Rezension: The High Republic: Quest for the Hidden City von George Mann

Nachdem wir im Oktober schon den YA-Roman Path of Deceit lesen konnten, erschien am 1. November nun auch der erste Jugendroman von Phase II der Hohen Republik: Quest for the Hidden City. Wie alle Werke der zweiten Phase, spielt auch dieser 150 Jahre vor Phase I. Autor George Mann ist in Star Wars seither hauptsächlich durch seine beliebten Legenden-Sammlungen Myths & Fables, Dark Legends und Life Day Treasury bekannt, war aber auch schon als Autor der Star Wars Adventures-Comics aktiv und schrieb zwei Bilderbuch-Adaptionen für The High Republic. Wie schlägt er sich nun mit seinem ersten eigenständigen Star Wars-Roman?

Inhalt

Quest for the Hidden City beginnt mit einem kryptischen Hilferuf eines Pathfinder-Teams, das bei seiner Aufklärungsarbeit am Rande der Republik verschollen ist. Die Jedi-Ritterin Silandra Sho und ihre Padawan-Schülerin Rooper Nitani gehen diesem Notruf gemeinsam mit ihrem eigenen Team nach und gelangen auf den Planeten Aubadas, wo die Spezies der Katikoot unter einer akuten Energiekrise leidet. Sie sind abhängig vom Abbau von Mineralien auf dem düsteren und verwüstete Zwillingsplaneten Gloam, wo sich jedoch in letzter Zeit mysteriöse Todesfälle ereignet haben sollen und wo auch das verschollene Pathfinder-Team zuletzt gesehen wurde. Lokale Legenden sprechen von Monstern, die in den Minen lauern…

Myths & Fables Reloaded

Interessant und auffällig fand ich direkt, dass George Mann auch hier seinem Thema „Legenden“ treu bleibt, das er ja nun schon in drei Büchern behandelt hat. Auch in Quest for the Hidden City spielt eine mythische Erzählung und deren möglicher Wahrheitsgehalt eine zentrale Rolle. Der Autor schafft es gewohnt gut, eine – natürlich für die Altersgruppe angemessene – gruselige Stimmung zu erzeugen. Die Monster werden nicht nur äußerlich schauerlich beschrieben, sondern haben auch eine spannende Hintergrundgeschichte, aus der man auch eine moralische Lehre ziehen kann. Bei mir wurden jedenfalls direkt positive Erinnerungen an Myths & Fables und Co wach.

Energiewende bei den Katikoot

Auch das Worldbuilding des Romans überzeugt. Mit den Katikoot lernen wir eine interessante neue Spezies kennen, die auf Aubadas eine architektonisch beeindruckende unterirdische Stadt angelegt hat. Auf diesem Planeten wächst und gedeiht alles, während der Zwillingsplanet Gloam aufgrund seiner Bodenschätze seit Jahrhunderten ausgebeutet wird und der ökologische Kollaps der Welt mittlerweile kaum mehr abwendbar ist. Der Kontrast zwischen den beiden Welten könnte größer nicht sein. Auch wenn die Botschaft für eine Energiewende etwas sehr offensichtlich ist, mag ich es doch immer wieder gern, wenn sich Probleme der realen Welt auch in abgewandelter Form in Star Wars widerspiegeln. Und in einem Jugendroman ist es dann auch mal in Ordnung, wenn das Problem letztlich schnell gelöst wird, indem die Republik ein paar Solaranlagen vorbeibringt. Wenn es doch immer so einfach wäre!

Fehlende innere Konflikte

Der Schwachpunkt des Romans liegt eindeutig bei seinen Figuren. Silandra Sho und Rooper Nitani sind an sich erst einmal sympathische Figuren. Silandra trägt außer ihrem Lichtschwert noch ein Schild, welches gleichzeitig auch ihre Lebenseinstellung als Jedi verkörpert: Sie möchte ein Schild sein für diejenigen, die sie verteidigt. Rooper, ihre Schülerin hat dagegen ihre eigene Art, die Macht wahrzunehmen, wie wir es schon bei einigen Jedi aus Phase I gesehen haben: Sie nimmt Präsenzen in der Macht als unterschiedliche Farben wahr. All das klingt interessant, allerdings brauchen wirklich ausgearbeitete Figuren auch Schwächen und Konflikte und hieran mangelt es in diesem Roman. Es wird zwar einmal angesprochen, dass Silandra in der Vergangenheit einen Padawan verloren hat oder dass Rooper daran zweifelt, ob sie alles richtig macht. All das bleibt aber zu schwammig und hat auch keine wirklichen Konsequenzen für die Handlung.

Farblose Nebenfiguren

Ähnlich ist es auch bei dem Prospector Spence und seinem Sohn Dass, die auf Gloam gestrandet sind und sich später mit dem Jedi-Pathfinder-Team zusammentun. Auch die beiden kommen durchgängig gut miteinander aus und kämpfen nur gemeinsam gegen Bedrohungen von außen. Auch die Nebenfiguren, die die Jedi nach Aubadas bzw. Gloam begleiten, bleiben leider ziemlich blass. Selbst der Antagonist der Geschichte ist recht wenig komplex: Er wird schlicht von der Aussicht auf viel Geld zu seinen Schandtaten motiviert. Was die Figuren angeht, wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen.

Spannung und Action

Das mysteriöse Verschwinden des Jedi-Pathfinder-Teams verbunden mit den gruseligen Legenden bietet genügend Spannung, um den Roman zu tragen, bis sich das Rätsel dann am Ende auflöst und in ein dynamisches Action-Finale mündet. Allerdings muss ich sagen, dass ich durch die häufigen Perspektivwechsel, die uns neben den Jedi auch immer wieder Dass und Spence oder die Ingenieure oder den Arzt der Gruppe zeigen, die Puzzleteile schneller zusammensetzen konnte als die Charaktere das konnten, was etwas die Spannung herausgenommen hat. Bei der Zielgruppe der Acht- bis Zwölfjährigen mag das aber vielleicht weniger ein Problem sein.

Fazit

Insgesamt liefert George Mann mit Quest for the Hidden City einen soliden Jugendroman ab, der neben Spannung und Action auch eine Prise gruseliger Legenden enthält, für die der Autor bekannt ist. Leider bleiben die Figuren jedoch etwas zu wenig ausgearbeitet. Hier wurde die Chance vergeben, neben einer spannenden äußeren Handlung auch einen inneren Konflikt und dessen Lösung zu erzählen, was für mich den Roman etwas unvollkommen wirken lässt. Daher vergebe ich drei von fünf Holocrons.

Der Rezensent vergibt 3 von 5 Holocrons!
Der Rezensent vergibt 3 von 5 Holocrons!
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5 Kommentare

  1. Dies ist nun das erste Buch aus der zweiten Phase, das ich habe. Auf Path of Deceit warte ich leider noch. (Versuche Amazon zu meiden.) Daher habe ich zwei Fragen:
    Kann ich Quest for the Hidden City vor Path of Deceit lesen, oder ist andersherum besser?
    Welche Möglichkeit gibt es noch zeitnaher an die englischen Bücher zu kommen? Habt ihr da Tipps, wenn man amazon eher ungern nutzt?
    Beste Grüße

    1. Mein Exemplar von „Path of Deceit“ ist auch noch nicht angekommen (bei Amazon bestellt). Generell ist es immer ein Glücksspiel mit den gedruckten Exemplaren, wann diese ankommen und bei welchem Anbieter es am schnellsten geht. Bei „The Art of the High Republic“ hatten wir jetzt bei buecher.de Glück, die haben das noch vor Erscheinen rausgesendet, sodass wir es diese Woche schon bekommen haben. Ich denke, dass ich es zukünftig öfter mal dort versuchen werde. Aber wenn du Bücher wirklich sicher zeitnah zum Erscheinen lesen willst, geht das eigentlich nur mit E-Books.

      Ob du „Path of Deceit“ oder „Quest for the hidden City“ zuerst liest, macht eigentlich wenig Unterschied. Die Bücher haben ein komplett unterschiedliches Figurenensemble und spielen an verschiedenen Orten. Lediglich ein Charakter aus „Path“ tritt mal in Erzählungen in „Quest“ auf, aber ich würde nicht sagen, dass dadurch großartig etwas gespoilert wird. Also leg einfach mal mit „Quest“ los!

      1. Bei PoD und QftHC hab ich auf Amazon storniert und nochmal bestellt und dann kam es am nächsten Tag… deren System ist irgendwie inzwischen diskriminierend gegenüber Vorbestellungen. Richtig ärgerlich.

  2. Bisher sind ja alle High Republic Bücher auch als englische Hörbücher erschienen. Quest for the Hidden City bisher leider nicht. Wisst ihr da Genaueres? Verzögert es sich nur oder gibt es dieses Mal kein Hörbuch? Wie sieht es für zukünftige Jugendromane aus?
    Vielen Dank und viele Grüße!

    1. Jen Heddle meinte am 16.11., dass eines in Arbeit sei und es sich nur verzögert, es aber noch im November erscheinen solle. Warten wir mal ab, wann es dann verfügbar ist… der Monat ist ja nicht mehr lang. Die Lesung stammt von Subhadra Newton. Sobald wir es in Katalogen sehen, werden wir es auch in unserer Datenbank anlegen.

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