Rezension: Star Wars, Band 3: Krieg der Kopfgeldjäger – Rettet Han Solo

Mit dem Sonderband Rettet Han Solo stieß im Januar auch die Star Wars-Reihe zum Mega-Event Krieg der Kopfgeldjäger! In Star Wars #77 gab es bereits ein Aufeinandertreffen von Leia, Lando und Chewbacca mit dem Kopfgeldjäger Boba Fett, aber in diesem Sonderband, der die sechs US-Einzelheftveröffentlichungen Star Wars #13 – 18: War of the Bounty Hunters beinhaltet, erfahren wir nun, wie es dazu gekommen ist und darüber hinaus natürlich auch, wie es zwischen Luke und Darth Vader weitergeht.

Die Einzelcomics, welche in diesem Band zusammengefasst wurden, stammen alle von Autor Charles Soule. Sämtliche Zeichnungen stammen von Ramon Rosanas und wurden von Rachelle Rosenberg koloriert. Übersetzt wurde der Comic von Matthias Wieland.

Der Sonderband erschien wie gewohnt sowohl in der Softcover-Ausgabe, als auch in der limitierten Hardcover-Variante:

Folgende Inhaltsangabe liefert Panini zum Sonderband:

Chewbacca hat von einem alten Freund Informationen über den Aufenthaltsort des berüchtigten Kopfgeldjägers Boba Fett erhalten, der den in Karbonit eingefrorenen Han Solo bei sich hat. Gemeinsam mit Luke Skywalker, macht sich der treue Wookiee auf zum Schmugglermond Nar Shadaa, um seinen Freund zu retten. Allerdings könnte diese Mission den tapferen Droiden R2-D2 davon abhalten, Luke eine wichtige Nachricht zu überbringen – eine Nachricht, die das Schicksal der Jedi beeinflussen wird!

Mit freundlicher Genehmigung von Panini haben wir auch 12 Vorschauseiten aus dem Sonderband für euch:

Mit der Lesereihenfolge der Comics bin ich hier der in unserem Guide zum Event empfohlenen gefolgt, sprich: Ich habe nach Star Wars #77 nicht direkt mit #78 weitergemacht, sondern eben den Star Wars-Sonderband eingeschoben. Das macht auch insofern Sinn, dass sich am Ende von #77 Luke Skywalker zu den Figuren dazugesellt. Es war nun also an der Zeit in diese Richtung mehr in Erfahrung zu bringen. Und die in Rettet Han Solo zusammengefassten Einzelcomics von Charles Soule machen dahingehend auch einen super Job. Wie nicht anders zu erwarten, knüpft die Handlung an die eigentliche der Star Wars-Reihe an und setzt Star Wars, Band 2: Operation Starlight fort. Wir erinnern uns kurz zusammen: Nach der Flucht von Hoth ist die Flotte der Rebellen zerstreut und die Kommunikation wird vom Imperium mitgehört und verfolgt. Mit Hilfe von Lobot soll eine alte, längst ausgestorbene Sprache zur Verschlüsselung und Wiederherstellung der Kommunikation zwischen den verschiedenen Flottenverbänden verwendet werden.

Die Handlung, oder sollte ich eher sagen die Handlungen des Comics, haben mich stellenweise verwirrt. Es war teils schwierig, gar unmöglich, dem roten Faden zu folgen. Am Ende hat man das Gefühl, man hat halt wahllos Comics zusammengepackt, braucht nun aber nochmal so viele, um die hier vorhanden auch nur annähernd zu verstehen. Fangen wir mal bei Luke Skywalker an. Der taucht schließlich am Ende von Star Wars #77 aus dem Nichts in seinem X-Wing auf. Zu Beginn des Sonderbands ist Luke dabei, seinen Umgang mit dem Lichtschwert zu trainieren (siehe Vorschauseiten), bis er von C-3PO unterbrochen wird. Dieser teilt ihm mit, dass R2-D2 eine wichtige Mitteilung für Meister Luke hat, doch dann überschlagen sich die Ereignisse und es dauert etwas, bis sich R2 wieder zu Wort meldet – und ich als Leser denke mir die ganze Zeit „Was ist es, was R2 seinem Meister sagen will?!“ Diese „wichtige Mitteilung“ entpuppt sich dann als Liste potentiell wichtiger Orte für die Jedi, die R2-D2 aus dem Tempel von Elphrona hat (aus dem Luke auch sein aktuelles Lichtschwert mit der gelben Klinge hat und in dem Jahrzehnte später Luke zusammen mit Ben Solo auf die Ritter von Ren treffen wird).

Nachdem mit Qi’ra als Anführerin von Crimson Dawn bereits etwas aus Solo: A Star Wars Story von der Leinwand in den Post-Episode V-Kanon übernommen wurde, wird dieser Trend des Events mit dem Wookiee Sagwa hier fortgesetzt. Zuletzt sahen wir den Wookiee mit dem kahlen Gesicht in den Mienen von Kessel, wo Chewbacca ihm und seinen Freunden hilft, aus der Sklaverei der Pykes zu entkommen. Nun erfahren wir also, dass er es geschafft hat, der Tyrannei des Imperiums auf Nar Shadda zu trotzen. Dorthin reisen nämlich Chewie, Luke und Lando, um Informationen über den Verbleib von dem in Karbonit eingefrorenen Han Solo zu erfahren. Damit kehren sie an den Ort zurück, an dem Boba Fett seine Beute verloren ging – und da sie sich nach Boba erkundigen, bekommen sie es mit den Kanji zu tun. Ich hatte es bei der Rezension zum Auftakt des Events nicht erwähnt, aber die Kanji als rivalisierende Gang einzubauen, ist natürlich sehr clever in Anbetracht der Reiberein, die Solo über 30 Jahre später mit dem Kanji-Club in Episode VII: Das Erwachen der Macht hat.

Das waren im groben auch schon die kleinen Highlights, welche der Sonderband zu bieten hat. Des Weiteren muss ich allerdings eingesetehen, lässt einen der Comic oft ratlos nochmal vor und zurück blättern. Was ist das Problem? Das Event selbst! Auf einer Seite wird eine Handlung eingeläutet, Spannung wird aufgebaut und blättert man um, ist alles schon geschehen, die eigentliche Handlung also übersprungen. Und aus dem, was man dann liest muss man sich selbst rekonstruieren, was genau geschehen ist. Das liegt natürlich daran, dass die Teile der Handlung, die hier ausgelassen wurden, schlicht in einer anderen Comic-Reihe abgelaufen sind. Aber hier zeigt sich ganz deutlich, dass das Konzept des Sonderbandes bei einem Event nicht funktioniert – es dafür auch gar nicht ausgelegt ist. Das ganze Event an sich sollte in chronologischer Reihenfolge in einen Band gepackt werden, bzw. in mehrere selbstverständlich. Denn im selben Atemzug, in dem Handlungsteile fehlen, wird natürlich der weitere Verlauf „gespoilert“. Ich habe das Wort bewusst in Anführungszeichen gesetzt, da mir durch Episode VI natürlich der Ausgang des ganzen Events bewusst ist; ich kann also gar nicht wirklich gespoilert werden. Aber ich weiß jetzt schon Dinge, die mir erst in Star Wars #78 und den folgenden Heften vorgesetzt werden sollten.

Auf die Zeichnungen reduziert, macht der Comic durchaus Spaß, da bewegt er sich auf hohem Niveau, was die Inszenierung von Action und Dynamik angeht. Der Comic spielt auch nicht monoton in einem Raum. Im Gegenteil, gefühlt auf jeder Seite gibt es einen Ortwechsel und jeder ist für sich gut zu identifizieren. Daher an dieser Stelle mal wieder ein Lob an Ramon Rosanas für die grandiosen Zeichnungen und an Rachelle Rosenberg für die Kolorierung. Und wüsste ich es nicht besser, würde ich mich fragen was den Autor Charles Soule denn geritten hat, solch eine lückenhafte Story abzuliefern. Aber ich weiß es ja besser, die Story ist an und für sich gut. Das Vermurksen hat ganz allein Panini zu verantworten. Der deutsche Leser wird so wenig Spaß mit dem Event haben. Es sei denn, man wartet erst ab, bis alle Comic-Magazine und Sonderbände veröffentlicht sind, und macht sich dann die Mühe, die einzelnen Comics in chronologischer Reihenfolge zu lesen. Dies bedeutet natürlich, ab und an einen Sonderband mittendrin wegzulegen, zu einem Comic-Heft zu greifen, dann wieder zu einem anderen Sonderband und dann wieder zurück – klingt nach viel Aufwand, aber dafür erhält man dann auch die Geschichte, wie sie sich der Autor gedacht hat!

Fazit

Der Sonderband Rettet Han Solo lässt einen nach dem Lesen etwas verwirrt zurück, wenn man ihn inmitten des Krieg der Kopfgeldjäger-Events in der Reihenfolge liest, wie ihn der deutsche Verlag auf den Markt gebracht hat. Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, ich hätte nicht auf die von uns empfohlene Lesereihenfolge gehört, d.h. erst die Heftreihe zum Event durchgemacht und dann im Anschluss die Sonderbände. So habe ich mir jetzt nämlich bereits vieles vorweggenommen, was noch kommen wird. Unter diesen Umständen bekommt der Sonderband gerade noch drei der fünf Holocrons von mir.

Der Rezensent vergibt 3 von 5 Holocrons!
Der Rezensent vergibt 3 von 5 Holocrons!

Wir bedanken uns bei Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

3 Kommentare

  1. @ Julian
    Du schreibst “ Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, ich hätte nicht auf die von uns empfohlene Lesereihenfolge gehört, d.h. erst die Heftreihe zum Event durchgemacht und dann im Anschluss die Sonderbände. “
    Ich verstehe eure empfohlene Lesereihenfolge aber genau anders, nämlich so wie auf der Liste unter dem Link.

    1. Korrekter Einwand! 🙂 Da war ich beim Schreiben anscheinend völlig verwirrt. Du hast natürlich recht, nach unserer empfohlenen Lesereihenfolge hätte ich SW#78 noch vor dem Sonderband lesen müssen. Da war ich im Kopf schon eins weiter…

  2. Ich hatte die Reihe damals in der amerikanischen VÖ reihenfolge gelesen und rezensiert. Also zusammen mit den anderen Reihen des Events. Deine angesprochene Kritik war auch damals valide und die „richtige Reihenfolge“ macht den Comic erhlich gesagt nicht weniger wirr 😐

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