Neben dem dritten Teil des Book of Boba Fett, welchen wir – wie angekündigt – nicht besprechen, ist heute der fünfte Teil der Sonderserie zu Rogue One erschienen.
Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Der Inhalt

In dieser Ausgabe widmen wir uns einem meiner Lieblingsduos aus Rogue One. Chirrut Îmwe und Baze Malbus hatten es schon in den ersten Minuten ihres Auftritts geschafft, mich zu unterhalten und eine ganz besondere Prise Humor unterzubringen. Die heutige Comicgeschichte spiegelt das perfekt wider, auch wenn die Handlung an sich relativ simpel ist. Chirrut möchte eine der Minen, in denen Kyberkristalle abgebaut werden, sprengen, damit die Kristalle nicht in die Hände des Imperiums gelangen. Soweit so gut, auch das Hineinschleichen in der Nacht, um zivile Opfer zu vermeiden, gelingt zunächst problemlos. Doch dummerweise stellt sich ihnen dann genau ein solcher Zivilist, ein Minenarbeiter, in den Weg. Ihn gehen die größeren Implikationen des Ressourcenabbaus nichts an, er ist nur darauf bedacht genug zu verdienen, um überhaupt leben zu können. Die Angelegenheit wird problematisch, als der Streit zwischen Chirrut, Baze und dem Arbeiter so viel Lärm verursacht, dass ein Sicherheitsdroide auf sie aufmerksam wird. Dennoch schaffen sie es gemeinsam, heil aus der Mine zu gelangen. Nur funktioniert der Fernzünder von Baze dann nicht mehr. Und so entbrennt eine Debatte darüber, wer sich denn nun für die große Sache opfert. Ohne das Ende vorwegzunehmen – ja, ich weiß, wir alle wissen, wer schließlich im Film auftaucht und wer nicht –, war dieses Finale doch voll und ganz im Geist des ihm überstehenden Films.
Die Umsetzung
Chirruts unbändiges Vertrauen in die Macht – und in Baze Malbus – ist auch hier wieder absolut greifbar. Gleichermaßen kommt auch Bazes widerwilliger Beschützerinstinkt gut zur Geltung. Ob sie sich nun kabbeln oder dumme Sprüche in Richtung der Sturmtruppen reißen, ich hatte sofort die Stimmen der beiden im Ohr. Darüber hinaus war die Handlung perfekt auf die beiden Charaktere abgestimmt. Da haben wir Baze, der trotz seiner scheinbaren Widerwilligkeit für Chirruts Pläne zu haben ist und dabei zwar angeblich immer an der Sinnhaftigkeit des Ganzen zweifelt, sich dann aber doch voll und ganz dafür einsetzt. Chirrut, der allen Mächten zum Trotz an seinem Glauben festhält und auch oft genug darin bestätigt wird. Nicht zuletzt durch die Figur des Minenarbeiters hier, der pars pro toto für alle gewöhnlichen Personen steht, die in einer so großen Maschinerie als klitzekleines Zahnrädchen mitwirken. Er weiß nicht, wofür das Imperium die Kyberkristalle abbaut, ihm ist das auch egal. Ein idealistischer Kampf gegen die Imperialen wird ihm kein Essen auf den Tisch stellen. Gleichzeitig gibt Chirrut zu bedenken, dass die vermeintlich weit entfernten Entscheidungen ihre Auswirkungen am Ende vor allem genau die einfachen Menschen treffen, die ganz unten in der Rangordnung sind. Es ist ein fast schon alltäglicher und zugleich sehr wirksamer Vergleich. Kann man sich den „Idealismus“ leisten? Aber ist man am Ende nicht trotzdem genauso von den Entscheidungen betroffen? Es ist hier, natürlich narrativ auch etwas vorhersehbar, dennoch schön gestaltet, wie sich die Meinung des Arbeiters wandelt. Nicht Chirruts Worte sind es, die ihn überzeugen, sondern seine selbstlose Tat.






Sean Chens Zeichenstil ist an einigen Stellen durchaus gewöhnungsbedürftig, da er manchmal sehr skulpturenhaft wirkt. Aber gleichzeitig passt das auch zur Geschichte, die Stephanie Phillips erzählt. Chen arbeitet dabei insbesondere sehr interessant mit Licht und Schatten, egal ob es sich um atmosphärisches Licht durch die Kyberkristalle oder um die Stirnlampe des Minenarbeiters handelt.
Einen einzigen Kritikpunkt habe ich und das ist das nicht so ganz gelungene Intro bzw. Setup der Geschichte. Das lässt uns beim Lesen nämlich denken, dass die ganze Aktion um das Hineinschleichen in die Mine bereits vorher aufgeflogen ist. Tatsächlich waren jedoch die drei einsamen Sturmtruppler wohl die einzige Bewachung der Mine. Das ist ein wenig unglaubwürdig, aber doch Mäkeln auf hohem Niveau und dem sonstigen Unterhaltungswert der Geschichte nicht abträglich.
Fazit
Die Kombination von Chirrut und Baze schafft es auch in dieser Geschichte erneut zu überzeugen. Nach dem Film Rogue One und dem Jugendroman Guardians of the Whills ist das hier erst der dritte Auftritt der beiden (Adaptionen mal außen vor gelassen). Und erneut wünsche ich mir nicht nur die Übersetzung von Guardians of the Whills für das deutschsprachige Publikum über die Manga-Adaption hinaus, sondern auch weitere Geschichten rund um die beiden. Wie auch dieser Comic perfekt gezeigt hat, funktionieren die beiden super, um in einem tatsächlich relativ kleinen Kammerspiel ganz viel Metaphorik und Gefühl einzubringen.
Am 21. Oktober geht es mit The Fall of Kylo Ren #3 weiter.
Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorabexemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.










