Rezension: The High Republic: A Test of Courage von Justina Ireland

Neben Light of the Jedi erscheint zum morgigen US-Start von Star Wars: The High Republic auch der Jugendroman A Test of Courage von Justina Ireland bei Disney-Lucasfilm Press. Dieser erzählt eine Nebenepisode, die während der größeren Ereignisse von Light of the Jedi spielt, und wird bereits im März bei Panini als Die Mutprobe auf Deutsch erscheinen. Das Buch enthält auch handlungsbegleitende Illustrationen von Coverzeichner Petur Antonnson. Da der Roman Teil des Presse-Previewpakets zur Hohen Republik war, kann ich euch heute bereits weitgehend spoilerfrei meine Eindrücke liefern und euch verraten, warum ich das Buch für den besten Jugendroman seit Jahren halte.

Die Handlung von A Test of Courage ist relativ simpel. Eine Delegation der Republik trifft sich mit Vertretern von Randwelten, die noch nicht der galaktischen Regierung beigetreten sind, und macht sich an Bord eines Diplomatenschiffs auf den Weg zur Einweihung der Raumstation Starlight Beacon. Mit an Bord ist auch eine illustre Gruppe junger Charaktere – die frisch gebackene Jedi-Ritterin Vernestra Rwoh (ein wahres Wunderkind und mit 16 die jüngste Ritterin seit Generationen), der Jedi-Padawan Imri Cantaros (da sein Meister Douglas Sunvale die Jedi an Bord vertritt), die junge Erfinderin und Senatorentochter Avon Starros (ebenfalls ein Wunderkind mit wissenschaftlichem Interesse an der Macht, und eine Vorfahrin von Sana) mit ihrem Babysitter-Droiden und der junge Honesty, Sohn eines Botschafters einer Welt, die über den Beitritt in die Republik nachdenkt.

Zurück zur Handlung – infolge der Hyperraumkatastrophe aus Light of the Jedi und durch gekonnte Nihil-Sabotage stranden die genannten jungen Figuren einsam und allein auf einer Dschungelwelt, auf der einige Gefahren lauern, und ein Kampf ums Überleben beginnt. Denn: die Gestrandeten sind nicht allein… So weit, so typisch für das Genre.

Zwar mag die Handlung erst einmal schlicht wirken, aber bei diesem Buch steckt einiges unter der Haube in puncto Charakterarbeit, Worldbuilding und Machtphilosophie. Zunächst einmal gibt es eine Sache, die all die jugendlichen Hauptfiguren eint: persönliches Trauma. Sei dies der tragische Verlust von Vaterfiguren, die gigantischen Erwartungen eines galaktischen Mönchordens oder gar ein tragisches frühkindliches Trauma, das nie aufgearbeitet wurde – diese Jugendlichen haben einiges zu bewältigen und wie es in Erzählungen dieser Art üblich ist spiegelt sich diese Dunkelheit in einer bedrohlichen Wildnis. Durch den saure Regen, die fremdartige Flora und Fauna des Dschungels sowie finstere Höhlen und das stürmische Wetter fungiert die Natur als die äußere Kehrseite der inneren Konflikte der Protagonisten.

Wer gestern meine Rezension zu Light of the Jedi gelesen hat, weiß, dass dort sehr viel rasante Action stattfindet und dort die galaxisverändernden Ereignisse erzählt werden. In A Test of Courage wagt das Luminous-Team einen Schritt zurück und lässt Justina Ireland eine Charaktergeschichte erzählen, die Konzepte aus Light vertieft und auch einen Dialog über den Willen der Macht anstößt und auch vor Themen wie Kolonialismus im Angesicht der republikanischen Expansion nicht zurückschreckt.

Vernestra ist hier eine sehr faszinierende Figur, da sie von Natur aus sehr im Einklang mit der Macht ist, unter den Jedi als große Hoffnung für die Zukunft des Ordens gilt und oft aus der Macht Eingebungen bekommt, die sie selbst aber nicht immer versteht. So hat ihr die Macht beispielsweise eingeflüstert, sich eine Waffe zu bauen, die man sonst eher mit Sith oder Nachtschwestern assoziieren würde – und Vern hat dies natürlich auch getan, auch wenn sie insgeheim fürchtet, was die anderen Jedi von ihr denken werden, wenn dies publik wird. Von allen Figuren ist sie die in sich gefestigste und zugleich auch die älteste, was ihr gegenüber der restlichen Gruppe eine Vorbildfunktion abverlangt, die sie gar nicht haben möchte. Diese Art von Figur bietet auch für ältere Leser viel Identifikationspotenzial, was den Jugendroman auch über seine unmittelbare Zielgruppe hinaus interessant macht.

Vern werden dabei die anderen Figuren als Kontraste und Reibungspunkte gegenübergestellt. Die impulsive Avon ist versessen darauf, die Macht wissenschaftlich zu analysieren und zu verstehen und trifft dabei bisweilen – typisch für ein neugieriges, geradezu vorlautes Kind – zweifelhafte Entscheidungen, wenn beispielsweise Kyber-Kristalle unbeaufsichtigt sind. Imri zweifelt sehr an seiner Eignung als Jedi und beneidet Vern, und wo Zweifel und Neid sind, da ist auch die dunkle Seite nicht fern. Sowohl Imri und Honesty drängt es nach ihren Verlusten auch nach Rache. In diesem Buch gibt es sehr viel Schmerz und dadurch wirkt A Test of Courage auf mich als Leser sehr erwachsen und erinnert mich eher an die Diener des Imperiums-Reihe als an z.B. den eher seichten Spark of the Resistance (ebenfalls von Ireland). Man merkt, dass Ireland hier – anders als bei Spark – viel Freiheit hatte, ihre Charaktere auszuarbeiten und auf die Probe zu stellen, was generell eine Stärke des von Filmen unabhängigen Projekts The High Republic ist.

Bei all dieser Introspektive darf aber auch die Action nicht zu kurz kommen, und bedenkt man das eingangs beschriebene Setting, so braucht man hier keine Angst zu haben. Zwischen der Wildnis und den Nihil und den internen Querelen ihrer kleinen Gruppe haben Vern und Co. nämlich alle Hände voll zu tun und gerade der Höhepunkt der Handlung ist ziemlich explosiv. Justina Ireland ist es gelungen, äußere und innere Handlungen am Ende miteinander kollidieren zu lassen und wenn sich dies dann in einem dramatischen Finale entlädt, ist das einfach nur noch erstklassige Star Wars-Unterhaltung!

Dennoch bleibt A Test of Courage vor allem ein Charakterbuch, das mehrere Figuren – u.a. eben Vernestra, über die mehrfach gesagt wurde, dass sie im weiteren Verlauf des Projekts eine große Rolle spielen würde – in Stellung bringt für zukünftige Abenteuer. Ireland zeigt dabei größten Respekt für ihre Leser, denn für einen Jugendroman ist A Test of Courage ziemlich düster geraten und scheut nicht vor härteren und vielschichtigeren Themen zurück. Wer tiefer in die Gedankenwelt der Jedi und Bürger der Hohen Republik eintauchen und neue Perspektiven auf die Macht und die Galaxis kennenlernen möchte, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen. Nach Light of the Jedi ist dies definitiv mein persönlicher Lieblingstitel aus der Launch-Welle, und da sind die im Februar erscheinenden Into the Dark und The High Republic Adventures bereits mit einberechnet.

Ich bin in jedem Fall gespannt, wie es mit den ungleichen Quasi-Schwestern Vern und Avon weitergeht, und nun vor allem auch wie das Buch bei euch abschneiden wird!

Herzlichen Dank an Disney Books für die frühzeitige Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

5 Kommentare

  1. So ich habe das Buch jetzt auch durch. Nachdem ich ewig auf meine Lieferung warten musste, kam es bei mir an, als ich schon fast keine Lust mehr darauf hatte. Aber die Gesichte so simpel wie sie ist, bietet doch eine schöne und unterhaltsame Gruppe von Jugendlichen und es macht Spaß deren Abenteuer mitzuverfolgen. Und natürlich will man am Ende wissen, wie es nun mit den einzelnen Charakteren weiter geht. Eine Stärke die auch schon LotJ hatte. Die High Republic bietet mir zumindest genügend interessante Figuren deren weitere Entwicklung ich gerne weiter verfolgen möchte. 🙂

  2. Auch wenn dieses Jugendbuch weniger Relevanz für die High Republic zu haben scheint als „Into the Dark“ fand ich es sehr angenehm zu lesen. Die Geschichte selbst war so naja, aber die Charaktere waren ganz interessant. Der einzige „Och Nee-„Moment, war der Felstreffer an Nihil-Raumschiff.

    Ich denke, wir werden sie alle noch mal wieder wiedersehen.

  3. Ich fand das Buch das schwächste der bisherigen Veröffentlichungen aus der HR Reihe. Die Charaktere waren (teilweise) ganz interessant ja, aber auch für einen Jugendroman fand ich die Geschichte doch eher langweilig. Der erste Teil war noch ok, aber spätestens mit der Landung auf dem Mond war es dann vorbei und ich musste doch mehrmals den Kopf schütteln. Stichwort fliegende Blätter über den Köpfen oder Felsbrocken in Raumschiff. Bin froh, dass ich den Roman als letztes von den bisherigen Veröffentlichungen gelesen habe.

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