Der Streit zwischen Amazon und Hachette erreicht Star Wars

Star Wars: Lives & Adventures
Eines der betroffenen E-Books: Star Wars: Lives & Adventures (04.05.2014)
Dass der Onlinehändler Amazon für Buchleser oft die Offenbarung schlechthin ist, ist unbestreitbar. Günstige Lieferung, breite Auswahl internationaler Titel und mit dem Kindle auch ganz vorne dabei im E-Book-Geschäft. Doch so eine Vormachtstellung hat auch ihre Schattenseiten: ein seit Monaten, nein, Jahren andauernder Streit zwischen Amazon und diversen Verlegern eskaliert zur Zeit erneut – insbesondere in den USA und, ja, in Deutschland.

Worum geht es? Kurz gesagt: Amazon möchte mehr Geld durch E-Books und das am Liebsten auf Kosten einiger Buchverlage, die Amazon immer mehr Rabatte auf E-Book-Titel gewähren sollen. Diese wehren sich nun vehement und bekommen nun direkt Sanktionen von Amazon zu spüren: ihre Bücher verschwinden aus den Angebotslisten, der „Kaufen“-Button wird für Bücher der Verlagsgruppe deaktiviert oder aber die Preise der Bücher werden übertrieben erhöht (was in den USA aufgrund des Fehlens einer gesetzlichen Buchpreisbindung möglich ist) oder die Auslieferung wird unnötig hinauszgezögert. Dieser Streit beschränkt sich in den USA auf die Verlage der Hachette Book Group und in Deutschland auf die Titel des schwedischen Medienunternehmens Bonnier.

Was hat das nun mit Star Wars zu tun? Nun, zur Hachette-Verlagsgruppe gehört auch ein gewisser Verlag namens „Disney Lucasfilm Press“, dessen Kinder- und Jugendbuchprogramm seit Mai in E-Book-Form und ab August in Druckform unsere Lieblingssaga erweitert. Seien es elektronische Legends-Neuauflagen bisheriger Jugendromane oder Bücher zur neuen Serie Star Wars Rebels – hinter alledem steckt neben Disney Publishing Worldwide auch Hachette. Und während es bei den für August angekündigten Printausgaben bisher keine Seltsamkeiten zu berichten gibt, ist festzustellen, dass besagte E-Book-Neuauflagen (über die wir hier erstmals berichteten) auf Amazon.com als „Nicht verfügbar“ gelistet werden (während sie auf Amazon.de gar nicht erst gelistet werden, was aber andere Gründe haben kann). Schaut man bei anderen Anbietern (z.B. Barnes & Noble), so sind sie dort problemlos erhältlich.

Da es bei diesem Streit vornehmlich um E-Books geht werden die Printausgaben der anstehenden Bücher hoffentlich in der Auslieferung unbeeinträchtigt bleiben. Doch es gibt ja auch immer noch andere Anbieter…

Weitere Informationen zu der Auseinandersetzung zwischen Hachette (und Bonnier) und Amazon findet ihr bei der FAZ. Wer wissen möchte, welche elektronischen Titel hiervon betroffen sind und welche elektronischen Neuauflagen alter Star Wars-Jugendromane Hachette noch in petto hat, der folge diesem Link.

7 Kommentare

  1. Naja, tun wir nicht so, als ob hier ein Goliath auf einem kleinen David rumtrampelt, es stehen sich auf beiden Seiten weltweit agierende, knallhart rechnende Großkonzerne gegenüber, die nicht irgendwelche literarische Fantastereien befördern, sondern Geld verdienen wollen. Bei E-Books haben Amazon & Co für die Verlage die gesamte Vertriebslogistik aufgebaut, ähnlich wie es Grossisten wie Lingenbrink und andere bei den physischen Büchern getan haben. Und so wie diese Grossisten damals will Amazon diese Aufwände nun auch bezahlt haben und nicht nur die 30 % bekommen, wie jeder andere kleine Buchhändler.

    Der Kampf um der eBook tobt in Deutschland nach wie vor, denn die meisten Verlage würden es lieber heute als morgen wieder verschwinden sehen, schließlich ermöglicht es Autoren an der (bisherigen) Marktmacht der Verlage vorbei selber zu publizieren. Die deutschen Verlage veruschen das eBook z.B. dadurch vom Markt zu drängen, dass sie den gleichen Preius für das eBook verlangen wie für die gedruckte Ausgabe. Da man die eReader für eBooks auch noch extra kaufen muss, ist der finanzielle Anreiz für eBooks daher für die meisten Leser in Deutschland sehr klein. Kein Wunder, dass Amazon und andere hier über eigene Firmen und Verlage die Produktionswege für Autoren direkt zugänglich machen und damit den Preis reduzieren wollen. Was hier geschieht ist der freie Markt, etwas vor dem sich die Verlage sehr effizient seit vielen Jahrzehnten zu schützen gewusst haben und trotzdem – aus Tradition – seit Jahrzehnten mit die niedrigsten Löhne bundesweit überhaupt zahlen, außer für ihre Kontroller und Kaufleute. Für mich als Leser und Hörer von Büchern, hat der freie Markt aber bislang nur Vorteile gebracht und ich glaube, die immer größer werdenden Verlage und Schaaren von Autoren leiden bei dem boomenden Büchermarkt auch nicht so sehr, wie sie immer tun. Mein Mitleid für beide Seiten hält sich also auf einem minimalen Level.

    1. David gegen Goliath ist es wirklich nicht, aber Amazons Macht-Hebel ist hier schon etwas länger als der von Hachette. Und da Hachette eine frühere Auseinandersetzung mit Amazon verloren hatte und sogar juristisch dafür gerügt wurde, ist es schon spannend. Und dass die Verlage selbst mit dem E-Book nicht so toll umspringen sei nicht geleugnet – da ist noch einiges an Arbeit nötig. (Wobei mein Interesse an E-Books sich nicht aus preislichen Gründen in Grenzen hält…)

      Allerdings finde ich die Masche, einen Verlag quasi zu erpressen, indem man seine Produkte überteuert oder gar als „nicht verfügbar“ listet, obwohl man die E-Books sehr wohl „auf Lager“ hat, gelinde gesagt schmutzig. Das ist in meinen Augen eher eine Marktbehinderung als eine freie Wirtschaft. Darüber, wie sehr welche Seite leidet, kann ich nicht urteilen, allerdings glaube ich gerne, dass (wie bei der Musik auch) von Büchern relativ gesehen nur wenig tatsächlich bei den Autoren ankommt, insbesondere bei denen, die nicht mit jedem Werk die Bestsellerlisten anführen.

  2. Diese Masche wird im Handel seit jeher und von beiden Seiten angewandt, da tickt Amazon auch nicht anders als ein Warenhaus oder Supermarkt-Kette, wenn du nicht die gewünschten Preiskonditionen bietest, wirst du nicht mehr verkauft und deine Kunden müssen sich entweder einen anderen Laden zum Einkaufen suchen oder kaufen ein anderes Produkt. Die Verlage nutzen dieses Mittel auch sehr gern, um „unliebsame“ Buchhändler zu „maßregeln“, nur weil sich diese z.B. nicht an bestimmten Werbe- oder Produktkampagnen beteiligen wollten. Und auch die großen Buchhandelsketten nutzen diese Werkzeug immer wieder gegen Verlage, deren Bücher dann nur noch gegen Bestellung und dann meist erst nach einigen Tagen oder Wochen verfügbar sind. Es ist halt keiner verpflichtet mit den anderen Handelsbeziehungen zu unterhalten.

    1. Jo, wirtschaftlich gesehen mag das vielleicht gang und gäbe sein, aber es ist (wie so viele wirtschaftliche Dispute) auf Kosten der Verbraucher (d.h. der Leser), die auf diese Bücher warten. Meine Meinung dazu bleibt ganz klar, dass Amazon da andere Mittel suchen soll, um sich durchzusetzen. Wenn die Kunden die E-Books günstiger haben wollen, kaufen sie sich die teuren E-Books nicht bzw. nicht in den Mengen wie bei günstigeren E-Books. Wenn die E-Books allerdings gar nicht erst angeboten werden, verdient niemand daran und es ist unwahrscheinlich, dass überhaupt Nachschub kommt.

      So eine „Verkaufssperre“ ist in meinen Augen eine zu repressive Maßnahme, um da eine Veränderung herbeizuführen. Das pisst nur die Leute an – allen voran die Leute in Verlagshäusern und die Autoren, die darüber nachdenken, über Amazon ihre Sachen anzubieten und es trifft nur auf wenig Verständnis bei den Kunden, die sich fragen, warum Anbieter A(mazon) das Buch überteuert hat, während Anbieter B(arnes & Noble) es günstig verkauft. Möchte man so Hachette als Schuldigen darstellen? Sowas gab es letztes Jahr erst in der US-Fernsehbranche und es ging für denjenigen, der versuchte, das Produkt des anderen zu blockieren, nicht gut aus. Bin mal gespannt, wie es hier läuft.

      Den Blog habe ich übrigens nicht geschrieben, um Amazon zu verteufeln (nichts länge mir ferner, ich bestelle dort sehr oft und sehr gerne), sondern einfach, weil es auch Star-Wars-Fans angeht. Ob der einzelne Leser nun diese oder jene Partei im Recht sieht ist die Sache des besagten Lesers. Dass etwas in der Wirtschaft gang und gäbe ist soll nämlich nicht verhindern, dass man eine Sache in die Öffentlichkeit zerrt und darüber diskutiert.

      So, over and out. 😀

      1. Völlig legitimes und nützliches Anliegen . Ich wollte das Thema nur durch die doch etwas zu kurz gekommene Gegenposition ausrunden.

  3. Nun, mich betrifft das Gott sei dank kaum. Da ich, wie bei Spielen auch, mehr Wert auf Retail lege. Und mir digital eig garnichts kaufe. Ebooks schon garnicht. Und wenn Amazon nun auch die echten Bücher sperrt, kauf ich halt woanders. In meinen Augen schneidet sich Amazon mit sowas nur ins eigene Fleisch. Obwohl sie sich sowas vermutlich auch leisten können.

    Interessant zu verfolgen ist es aber dennoch da ich Amazon eig nicht besonders mag. Auch wenn ich da immer wieder einkaufe.

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