Rezension: Die Hohe Republik – Abenteuer, Band 15: Die Schlacht um Eriadu – mit Gewinnspiel!

Das Finale der Hohen Republik hält ebenfalls in den Abenteuer-Bänden Einzug. Dort spitzt sich die Lage auf Eriadu zu und die unzähligen Charaktere müssen sich im Schlachtgetümmel gegenseitig die Seitenzahlen streitig machen. Im Deutschen wurde die finale Story The Jedi and the Warden in Band 15 und 16 aufgeteilt. Band 15 erhält die ersten drei Storyteile und eine Bonusstory von Alyssa Wong rund um Gavi und Driggit, während Band 16 dann die finalen zwei Teile der Warden-Story und weitere zwei Stories enthält, die danach spielen.

Wegen Überfüllung geschlossen

Eriadu ist so ein Planet und eine Schlacht, bei der man sich fragt, wie es dazu kommen konnte. Ich hatte diesen Schauplatz lange nicht als so relevant im Kopf, bis die ersten Berichte aus der Dark-Horse-Rezensionsfraktion eintrudelten und es kaum ein anderes Thema als „Warum ist jeder auf Eriadu?“ gab. Jetzt kann ich nachvollziehen, woher diese Frage kommt. Über die Jahre wurden in diesen Abenteuer-Bänden so viele unzählige und mit Namen versehene Figuren eingeführt, die auf Eriadu alle, aber wirklich alle, vorkommen und eine – mehr oder minder wichtige – Rolle spielen.

Natürlich sind sie alle in Bri-Phrang, weil gerade noch die Hochzeit von Zeen und Lula gefeiert wurde. Aber im Kampfgeschehen reicht eine nette Hintergrundcollage eben nicht mehr. Es werden Namen genannt, die ich gefühlt zum ersten Mal gehört habe, es wird von Schauplatz zu Schauplatz geschnitten als gäbe es kein Halten mehr. Das alles mag die Hektik des Krieges symbolisieren, aber passt in meinen Augen nicht zur Zielgruppe dieser Reihe. Ich kann es bis heute nicht glauben, dass sich jüngere Kinder und Jugendliche diese Charakterfülle wirklich merken. Die schnellen Orts- und Themenwechsel hingegen passen vielleicht zur oft kolportierten Aufmerksamkeitsspanne der heutigen Jugend.

Die Suche nach Orientierung

Doch bevor Opa hier wieder ins Tik-Tok-Bashing abdriftet, gebe ich zu, dass Older zumindest versucht, ein wenig Orientierung zu geben. So steht am Anfang vor allem Farzala im Fokus, der die Geschichte erzählt, sich an seine Ausbildung erinnert und immer wieder neuen Mut fassen muss. Er leitet den Angriff in gewisser Weise und hat überall seinen Blick drauf. Das hilft leider nicht dabei, dass zu oft von ihm weggeschaltet wird und eine Nebenhandlung für eine oder zwei Seiten wieder ganz woanders wichtig ist.

Später erhält dann Sevran Tarkin diese Rolle einer Erzählerin. Zwischendurch aber auch der Aufseher, weshalb diese Orientierung und der Versuch der Fokussierung spätestens dann etwas verblasst. Es ist einfach zu viel los. Ich kann Older ja verstehen: Da führt man über die Jahre all diese Piraten- und Jedi-Banden ein und dann lässt man sie im Finale außen vor? Das würde im Zweifel sogar Fans genau jener unwichtigen Nebenfigur 324 sauer aufstoßen. Also alle ins Bild packen und auf die Wimmelbildkünste von Harvey Tolibao vertrauen.

Viel Bumm, viel Bunt

Wo wir bei den Zeichnungen von Harvey Tolibao wären. Der berüchtigte Zeichner, der den zweidimensionalen Raum immer etwas zu wörtlich nimmt. Insgesamt sind die vielen Figuren erkennbar, oft aber stilisiert dargestellt und wie immer auch eher kantig und einfach gehalten – aber das ist seit jeher der Stil dieser Reihe. In den großen, obligatorischen Wimmelbildszenen macht es beinahe wieder Spaß, die Figuren zu finden, sich über die Größenverhältnisse zu wundern und sie dann auch noch zu identifizieren. Für ein solches Erlebnis mussten wir bei der Marvel-Hauptreihe auf die Feier im finalen Heft namens Beacon warten.

Was ebenfalls beibehalten wird, sind die bunten Farben, die selbst eine solche Schlacht begleiten. Egal ob auf dem Wasser, in der Luft oder einfach in den verrauchten Straßen. Irgendwas explodiert immer in grellem Gelb oder wirft ein fast zu fröhliches Licht auf alles. Auch das passt zum Medium und zum nicht sonderlich realitätsnahen Stil dieser Hefte.

Flucht von Eriadu

Ebenfalls enthalten im Sammelband ist eine Geschichte, die diesem den Namen gibt. In Die Schlacht um Eriadu von Alyssa Wong spürt Gavi plötzlich die vertraute Präsenz von Driggit und beschließt, seine alte Freundin zu retten und von den Nihil zurückzuholen. Die hatte das aber sowieso schon vor. Diese Geschichte hat vieles, was die ersten drei Hefte der Hauptreihe nicht haben.

Da wäre zum Beispiel Fokus. Gavi und Driggit stehen im Mittelpunkt und ihre Abwechslung wird als Stilmittel mit entsprechend farblich hinterlegten Gedankenboxen dargestellt. Es gibt eine klare Mission für Gavi und eine klare Mission für Driggit – wie diese endet, ist eine andere Frage. Aber hier schafft es Wong insgesamt gut an den Roman, in dem beide sich zwangsläufig entzweiten, anzudocken und diesem einen würdigen Epilog inmitten der Schlacht zu geben.

Was die Geschichte aber vor allem abhebt, sind die Zeichnungen von Elisa Romboli. Sie sind auch nicht die detailliertesten, aber sie haben einen anderen Charme, der sehr gut zur Handlung passt. Zum Beispiel arbeitet Romboli mit großformatigen Panels, die Kunstwerke für sich sind – beispielsweise wenn sich Gavi all seiner Freunde und Verbündeter bewusst wird und diese wie Fäden um ihn herum projiziert werden.

Ebenfalls in dieser Kategorie ist die Doppelseite, bei der sich Gavi daran erinnert, wie er und Driggit immer als Zwillinge angesehen wurden und wir das Erwachsenwerden der beiden im Zeitraffer und schlussendlich die Freundesgruppe aus ihm, Driggit, Tep Tep und Kildo sehen. Bis zum letzten Panel haben mich die Zeichnungen mehr als überzeugt. Wie gesagt, kein Detailpreisgewinn, aber passend zur Zielgruppe und der Geschichte mit genau den richtigen, kreativen Ideen für die erzählte Handlung.

Fazit

Die Schlacht um Eriadu ist ein gemischter Band. Die finale Story der Hauptreihe, die hier anfängt und in Band 16 zu Ende gebracht wird, ist vor allem durch Überfüllung und Verwirrung gekennzeichnet. Zu viele Figuren, zu viele Schauplätze und insgesamt nur wenige Momente, in denen die Figuren wirklich wirken können und nicht nur Hüllen sind, um die Schlacht weiterzuführen. Dazu noch ganz neue Plots rund um Verräter und Omis als Geiseln.

Die eigentlich namensgebende Geschichte hingegen knüpft gut an Die Flucht von Valo an und schließt den Rahmen von Gavi und Driggit. Beide sind viele Jahre lang eng befreundet gewesen und haben sich eher aus einer Zwang heraus entfremdet. Gavis fröhliche, uneingeschränkt loyale Natur, die vergibt und hofft, ist zudem eine wichtige und richtige Botschaft – viel wichtiger als der durchgehende Krieg, in dessen Umfeld all das stattfindet. Older hat das mit der Hauptreihe einst auch mal geschafft, bevor er sich entschlossen hat, dass die Figuren allein durch den Konflikt und nicht mehr durch ihre Motivation oder Gefühle getrieben werden. Wenn Obratuk das noch erleben würde…

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensions- und Gewinnspielexemplars.

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