiff aufmacht.

Die Umsetzung

Jubiläumsveröffentlichungen, gerade zu Filmen sind im Comic-Medium immer eine schwierige Angelegenheit. Während Romane genügend Seiten und durch das fehlende Visuelle eine größere Bandbreite bieten, um nicht nur einen Film nachzuerzählen, sind Comics häufig als gemischtes Medium mit viel weniger Seiten etwas eingeengter in der kreativen Entfaltung. Das passiert in diesem Oneshot allerdings in keinster Weise. Im Gegenteil, denn Benjamin Percy hat es geschafft, eine Momentaufnahme in eine so enge Zeitspanne einzubauen, die dem schnellen Pacing von Rogue One keinen Abbruch tut und gleichzeitig genügend Neues hinzufügt, um nicht langweilig zu werden. Man könnte jetzt zwar diskutieren, ob der Anfang des Comics mit der Live-Action Serie minimal clasht, beispielsweise mit Mon Mothmas Kleidung und dem Zeitraffer, das Bail Organas Gespräch mit Cassian ganz weglässt. Aber das wäre zum Einen pedantisch und zum Anderen macht es hier auch Sinn, nicht jede kleine Szene nochmal hineinzuquetschen auf ohnehin wenigen Seiten. Dafür aber sind die Dinge, die hinzugefügt werden, umso passender. Neben dem zusätzlichen Handlungsteil um Barger machen die Momente mit K-2 sehr viel Spaß, egal ob man sie als Fan-Service abtun möchte oder nicht. Ich hatte jedenfalls beim Lesen sofort wieder Cassians und K-2s Stimmen im Ohr, K-2s trockenen Sarkasmus und Cassians Ungeduld. Da nehme ich auch sehr gerne Wiederholungen hin, wie K-2s Beschwerde beim Schiff bleiben zu müssen oder die Finte Cassian als seinen Gefangenen auszugeben. Beides ist auch nicht unlogisch für sich, es zementiert dadurch auch, warum K-2 später auf Jedha genau die gleichen Muster wiederholt. Wenn das Täuschmanöver das erste Mal geklappt hat, warum nicht auch ein zweites Mal? Ich zumindest musste erstmal herzlich lachen, als ich hier diese Szene vor mir hatte.

Zu den Zeichnungen

An sich gefällt mir Luke Ross‘ Zeichenstil immer recht gut. Er schafft es die jeweilige Stimmung, insbesondere das beklemmende, abgeranzte und auch düstere Kafrene hier gut einzufangen. Auch die meisten Figuren kommen sehr gut weg, allen voran Tivik, der seinem echten Vorbild wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Allein bei Cassian funktioniert meine Gesichterkennung nur sehr mäßig, auf vielen Panels wirkt er geradezu komisch unförmig. Von daher bin ich grade weil der Comic eben einen Fokus auf den Charakter legt hier auch mal etwas pedantischer mit den Zeichnungen und muss ein paar Abzüge in der B-Note geben.

Fazit

Auch wenn mir der Comic vom Zeichenstil was Cassian selbst angeht nicht so recht zusagt, hat er mit den übrigen Eindrücken und vor allem inhaltlich auf jeden Fall abgeholt. Die zusätzliche Handlung ist für sich nichts Weltbewegendes, aber sie ist unterhaltsam und so klug eingebunden worden, sodass ich am Liebsten gleich nochmal Andor und Rogue One schauen möchte.


Auf den nächsten Teil der Reihe, Rogue One: Jyn Erso #1 müssen wir noch bis zum 3. Juni warten, aber am nächsten Mittwoch geht es mit Shadow of Maul #3 weiter.

Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorabexemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

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