Ines’ Rezension: The High Republic: Light of the Jedi von Charles Soule

Die Jedi sind endlich zurück! – Man mag es fast nicht glauben, aber seit dem Start des Kanons im Jahr 2014 hat es nur wenige Star Wars-Romane gegeben, in denen Jedi im Mittelpunkt standen. Das ändert sich jetzt, denn in Charles Soules Light of the Jedi erleben wir die intergalaktischen Friedenshüter in ihrer vollen Pracht und Blüte! Der Roman, welcher den Auftakt der neuen Ära der Hohen Republik bildet, sollte ursprünglich schon im Sommer 2020 bei Del Rey UK erscheinen, wurde dann aber wegen der Corona-Pandemie auf den Januar 2021 verschoben. Und was soll ich sagen? – Noch nie hat sich das Warten auf einen Star Wars-Roman so sehr gelohnt!

Die Handlung von Light of the Jedi, welche ungefähr 200 Jahre vor Episode I spielt, beginnt, wie wahrscheinlich mittlerweile schon den meisten Leserinnen und Lesern bekannt sein dürfte, mit einer Hyperraum-Katastrophe. Hierbei wird ein Schiff voller Siedler auf dem Weg zum Äußeren Rand unter mysteriösen Umständen im Hyperraum zerstört. Die Trümmerteile treten daraufhin an verschiedensten Stellen in der Galaxis mit extrem hoher Geschwindigkeit wieder in den Normalraum ein und drohen, besiedelte Planeten und Monde zu zerstören und Millionen Todesopfer zu fordern. Das ist natürlich ein Fall für die Jedi, die sofort zur Hilfe eilen und mit vereinten Kräften versuchen, so viele Leben wie möglich zu retten. Hierbei tut sich vor allem Meisterin Avar Kriss hervor, deren spezielles Machttalent es ist, die Präsenzen ihrer Jedi-Kollegen mit der Macht so zu verknüpfen, dass sie noch effektiver zusammenarbeiten und ihre Kräfte bündeln können. Nachdem die erste Gefahr gebannt ist, richtet sich der Blick der Republik unter Kanzlerin Lina Soh auf die Verursacher der Hyperraum-Katastrophe, die schnell gefunden sind: die Nihil, eine skrupellose Piratenbande, die nur auf ihren Profit aus ist. Sie scheinen den Hyperraum auf eine unbekannte und gefährliche Art und Weise nutzen zu können und stellen damit eine Bedrohung für die Republik dar, die gerade dabei ist, immer weiter Richtung Äußerer Rand zu expandieren. Doch die Nihil sind nicht nur eine einfache Piratenbande: Im Verborgenen arbeitet der intrigante Marchion Ro – genannt „das Auge“, weil er den Nihil die geheimen „Pfade“ durch den Hyperraum zur Verfügung stellt – an einem langfristigen Plan gegen die Republik und die Jedi…

Hohes Tempo, viel Spannung

Mit Light of the Jedi beginnt das Projekt The High Republic mit einem Paukenschlag. Endlich steht in einem Star Wars-Roman mal wieder nichts Geringeres als das Überleben ganzer Planeten auf dem Spiel! Charles Soule schafft es, vom ersten Kapitel an direkt eine so große Spannung aufzubauen, dass man das Buch kaum weglegen möchte. Die erste Hälfte des Romans, die sich komplett der Hyperraum-Katastrophe widmet, ist von einem hohen Tempo geprägt, was natürlich auch perfekt zu der Situation passt, die beschrieben wird: Wenn über einem Planeten Trümmerteile auftauchen, die in wenigen Minuten einschlagen und alles zerstören werden, ist wenig Zeit für langatmige Diskussionen. Nachdem man dann komplett ins Geschehen eingesogen wurde, werden in der zweiten, etwas ruhigeren Hälfte, dann weitestgehend die Hintergründe der Katastrophe aufgeklärt – natürlich nicht ohne einige Fragen für kommende Werke offen zu lassen oder neue Herausforderungen zu schaffen. Als Einstieg in die neue Epoche der Hohen Republik funktioniert der Roman auf jeden Fall perfekt. Ich kann es kaum erwarten, mehr aus dieser Zeit zu lesen!

Großartige Charakterarbeit

Das für mich persönlich Beeindruckendste an dem Roman ist jedoch nicht sein Spannungsaufbau, sondern wie Charles Soule mit unglaublich großen Ensemble an komplett neuen Figuren jongliert, sodass man als Leser trotzdem nie den Überblick oder das Interesse verliert. Soule stellt uns weit über zwanzig verschiedenste Figuren vor, die alle auf ihre unterschiedlichste Art und Weise faszinierend sind. Im Jedi-Orden haben wir zum Beispiel den Twi’lek Loden Greatstorm, der seinen Padawan Bell Zettifar gern mal mitten in einer gefährlichen Situation auf die Prüfung stellt oder ihn einfach mal zum Training von einer Klippe schubst. Oder auch Avar Kriss und Elzar Mann, das ungleiche Duo mit einer gewissen romantischen Chemie: Avar nimmt hier den Part der vernünftigen und vorbildlichen Jedi ein, während Elzar ein unkonventioneller Jedi ist, der gerne an neuen, ungewöhnlichen Machttechniken „bastelt“. Auf Seiten der Nihil haben wir den intriganten Marchion Ro sowie die rivalisierenden drei „Tempest Runners“ genannten Gruppenanführer. Auf der Ebene der Politik lernen wir Kanzlerin Lina Soh sowie diverse Gegenspieler kennen. An der wissenschaftlichen Front kämpft der aufstrebende junge Techniker Keven Tarr, der die Hyperraumkatastrophe mithilfe von Berechnungen von Navidroiden zu lösen versucht. Diverse Soldaten und Zivilisten, die alle ebenfalls als Opfer oder Helfer in die Hyperraumkatastrophe involviert sind, runden das Bild ab.

Soule legt großen Wert darauf, den Figuren direkt bei ihrem ersten Auftritt einige interessante und einzigartige äußerliche oder charakterliche Merkmale zuzuordnen, sodass man als Leser schon ab der ersten Seite einen sehr konkreten Eindruck von den Figuren bekommt und das Gefühl hat, sie wirklich kennenzulernen. Das führt dazu, dass der Roman sehr angenehm zu lesen ist und man sich trotz der Vielzahl an Figuren kein Personenverzeichnis anlegen muss, um den Überblick zu behalten. Vor allem im Vergleich zum Erzählstil von Timothy Zahn wird besonders deutlich, welch gute Charakterarbeit Charles Soule hier leistet. Bei Zahn bekommen wir häufig nur einen „Captain XY“ oder „Lieutenant XY“ hingeworfen, ohne irgendwelche Informationen zur Person zu erhalten. Mir persönlich fällt es schwer, mir diese blassen Figuren vorzustellen oder auch nur zu merken. Soule macht sich da wesentlich mehr Mühe, plastische Figuren auszuarbeiten. Erstaunlicherweise macht er dabei noch nicht einmal einen Unterschied zwischen Hauptfiguren und „Wegwerf-Charakteren“, die noch im selben Kapitel sterben. Selbst in das Leben und die Gedankenwelt Letzterer bekommen wir in kurzer Zeit einen so detaillierten Einblick, dass deren Tod eine emotionale Wirkung hat. Bessere Charakterarbeit kann man als Autor bei so einem umfangreichen Ensemble wirklich nicht leisten!

Interessante Perspektiven

Verbunden damit versteht es Soule auch exzellent, außergewöhnliche Perspektiven einzunehmen. Jedes Kapitel wird aus der Sicht einer anderen Figur erzählt, wobei deren persönliche Stimme und Sicht auf die Welt jeweils sehr deutlich wird. Beispielsweise hat der Techniker Keven Tarr auch auf die Welt um sich einen sehr technischen Blick und beschreibt alles als „System“, das nach bestimmten Regeln abläuft. Ein echtes Highlight ist auch die Perspektive des jugendlichen Wookiees Burryaga, der als Jedi-Padawan an einem gesellschaftlichen Empfang teilnehmen muss. Er empfindet dies als total unangenehm, da auf dieser gesellschaftlichen Veranstaltung erwartet wird, Smalltalk zu betreiben, aber kaum einer Shyriiwook versteht. Habt ihr euch schon mal Gedanken darüber gemacht, was für eine blöde Situation das für Wookiees ist? – Ich nicht, aber dank Charles Soule wurde mir diese interessante neue Perspektive eröffnet.

This is how the Force works!

Ein weiterer Punkt, den ich lobend hervorheben möchte, ist die tolle Beschreibung der Macht in Light of the Jedi. Als Jedi-Fan mag ich es sehr gerne, wenn in Romanen ausführlich beschrieben wird, wie Figuren die Macht benutzen und wie sich das anfühlt – gerne auch mit blumigen Metaphern. Und genau das liefert der Roman auch für alle ausgehungerten Jedi-Fans wie mich! Vor allem im Rahmen der Hyperraum-Katastrophe gibt es einige spektakuläre Szene, in denen mehrere Jedi, verbunden durch Avar Kriss, Unglaubliches mit der Macht tun. Besonders schön ist es auch, dass jedem und jeder Jedi eine individuelle Wahrnehmung der Macht zugeschrieben wird. Avar Kriss erlebt die Macht beispielsweise als Musik, Bell Zettifar als Feuer und Loden Greatstorm, passend zu seinem Namen, als Wind. Auch die neuen Machtanwendungen, die uns der Roman zeigt, sind frisch und faszinierend, passen sich aber trotzdem problemlos in das etablierte Bild der Macht ein. Die Autoren von The High Republic scheinen glücklicherweise sehr bedacht mit der Macht umzugehen und ein gutes Fingerspitzengefühl dafür zu besitzen, was die Macht kann und was nicht. Es kommen jedenfalls keine Zeitreisen, Lichtschwert-Teleportationen und ähnlicher Unsinn vor, was mich auch im Hinblick auf die Zukunft des Projekts sehr beruhigt.

Zurück in die goldene Ära der Republik

Auch was das Worldbuilding angeht, leistet Light of the Jedi exzellente Arbeit. Über den Roman verstreut tauchen viele kleine und größere Indizien auf, die uns immer wieder daran erinnern, dass wir uns in einer anderen, früheren Epoche befinden: Die Republik befindet sich in einer Expansionsphase, symbolisiert durch die Eröffnung der neuen Raumstation Starlight Beacon, die unter anderem den Kontakt zum Äußeren Rand erleichtern soll. Die ausführlich beschriebene Kleidung der Jedi und ihre Schiffe, die spezifisch auf ihre Bedürfnisse angepasst angefertigt wurden, sowie der leitmotivische Spruch „We are all the Republic“ zeigen uns, dass wir uns in einer goldenen Ära der Republik befinden. Auch der Stand des technischen Fortschritts wurde ausgehend von den Filmen logisch „rückentwickelt“. So ist beispielsweise Bacta zur Zeit der Hohen Republik die neuste Entwicklung der Wissenschaft und die Bevölkerung findet sich irgendwo zwischen Hoffnung und Misstrauen gegenüber dieser neuen Medizin wieder. So vermittelt der Roman uns glaubhaft den Schritt zurück in der Zeit. Auch Bezüge zu anderen, noch kommenden The High Republic-Werken werden großzügig gestreut, sodass sich beim Lesen dieser anderen Werke sicher der eine oder andere Aha-Effekt einstellen wird.

Der Roman zur Pandemie

Zu guter Letzt ist es schon fast gruselig, wie perfekt Light of the Jedi in unsere aktuelle Zeit passt. Obwohl der Roman bereits vor der Corona-Pandemie geplant und geschrieben wurde, gibt es einige bemerkenswerte Parallelen zwischen der fiktionalen Welt von The High Republic und der unseren, die es auf gewisse Weise besonders reizvoll machen, den Roman gerade jetzt zu lesen. Auch in Light of the Jedi herrscht nämlich durch die unvorhergesehen aus dem Hyperraum austretenden Trümmerteile eine plötzliche und unberechenbare Gefahr, die jeden treffen und möglicherweise töten kann. Wir erleben Wesen in Panik, Krisengewinnler, und selbstlose Helfer. Wir werden Zeuge von Diskussionen unter Politikern, in denen es um die Frage geht, ob ein totaler Hyperraum-Lockdown sein muss, um Leben zu retten, oder ob er die Versorgung und die Wirtschaft im Äußeren Rand zu sehr beeinträchtigt wird und die Hyperraumrouten möglichst schnell wieder geöffnet werden sollten. Eine Figur denkt sogar darüber nach, wie schade es ist, dass ihre Urlaubsreise jetzt storniert wurde, und fragt sich, ob sie ihr dafür bereits gezahltes Geld je wiedersieht. Auch die Bewohner der weit entfernten Galaxie sind letztendlich nur (Nicht-)Menschen und reagieren auf eine Bedrohung genau wie wir. Aktueller als Light of the Jedi war jedenfalls wohl nie ein Star Wars-Roman!

Absolute Leseempfehlung

Selbstverständlich kann ich für Light of the Jedi nur die vollen fünf Holocrons vergeben und eine absolute Leseempfehlung aussprechen. Das Buch ist wahrscheinlich der relevanteste Roman, der seit Beginn des Kanons erschienen ist, und auch einer der besten. Wer Star Wars liest, darf diesen Roman auf keinen Fall verpassen. Seine Rolle als Türöffner für die neue Epoche der Hohen Republik erfüllt er brillant und bietet darüber hinaus noch eine extrem spannende Handlung, liebevoll ausgearbeitete Figuren, endlich wieder Jedi in Aktion und als Sahnehäubchen obendrauf auch noch Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen. Holt euch den Roman, lest ihn am besten sofort und steigt in die Ära der Hohen Republik ein! Wenn Light of the Jedi Gradmesser für die Qualität des gesamten Projekts ist, dann erwartet uns da noch Großartiges!

Bewertung: 5 von 5 Holocrons
Bewertung: 5 von 5 Holocrons

Wir danken Penguin Random House UK und dem Del Rey-Verlag recht herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Light of the Jedi in der britischen Ausgabe von Del Rey könnt ihr euch auf Amazon bestellen. Ein Erscheinungstermin für die deutschsprachige Ausgabe wurde noch nicht angekündigt. Mit einer deutschen Übersetzung ist aber frühestens Ende 2021 zu rechnen.

Was ist eure Meinung zu Light of the Jedi?

The High Republic - Logo

Star Wars: The High Republic ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das 200 Jahre vor den Filmen spielt. Weitere Infos gibt es in unserem Portal und in der Datenbank.

15 Kommentare

  1. Danke für diese ausführliche Rezension! Ich freue mich schon seit der Ankündigung von THR auf das Projekt. Genau diese Zeit hat mir bisher in Star Wars gefehlt. „Es kommen jedenfalls keine Zeitreisen, Lichtschwert-Teleportationen und ähnlicher Unsinn vor […]“ – das nimmt mir meine größte Sorge, danke dafür!

    Habt ihr zur Out-of-Print-Sonderausgabe, die ja ab heute Abend bestellbar ist, einen neuen Stand, was die Versendung nach Europa angeht? Schiele nämlich darauf, sie mir jetzt zu holen und wenn blanvalet irgendwann mal die deutsche Übersetzung rausbringt, das reguläre Cover – und natürlich die deutsche Fassung, die ich gerade schmerzlich vermisse – dann auch im Regal zu haben.

    1. Die Out-of-Print wollte ich mir auch zulegen, verstehe auch nicht warum das auf einmal so ein Problem ist. Die Sonderausgabe von dem neuen Thrawn Roman habe ich ja auch erhalten. Hoffentlich wird das Problem bald gelöst 🙂

      1. Ja 🙂 hab es bei der Erinnerung von Out of Print auch einfach versucht, der Zusatz mit den verfügbaren Ländern war dann auch nicht mehr auf der Produktseite.

    2. Hab es eben auch einfach mal ausprobiert und es ging wunderbar. Freu mich schon, wenn es da ist.

      In der Bestätigungsmail stand etwas von wegen „It is your sole responsibility to pay all import duties and taxes that may be due on your order based on your country’s tax rules.“ – kann da jemand mit Bestellerfahrung aus den USA kurz sagen, was das faktisch bedeutet? Liegt das Buch dann erstmal beim Zoll und man muss es dort abholen?

      1. Das kann passieren, tut es aber meist nicht. Bei über 150€ (oder Dollar?) Warenwert des Päckchens muss man es manchmal auf der Post abholen und dort Zollgebühren zahlen.

      2. Das Thrawn Buch hatte mit Versand 160 $ gekostet und ich musste keine Zollgebühren zahlen. Bei der Post musste ich es auch nicht abholen.

      3. Ich musste schon einmal wegen einer US-Bestellung in Höhe von ca. 40€ zum Zoll und dann die Zollgebühren von 20% entrichten. Ich weiß nicht, ob es Zufall ist, ob das passiert.

      4. Ich vermute, die ziehen auch zufällig Pakete raus oder welche, die sie aus irgendeinem Grund verdächtig finden. Ich musste auch schon mal wegen eines Buchs im Wert von 30€ beim Zoll antanzen und weiß nicht warum. Aber wenn der Warenwert die 150 €/$ überschreitet, dann bist du meines Wissens auf jeden Fall dran und musst zahlen. Allerdings nicht unbedingt beim Zoll, sondern evtl. auch bei deiner lokalen Postfiliale. Ich habe letztes Jahr Schuhe im Wert von 170€ aus den USA gekauft und musste dann zur Post, dort 30€ zahlen.

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