Es war nicht die Liebe, die Vader Macht verlieh. Sondern ihr Verlust.
Vaneé
Im November erschien bei Panini das Star Wars-Heft Nummer 124 mit dem vierten Kapitel Legacy of Vader und der siebten von acht Episoden Ahsoka in Comicform. Nach der sandigen Heimatwelt seines mächtigen Großvaters ist es als nächstes das einst idyllische Naboo, Heimatwelt seiner Großmutter Padmé Amidala, das hohen Besuch von Kylo Ren bekommt. Der hofft, sich selbst zu verstehen und die Leserschaft mit Nostalgie zu erwärmen. Geschmückt wird das von einem weiteren epischen Derrick-Chew-Cover, das den dunklen Prinz in roter Aura vor klassischer Naboo-Architektur zeigt, während die Comicshop-Ausgabe mit den Hauptfiguren der Ahsoka-Folge „Zwischen Traum und Wahn“ ein neues Disney+-Déjà-vu verursacht.


Im vierten Teil der Legacy of Vader-Serie reisen Kylo Ren und Vaneé zum Heimatplaneten von Kylos Großmutter Padmé Amidala, um mehr über die dunklen Geheimnisse von Darth Vader zu erfahren. Dabei muss er gegen Storg Veruna und seine Plünderer kämpfen … UND: „Zwischen Traum und Wahn“ – der siebte Teil der Ahsoka-Comic-Adaption der Disney+-Erfolgsserie.
Vaneé übernimmt wieder die Führung und präsentiert dem Obersten Anführer der Ersten Ordnung eine Welt, die mit seinen Wurzeln großmütterlicherseits und der Vorgeschichte des Imperators ein wichtiges Puzzlestück auf der Suche nach seiner Identität bildet. Naboo mag nach all den Jahren viel von seinem alten Glanz aus der Prequel-Trilogie verloren haben (wie und warum, erklärt unter anderem der Comic Imperium in Trümmern), bietet aber genug Schlüsselorte aus der Saga, um ein vertrautes Wiedersehen zu bieten.
Autor Charles Soule nutzt das, um in Die Herrschaft Kylo Rens, Teil 4 gleich eine schöne Analyse der Liebesgeschichte aus Episode II: Angriff der Klonkrieger zu liefern, die mit zeitlicher und zwischenmenschlicher Distanz – Ben Solo hat seine Großeltern schließlich nie kennengelernt – interessante neue Blickwinkel ermöglicht. Den Gegenpol erschafft Kylo Ren selbst, der nach dem erzählerischen Fahrplan der Reihe seine eigene Reflexion der Gegenwart auf die Vergangenheit projiziert. „Was hat der alte Staub hier mit mir zu tun und was kann ich daraus lernen?“ Diese Szenen sind wie gewohnt die stärksten der Reihe und von Soule mit scharfen Dialogen in Worte gefasst.
Leider darf aber wieder die übliche, völlig konstruierte Actionszene nicht fehlen, doch scheint dies der Preis zu sein, um den Rest des Hefts erhalten zu dürfen, wie er ist. Soule gibt sein Bestes, dass die Szene noch etwas zum Fortgang der Geschichte beiträgt und Kylo eine wichtige Erkenntnis daraus gewinnt, deren Folgen erst in der nächsten Ausgabe zu sehen sein werden.
Zum ersten Mal in der Reihe übernimmt mit dem vierten Kapitel statt Luke Ross der Zeichner Stefano Raffaele (Die Schlacht von Jakku: Unter Belagerung) die optische Gestaltung des Inhalts. Raffaele bringt mit seinen scharfen Linien im Gegensatz zum bisherigen Naturalismus eine schaurige, fast schon surreale Atmosphäre, die die Veränderung Naboos zu einem trostlosen Ort gut einfängt. Kolorist Nolan Woodard bleibt für die Farben verantwortlich, er verwendet nun jedoch deutlich gesättigtere Farben, als noch im naturalistischeren bisherigen Stil. Es herrschen viele Grautöne vor, dazu wenige Farbakzente, die den neuen Look hervorheben. Nur was Raffaele und Woodard in einigen Panels mit den Augen der Charaktere veranstalten, ist wirklich unheimlich. Manchmal sind es nur Bens Augen, die etwas seltsam wirken. Dann wiederum sehen die Augen von zwei friedlichen Einheimischen einfach nur creepy aus.
Die vorletzte der stets überlangen Ahsoka-Adaptionen überzeugt diesmal vor allem durch die dynamische Führung der Panelaufteilungen. „Zwischen Traum und Wahn“ bringt das Team um Rodney Barnes, Steven Cummings und Rachelle Rosenberg durch ein kreatives Wechselspiel von Perspektiven und Bildausschnitten aufs Papier. Einzig die finale Actionszene der „Folge mit dem seltsamsten Titel aller Zeiten“ fällt durch ihre Unübersichtlichkeit im Geschehen negativ auf. In Momenten wie diesen fällt der sonst sehr vorlagentreue Comicadaptionen die begrenzte Seitenzahl, der zuliebe man wieder aufholen muss, auf die Füße.
Fazit
Hier könnte stehen, was schon für die letzten Ausgaben galt. Legacy of Vader liefert ab und zieht die Stärken und Schwächen seit Ausgabe 1 konsequent weiter, während Ahsoka einfach da ist und niemals ein gewisses Niveau unterschreitet, wie es Comicadaptionen bei zu wenig Spielraum und zu geringer Kreativität sonst leicht fallen könnte. Naboo ist nach Tatooine ein spannender nächster Schritt und Soule nutzt das in der Star Wars-Heftreihe in den letzten Jahren zu häufig gebrauchte Konzept der Prequel-Flashbacks aus der Gegenwart dunkler Machtnutzer viel besser, als mancher seiner Vorgänger.
Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Kurz vor Weihnachten erreichte die Star Wars-Heftserie zum zweiten Mal in ihrer Geschichte Ausgabennummer 125, mit der Fortsetzung der Herrschaft Kylo Rens und dem Staffelfinale von Ahsoka. Unsere Rezension hierzu folgt. Für den Fall, dass ihr lieber auf die Sammelbände der beiden enthaltenen Serien warten möchtet: Ahsoka erscheint noch im März und kann bei Panini – dort auch als Hardcover –, Amazon oder Thalia vorbestellt werden. Der erste von zwei Bänden Legacy of Vader – inklusive einem exklusiven Kurzcomic zu Vaneé – lässt mit einem gesetzten Erscheinungstermin im Juni zwar länger auf sich warten, ist aber bereits bei Amazon und Thalia zur Vorbestellung verfügbar.










