Rezension: Dooku: Jedi Lost von Cavan Scott

„I hate it here“, sagt Asajj Ventress zu Beginn des Hörspiels Dooku: Jedi Lost. Und die Geschichte beginnt nicht nur mit diesen Worten, sie endet auch mit „I hate it here“. Das klingt fast so, als würde sich zwischen Anfang und Schluss nicht viel entwickeln. Das stimmt sogar zum Teil, zum Teil stimmt es überhaupt nicht. Das Hörspiel hat aus meiner Sicht große Stärken, aber auch erhebliche Schwächen. Ob am Ende das Gleichgewicht der Macht stimmt und für wen sich Dooku: Jedi Lost lohnt – das erfahrt ihr hier.

Die Geschichte

Dooku: Jedi Lost (30.04.2019)
Dooku: Jedi Lost (30.04.2019)

Dooku: Jedi Lost ist die erste Star Wars-Kanon-Geschichte, die – erst einmal – ausschließlich als Hörspiel erscheint. Im September soll eine schriftliche Ausgabe veröffentlicht werden. Den Anspruch an die Geschichte formuliert der Verlag Penguin Random House so: „Wer war Count Dooku, bevor er die rechte Hand des Sith wurde?“ Also: Wer war Dooku vor der Zeit von Der Angriff der Klonkrieger. Das Hörspiel will also nicht weniger sein als Dookus Lebensgeschichte. Weil diese rund acht Jahrzehnte umspannt, benutzt der Autor Cavan Scott einen erzählerischen Trick: Er lässt die Geschichte auf zwei Erzähl-Ebenen spielen.

Die erste Ebene ist die Rahmenhandlung. Sie wird erzählt aus der Perspektive von Asajj Ventress. Es ist die Ventress, die wir in den The Clone Wars erleben – die Attentäterin von Count Dooku. Sie befindet sich in Dookus Festung auf dem Planeten Serenno und durchforstet Dookus Tagebücher. Genauer handelt es sich um einen holographischen Briefwechsel, den Dooku über Jahrzehnte mit seiner Schwester Jenza geführt hat. Diese Schwester soll Ventress für Dooku aufspüren. Deswegen taucht sie in einzelne Episoden seiner Vergangenheit ab.

Diese Episoden sind die zweite Erzählebene. Wir Hörer erleben sie aus Dookus Sicht: Als noch sehr junger Jedi schließt er Freundschaft mit Sifo-Dyas. Dooku erfährt, dass er Sohn des Count von Serenno ist und dass er eine Schwester und einen Bruder hat. Danach erleben wir Dooku, wie er Yodas Padawan wird, wie er sich die Ränge der Jedi hocharbeitet, wie er Meister von Qui-Gon Jinn wird, wie er erste Einblicke in die dunkle Seite erhält, wie er immer wieder von der Republik und den Jedi enttäuscht wird und schließlich wie genau er Count von Serenno wird.

Das alles wird episodenhaft aneinander gereiht – es sind immer wieder andere Schauplätze, andere Konflikte. Verbunden werden die Episoden durch die Rahmenhandlung um Asajj Ventress. Diese Geschichte um Ventress wiederum nimmt selbst auch reichlich Platz ein. Wir erleben sie auf der Suche nach Dookus Schwester und wie sie dabei von einer Art gutem Gewissen geplagt wird: die Stimme ihres früheren Jedi-Meisters Ky Narec. Das ist der Jedi, den man nur kurz in The Clone Wars sieht, in einem Rückblick auf Ventress‘ Leben. Sie befindet sich also in einem Spannungsfeld zwischen ihrem früheren Jedi Mentor Ky Narec und ihrem aktuellen Meister, dem Sith-Lord Dooku. Wie sie diesen Konflikt ausfechtet, ist der Rahmen von Dooku: Jedi Lost.

Die Audio-Produktion

Dooku: Jedi Lost ist ohne Zweifel aufwändig und professionell produziert. Ganze zwölf Sprecher tragen die Geschichte fast sechseinhalb Stunden lang. Der Klang ist tadellos. Ich finde aber die Auswahl der Sprecher nur zum Teil gelungen. Und die Musik ist – ich muss es so sagen – eine Katastrophe.

Fangen wir mit den Stimmen an. Asajj Ventress klingt für mich total authentisch – fast genau wie die Ventress aus The Clone Wars. Die Sprecherin Orlagh Cassady kommt sehr nah die Original-Ventress-Stimme von Nika Futtermann heran. Für mich trifft sie den Charakter auf den Punkt. Schwieriger finde ich das beim zweiten Protagonisten: Dooku. Der wird ja in den Filmen und The Clone Wars von Christopher Lee und Corey Burton verkörpert. Beide haben in ihrer Stimme sehr tiefe, bassig-vibrierende Anteile. Diese fehlen Euan Morton, dem Dooku-Sprecher in Dooku: Jedi Lost, völlig. Deswegen fiel es mir sehr schwer, mich beim Hören an die Dooku-Stimme zu gewöhnen. Erschwerend hinzu kam, dass ich den jungen Dooku und den jungen Sifo-Dyas kaum auseinander halten konnte. Beide klingen für mich zu ähnlich.

Abgesehen davon kann man den Sprechern aus meiner Sicht keinen Vorwurf machen. Die schauspielerische Leistung funktioniert bei mir, ich nehme allen ihre Rollen ab. Und manche Nebenfiguren kommen sogar richtig klasse rüber – vor allem Marc Thompson als Yoda und Jonathan Davis als Qui-Gon Jinn.

Anders sieht das für mich bei der Musik aus. Der Regisseur und Produzent Kevin Thompson setzt die Musikstücke über weite Strecken völlig deplatziert ein. Beispiel: Wir hören, wie Ventress über ihren dunklen Meister Count Dooku sinniert, und dazu erklingt das Stück Across the Stars – das Signaturthema von John Williams für die Liebesgeschichte von Padmé Amidala und Anakin Skywalker. Anderes Beispiel: Yoda sagt sinngemäß „Wir werden jetzt tun, was wir können, um den Zivilisten nach dieser Natur-Katastrophe zu helfen“ und dazu läuft der Imperial March – das Thema für Darth Vader und das Imperium.

Mich persönlich haut sowas raus. Die Star Wars-Musik-Themen von John Williams sind für mich zu sehr auf bestimmte Situationen oder bestimmte Charaktere geprägt. Wenn Across the Stars läuft, sehe ich vor meinem geistigen Auge Anakin und Padmé. Ich kann dann nicht zuhören, was Ventress sagt, ohne mich zu fragen: Wieso kommt jetzt bitte diese Musik? Der Produzent von Dooku: Jedi Lost verletzt nach meinem Empfinden in solchen Momenten die akustische Ästhetik von Star Wars. Und das ärgert mich beim Hören. Es ärgert mich sehr.

Die Charaktere

Die entscheidende Frage mit Blick auf die Charaktere ist für mich: Gewinnen die Hauptfiguren Dooku und Ventress durch dieses Hörspiel an Tiefe? Meine Antwort: Ja und nein.

Was der Autor Cavan Scott mit Dooku macht, gefällt mir richtig gut. Wir erleben einen Dooku, der im Laufe seines Lebens immer mehr enttäuscht wird von der Republik und den Jedi. Dabei sehen wir viele Facetten seiner Person: Auf der einen Seite der penible und noble Jedi, auf der anderen Seite der skrupellose Macher. Gut finde ich auch, dass Dooku mit inneren und äußeren Konflikten zu kämpfen hat: Seine Pflichten als Jedi gegen sein Erbe auf Serenno. Überrascht war ich nur, dass Palpatine in dieser Geschichte so gut wie keine Rolle spielt. Ich hatte erwartet, dass der Sith-Lord Dooku bei seiner Abkehr vom Jedi-Orden stark beeinflusst – so wie wir es im Legends-Roman „Darth Plagueis“ erleben. In Dooku: Jedi Lost sehen wir das nicht. Was aber gut ist: Wir lernen Dookus Familie kennen – vor allem seinen Vater, seinen Bruder und seine Schwester. Sie werden für mich recht nachvollziehbar und schlüssig gezeichnet, nur der Bruder ist mir etwas zu stumpf, kurzsichtig und eindimensional böse. Selbst „böse“ Charaktere brauchen doch auch sympathische Züge! Was aber wirklich interessant ist: Cavan Scott schenkt uns eine neue Jedi-Meisterin, die auch mal die dunkle Seite erkundet: Lene Kostana. Auch sie trägt dazu bei, dass mir Dooku als Charakter näher kommt. Ich kann viel besser verstehen, warum er in Attack of the Clones und The Clone Wars so ist, wie er ist.

Anders ist das bei Ventress. Am Anfang des Hörspiels sagt sie – wie oben geschrieben – „I hate it here“. Und am Ende sagt sie wieder diese Worte. Dazwischen entwickelt sich Ventress zwar weiter, aber aus meiner Sicht ist diese Weiterentwicklung total unbedeutend. Sie lässt mich völlig kalt. Ich sehe Ventress nicht mit anderen Augen. Genauer kann ich das nicht erklären, sonst müsste ich das Ende verraten.

Die Dramaturgie

Beim ersten Mal Hören hab ich gedacht: Was soll immer dieser Käse mit der Ventress? Können wir nicht einfach bei Dooku bleiben? Beim zweiten Hören hab ich akzeptiert, was der Autor Cavan Scott mit Ventress erreichen wollte: Er wollte offenbar Dookus Lebensgeschichte nicht streng linear durcherzählen, sondern er wollte sie in Episoden durchleuchten. Deswegen der Kniff, dass Ventress Dookus Tagebücher durchforstet. Okay, das hält die Episoden irgendwie zusammen. Aber die Rahmenhandlung selbst – Ventress soll Dookus Schwester finden – finde ich trotzdem schwach. Und dafür nimmt sie viel zu viel Raum ein.

Dabei finde ich an sich prima, dass Dooku eine Schwester hat, die er mag. Das gibt ihm mehr Tiefe und stürzt ihn in einen Konflikt. Jedi dürfen sich ja persönlich nicht binden. Sie dürfen keine Familie haben. Trotzdem hält Dooku Kontakt zu seiner Schwester. Das trägt am Ende auch wesentlich dazu bei, dass er den Jedi-Orden verlässt. Aber trotzdem hätte der Autor Cavan Scott Dookus Schwester sinnvoller einsetzen können – vor allem ganz am Ende.

Ich persönlich hätte vielleicht die Rahmenhandlung nicht auf Ventress und Dooku gemünzt, sondern auf Palpatine und Dooku. Dann hätte man Palpatine am Ende sagen lassen können: „Dooku, Du hast Deine Schwester gefunden. Jetzt töte sie! Beweise, dass Du bereit bist für die dunkle Seite. Werde mein Schüler!“

Fazit

Das Hörspiel Dooku: Jedi Lost ist aus meiner Sicht kein Muss für jeden Star Wars-Fan. Dafür finde ich die Rahmenhandlung zu unbedeutend und auch die meisten der einzelnen Episoden aus Dookus Leben würde ich nicht als denkwürdig bezeichnen. Ich habe beim Hören keine wirklichen Überraschungen erlebt, keine besonders spektakulären Aktionen, keine großen Lacher. Abgesehen von Jedi-Meister Lene Kostana habe ich auch keine neuen, interessanten Charaktere kennengelernt.

Da gibt es meiner Meinung nach wirklich rundere Star Wars-Geschichten – auch zum Hören. Wer eine Geschichte aus dem neuen Kanon will, ist zum Beispiel mit dem Hörbuch zu Master and Apprentice bestens bedient. Wer eine Legends-Geschichte hören möchte: Darth Plagueis!

Wer sich aber sehr für die Vorgeschichte von Count Dooku interessiert, der darf Jedi Lost nicht ignorieren. Nirgendwo sonst erfahren wir so viele Details, wie in diesen Episoden aus Dookus Leben: Seine Freundschaft zu Sifo-Dyas, Dookus erste Zeit unter Yoda, Dooku als Meister von Qui-Gon Jinn und vor allem wird endlich mal erzählt, was Dooku eigentlich an der Republik und den Jedi stört, warum er den Jedi-Orden verlässt und wieso er eigentlich Count of Serenno werden kann – seine ganze Familiengeschichte. Das finde ich im Großen und Ganzen zufriedenstellend. Dafür kann man sich Dooku: Jedi Lost gut anhören. Man braucht aber eine gewisse Schmerztoleranz – vor allem was die Musik angeht. Sonst sagt man vielleicht schon nach wenigen Minuten „I hate it here“ – und schaltet ab.

Bewertung: 3 von 5 Holocrons
Bewertung: 3 von 5 Holocrons

Wir danken Penguin Random House für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Das Hörbuch könnt ihr bei Amazon erwerben.

Kevin hat seine Rezension auch als Podcast inklusive Hörproben aus dem Hörbuch veröffentlicht. Hört mal rein!

Ein Kommentar

  1. Ich fand das Hörbuch deutlich besser. Die Episoden waren interessant, man hat doch viel Neues für den Kanon eingebracht. Die Rahmenhandlung war halt nur die Rahmenhandlung, eine große charakterliche Wandlung bei Ventress hatte ich da aufgrund der Kürze der Zeit, in der sie spielt, aber auch nicht erwartet. Dokuu stand für mich klar im Fokus.
    Den Punkt, dass man nicht immer genau wusste wer jetzt gerade spricht, kann ich nachvollziehen, dies ging mir an 2-3 Stellen auch so. Dass die Stimmen nicht 1:1 Den Originalstimmen entsprechen ist zwar richtig und schade, aber daran bin ich aus vielen anderen Hörspielen gewöhnt, Filmschauspieler sind halt eher selten an reinen Audioformaten interessiert. Und was das Thema Einspielung von unpassenden Motiven der Filmmusik bei den Hörspielen anbelangt muss gesagt werden, dass dies bei Star Wars der Standard ist. Da scheint keinerlei inhaltlicher Zusammenhang zu bestehen, das soll einfach „starwarsig“ klingen. Nach etlichen SW-Hörbüchern reagiert man da nicht mehr drauf. Aber beim ersten Mal kann das mit Sicherheit sehr irritierend wirken.

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