Das Videospiel Jedi: Fallen Order von Respawn Entertainment hat mich 2019 begeistert und gehört für mich zu den besten Spielen, die es zu Star Wars je gab. Deshalb habe ich mich sehr auf die Manga-Adaption gefreut, die die Erlebnisse von Cal und BD noch einmal in neuem Stil und vielleicht neuem Fokus darstellt. Am 21. April erschien der erste Band dieser Manga-Adaption jetzt bei Panini.
Visuelles Medium trifft visuelles Medium

Mangas sind im Star Wars-Kontext keine Neuheit. Vor allem die Manga-Adaptionen beliebter Romane wie Verlorene Welten sind für uns als Literaturfans immer etwas Besonderes. Ein schriftliches Werk wird in ein visuelles Werk adaptiert. Figuren bekommen ein Aussehen, Orte ein Gesicht. Bei Jedi: Fallen Order ist daher der Wow-Effekt etwas geringer. Wir kennen die Orte, die Figuren, manchmal sogar die Kameraeinstellungen bereits aus den Zwischensequenzen des Videospiels.
Der große Vorteil des Mangas ist es stattdessen, die Story des Spiels in sehr kondensierter Form nachlesen zu können und dazu direkt noch einige Bilder zu erhalten, die den Charme und die Action des Spiels und der Hauptfiguren gut einfangen. Zwar sieht Cal jetzt eher aus wie ein generischer Male-Manga-Charakter und weniger wie Cameron Monaghan, aber die Gesichtsausdrücke fangen trotzdem gut den optimistischen und freundlichen Charakter von Cal aus dem Videospiel ein.
Das Videospiel zum Nachschlagen
Die Story ist dabei nur wenig angepasst. Das Planetenhopping bis zum ersten Zeffo-Grab ist etwas gestrafft findet aber dennoch statt. Also von Bracca erst nach Bogano, dann Zeffo, dann Kashyyyk, um dann wieder nach Zeffo zu kommen. Das ist fast etwas zu schnell und zu viel für diese kondensierte Erzählform, aber funktioniert meistens. Lediglich die fehlenden Hintergründe (und natürlich auch Farben, aber das ist halt so), helfen nicht gerade dabei, die Planeten immer gut auseinanderzuhalten.
Wirklich gekürzt wurden lediglich die langen Laufwege samt Ausmerzen der lokalen Fauna, für die Cal eigentlich so berühmt ist. Selbst bei der Konfrontation mit der berüchtigten Bergzeige aka Phillak nach der Kurve, muss nur deren Horn dran glauben und nicht gleich das ganze Tier. Komplett rausgenommen wurde hingegen die Zug-Verfolgungsjagd zu Beginn des Spiels, hier findet der kurze Kampf und Cals Rettung durch Cere direkt beim Entdecken statt. Das sorgt für Verwirrung, weil die Neunte Schwester nicht wirklich involviert ist, obwohl sie dabei steht.
Schnell und fokussiert
Bei dieser Manga-Adaption wurde sich – im Gegensatz zu den Hohe Republik-Mangas beispielsweise – dazu entschlossen, die Lesereihenfolge von rechts nach links beizubehalten und den Buchrücken auf die rechte Seite zu packen. Das hat für mich zunächst etwas Umgewöhnung bedeutet, funktioniert dann aber unverändert. Das Lettering und die Bildführung machen es meist einfach, der Story zu folgen. Das erzeugt das Gefühl, über die Seiten zu fliegen und die Story damit noch schneller zu lesen. Mehr als 30 Minuten braucht man dafür deshalb nicht.




Die Figuren sind auch abseits von Cal und BD sehr gut dargestellt und wiederzuerkennen. Wenn sie eingeführt werden oder wichtige Momente haben, sind sie detailliert und ganz nah zu sehen. So etwa Trilla, Saw Gerrera oder Cere. Die Hintergrundfiguren bleiben meist blass, aber hier muss man dem Manga zugutehalten, dass selbst das Videospiel bei seinen generischen Rebellen oder Wookiees nicht immer mit Detailgrad geglänzt hat. Von daher kann man es fast als treu zur Vorlage bezeichnen.
Fazit
Der erste von vier Bänden zum Videospiel Jedi: Fallen Order hat bei mir vor allem den Wunsch verstärkt, mal wieder dieses tolle Abenteuer zu spielen. Gleichzeitig erinnerte ich mich auch direkt wieder an die Momente und war wieder in der Geschichte drin. Als kompletter Neueinsteiger nimmt man sich mit dem Manga vielleicht etwas die inszenatorische Wucht, die das Spiel hat. Gerade der Einsatz der Macht zu Beginn oder der Trilla-Reveal, wirken mit Orchestration, Motion-Capturing und Bildsprache im Spiel um einiges besser. Trotzdem schafft es der Manga, die Faszination des Spiel wieder zu entflammen und dieses würdig in ein anderes Medium zu übertragen. Für Fans des Spiels und alle, die sich vor allem für die Story interessieren, gehört es damit ins Regal, auch wenn das Spiel von einer Roman-Adaption wohl noch mehr profitiert hätte als von einer Manga-Adaption – um das Verlorene Welten-Prinzip umzukehren.
Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.










