Rezension: Legacy II, Band 1: Zwischen den Welten von Corinna Bechko & Gabriel Hardman

Legacy war die Geschichte von Cade Skywalkers Kampf gegen Darth Krayt und seine eigenen, tief sitzenden inneren Dämonen. Eine Geschichte galaktischen Ausmaßes, das eine neue Ära im Kanon begründet hat. John Ostrander und Jan Duursema lieferten 56 Ausgaben lang Cade Skywalkers Abenteuer, deren Ende die Galaxis veränderte. Entsprechend stark war der Ruf nach mehr Abenteuern aus dieser Ära, ein Ruf, dem Dark Horse Comics 2013 schließlich nachgab und Corinna Bechko und Gabriel Hardman damit beauftragte, eine neue Legacy-Reihe mit einer neuen Heldin an den Start zu bringen: Ania Solo. Panini bringt im aktuellen Sonderband #78, der offiziell nächste Woche erscheint, nun die erste Storyline, Prisoner of the Floating World, unter dem Titel Zwischen den Welten auf den deutschen Markt. Als Panini-Abonnent kam ich heute schon in den Genuss und möchte euch meine Eindrücke nicht vorenthalten.

Sonderband #78 Legacy II, Band 1: Zwischen den Welten
Sonderband #78 Legacy II, Band 1: Zwischen den Welten

Hinweis: Diese Rezension enthält Spoiler für die Cade-Skywalker-Comics der alten Legacy-Reihe, geht aber vorsichtigt mit Spoilern aus Ania Solos erstem Abenteuer um.

Wir schreiben das Jahr 138 nach der Schlacht von Yavin. Darth Krayt und Darth Wyyrlok sind Vergangenheit und das noch recht instabile Triumvirat der Galaktischen Föderation, bestehend aus dem langlebigen Jedi-Meister K’Kruhk, Imperatorin Marasiah Fel und Allianz-General Gar Stazi, lenkt von Coruscant aus die Geschicke der Galaxis. Die drei sind neben Marasiah Fels Liebhaber, Imperialem Ritter und Leibwächter Antares Draco auch die einzigen Figuren aus der ersten Legacy-Reihe, die man bisher zu Gesicht bekommen hat. Ein neues galaktisches Kommunikationsnetz soll erbaut werden, für das eine Station im Carreras-System errichtet wird. Ziel ist es, entlegene Welten an die Föderation anzubinden. Der imperiale Ritter Yalta Val ist auf wichtiger Mission dorthin, als sein Schiff notlanden muss und von einem mysteriösen Sith angegriffen wird. Der Kampf geht zugunsten des Sith aus und Vals Lichtschwert landet über Umwege auf einem Schrottplatz, der von einer jungen Dame namens Ania betrieben wird… Ania Solo.

Das war meine erste Überraschung: Nein, Ania Solo ist keine Adlige, keine Jedi-Ritterin, keine große Politikerin. Sie ist ein einfaches junges Mädel, das im hintersten Winkel der Galaxis mit Schrott handelt. Ihr „Chewbacca“ ist ein aus schrott gebauter monströser Leibwächterdroide, der ihr Halunken vom Hals hält. Man merkt schnell, dass die Dame Organa-/Solo-Blut hat. Sie ist stolz wie Leia in Episode IV auf dem Todesstern, hat aber eindeutig mehr von ihrem Ur…urgroßvater Han als von Leia. Auch die Frage ob sie zuerst schießt wird im Comic anhand eines Beispiels beantwortet, aber ob sie es tut oder nicht sei an dieser Stelle nicht verraten. Sie hat Hans Neigung, in brenzlige Situationen zu geraten, und es beim Umgang mit Ordnungshütern und Behörden zu weit zu treiben, und es generell mit dem Gesetz nicht so eng zu nehmen. Im Vergleich zur anderen Solo-Nachfahrin Jaina ist sie etwas lockerer und weniger kriegerisch, doch genau wie Jaina kann sie ein echter Haudrauf sein. Der Band ist so etwas wie Ania Solos „origin story“, stellt aber auch viele Fragen, z.B. eben warum Ania einen Schrottplatz betreibt anstatt dem Skywalker-Familiengeschäft nachzugehen. Auf die Auflösung dieser Frage bin ich sehr gespannt. Kurzum: Ania Solo ist der weibliche Han Solo.

Der Lichtschwertfund bringt Ania und ihren Mon-Cal-Kumpel Sauk in ernsthafte Probleme, als sie plötzlich von aller Welt gejagt werden. Dabei trifft man weitere Bekannte Anias, z.B. den gutherzigen Attentäterdroiden AG-37, der die Optik von IG-88 und das „Herz“ von R2-D2 hat, und den unerfahrenen imperialen Ritter Jao Assam. Gemeinsam kommt die bunte Bande aus Ania, AG-37, Sauk und Jao einer gefährlichen Sith-Verschwörung auf die Schliche, die tatsächlich ein paar Überraschungen bereithält, die man in der Vermächtnis-Ära nicht mehr erwartet hätte. Mehr sei in dieser Rezension nicht verraten, aber der Comic ist nicht nur die „origin story“ von Ania Solo, sondern auch von einem neuen Widersacher, der sich in den kommenden Bänden erst noch profilieren muss, aber schon mal aus psychologischer Hinsicht interessant wirkt. Er entspricht dem Muster der Legacy-Sith insofern, dass jeder Sith der Ära (Talon, Wyyrlok, Krayt, Maladi, Nihl) seine eigene Persönlichkeit mit den eigenen sadistischen „Vorlieben“ hat, hat jedoch ein paar Merkmale, die ihn von den bisherigen Vermächtnis-Ära-Sith unterscheiden.

Das Setting ähnelt mehr der „Frontier“ aus der klassischen Trilogie mit nur wenigen Schnitten zu den zivilisierteren Teilen der Galaxis aus den Prequels. Die Story bietet einen guten Einstieg in die Vermächtnis-Ära, da eigentlich alles unmittelbar Wichtige für die Handlung erklärt wird und kein großes Vorwissen nötig ist, doch wer die erste Reihe kennt, kommt durch die oben erwähnten Cameo-Auftritte ebenfalls auf seine Kosten, und weiß auch, warum die Mon Calamari heimatlose Flüchtlinge sind. Die Handlung kommt sehr schnell in die Gänge; man wirft Ania Solo mitten ins Geschehen und zeigt anhand ihrer Taten ihre Persönlichkeit. Es gibt eine Menge waghalsiger Action, die oftmals direkt aus den Drehbüchern der klassischen Trilogie stammen könnte (tatsächlich gibt es auch ein paar Parallelszenen nach den Mottos „Wer schießt zuerst?“, „Monster greift Raumschiff nach Notlandung an“ und „feindliche Raumstation infiltrieren“), die Nebenfiguren werden gut ausgearbeitet und bieten Potenzial für weitere Ausgaben.

Der Rezensent vergibt 5 von 5 Holocrons!
Der Rezensent vergibt 5 von 5 Holocrons!

Der Legacy II-Auftakt macht definitiv Bock auf mehr und weckt in mir Erinnerungen an John Jackson Millers Auftakt für die Knights of the Old Republic-Comicreihe, auch wenn Zayne Carrick und Ania Solo nur wenig gemeinsam haben. Die Handlung hat keine auffallenden Löcher (nur ein oder zwei sehr „günstige“ Plot-Twists) und es ist einfach von der ersten bis zur letzten Seite Star Wars wie wir es kennen und lieben. Die charismatische Heldin der Serie braucht sich vor ihrem männlichen Gegenstück Cade Skywalker nicht verstecken. Der Zeichenstil von Gabriel Hardman gefällt mir auch; er fängt auch Jan Duursemas Charaktere so ein, dass man sie wiedererkennt. Für zukünftige Ausgaben wünsche ich mir dann eine Antwort auf die Frage aus dem letzten Panel des Bandes: „Wer ist Ania Solo?“ Für diesen Band ist nur eine Wertung denkbar: 5 von 5 Holocrons!

Kurzer Ausblick: Die neue Legacy-Reihe wird aufgrund des Lizenzwechsels zu Marvel bereits im August von Dark Horse beendet werden und insgesamt auf 18 Ausgaben kommen. Sonderband #78 enthält die US-Hefte 1 bis 5. Es ist zu erwarten, dass es in der zweiten Jahreshälfte bei Panini bereits mit Ania Solos Abenteuern weitergehen wird, voraussichtlich in Sonderband #81 (August).
Eine Leseprobe des Sonderbands haben wir exklusiv für euch von Panini erhalten – ihr findet sie auf dieser Seite.

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