Rezension: Darth Maul: Schwarz, Weiß & Rot Deluxe

Ende 2025 lieferte Panini mit Darth Maul: Schwarz, Weiß & Rot die deutsche Übersetzung der vierteiligen Minireihe rund um den Schattenlord. Im großen Format und als Hardcover-Edition. Doch nicht nur die Aufmachung überzeugt bei diesem Band, auch die eher dunkleren Stories passen perfekt zur namensgebenden Hauptfigur genauso, wie das ebenfalls namensgebende Farbschema.

Rot ist meine Farbe

Wie der Titel verrät sind die Panels in diesen Comics immer in den drei Grundfarben gehalten: Weiß, Schwarz und eine Spur Rot. Entweder wird mit Rot als Lichtkegel und Schattenwurf gearbeitet oder es explizit nur für Mauls Erscheinung und sein Lichtschwert genutzt. Egal wie, der künstlerische Anspruch des Bands ist dadurch direkt höher. Manche Seiten wirken auf den ersten Blick durch die Schwarz-Weiß-Färbung nur wie Skizzen und Entwürfe. Doch mit dem Klecks Rot hier und da entsteht ein stimmiges Gesamtbild.

Wie bereits erwähnt liegt das natürlich an der Hauptfigur. Bei dem vorher erschienenen Darth Vader-Band in dieser Reihe passte Rot als Akzentfarbe durch Lichtschwert und Co natürlich auch. Bei Boba Fett wäre vielleicht eher die Schwarz, Weiß & Grün-Behandlung passend gewesen, wie sie die Ninja Turtles bekommen haben.

Aber bei Darth Maul passt es wie Zabrak-Kopf auf Farbpalette. Dadurch ist der Schattenlord immer Fokus seiner Stories, ohne, dass er unbedingt als Erzähler auftreten muss. In der zweiten Geschichte – Die Verbliebenen – übernimmt diese Rolle ein einfacher Arzt des Außenpostens, der keine wirklich große Rolle hat. Trotzdem fällt immer Maul ins Auge und damit in den Fokus, da er als einziger nicht weiß und dadurch unfertig wirkt, sondern in Schwarze Robe gehüllt mit markantem, farbigen Gesicht durch die Panels meuchelt.

Die vielen verschiedenen Künstlerteams je Story merkt man dabei deutlich. Das trägt auch dazu bei, dass es beim Lesen nie langweilig wird, da man in jedem Stil etwas neues findet. Ob es im ersten die eher dunklen Farben (Raúl Angulo) und sehr detaillierten Monster und Umgebungen von Stefano Raffaele sind. Oder die getuschten Zeichnungen in Heft vier, die von einem Team aus vier Künstlern umgesetzt wurden.

Die dunkle Seite der Dunklen Seite

Inhaltlich gehen die Stories tatsächlich eher in die horrorartige Ecke. Das nimmt mit dem Verlauf der vier nicht zusammenhängenden Geschichten zwar nach und nach ab, aber düster und teils auch brutal bleiben sie trotzdem. In Das Geisterschiff von Benjamin Percy geht Maul durch die Hölle psychedelischer Träume, trifft wahnsinnige Offiziere und stellt sich Pilz- und Cthulhu-Wesen, die seine Psyche angreifen. Hier und da wäre zwar noch etwas mehr drin gewesen, aber in puncto Horror ist das die stärkste Story.

Gleichauf ist für mich Die Verbliebenen von Mark Russell. Darin muss Maul einen Außenposten ehemaliger Elitekämpfer infiltrieren und ausschalten. Die wissen nicht, wie ihnen geschieht und vor allem warum ihnen geschieht. Deshalb ist diese Story aus ganz anderen Gründen so dramatisch, wobei auch die helle Farbgebung aller anderen Figuren beiträgt, die wie die Unschuld und das Licht inmitten von Mauls Meuchelei stehen.

Stories drei und vier sind aus zwei verschiedenen Gründen schwächer, aber dennoch interessant. In der dritten Story Die Mission von Erica Schultz droht ein Straßenkrimineller mit Wissen rund um den noch Senator Sheev Palpatine, weshalb er seinen Schüler entsendet, sich dessen anzunehmen. Schön ist hier vor allem, dass wir auch kurz die politische Ebene vor Episode I sehen. Weniger schön ist, dass Maul mit dem Einsatz des Lichtschwerts nicht sonderlich konsequent umgeht und es eine weitere Schnetzel-Geschichte ist.

Die vierte Story namens Ruhe und Frieden ist dann die, die etwas aus dem Schema der ernsten und dunklen Stories herausfällt. Denn hier tut Maul genau das, was sich jeder im Sommer manchmal wünscht, wenn um ihn herum der Handwerker-Rasenmäher-Radio-Krieg ausbricht und man Ruhe und Frieden nur in den vier Wänden findet. Dabei setzt Autor Greg Pak sehr stark auf (schwarzen) Humor und eine wiederholende Schleife an Ereignissen, die Maul konsequent diese Ruhe rauben. Vom Aufbau eine der besten Stories, nur im Gesamtwerk wirkt sie mit dem eher humoristischen und am Ende wenig lehrehaften Ausgang deplatziert. Spaß macht sie dennoch.

Fazit

Mit den vier Geschichten vor Episode I wird Maul als das gezeigt, was er zu der Zeit noch war: ein Schlächter für Palpatine. Da passt die künstlerische Ebene sehr gut zum eher düsteren Inhalt und liefert am Ende ein stimmiges Gesamtbild. Der Band ist nicht nur inhaltlich, sondern auch in der großformatigen Aufmachung ein echter Hingucker und macht Spaß zu lesen. Vielleicht hätte es etwas mehr inhaltliche Varianz – und nicht nur Maul-Geschnetzeltes – gebraucht, um wirklich herausragend zu werden, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Alle Fans, die mit der anstehenden Maul-Serie wieder mehr über diese Figur lesen wollen oder einfach so ein langjähriger Fan sind, machen mit diesem Band im Regal nichts falsch.

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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