The High Republic: Interview mit den Beteiligten zum Entstehungsprozess

Vor fast genau einer Woche wurde das Project The High Republic feierlich enthüllt. Nun ist es Zeit für mehr Hintergründe. Wir haben ein ausführliches Interview von StarWars.com für euch übersetzt, in dem Lucasfilm Creative Director Michael Siglain sowie die Autoren des Projekts, Charles Soule, Claudia Gray, Justina Ireland, Daniel José Older und Cavan Scott, erzählen, wie Project Luminous entstanden ist, wie ihr Schreibprozess vonstatten ging und wie sie miteinander kollaboriert haben. Das Interview wurde bereits im Sommer 2019 geführt, als alle Beteiligten sich auf der Skywalker Ranch trafen, wurde aber natürlich jetzt erst veröffentlicht.

StarWars.com: Mike, du kannst uns wahrscheinlich darüber Auskunft geben. Wie hat dieses Projekt begonnen? Wie ist es entstanden?

Michael Siglain: Es hat schon in grauer Vorzeit begonnen. Es war eine Idee, die ich immer schon in der Star Wars-Literatur umsetzen wollte. Ich wollte eine große Geschichte erzählen, die über verschiedene Formate und über Jahre hinweg für jede Art von Fan erzählt wird. Wenn du also einen Roman von Del Rey liest oder einen Marvel-Comic, dann bekommst du ein Stück der Geschichte. Aber wenn du zum harten Kern des Fandoms gehörst und einen Roman von Del Rey, einen Young-Adult-Roman und einen Marvel-Comic liest, dann bekommst du einen viel größeren Teil der Geschichte. Du bekommt das Gesamtbild. Es ist nicht so, dass es nur eine einzige Geschichte ist, die je nach Altersgruppe und Format angepasst wird. Es gibt keine „A“-Geschichte. Jede dieser Geschichten ist die „A“-Geschichte und zusammen ergeben sie eine große, gewaltige Geschichte.

Der Ursprung ist wirklich ein Comic-Crossover, nur dass sich hier nicht die Geschichte eines Superhelden mit der eines anderen und noch eines weiteren kreuzt. Stattdessen kreuzen sich die Wege der verschiedenen Verlage und eine Geschichte führt zur nächsten.

StarWars.com: Wie habt ihr alle von dem Projekt gehört? Wie habt ihr reagiert, als ihr gefragt wurdet, ob ihr dabei mitmachen wollt?

Claudia Gray: Ich glaube, du [Michael Siglain] hast mich angerufen oder mir eine Mail geschickt, in der stand: „Lass uns mal telefonieren.“

Justina Ireland: Ich glaube, es war eine Mail: „Wir müssen reden.“

Claudia Gray: Ja, und ich erinnere mich daran, dass es ein Tag war, an dem ich nicht in meinem Haus sein konnte, weil dort irgendwelche Reparaturarbeiten stattfanden. Ich ging in das am wenigsten besuchte Restaurant, das ich finden konnte. Die einzigen anderen Leute saßen ganz am anderen Ende und ich war auf der anderen Seite und habe versucht, zu telefonieren. [lacht] Aber er [Michael Siglain] erklärte mir, was er vorhatte, und ich war natürlich extrem aufgeregt. Er hatte die Idee eines größeren Erzählprojekts bereits zuvor am Rande erwähnt und ich hatte immer schon gedacht, dass das cool wäre. Aber nun wirklich zu wissen: „Oh, das passiert wirklich und es passiert jetzt!“ Das war großartig.

Daniel José Older: Ich war zu diesem Zeitpunkt tatsächlich in San Francisco und ich kam nur kurz im Büro vorbei und er sagte: „Komm mal mit in mein Büro!“ Und dann schloss er die Tür und ich dachte mir: „Oh Sch…“ Worum wird diese Unterhaltung sich drehen? Ich dachte mir, dass es gut sein würde, aber ich dachte mir auch: „Oh je.“ Und dann stellte er mir die ganze Idee vor und ich dachte mir: „Das hört sich wirklich unglaublich an und es ist echt spannend, ein Teil davon zu sein.“

The High Republic - Concept Poster
The High Republic – Concept Poster

StarWars.com: Kanntet ihr euch vorher alle schon?

Daniel José Older: Ja, wir haben uns mal ganz kurz getroffen.

Justina Ireland: Auf der San Diego Comic-Con habe ich Daniel getroffen.

Claudia Gray: Daniel und ich wohnen 10 Minuten voneinander entfernt. [lacht] Alle anderen waren brandneu für mich.

Michael Siglain: Und niemand wusste, wer sonst noch gefragt werden würde.

Cavan Scott: Ich war auf der San Diego Comic-Con, wir gingen zum Frühstück und ich hatte ein kleines Notizbuch dabei, in dem lauter Ideen standen, die ich umsetzen wollte und von denen ich Mike erzählen wollte. Ich war darauf vorbereitet und dann hat Mike es [Project Luminous / The High Republic] erwähnt und ich habe mein Notizbuch weggelegt. [Gelächter]

Charles Soule: Wenn wir schon bei den Geschichten sind, wie wir zu dem Projekt kamen: Ich war in New York City, wo ich auch wohne, und Mike war zufällig auch da. Am gleichen Tag hatte ich bereits ein großes Projekt abgelehnt, bei dem ich mir ziemlich sicher war, dass ich es machen würde, aber dann entschied ich mich in letzter Minute, es doch nicht zu machen. Dadurch wurde auf einen Schlag sehr viel Platz in meinem Terminplan frei und Mike und ich hatten uns auf einen Drink verabredet. Wir redeten also und ich meinte: „Oh Mann, weißt du, diese Sache ist passiert und jetzt habe ich so viel Freiraum. Wenn es also demnächst irgendwelche coolen Sachen bei Star Wars gibt…“ Und er meinte: „Also…!“

Michael Siglain: Es war die perfekte Situation.

Charles Soule: Ja, es war fantastisch. Ich dachte mir: Mensch ich wollte diese Sache irgendwie schon machen, aber es war nicht ganz das Richtige. Deshalb sagte ich nein und dann passierte alles nach dem Motto: Du sagst nein zu einer großen Sache… aber dann kommt noch etwas Größeres. Da waren wir also.

Daniel José Older: Ich denke, viele von uns haben die Erfahrung gemacht, dass wir in das Gespräch reingegangen sind mit „Hier ist meine Idee, so soll es aussehen“ und letztendlich dann aber Mike uns seine Idee auf eine großartige Art und Weise vorgestellt hat: „Das ist, was ich machen will. Bist du mit an Bord?“ Es erinnerte sehr an Nick Fury.

Cavan Scott: Ja, wir hatten uns also alle getroffen, aber wir kannten uns nicht – wir hatten eigentlich nur auf den Panels kurz hallo zueinander gesagt. Aber für eine lange Zeit wussten wir gar nicht, wer die anderen Leute sein würden. Es kam dann eine E-Mail mit einer Namensliste und wir dachten uns alle: „Oh! Gut!“

Charles Soule: Jetzt sind wir zum zweiten mal hier auf der [Skywalker] Ranch. Das erste Mal waren wir letzten September hier und verbrachten eine Nacht in Terra Linda, einer kleinen Stadt ein wenig südlich von hier. Wir überachteten zusammen in einem Hotel und trafen uns alle in der Lobby, um zu ersten Mal gemeinsam etwas zu trinken. Und dann gingen wir zusammen abendessen und das war das erste Mal, dass die meisten von uns sich wirklich unterhalten haben.

StarWars.com: Was könnt ihr uns über das verraten, an dem ihr arbeitet?

Claudia Gray: Es geht um Star Wars.

Cavan Scott: Ja.

Justina Ireland: Ja.

Charles Soule: Wie Mike schon gesagt hat: Es ist eine riesige Geschichte, die alle Bereiche des Verlagswesens berührt. Der Umfang ist also gewaltig. Denk nur an die verschiedenen Arten des Geschichtenerzählens, die in Young-Adult-Romane, Kinderbücher, Comics, Romane und all diese Dinge einfließen können. Wo wurde so etwas in der Vergangenheit gemacht? In Filmen und TV-Serien. Wir wollen etwas aufbauen, das hoffentlich in dieser Größenordnung ist. Wir wollen es so groß aufziehen, weil wir eine Menge Handlung zu erzählen haben.

StarWars.com: [zu Charles] Da du aus dem Comic-Bereich kommst, fühlt es sich für dich so an, als hättest du so etwas schon einmal gemacht?

Charles Soule: Es fühlt sich sehr an, als ob du das große Marvel Sommer-Event planst oder etwas Ähnliches. Du musst herausfinden, wo die Geschichten sich kreuzen sollen, was die kleinen Geschichten sind und was das große, zentrale Rückgrat der Geschichte ist.

Claudia Gray: Ich denke, niemand von uns hat schon einmal eine große Multi-Plattform-Initiative gemacht.

Charles Soule: Ja, aber das muss nicht unbedingt etwas bedeuten. Jeder von uns ist mittlerweile in Fahrt gekommen. Wir haben alle definitiv viel Erfahrung, oder?

Daniel José Older: Ich denke auch, dass es andererseits sehr erfrischend ist, dass nichts in dieser Art jemals zuvor gemacht wurde. Es gibt viele Analogien, aber das hier ist, meine ich, eine andere Größenordnung, als alles, was wir von Star Wars oder irgendetwas anderem gesehen haben. Das ist wirklich cool.

StarWars.com: Wie lief es denn bisher mit der Zusammenarbeit und der Ausarbeitung der Geschichten?

Cavan Scott: Bei unserem letzten Treffen haben wir die Geschichten festgelegt und dann wurde jedem von uns die Verantwortung aufgetragen, eine spezielle davon auszuarbeiten. Sie alle speisen letztendlich diese Geschichte, die wir zusammen erschaffen. Das Tolle daran ist gewesen, dass wir uns bei unserer letzten Tagung hier all die verschiedenen Geschichten ausgedacht haben, und nun nehmen wir Elemente aus jeder einzelnen davon, um eine gemeinsame Geschichte zu erschaffen. Und das ist das Tolle daran. Als Autoren arbeiten wir so viele Zeit [alleine], nun gut, bei Comics arbeitet man mit Zeichnern. Bei anderen Arten von Skripten bekommt man es mit Schauspielern und derlei zu tun, doch das hier ist wieder ganz anders, da man es mit fünf kreativen Köpfen zu tun hat. Das bedeutet, dass man eine Art Sicherheitsnetz hat, denn wenn wenn man sich beschwert „Ich weiß nicht, wie ich von A nach B komme!“, dann wird jemand anders sagen: „Warum versuchen wir es nicht so?“ Und aus diesem Vorschlag entfacht sich dann etwas Neues.

Claudia Gray: Es ist wirklich toll, [die Story Group] hier zu haben, denn wenn man fragt, „Was passiert mit diesem Planeten?“, dann kommt von Pablo sofort wie aus der Pistole geschossen: „Nun, auf jenem Planeten lebt diese Spezies und vor 2.000 Jahren ist dort das passiert.“ Es ist großartig, all dieses geballte Wissen in einem Raum zu haben. Manchmal sagen sie: „Oh! Ich weiß, was ihr dafür verwenden könnt.“ Das hilft wirklich. Man ist nicht auf sich allein gestellt, so nach dem Motto: „Na mal schauen ob das so klappt.“

Justina Ireland: Genau. Ich denke auch, dass es gut ist, dass niemand dieselbe Story erzählen möchte. Wir alle gehen es anders an. Klar, die gemeinsame Grundidee existiert, aber wir alle nehmen diese Idee und gehen mit ihr in verschiedene erzählerische Richtungen davon. Das führt zu dem zurück, was Mike sagte, dass es eine große Geschichte – eine sehr große Geschichte – ist, aber dass man einen Comic haben wird, der sich ganz anders anfühlen wird als der Jugendroman, ebenso wie der Erwachsenenroman sich anders anfühlen wird als der Young-Adult-Roman. Wenn es also etwas gibt, das man unbedingt und mit Leidenschaft in diesem narrativen Rahmengerüst machen möchte, dann gibt es dafür auch einen Raum. Diese Gruppendynamik existiert nicht bei allen gemeinsamen Schreibprojekten. Manchmal fühlt es sich eher so an, dass man seine Wünsche für das Wohl der Gruppe zurückstellen muss, doch das ist hier nicht der Fall.

Charles Soule: Du solltest ihnen von dem Slack[-Messaging-Dienst] erzählen, da du ihn eingerichtet hast, richtig? Und ihn nach dir selbst benannt hast?

Justina Ireland: Ja! Aber ich habe ihn nicht nach [mir selbst] benannt. Er heißt „Jawas Incorporated!“

Charles Soule: Und wie lauten nochmal deine Initialien? [Gelächter]

Justina Ireland: Nein, das war wegen Cavs Kommentar über die Jawas als wir das letzte Mal hier auf der Ranch waren! Und wir sagten: „Oh, wir sind wie die Jawas. Jawas Incorporated!“ Ich wünschte, ich wäre derart größenwahnsinnig.

Daniel José Older: Womit wir wieder bei dem wären, was ich sagen wollte, nämlich dass es wirklich Spaß gemacht hat, das hier schon einmal gemacht zu haben – wir haben uns alle hier getroffen, miteinander Zeit verbracht, viel über die Kreativität und den Humor und die Arbeitsweise der anderen und so weiter erfahren. Auch jetzt beim zweiten Mal macht es viel Spaß und wir vertrauen einander bereits.

Claudia Gray: Keine Ahnung, ob das hier relevant ist oder nicht, aber außerhalb dieses Projekts habe ich an Meister und Schüler gearbeitet, während Cav an dem Hörspiel [Dooku: Jedi Lost] arbeitete, und offensichtlich gibt es da viele Überschneidungen, da Dooku ja Qui-Gons Meister ist. Wenn wir uns nicht über den Slack-Kanal verknüpft hätten… Ich glaube wirklich, dass das Buch dadurch viel besser wurde, dass ich wusste, was du vorhattest. Ich weiß, dass eine meiner Figuren quasi abtrünnig wurde und jetzt in dem Hörspiel umherirrt, wo du sogar noch bessere Dialoge für ihn schreibst als ich, und wie kannst du nur! [Gelächter] Aber [das Buch] wurde dadurch so viel besser, da wir uns austauschen und dafür sorgen konnten, dass die beiden Erzählungen wirklich zueinander passten.

Michael Siglain: Es hat euch auch alle als Einheit gestärkt. Ihr seid genau, was diese Initiative ist. Ihr seid die Jedi, die zum Wohle der Allgemeinheit zusammenarbeiten.

Justina Ireland: Ich dachte, du würdest jetzt sagen: Hey now, we’re all stars, gotta get our game on. Go play. [Gelächter] [Anm. d. Übers.: Wer das nicht verstanden hat, der mache auf YouTube seine Hausaufgaben.]

Michael Siglain: Das auch, das auch.

Justina Ireland: Können wir das sagen? Wir befinden uns in der „High Republic“. Wir nennen es die High Republic, was bedeutet, dass es vor Die dunkle Bedrohung spielt.

Michael Siglain: Es ist eine brandneue Ära für Geschichten, die die Jedi auf ihrer Höhe zeigen – inspiriert von dem Zitat: „Über tausend Generationen lang waren die Jedi die Hüter des Friedens und der Gerechtigkeit in der Republik.“ Wie sieht das aus? Dies sind ihre Geschichten.
Wir setzen 200 Jahre vor Die dunkle Bedrohung an. Wir stellen die Jedi so heldenhaft wie nur möglich dar und konzentrieren uns wirklich auf das, was sie tun. Zu den Grundthemen gehören die Erkundung und Erweiterung der Galaxis, und aus einer gewissen Perspektive betrachtet tun die Autoren dasselbe. Sie befinden sich auch auf Erkundungsreise und fragen sich: „Was können wir bewirken? Was können wir tun? Wie können wir das so groß und episch machen wie nur denkbar, aber so, dass es trotzdem zu 100 Prozent authentisches Star Wars ist?“ Das ist die kreative Herausforderung, und sie ist gut.

StarWars.com: Ihr begebt euch in eine neue Ära, wo es wahrscheinlich auch neue Charaktere geben wird. Ist das besonders aufregend, eine leere Leinwand zu haben?

Cavan Scott: Ich schätze, ich würde es befreiend nennen, da wir eine neue Leinwand erschaffen. Wir füllen keine Lücken und bereiten auch keiner anderen Geschichte den Weg. Wir erschaffen einen neuen Raum.

Daniel José Older: Es ist so aufregend wegen des Worldbuilding und den historischen Aspekten, denn diese Quelle fantastischen Materials hat noch niemand angezapft. Und niemand kann dann sagen: „Aber damals ist doch schon das passiert!“ Wir haben sehr viel Spielraum.

Charles Soule: Das stimmt alles, aber ich würde auch lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass es auch einschüchternd ist, da man einen neuen Schurken erschafft. Dieser muss sich ja sofort mit Palpatine, Vader, Kylo und Snoke messen. Das zwingt einen, wirklich alles zu geben, da man zwar nicht im Wettstreit steht, aber trotzdem an den größten Star Wars-Schöpfern der letzten 40 Jahren gemessen werden wird, von George Lucas über Tim Zahn bis hin zu allen anderen. Es ist ein interessanter, aber aufregender Prozess. Es zwingt uns, wirklich die geballte Macht der All-Star-Initiative zu bringen. [Anm. d. Übers.: All-Star Initiative war der Codename des Projekts, bevor es Project Luminous genannt wurde.]

StarWars.com: Ihr habt die Story Group erwähnt. Was war deren Funktion bei alledem? Stellen sie einfach nur sicher, dass—

Daniel José Older: Sie sind Yoda. [Gelächter]

Charles Soule: Nein, sie sind Jocasta Nu!

Michael Siglain: Sie sind gleichwertige Partner, die diese Geschichte und diese gesamte Ära mit uns bauen. Tatsächlich glaube ich, dass es [Story Group VP] James Waugh war, der sich den Namen „High Republic“ ausdachte. Die Story Group hält uns auf Kurs und stellt sicher, dass es noch authentisches Star Wars ist, aber sie helfen uns auch mit den Leitplanken, die abgrenzen, was wir tun können und was nicht, falls irgendetwas schon anderswo so gemacht wird, denn wir wollen es absolut vermeiden, dass unsere Geschichte einer ähnelt, die bereits da draußen ist. Wir wollen sichergehen, dass sich das hier neu und frisch und originell anfühlt, also helfen sie uns mit Anmerkungen wie: „Oh, das passiert bereits dort, also vermeidet das, und das passiert bereits da.“ Und wenn es um spezielles Faktenwissen geht, beispielsweise: „Kann diese Spezies dies tun? Kann diese Figur das tun?“ Sie sind unsere Komplizen und Wegbegleiter. Sie sind unschätzbar.

Project Luminous Autoren
Das Team von Project Luminous am Abend der Enthüllung am 24.02.2020 (Quelle: Daniel José Older/Twitter)

StarWars.com: Ich weiß, dass wir keine Details besprechen können, doch bei welchem Detail freut ihr euch am meisten, dass die Fans es nach der Ankündigung endlich wissen?

Charles Soule: Ich freue mich darauf, dass sie wissen, dass es eistiert, und das wir fünf das machen! [Die Gruppe stimmt zu.] Das mag zwar sehr eigennützig sein, aber— [Gelächter]

Justina Ireland: Ich bin froh, dass du es gesagt hast, sodass ich es nicht sagen musste!

Charles Soule: Wir alle wussten schon seit mehr oder weniger letzten Sommer [2018] darüber Bescheid, also waren wir aufgeregt, alle anderen Beteiligten waren aufgeregt, doch wir wollten das mit den Fans teilen, da wir glauben, dass sie auch sehr aufgeregt sein werden. Selbst bei der High Republic alleine werden sie sich denken: „Oh, oh, Mann!“

Claudia Gray: Ich war tatsächlich bei einer Con, und das war noch vor der Ankündigung von Meister und Schüler, aber ich wusste, dass beide diese Dinge geschehen würden, und bei der Fragerunde gab es zwei Fans – die waren aufrichtig besorgt und hoffnungsvoll, aber auch besorgt. Sie fragten: „Warum schreibst du nicht noch mehr? Wieso machst du das nicht?“ Wir fragten uns, ob es ein Problem gab, ob das Fandom Bescheid wissen muss? Ich sagte dann: „Ich glaube, es wird alles in Ordnung sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das wieder machen werde.“ Sie waren echt lieb.

Cavan Scott: [An Charles] Als deine Vader-Reihe endete war es genauso, oder? Und bei Poe [Dameron]?

Charles Soule: Ja!

Cavan Scott: Du sagtest stets: „Da kommt noch mehr, es gibt eine Zukunft.“

Claudia Gray: Auf einer Mikroebene betrachtet arbeite ich einfach auch als Geschichtenerzählerin auf diese Weise. Die Tatsache, dass wir ein paar Individuen und ein paar maßgebliche emotionale Momente zu identifizieren beginnen, das ist es, was mich wirklich packt. Diesen Charakter, diese Welt, die wir bauen, finde ich einfach so faszinierend. Aber was alledem Leben einhaucht sind natürlich die Leute und die großen Momente.

Cavan Scott: Genau! Wenn wir von dieser Tagung weggehen, werden wir damit beginnen, das Universum zu bevölkern.

Claudia Gray: Das klingt lustig! [Sie lacht]

Cavan Scott: Bei uns Fünfen! Man stelle sich nur die Kinder vor! [Gelächter]

Daniel José Older: Star Wars-Fans lieben Erzählungen, aber sie lieben auch Geschichte im historischen Sinne—

Justina Ireland: Das geht mir genauso!

Daniel José Older: Das ist bei uns allen der Fall, genau. Und dies ist eine Gelegenheit, ihnen diese Art von Geschichte zu geben… Wir nehmen dieses historische Stück in Angriff, das schon so lange überliefert wurde, doch nun dürfen wir es endlich erkunden. Das ist fantastisch.

Justina Ireland: Das ist es – wenn man die Filme, insbesondere die klassische Trilogie, schaut, dann gibt es da so viel, was nie explizit gesagt wird, beispielsweise warum die Dinge so sind, wie sie sind. Aber impliziert wird es alles. Nun können wir euch sagen, warum manche dieser Dinge so sind, wie sie sind. Wir können manche dieser Brotkrumen nehmen und daraus einen ganzen Laib basteln.

Cavan Scott: Und dabei weitere Brotkrumen einstreuen. So läuft das eben.

Claudia Gray: Alle Elemente dieser Geschichte enthalten Verknüpfungen und wir sind in der Lage, Verknüpfungen zu anderen Teilen und anderen Geschichten herzustellen, die wirklich viel im Universum verbinden werden.

Charles Soule: Eines der Dinge, die diese Initiative und insbesondere die beiden Trips zur Skywalker Ranch so unterhaltsam gemacht haben, ist, dass wir hier in George Lucas‘ Kino Eine neue Hoffnung und dann Das Imperium schlägt zurück schauten konnten. Es ist ein wunderschöner Ort im Art déco-Stil. Wir konnten die bestmögliche Version des Films mit dem bestmöglichen Ton und alledem schauen. Aber Cav und Claudia haben Recht, wenn sie sagen, das es diese kleinen Momente und kleinen Handlungsstränge gibt, die man wiederverwenden kann – beispielsweise wenn Yoda auf Dagobah über etwas spricht und wir uns denken: „Oh, also das kann direkt eine Jedi-Philosophie aus der Zeit beeinflussen, die wir in The High Republic beleuchten.“ Das ist das Quellmaterial. Das sind die Bibeln. Diese Filme hier auf diese Weise erleben zu dürfen ist fantastisch.

Daniel José Older: Besonders wenn man gerade eifrig dabei ist, die nächste Generation von Star Wars-Geschichten zu erschaffen, und dann 40 Jahre zurückreist und schaut, was die erste Generation ausmachte, verwurzelt uns das doch sehr darin.

Cavan Scott: Ich denke, wir verlegen die Bausteine für künftige Generationen.

Daniel José Older: Exakt.

Cavan Scott: Wir bereiten Dinge in diesem Teil der Galaxis vor, auf denen Leute in der Zukunft aufbauen werden, wenn sie die Geschichte voranbringen. Und so lief das schon immer bei Star Wars. Diese Geschichte hatte zu Beginn schon eine massive Vergangenheit, doch sie bewegt sich nach vorne. Ich glaube, das ist es, was wir tun.

StarWars.com: Als Autoren mit euren eigenen Geschmäckern abseits von Star Wars, gibt es irgendwelche Charaktertypen oder andere Dinge, die ihr in Star Wars sehen wollt, mit denen ihr nun endlich spielen könnt?

Justina Ireland: ich werde die Galaxis mit den niedlichsten verdammten Aliens bevölkern, die ihr euch nur vorstellen könnt.

StarWars.com: Star Wars braucht niedliche Aliens.

Justina Ireland: Es braucht mehr niedliche Aliens. So viele pelzige kleine Viecher mit Lichtschwertern… [Sie lacht] Ich liebe süße Viecher. Ich liebe sie einfach. Ich liebe komödiantische Momente und ich liebe diese Momente bei Star Wars. Ich freue mich darauf, diese wirklich köstlichen, lustigen Momente zu haben. Und ich liebe auch Horror, und da Star Wars und Horror seit jeher miteinander einher gehen, mag ich das auch. Niedliche, struppelige Kreaturen, die lustig und furchterregend zugleich sind. [Sie lacht]

Daniel José Older: Und die einem den Kopf abreißen. Was das angeht, so glaube ich, dass Star Wars immer schon gut darin gewesen ist, von Genre zu Genre zu springen, und dass das auch immer weiter ausschöpfbar ist. Es gibt Horrorelemente, aber auch Mittelalter-Fantasy und epische Fantasy, es gibt romantische Elemente, und da man wirklich so viel Spielraum hat, bedeutet das, dass wir uns jedes davon gründlich vornehmen können anstatt sie nur hier und da mal zu berühren. Wir können da wirklich tief eintauchen.

Claudia Gray: Das ist auch einer meiner Lieblingsaspekte. Wir werden alle sehr verschiedene Werke in sehr verschiedenen Geschmacksrichtungen schreiben dürfen. In dieser Initiative gibt es Raum für Geschichten für Kinder, Geschichten für Erwachsene—

Daniel José Older: Sie hat nicht nur eine Ästhetik.

Claudia Gray: —Gruselgeschichten, Bücher, Comics.

Cavan Scott: Hörspiele.

Charles Soule: Sie könnte sogar über die Verlagswelt hinausgehen. Sie kann wirklich alles sein.

Claudia Gray: Sogar humoristisches Material. Ich glaube, es gibt auch für solche Sachen Platz.

The High Republic - Concept Poster
The High Republic – Concept Poster by Phil Noto

Daniel José Older: Mit Star Wars hat man außerdem immer die Möglichkeit, tief in Belange von Kultur, Geschichte oder einfach der Art, wie Menschen mit Spiritualität und Macht umgehen, einzutauchen. All das macht die Star Wars-Welt aus, womit wir einfach nur eine gute Geschichte in ihr erzählen müssen, damit sich diese Elemente immer wiederfinden lassen.

Charles Soule: Die Zusammenarbeit ist etwas, das ich immer geliebt habe; wie gestern erst, als wir eine bestimmte Gruppe von Figuren mit einer gewissen Terminologie versehen wollten, und einige Leute im Raum meinten, dieses Wort bringe eine Geschichte mit sich, von der wir uns lieber fernhalten sollten. Das ganze wurde dann, wie Daniel schon sagte, zu einer echten kulturellen Auseinandersetzung. Nicht zu vergleichen mit Gesprächen über das Schreiben von Lichtschwert-Geschichten oder Ähnlichem. Das macht Star Wars zu so einem großartigen Panoptikum, das sich zu erforschen lohnt.

Daniel José Older: Genau deswegen war das Arbeiten in dieser Gruppe so eine großartige Erfahrung.

Charles Soule: Weil wir alle anders an die Sache herangehen.

Cavan Scott:  Ich liebe es, herauszufinden, wie die anderen arbeiten, wie sie denken und wie wir uns gegenseitig herausfordern —

Daniel José Older: Wir verfolgen alle ganz andere Ansätze.

Cavan Scott: Ganz(!) andere Ansätze.

Charles Soule: Immerhin kommt Cav ja auch aus Großbritannien! [Lacht]

Cavan Scott: Ja, ich gehöre dem Imperium an! Ich bin mächtig böse! Aber so können wir die Stärken des jeweils anderen unterstützen, weil wir lernen, wo sie überhaupt liegen. Und uns so, wie schon gesagt, gegenseitig in Richtungen lenken, in die wir sonst wohl nie gegangen wären.

Daniel José Older: Dabei bringen alle viele kreative Ideen mit. Die Vorstellungskraft der anderen zu erleben, war sehr faszinierend. Das Schöne ist, dass niemand dem anderen auf die Füße tritt. Wir überschneiden uns, klar, aber jeder bringt Teile von dem mit, das er liebt oder womit er zu kämpfen hat. Es ist großartig, dieses Zusammenspiel beobachten zu dürfen.

Cavan Scott: Wir waren alle aufrichtig miteinander.

Daniel José Older: Sehr sogar. Aber ohne Vertrauen geht es nicht, oder?

Claudia Gray: Nebenbei gesagt sind Nerd-Diskussion auch einfach spaßig. Also so richtig.

StarWars.com: Das Schreiben ist an sich ja eine eher einsame Beschäftigung, war es seltsam —

Daniel José Older: Ist es nicht!

StarWars.com: Ist es nicht?

Daniel José Older: Finde ich nicht, nein, nicht wirklich. Nicht mehr. Ich glaube, dass das mal als Stereotyp galt, aber mit Dingen wie Slack oder den sozialen Netzwerken wird alles eher zu einem kollaborativen Prozess, wenn man es denn will. Das ist ganz anders, als sich hinzusetzen und einfach ein Buch zu schreiben.

Michael Siglain: Alles fußt auf der Zusammenarbeit.

Cavan Scott: Dieser Arbeitsprozess hätte so vor zehn Jahren sicher noch nicht ablaufen können. Denn, sind wir mal ehrlich, heute können wir Nachrichten über den Atlantik oder über die ganzen Staaten hinweg verschicken —

Charles Soule: Und Bilder von unseren Hunden!

Cavan Scott: Ja, ganz genau. Aber das ist der Punkt. Es ist viel spaßiger geworden. Wir wurden Freunde, die zusammen eine gute Zeit verbrachten. Wir haben von Beginn an gesagt, dass es bei Star Wars um neu gefundene Familien geht, und so ist es bei uns auch, was, so hoffe ich, auch auf die Geschichten übergehen wird.

Daniel José Older: Normalerweise ist es bei Star Wars-Geschichten immer so, dass man unterbewusst denkt: „Okay, ich bediene mich hier gerade dem Werk eines anderen“. Und so entsteht ein Maß an Respekt, welches einen von gewissen Einfällen abhält, die man gerne eingebracht hätte. Das gilt so noch immer, auch wenn ich denke, dass wir das Werk kreativ gesehen auf eine neue Stufe bringen. Wir haben den Rahmen ausgelotet und versuchen jetzt, zu erschaffen, was in unserer Macht liegt und was nicht. Das Erlebnis ist ein ganz anderes, was es so besonders macht.

StarWars.com: Es scheint, als wäre The High Republic ein sehr weitläufiges Konzept. Seht ihr denn bereits, wo es mal enden wird und wie das Gesamtbild aussehen wird? Wie könnte es sich anfühlen, zurückzublicken?

Justina Ireland: Ich glaube, momentan stecken wir zu tief drin, um zu sehen, wo es mal enden wird. Das ist so eine Sache mit dem Schreiben: Man beendet seinen ersten Entwurf für ein Buch und denkt: „Das ist noch nicht wirklich das, was es sein soll. Es sollt eher so und so sein.“ Also schreibt man um, formuliert neu, restrukturiert…und wenn es dann zu einem richtigen Buch geworden ist, hat es nicht mehr viel mit dem zu tun, was man begonnen hat. Ich glaube, dass wir genau in dieser Phase sind, einer des Wandels. Wir hatten sozusagen einen Urknall, bei dem die Dinge beginnen, zusammen zukommen; aber für mich das Ganze erst greifbar wird, wenn ich das alles mit Geschichten füllen kann.

Claudia Gray: Wir haben eine Idee, wo das größere Narrativ mal hin soll —

Cavan Scott: Die Richtung ist bekannt.

Claudia Gray: Es gibt einen Zielpunkt, aber erst müssen wir eintauchen, um zu sehen, welche Geschehnisse eigentlich die wichtigsten sein werden. Welche Figuren finden das meiste Interesse? Das wird sich im Laufe der Zeit abzeichnen. Klar will man nicht ziellos umherirren, aber man will frei genug sein, um Ideen Raum zur natürlichen Entwicklung zu lassen. Es wird nur größer und besser werden.

Cavan Scott: Wenn all das hier vorüber ist, und ich glaube, das wird noch einige Jahre dauern, kommt ihr vielleicht wieder zu uns auf die Ranch, um mit uns zu reden. Drücken wir die Daumen, was?

Aber ich habe wirklich das Gefühl, dass wir am Anfang des Weges stehen und da einiges Cooles auf uns zukommt.

StarWars.com: Wird es in den anderen Star Wars-Geschichten, die ihr schreibt, Verweise auf dieses Projekt geben?

Michael Siglain: Die gibt es schon!

Justina Ireland: So viele Easter Eggs…

Daniel José Older: Einiges ist schon aufgetaucht. Vor allem Easter Eggs, ja.

Cavan Scott: Es kommt gerade schon mehr dazu.

Claudia Gray: Absolut.

Charles Soule: Es werden auch Details der Geschichten, die wir schon geschrieben haben, Einfluss haben. Star Wars ist ein vernetztes Universum, womit man sich aus allen Bereichen bedienen kann. Und das haben wir auch vor.

Cavan Scott: Auch der Geschichten, die andere erzählen. An all unsere Mitautoren, die momentan nicht Teil dieser Initiative sind: Wir alle lesen eure Werke. Wir sind im ständigen Kontakt mit den anderen Kreativen, wir arbeiten auch mit ihnen. Es gibt jetzt Buchinhalte von drei oder vier Jahren, die wir einbringen können —  viele von uns kennen auch noch die alten Legends-Geschichten, die wir ebenfalls nutzen können, während wir etwas Neues machen. Es gibt also unglaublich viele Quellen für dieses Projekt.

Daniel José Older:  Wie zum beispiel Kampf um Endor.

Justina Ireland: Ich versuche so sehr, das einzubringen. [Lacht]

Daniel José Older:  Ich weiß, dass das [im Kanon] gar nicht existiert.

StarWars.com: Die grobe Idee der Geschichte —  kam das von dir, Mike, oder habt ihr das alle zusammen erdacht?

Michael Siglain: Es passierte an diesem Tisch. Beim ersten mal, als wir alle auf die Ranch geholt haben: also Autoren, die Story Group, das Publishing-Team, haben wir nur über Geschichten geredet. Ein paar Tage lang ging es um die Frage: „Was mögen wir am Franchise so sehr? Was würden wir gerne mal erzählt sehen? Was sollte veröffentlicht werden? Was lesen wir, was mögen wir, was schauen wir uns an?“ Dann hat jeder verschiedene Ideen und Geschichten vorgestellt, die wir uns intern angesehen haben. Alle waren begeistert von den Geschichten, dann entschieden wir: „Also gut, wie verfolgen diese hier“, Cavs Idee. Das soll jetzt nicht fies klingen, Cav, aber es es ist jetzt nicht länger nur deine Geschichte.

Cavan Scott: Schon als öffentlich über sie geredet wurde, gehörte sie nicht mehr mir. Es wurde unsere Geschichte.

Michael Siglain: Da hast du vollkommen Recht. Cav mag zwar das Fundament gesetzt haben, aber alle haben geholfen, das Haus zu bauen. Wir greifen auf all die vorangegangen Geschichten zurück, um diese epische, umfangreiche Saga zu erzählen, die immer noch durch und durch Star Wars ist, aber vollkommen neu. Das wird spannend.

StarWars.com: Gibt es noch letzte Anmerkungen zu diesem Projekt oder euren Gefühlen diesbezüglich?

Justina ireland: Die Galaxie ist groß genug für alle.

Daniel José Older: Wir haben einfach jede menge Spaß und das wird sich in unserer Arbeit niederschlagen.

Claudia Gray: Es wird spannend sein, an einem Projekt dieser Größenordnung zu arbeiten. Jedes Buch und jeder Comic wird sein eigenes Ding sein. Wie gesagt, es gibt genügend Raum für Geschichten aller Art. Zu sehen, wie alles auf einem höheren Level zusammenhängt, um dann zu entscheiden wo man im Detail hin möchte, ist für mich unglaublich aufregend.

Florian und Tom-Michael haben an der Übersetzung mitgearbeitet.

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