Rezension: Willkommen zu Star Wars: The High Republic

Im Januar startet endlich das lang ersehnte Literaturprogramm Star Wars: The High Republic. Wir befinden uns 200 Jahre vor Die dunkle Bedrohung. Es ist ein goldenes Zeitalter für die Galaktische Republik und die Jedi, die gemeinsam den Äußeren Rand erschließen und die Republik dorthin expandieren. Doch im Rand verbergen sich Mächte, die diese Aufmerksamkeit lieber nicht hätten und alles daran setzen, die Vorhaben der Republik zu vereiteln. Und so geraten auch schnell die Jedi ins Schussfeld…

Ich hatte dank Lucasfilm Publishing bereits anderthalb Monate Gelegenheit, mich in das Programm einzulesen, und werde euch heute meine Gesamteindrücke der ersten Welle darlegen – natürlich ohne Spoiler, aber selbstverständlich mit mehr Details als es sie bisher gab.

Die Grundlage dieser Rezension

Für The High Republic haben sich fünf Autoren und vier Verlage zusammengetan, um eine eigenständige Ära für die Bücher und Comics zu erschließen, völlig abseits der Film- und Serienprojekte. Zum Zwecke dieser Rezension wurde mir Folgendes zur Verfügung gestellt:

  • Aus dem ersten Erwachsenenroman des Projekts, Light of the Jedi von Charles Soule (EVT 5. Januar 2021, Del Rey), erhielt ich zunächst nur das erste Drittel, welches ich las, bevor ich dann die weiteren unten aufgeführten Titel las. Ende November erhielt ich dann von Del Rey den Rest des Romans, sodass ich hier einen umfassenden Blick liefern kann.
  • Den Jugendroman A Test of Courage von Justina Ireland (EVT 5. Januar, Disney-Lucasfilm Press) erhielt ich als unkorrigierte Vorabausgabe ohne Illustrationen.
  • Den Young-Adult-Roman Into the Dark von Claudia Gray (EVT 2. Februar, Disney-Lucasfilmn Press) erhielt ich ebenfalls als unkorrigierte Vorabausgabe.
  • Aus dem Marvel-Heft The High Republic #1 von Cavan Scott mit Zeichnungen von Ario Anindito erhielt ich die ersten sieben Seiten in Schwarzweiß sowie weitere acht Seiten als Skript. Die letzten sieben Seiten des Heftes fehlten. Das Heft erscheint am 6. Januar.
  • Ebenso erhielt ich einen Auszug aus dem IDW-Heft The High Republic Adventures #1 von Daniel José Older in Skriptform, mit groben Layout-Skizzen und Konzeptbildern von Harvey Tolibao. Dieses Heft soll am 3. Februar erscheinen.
  • Ebenso habe ich seither den ersten Teil der Magazin-Kurzgeschichte Starlight von Charles Soule gelesen, die Anfang des Monats in den USA an Star Wars Insider-Abonnenten ausgeliefert wurde. Diese ist für die nachfolgende Besprechung aber nachrangig.

Alle Aussagen in dieser Rezension treffe ich vor dem Hintergrund dieser Lektüre.

Die Ära der Hohen Republik

Seit dem Legends-Schnitt durfte der Literatursektor keine neue Ära mehr im Kanon definieren. Entsprechend hoch sind die Erwartungen seitens der Fans, was uns mit der Hohen Republik geboten wird. Soviel gleich vorab: Es fühlt sich alles sehr frisch und neu an. Wir befinden uns zwar „nur“ 200 Jahre vor Episode I (also 232 VSY, für die Timeline-Nerds), doch dies genügt den Autoren bereits, um eine lebhafte, neue Ära zu gestalten, in der nahezu alles passieren kann.

Das generelle Grundgefühl, das alle Bücher durchzieht, ist Optimismus. Die Republik ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht von Palpatines Machenschaften korrumpiert worden, sondern hat mit Kanzlerin Lina Soh eine Visionärin an der Spitze, deren „Great Works“ (quasi ihr Wahlprogramm) die Expansion und Weitergabe des Wohlstands der Kernwelten in den Äußeren Rand vorsieht. Unter ihrer Führung funktionieren auch die Institutionen der Republik noch und anders als Padmé, die es in Episode I nicht schafft, von Coruscant Gerechtigkeit für ihr Volk zu bekommen, können die Figuren hier sich noch auf die Ämter und Organe der galaktischen Regierung verlassen. Ähnlich verhält es sich mit den Jedi, doch dazu später mehr.

Es hat ehrlich gesagt gut getan, inmitten dieser chaotischen Zeit für unsere Welt – und vor allem nach den letzten drei (bzw. neun!) Saga-Filmen – mal eine Republik präsentiert zu bekommen, in der es weitgehend geordnet zugeht.

Licht und Schatten

Das heißt aber natürlich nicht, dass überall „Friede, Freude, Eierkuchen“ herrscht. Ganz im Gegenteil, es gibt korrupte Individuen und es gibt auch sehr viel Leid und Zerstörung in den fünf Titeln der ersten Welle. Oft hat mich sogar überrascht, wie düster und brutal es im Grenzland zugeht, und da wir es gänzlich mit neuen Charakteren zu tun haben, kann mit diesen auch alles passieren – teils auch sehr Unerwartetes. Zwar herrscht kein galaxisweiter Krieg, aber die Ereignisse am Rand haben direkten Einfluss auf Vorgänge im Kern, und umgekehrt, und ganz ohne Raumschlachten oder Schießereien und Duelle kommen wir auch hier nicht aus.

The High Republic: Light of the Jedi (Out of Print Exclusive Edition) (05.01.2021)
Das Cover einer Sonderausgabe von Light of the Jedi zeigt die Nihil und die Jedi bei einer Auseinandersetzung auf dem Planeten Elphrona, der Kennern des Kanons nicht unbekannt sein dürfte. Das Bild hat dabei Symbolcharakter und entspricht nicht 1:1 den Ereignissen im Buch.

Wenn ich in den letzten Tagen und Wochen also Kommentare lese, die Wörter wie „weichgespült“ oder – schlimmer noch – „disneyfiziert“ verwenden, dann konnte ich da nur hinter dem Embargo-Maulkorb müde lächelnd den Kopf schütteln. Seid versichert: Hier ist nichts weichgespült und nichts disneyfiziert. Star Wars ist kein Franchise, in dem links und rechts Mord und Totschlag herrscht, aber The High Republic präsentiert (selbst in den Kinder- und Jugendbüchern) eine sehr erwachsene Galaxis, in der die Autoren nichts schönreden. Eine Expansion in gesetzloses Grenzland geht nun einmal nicht ohne Reibereien vonstatten, und das Große Desaster, welches dieses Projekt lostritt, tut sein Übriges.

Kurzum: The High Republic ehrt sowohl das „Star“ als auch das „Wars“ aus dem Franchise-Titel. Es wurde von Autoren geschrieben, die in den letzten fünf Jahren mitunter die besten Werke des Kanons geschrieben haben, von denen sich einige auch nicht vor den „Greatest Hits“ der Legends verstecken müssen. Diese Leute wissen, was sie tun, und das ist auf jeder Seite spürbar.

Das Große Desaster

Jede neue Star Wars-Saga braucht einen Auslöser. In der klassischen Trilogie waren es der Diebstahl der Todesstern-Pläne und die Zerstörung Alderaans. Die Prequel-Trilogie begann mit der Blockade von Naboo, aus der im Laufe der Zeit dann die Separatistenbewegung und die Klonkriege erwuchsen. Die Sequel-Trilogie begann mit dem Erwachen einer neuen Jedi sowie der Bedrohung durch die Erste Ordnung. In Star Wars: The High Republic konzentrieren wir uns zunächst auf zwei zentrale Ereignisse, die sich auf die eine oder andere Weise durch alle Titel der ersten Welle ziehen: das große Hyperraum-Desaster sowie die anstehende Einweihung der Raumstation Starlight Beacon.

Der Starlight Beacon

Während einige Jedi und republikanische Abgesandte auf dem Weg zum Starlight Beacon sind, zerbricht im Hyperraum nahe des Hetzal-Systems plötzlich ein modulares Frachtschiff namens Legacy Run und über Stunden, Tage und Wochen hinweg fallen die hyperbeschleunigten Teile und Module in vielen Systemen über den Äußeren Rand verteilt aus dem Hyperraum. Mit Beinahe-Lichtgeschwindigkeit tauchen diese sogenannten „Emergences“ quasi willkürlich überall auf und kollidieren mit Schiffen, Raumstationen, Planeten und Monden, was vielerorts Leid und Zerstörung verursacht. Zum Glück für die Agrarwelt Hetzal, quasi das Epizentrum des Großen Desasters, erhören die Schiffe der Jedi und der Republik die Notrufe und eilen zur Hilfe.

Was folgt, ist eine gigantische gemeinsame Anstrengung der Jedi und der Flotte der „Republic Defense Coalition“ in Soules Roman Light of the Jedi, die auch für die Leser viele schweißtreibende Momente bietet. Die ersten 100 Seiten des Romans vergehen quasi wie im Fluge, da man unmittelbar in das Geschehen der Ära hineingesaugt wird und keinen Moment zum Atmen hat. Dieses Ereignis hat auch unmittelbare Strahlungskraft in die beiden anderen Romane, A Test of Courage und Into the Dark, die mit weiteren „Emergences“ abseits von Hetzal Prime beginnen, während die Comics erst später ansetzen.

Das zweite, eher positiv belegte Ereignis, das auch in den Comics zu spüren ist, ist die Einweihung der Raumstation Starlight Beacon, die für das weitere Projekt als Basis im Äußeren Rand dienen wird. An Bord befinden sich neben politischer Botschaftsbüros und militärischen Einrichtungen auch ein Jedi-Tempel und Handelsquartiere. Durch das Große Desaster wird die Einweihung des Beacon allerdings unmittelbar bedroht, und die Rettung von Lina Sohs Vision für die Galaxis wird zum gemeinsamen Ziel der Jedi, der Republic Defense Coalition und einiger Zivilisten. Dazu gehört neben der Verhinderung weiterer Emergences auch die Ursachenforschung, weswegen die Legacy Run zerbrach…

Diese beiden zentralen Auslöser geben der Ära von Vornherein einen eigenen Charakter, der sie nicht nur stark von den Prequels und den anderen bisherigen Filmen abhebt, sondern auch von der legendären Ära der Alten Republik und den dortigen Ereignissen.

Die Jedi

The Force naturally bent toward justice while in balance […].

Vernestra Rwohs Gedanken in The High Republic: A Test of Courage

Es war in den letzten Jahren eine absolute Seltenheit, dass in einer Star Wars-Geschichte mehr als ein oder zwei Jedi eine zentrale Rolle spielten. Selbst drei oder vier konnten sich bereits nach viel anfühlen. Umso mehr erschlug mich zu Beginn meiner Lektüre die absolute Fülle an Machtnutzern. Wir folgen in Light of the Jedi teilweise dutzenden Jedi gleichzeitig, von denen viele auch namentlich benannt sind, und auch in den anderen Büchern und Comics sind Jedi keine Seltenheit. Dass es sich dabei auch durchweg um neue Charaktere handelt, ließ das Tempo, mit dem sie eingeführt wurden, fast schwindelerregend wirken. Dennoch fühlte ich mich sofort zuhause, denn endlich stehen die Jedi mal wieder im Vordergrund und die Autoren können mit ihnen verfahren, wie ihnen beliebt, ohne auf Filme Rücksicht zu nehmen.

Die Jedi der Hohen Republik wurden im Marketing oft als „Jedi-Ritter der Tafelrunde“ und „strahlende Recken“ beschrieben, und das stimmt gewissermaßen auch. Der Jedi-Orden ist noch nicht – wie in den Prequels – durch Bürokratie und endlose politische Verzahnungen korrumpiert worden, auch wenn die Anfänge davon durchaus vorhanden sind. Coruscant ist nicht der einzige aktive Tempel, sondern es existieren auch Jedi-Tempel und -Außenposten auf Randplaneten wie Elphrona oder Port Haileap. Die Ritter dort entsprechen eher den einfachen Samurai und guten Samaritern, die man sich unter dem Archetyp des Jedi vorstellt, und sind Vorbilder für die Bürger der Republik und die Leser gleichermaßen.

Wer jetzt befürchtet, dass hier eine homogene Masse aus Abziehbild-Helden zu erwarten ist, der kann sich beruhigen. Die fünf Architekten der Ära haben sich viel Mühe gegeben, jeden Jedi einzigartig wirken zu lassen, und sie alle haben nicht nur Stärken, sondern teils auch eklatante Schwächen. Manche experimentieren etwas zu gerne mit der Macht, andere widersetzen sich gerne dem Rat, wieder andere haben viel Wut in sich oder können schlecht mit Trauer umgehen, und nicht zuletzt halten manche sich auch im Vergleich zu Meistern wie Avar Kriss, Wunderkindern wie Vernestra Rwoh oder erfahrenen Rittern wie Loden Greatstorm für unzulänglich. Das sorgt für tolle Charaktermomente und – mit Blick auf die Zukunft – auch für viel Potenzial für Konflikte und Charakterentwicklung. Insbesondere in A Test of Courage bekommen wir dies anhand der jungen Ritterin Vernestra und dem von Zweifeln geplagten Padawan Imri Cantaros bereits zu sehen.

Es hat durchweg Spaß gemacht, die neuen Jedi und ihre einzigartigen Sichtweisen auf die Macht kennenzulernen. Da die Sith hier keine Rolle spielen und die Galaxis im Gleichgewicht ist, können die Jedi wirklich als solche strahlen, und gerade Autoren wie Charles Soule und Claudia Gray vermögen es, Jedi mit einem einzigartigen Blickwinkel zu erschaffen. Was ist die Aufgabe eines Jedi? Dient er zuerst der Macht oder dem Orden? Und wie passt die Republik in dieses Bild? All das sind Fragen, die unsere neuen Helden umtreiben.

Meine absoluten Favoriten sind übrigens der Padawan Bell Zettifar (und sein eigensinniger Meister Loden), die strebsame Vernestra Rwoh (es tut einfach gut, mit jungen, kompetenten, aber nicht überheblichen Leuten zu tun zu haben, die dennoch nicht ohne Zweifel und Fehler sind) und – soweit es die kurze Comicleseprobe zulässt – die ungestüme Keeve Trennis, auf deren Zukunft ich dank Dooku: Jedi Lost sehr gespannt bin. Aber auch den erwachsenen Jedi Avar Kriss und Elzar Mann mit ihrer besonderen Dynamik als Team konnte ich viel abgewinnen.

Die Nihil

Die Nihil sind die primären Antagonisten für unsere Jedi, die in allen Werken des Projekts präsent sind, und besonders im Rahmen von Light of the Jedi und Into the Dark machen sie bereits einige Entwicklungen durch. Es handelt sich bei ihnen im Grunde um eine Gruppe anarchistischer, selbstsüchtiger Piraten vielerlei Spezies, die vor nichts und niemandem Halt machen, um sich zu bereichern. Der Äußere Rand ist ihr Territorium und dort werden sie zurecht gefürchtet.

Die Nihil bestehen aus drei großen Teilgruppen, sogenannten Tempests, unter der Führung der „Tempest Runners“ – das sind der Weequay Kassav, der Dowutin Pan Eyta und die Twi’lek Lourna Dee. Die Ränge der Nihil-Organisation bedienen sich alle aus dem Wortfeld „Unwetter“, sodass es unter den „Tempest Runners“ dann „Storms“, „Strikes“, „Clouds“ und Ähnliches gibt. Jeder „Tempest“ hat dabei eigene Spezialitäten und Charakterisitka, die sich aus der Persönlichkeit des jeweiligen „Runners“ ergeben, sodass die Crew ein Spiegelbild des Anführers ist. Es handelt sich also keineswegs um eine homogene Organisation und auch intern gibt es viele Reibereien.

Ein Drengir

Abseits dieses Triumvirats steht Marchion Ro, eine mysteriöse Figur unter dem Titel „Das Auge der Nihil“. Marchion organisiert den Tempests spezielle Hyperraum-Routen, mit denen die Nihil-Angreifer überall auftauchen können, wo es ihnen beliebt. Um ihn ranken sich einige Mysterien, die im Laufe von Light of the Jedi nur teilweise gelöst werden, und ich verrate nicht zu viel wenn ich sage, dass er mir am Ende des Buches geradezu Angst gemacht hat – was mir bei Buchfiguren normalerweise nicht passiert.

Letzten Endes ist es schwer, die Nihil adäquat zu beschreiben, ohne die gesamte Handlung von Light of the Jedi zu spoilen. Sie sind irgendwo zwischen Piraten, Anarchisten und religiösem Kult zu verorten, und sie sind um einiges spannender als das bisherige Marketing sie hat erscheinen lassen. Allerdings werdet ihr sie erst nach der Lektüre von Light of the Jedi wirklich zu schätzen und zu hassen lernen, wobei Into the Dark auch nochmal eine sehr persönliche Dimension von Wertschätzung und Hass obendrauf legt.

Die anderen vorab vorgestellten Widersacher, die Drengir, werde ich an dieser Stelle weitgehend überspringen, da sie erst in Into the Dark und wohl auch im weiteren Verlauf der Comicreihe wirklich relevant werden. Als intelligente, fleischfressende Pflanzenmonster spielen sie in einer anderen Liga als die Nihil und jedes weitere Wort wäre hier ein Spoiler.

Gesamteindruck und legendäre Verstrickungen

Wie man vielleicht schon gemerkt hat, ist mein genereller Eindruck überaus positiv. Seit Jahren wünsche ich mir ein Literaturprojekt, das für sich steht und sich nicht mit irgendwelchen Filmen oder Serien überschneidet. Ebenso habe ich mir seit Langem mal wieder Jedi-Action gewünscht und auch hier wurde ich bestens unterhalten.

Man merkt auf jeder Seite, dass die fünf Autoren und das Team von Lucasfilm hier einen langjährigen Plan verfolgen und nicht einfach „blind drauflosschreiben“, wie manch filmisches Projekt der letzten Jahre es teils vermuten ließ. Das Worldbuilding ist stimmig, teils unerwartet und generell sehr durchdacht und bietet auch an unerwarteten Stellen Querverweise auf den späteren Kanon und an einzelnen Stellen sogar auf die Legends. Gerade die Werke der fünf Story-Architekten, die in den letzten Jahren erschienen sind, wird man nach diesen Auftakttiteln mit neuen Augen lesen.

Viele der Werke haben Expositionscharakter, aber dennoch passieren bereits relevante Ereignisse und der Status Quo der Galaxis und der Figuren ist bereits am Ende der ersten Welle ein anderer als zu Beginn. Man hat immer das Gefühl, ein relevantes Werk zu lesen, und Light of the Jedi ist mit Abstand das beste Buch, das der Kanon bisher zu bieten hat – und das sage ich trotz Favoriten wie Blutlinie, Resistance Reborn oder Schülerin der dunklen Seite.

In den Star Wars Legends waren wir Romanzyklen gewöhnt, die binnen einer Handvoll Bücher gefühlt fünfmal den Status Quo in der Galaxis umgeschmissen haben und von den großen Momenten lebten. Gewiss, The High Republic liebt ebenfalls sein Spektakel, was sich nicht zuletzt bei der Hetzal-Sequenz oder den Ereignissen auf der Raumstation in Into the Dark bemerkbar macht, doch generell liegt hier der Fokus auf Charakteren und deren Entwicklung – und das spürbar mehr als in den Legends-Zyklen. Dieser Fokus entspricht den allgemeinen Storytelling-Empfindsamkeiten unserer heutigen Zeit, unterscheidet sich von den bisherigen Kanonwerken aber dadurch, dass die Autoren durch den zeitlichen Abstand zu den Filmen viel mehr Freiheit hatten.

Star Wars: The Acolyte
Star Wars: The Acolyte

Selbst die Ankündigung von Leslye Headlands Serie The Acolyte, die am Ende der Ära der Hohen Republik spielen soll, tut dieser Sache keinen Abbruch. Die Ära der Hohen Republik beginnt laut Angaben aus DKs The Star Wars Book ca. 300 VSY und endet 100 VSY. Die Handlung hier spielt, wie eingangs erwähnt, 232 VSY und hat damit noch über 100 Jahre Abstand zu dem, was Headland plant. Zum Vergleich – zwischen Episode I und Episode IX vergehen „nur“ 67 Jahre. Die Ära der Hohen Republik wurde bereits von Gray, Soule, Scott, Ireland und Older ausgestaltet, bevor Headland überhaupt an Bord kam, und es ist für mich nur schwer vorstellbar, dass die Prämisse von The High Republic nennenswerte Berührungspunkte mit der von The Acolyte haben wird, in der es ja um das Wiedererstarken der dunklen Seite gehen soll.

Auch aus Gesprächen mit Vertretern von Lucasfilm Publishing oder den Autoren selbst geht hervor, dass sie diese Freiheit haben, und das merkt man den Büchern an, die eindeutig eine Story aufbauen, die über mehrere Jahre angelegt ist.

Zu guter Letzt noch ein kurzes Fazit zu jedem einzelnen Werk, die aber alle auch noch ihre eigenen Rezensionen bekommen werden.

  • Light of the Jedi ist der absolut unerlässliche Auftaktroman und ein absolutes Meisterwerk, in dem jedes Kapitel, jede Zeile und jedes Wort absolut sitzt. Aber überzeugt euch gern selbst.
  • A Test of Courage bietet einen sehr erwachsenen Roman für jugendliche Leser, der viel mit der Natur der Macht und ihrem Wirken auf die Jedi beschäftigt ist. Obendrein sind Justina Irelands jugendliche Hauptakteure überaus sympathisch.
  • Into the Dark ist sicherlich nicht Grays bester Star Wars-Roman, aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn ihre Charaktere sind wie gewohnt vielschichtig und das Abenteuer alles andere als geradlinig. Außerdem musste ich mich die ganze Zeit über fragen, ob eine der Hauptfiguren überhaupt echt ist oder nur ein Scherz, und das hatte ich so noch nie.
  • Zu Cavan Scotts Marvel-Comic kann ich noch nicht viel sagen, aber sowohl Sskeer als auch Keeve sind sofort sympathisch und obendrein scheint die Serie dort weiterzumachen, wo Light of the Jedi aufgehört hat, was sie wohl zur Pflichtlektüre macht!
  • Die IDW-Reihe von Daniel José Older bricht mit dem üblichen Star Wars Adventures-Format und erzählt eine durchgehende Geschichte mit denselben Charakteren über mehrere Ausgaben. Yoda ist zwar präsent, aber im Fokus stehen einerseits die Padawan Lula Talisola sowie ihre „Klassenkameraden“ an Bord eines Jedi-Trainingsschiffs, und andererseits zwei jugendliche Mitglieder einer Art Kult, der die Macht und die Jedi ablehnt. Diese duale Struktur las sich recht interessant, aber dazu dann im Februar mehr.

Lesereihenfolge und -tipps

Abschließend wollte ich noch ein Wort zum Thema Lesereihenfolge verlieren, nicht zuletzt aufgrund der besonderen Veröffentlichungssituation in Deutschland.

Die Bücher und Comics von Star Wars: The High Republic sind – anders als legendäre Zyklen wie Das Erbe der Jedi-Ritter oder Wächter der Macht – nicht durchnummeriert. Jedes Buch hat seine eigenen Hauptfiguren, und wenn man den Ankündigungen folgt, so hat auch der nächste Erwachsenenroman teils andere Protagonisten als Light of the Jedi und ist keine direkte Fortsetzung. Außerdem springen einzelne Figuren auch aus den Romanen in die Comics oder umgekehrt. Es handelt sich um verknüpfte Abenteuer aus derselben Ära, die ein gemeinsames Multimedia-Storytelling-Konstrukt ergeben.

Am besten lest ihr die Bücher in Erscheinungsreihenfolge, was natürlich nur geht, wenn ihr englische Werke lest. D.h. zuerst Light of the Jedi und A Test of Courage, dann das erste Marvel-Heft, dann Into the Dark und/oder The High Republic Adventures #1. Zwar nimmt Light of the Jedi bisweilen das Ende anderer Werke (z.B. A Test of Courage) durch geteilte Szenen vorweg, doch diese Reihenfolge erscheint am Sinnvollsten. Bei den Comics ist eigentlich nur „wichtig“, Light of the Jedi vorher gelesen zu haben, aber wer dies nicht tut, bekommt dennoch das Wichtigste mit (aber eben auch Spoiler zum Roman). Die Kurzgeschichte Starlight spielt vor Light of the Jedi und kann gelesen werden, wann auch immer sie euch in die Hände kommt. Deutsche Leser erhalten sie im März im Offiziellen Star Wars Magazin #101.

Deutschsprachigen Lesern empfehle ich, sich Light of the Jedi z.B. als englisches E-Book zu holen und dann im März die beiden anderen Romane bei Panini zu lesen, da Blanvalet das Buch erst frühestens Ende des Jahres auf Deutsch bringt. Wer dies absolut nicht machen möchte, sollte zuerst Into the Dark lesen. Die Handlung jenes Buches spielt weitgehend parallel zu Light of the Jedi und stellt ebenso die wichtigsten Eckpunkte der Ära vor, vom Großen Desaster bis hin zum Stand der Galaxis. Ich selbst habe Into the Dark ja gelesen, nachdem ich nur das erste Drittel von Light gelesen hatte, und als ich dann endlich den Rest von Light in der Hand hatte, gingen mir einige Lichter auf. Als ideal erachte ich diese Reihenfolge für Komplettisten aber nicht, denn der größere Kontext aus Light of the Jedi wird euch definitiv fehlen. Dies ist eher für Gelegenheitsleser gedacht, die ohnehin mit jedem Werk einsteigen können.

Ich hoffe, ich konnte euch einen Überblick über das verschaffen, was ab Januar auf euch zukommt. Wenn ihr weitere Fragen habt, beantworte ich sie euch gerne in den Kommentaren, sofern es nicht Spoiler betrifft.

The High Republic - Logo

Star Wars: The High Republic ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das 200 Jahre vor den Filmen spielt. Weitere Infos gibt es in unserem Portal und in der Datenbank.

Vielen Dank an Disney Books und Del Rey für die Rezensionsexemplare. Persönlichen Dank außerdem an Michael Siglain und Lyssa Hurvitz für ihre Arbeit und ihre Unterstützung.

28 Kommentare

  1. Vielen Dank für deine tolle und sehr umfangreiche Beschreibung!

    Ich bin sehr gespannt und überlege tatsächlich zum ersten mal auf englische Literatur umzuspringen, damit ich nicht mehr lange warten muss.

    Wie sind eure Erfahrungen mit englischen Werken? Leider ist mein Englisch etwas eingerostet.
    Vielleicht hat manch einer von euch damit Erfahrungen gemacht.

    1. Ich habe dieses Jahr auf englisch Umgestellt und bin sehr gut damit gefahren. Ich hatte aber auch in der Vergangenheit mal das ein oder andere Werk auf englisch gelesen und lese aus Berufsgründen nur auf englisch – allerdings eher Fachenglisch (Naturwissenschaften), daher gab es dann hin und wieder das ein oder andere Wort, dass ich auch mal nachschlagen musste.

    2. Mein erster englischer Roman war Thrawn: Alliances, da ich damals erstmals so wirklich am Ball bleiben wollte, auch wegen unseres Podcasts. Durch die ganzen Ausgelesen-Folgen lese ich mittlerweile fast alle Romane auf englisch und komme erstaunlich gut damit zurecht (zumindest wurde mir in den Podcasts noch nie attestiert etwas falsch verstanden zu haben :D).
      Zugegeben bei Thrawn: Alliances war das alles noch etwas schleppend, da einfach ungewohnt. Ich würde mich jetzt auch nicht als Englischtalent bezeichnen, aber gerade im Vergleich zu Fachliteratur, die ich auch im Studium meist auf Englisch lesen muss, finde ich Romane dahingehend angenehmer, das sie Dinge ausschmücken und man somit am Ende eines Kapitels eigentlich immer versteht um was es eigentlich ging.
      Bei Kindle gibt es meines Wissens auch die Funktion sich Umschreibungen für eher ungebräuchliche Wörter über dem Wort im Text anzeigen zu lassen. Beim angesprochenen Thrawn-Buch hat mir das damals geholfen und ich glaube das sollte bei allen unterstützt werden. Also sofern du ein E-Book-Leser bist, wäre das für den Anfang eine Lösung.

      TL;DR: Am Anfang war es für mich eine Umgewöhnung, aber spätestens nach 2 oder 3 Romanen hat man auf englisch fast einen besseren Flow beim Lesen als auf deutsch und ich komme sehr gut damit zurecht, obwohl ich mich vor noch knapp 2 Jahren von englischen Romanen komplett ferngehalten hab.

      1. Das Übersetzungsfeature bei eBooks ist absolut hilfreich für jemanden, der auf eine neue Lesesprache umsteigt und kein völliger Anfänger in der Sprache ist.

    3. Ich muss sagen, dass es mir vor knapp 20 Jahren ähnlich ging. Damals kam eine neue Buchreihe namens „New Jedi Order“ raus und es gab erst drei oder vier Romane davon auf Deutsch (und wir alle wissen ja, wie lange das dauert, bis die übersetzt werden). Solange wollte ich damals nicht warten (vor allem bei dem Veröffentlichungstempo) und den Anschluss nicht verlieren, weswegen ich mir dann wider Willen doch die Paperback-Bücher bestellt habe.
      Also von der Story her hatte ich denke ich schon soweit alles verstanden, aber eben nicht jedes Wort und nicht mal jeden Satz oder gar Absatz. Das hat mich anfangs genervt, weil sich das für mich anfühlt, als ob ich nur 80 Prozent einer Tafel Schokolade esse und den Rest dann mit der Verpackung wegwerfe. Ich bezahle für jedes Wort, also will ich auch jedes Wort verstehen. Vor allem, weil es dem Autor ja auch wichtig war, sonst hätte er es nicht genauso niedergeschrieben 😉
      Mittlerweile bin ich da zwar etwas entspannter (hab erst am Wochenende ne Legends-Kurzgeschichte auf Englisch fertig lesen müssen, weil sie nie übersetzt und nicht mal in den USA publiziert wurde), aber im Deutschen geht’s einfach fixer und flüssiger. Man muss nicht so viel nachdenken.
      Evtl. ist das ja bei den aktuellen Autoren anders, vor allem bei den eher seichteren (?) Kinder- und Jugendromanen (sorry, ich gehe jetzt mal von den Covern aus). Da muss man sich denke ich keine Gedanken machen. Bei den Adult Novels bin ich mir da aber nicht so sicher. Hab den Artikel oben noch nicht gelesen, aber wenn meine auf FB gestellte Frage für die Rezension hier für mich zufriedenstellend beantwortet wird, überlege ich gerade, doch nochmal umzuswitchen (zumindest für die THR-Reihe). Man muss nicht Monate oder gar Jahre warten und meist sind sie auch günstiger als die deutschen Romane.

    1. Die Begrifflichkeit im deutschen ist etwas verschwommen. Als YA-Romane bezeichnet man Bücher für eine Leserschaft ca. 16-18 Jahren, die sich von den Erwachsenenromanen hauptsächlich dadurch unterscheidet, dass die Protagonisten in dem Alter der Zielgruppe sind und ähnliche Probleme durchlaufen wie die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt. Sprachlich sind keine Unterschiede festzustellen. Man kann den Begriff auch mit „Jugendroman“ übersetzen, aber der wird im deutschen SW-Fandom-Gebrauch eher für die jüngere Kategorie an Romanen verwendet – im Sinne von Jedi-Padawan oder Diener des Imperiums, die sich – je nach Buch – an Leser zwischen 8 und 10 oder 10 bis 14 richtet. Man spricht hier von „middle-grade“ oder „MG“ im Englischen. YA-Romane gab es für Star Wars erstmals im Kanon mit „Lost Stars“.

      1. Ok, danke dir. Aber ist dann der einzige Unterschied wirklich nur das Alter der Protagonisten und deren Sichtweise? Wenn ja, wäre das ja kein großes Problem (für mich). Nur … die Cover sehen halt teilweise einfach aus wie ne Mischung aus Einhorn-Action und Feenstaub-Magie (allein schon die Farben). Aber wenn ich mir das irgendwie wegdenke und dann auch keinen Kinderroman serviert bekomme, würde ich es doch tatsächlich mal ausprobieren wollen.

      2. Also deine Eindrücke zu den Covern kann ich null nachvollziehen… dennoch, am besten wär’s du liest dir das mal selbst durch und sagst uns dann nochmal hier, wie dein eigener Eindruck lautet.

      3. Ja, mach ich auf jeden Fall. Hab mir die Leseproben auch schon gebookmarked und werde sie alle mal durchstöbern.
        Wegen der Cover. Vielleicht wird es deutlicher, wenn man sie anderen Covern gegegnüberstellt, die ich als wesentlich „erwachsener“ wahr- und dadurch eben auch ernster nehme. Anbei ein paar Beispiele:

        https://assets1.ignimgs.com/2020/02/25/star-wars-the-high-republic—a-test-of-courage—button-1582656441525.jpg

        oder

        https://cavanscott.com/wp-content/uploads/2020/11/Great-Jedi-Rescue-Cover-1024×1024.jpg

        versus

        https://preview.redd.it/elf67il7hou51.jpg?auto=webp&s=9ae8141d6013bb1598adf9d1501860b21664cad2

        oder

        https://i.weltbild.de/p/star-wars-battlefront-twilight-kompanie-178233188.jpg?v=3&wp=_ads-scroller-mobile

        oder

        https://fastly.syfy.com/sites/syfy/files/styles/1170xauto/public/wire/legacy/4Plagueis.jpg

      4. Gut, du hast ja wirklich die Cover von Kinderbüchern rausgesucht… der YA-Roman hier ist „Into the Dark“ und das ist ja wieder eine andere Sache.

        Bei „A Test of Courage“ kann ich trotz des „kindlichen“ Covers eine Leseempfehlung geben. In dem Buch wird nichts geschönt.

      5. Ich finde die Cover auch nicht so furchtbar ansprechend, aber „Never judge a book only by its cover!“ Ich glaube, man wollte mit den Covern vor allem eines zeigen „Hier sind Jedi“ drinnen.

      6. Alles klar, danke dir. Das hilft mir schon mal weiter.

        @Matthias: Da bin ich leider genau das Negativ-Beispiel. Ich gehe vor allem nach dem Cover. So hab ich damals auch GoT für mich entdeckt, als es noch „Das Lied von Eis und Feuer“ hieß, also noch vor der 1. Staffel, die den ganzen Hype losbrach (und ich habe mir mit neuer Fantasy-Literatur damals sehr schwer getan, eben aufgrund der teils extrem kitschigen und schlechten Buchcover der 15 – 20 Jahre davor). Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber dann weiß ich meist auch, was mich erwartet, weil es z. B. der x.te Teil einer etablierten Reihe ist. Ich denke, ein Cover soll doch auch genau das widerspiegeln, was einen im Buch schlussendlich erwartet und einen nicht irreleiten.

  2. Hat Panini schon durchblicken lassen wann die Comics auf Deutsch erscheinen? Und ob es eine eigene Serie oder Teil der bestehenden SW-Heftreihe sein wird?

    Light of the Jedi und Into the Dark habe ich bereits vorbestellt. Bei A test of courage zögere ich noch… sind auch meine ersten SW Romane und habe lange keine Belletristik auf Englisch gelesen. Nur Comics bisher… mein Englisch sollte aber eigentlich kein Problem sein, wobei es soll ja auch Spaß machen und nicht anstrengend sein. Vielleicht lese ich auch manches auf Deutsch und manches im Original, je nachdem wie lange die Übersetzungen dauern. Ich hab auf jeden Fall Bock und die Previews wecken Vorfreude. Danke dafür!

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