Marvel-Mittwoch: Jedi Knights #10

Das lang ersehnte(?) Finale von Jedi Knights erwartet uns diese Woche mit der zehnten Ausgabe „A Higher Path“, deren Titel uns schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Handlung beschert. Wer wird den ehrbareren Weg aus dem Duell zwischen Corlis Rath und Qui-Gon Jinn wählen? Und was machen eigentlich die ganzen Jedi auf dem Cover dabei?

Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Der Inhalt

Wie schon in der vorherigen Ausgabe wechselt sich auch hier die Handlung in der Gegenwart mit der Vergangenheit ab, um uns Qui-Gons Erlebnisse näher zu schildern.

Die Geschichte ist hier eigentlich relativ einfach zusammengefasst. Qui-Gon konfrontiert Corlis Rath damit, dass er seine alte Identität und damit ihre gemeinsame Vorgeschichte kennt. Netterweise lässt er uns Leser*innen daran auch teilhaben und erklärt uns das gesamte Malheur. Wie schon in der letzten Ausgabe zu lesen war sollte sich der Disput zwischen den Jedi und den Behru durch einen Zweikampf regeln. Qui-Gon durfte natürlich antreten und sein Gegner war niemand anderes als Corlis Rath, damals noch unter einem anderen Namen und Aussehen. Wir erinnern uns noch an Dookus überaus dämlichen Ratschlag, dass Zorn doch gar keine so schlechte Emotion sei und man diesen doch auch als Waffe nutzen könnte. Genau das passiert im Zweikampf auch und Qui-Gon triumphiert über Corlis, allerdings nur unter Einsatz der Macht, was die übrigen Behru als Verletzung der Regeln werten. Wie zu erwarten war gilt Corlis‘ Niederlage trotzdem natürlich auch als Schmach für ihn – hach ja, der gekränkte männliche Stolz mal wieder.

Aber letzten Endes ist darin die Ursache für Corlis Anschläge begründet, nicht zu vergessen auch der Mord an Meister Etzis, und obwohl Qui-Gon offen zugibt, dass er in dem damaligen Zweikampf falsch gehandelt hat und nun nicht kämpfen wird, kommt es trotzdem zum Schlagabtausch. Denn Obi-Wan – ja der ist auch noch da – sieht nicht ein, dass sich Qui-Gon aus Schuldgefühlen opfert. Stattdessen stellt er sich Rath nun, was gewissermaßen natürlich auch die Vergangenheit wiederholt. Doch im Gegensatz zur Vergangenheit wiederholt Qui-Gon eben nicht die Fehler seines Meisters. Während Dooku Raths gesamten Stamm auslöschte, redet Qui-Gon dem Attentäter gut zu und versucht ihn davon zu überzeugen, von seinem Rachepfad abzulassen.

Die Umsetzung

Im Finale geht es noch einmal hoch her, nicht nur was Action angeht, sondern auch für den moralischen und narrativen Kern der ganzen Geschichte. Während ich mich letztes Mal noch beklagt habe, dass Dookus deutliche Liebäugelei mit der dunklen Seite etwas platt war, freue ich mich geradezu, wie die Parallelen und Differenzen der zwei Meister-Padawan-Gespanne dieses Mal dargestellt werden. So macht Qui-Gon in der Vergangenheit den Fehler, sich auf seinen Zorn einzulassen und darf sich dann noch von seinem Meister im Anschluss an dessen Gemetzel anhören, dass Dooku das nur wegen ihm tun musste. Während Qui-Gon als Meister von Obi-Wan seine Fehler der Vergangenheit offen eingesteht und nicht seinen Padawan vorschickt. Ganz im Gegenteil, zwar ist Qui-Gon zunächst unwillig gegen Rath zu kämpfen, als sich jedoch Obi-Wan einmischt und Rath deutlich unterliegt, geht Qui-Gon selbstverständlich dazwischen. Doch im Kontrast zu seinem ehemaligen Meister macht Qui-Gon nun nicht einfach weiter und bringt Rath einfach um. Nein er gesteht offen, dass er die Schande für das, was passiert ist, mit sich trägt und wirkt so auf Rath ein, indem er fragt ob sie den Zyklus der Gewalt aneinander fortführen sollen bis sie beide tot sind, oder ob sie einen besseren Weg wählen können.

Corlis Raths Darstellung mag hier recht plakativ sein. Ohne seinen Hass weiß er nicht mehr, wer er sein soll, hat ihn das doch seit Jahren angetrieben. Doch gerade im Hinblick auf Dookus Pfad, Qui-Gons eigenen Weg und schlussendlich auch Obi-Wans Zukunft, ist es dennoch gut gemacht. Qui-Gon lässt ihn bewusst einfach gehen, trotz seines Mordes an Etzis. Und auch Obi-Wan fällt das auf, denn er stellt richtig fest, dass Qui-Gon durch seine Taten ein wesentlich besseres Vorbild ist, als es Dooku für seinen Padawan jemals war. Das letzte Panel, das sehr pathetisch Qui-Gon als Inspiration für den ganzen Jedi-Orden veranschlagt und uns einige der Jedi aus dieser Reihe nochmal präsentiert, verbuche ich einmal unter etwas Schnulze am Ende. Vielleicht war einfach noch zu viel Platz auf der Seite. Aber im Großen und Ganzen hat die Ausgabe ein doch sehr stimmiges Ende für eine Mini-Reihe gefunden, die mich mehr als einmal frustriert hat. Nach wie vor denke ich, dass diese Haupthandlung auch einfach in einen eigenen Vierteiler gepasst hätte und man sich für „Jedi Knights“ dann mehr an neue Figuren hätte wagen sollen. Aber zumindest gehe ich mit einem positiven Gefühl aus diesem Finale heraus.

Madibek Musabekovs Zeichnungen waren gewohnt solide. Sogar mit Obi-Wan hat es diesmal besser geklappt, nachdem ich letztes Mal doch ein bisschen daran rumgemeckert habe. Ganz besonders ist aber seine Darstellung von Dooku hervorzuheben, nicht nur was die Figur an sich angeht, sondern vor allem die Inszenierung. Dookus Gemetzel an den Behru ist eindrucksvoll dargestellt und der künftige Sith-Lord mehr als deutlich erkennbar dadurch. Ein großes Lob an dieser Stelle auch an Luis Guerrero, den Koloristen. Musabekov spart schon öfter an Hintergrunddetails – was völlig sinnvoll ist und keine Kritik hier sein soll – und gerade Guerreros Kolorierungen schaffen damit eine wunderbare Stimmung. Sei es der Farbverlauf der das Duell von Qui-Gon und Rath rahmt, oder die dunkleren Szenen der Vergangenheit, die nicht nur narrativ finster sind, sondern eben auch zeichnerisch diesen dunklen Fleck in Qui-Gons Geschichte hervorragend begleiten.

Fazit

Obwohl die Reihe ein stetes Auf und Ab für mich war, konnte mich das Finale noch einmal richtig packen und die Haupthandlung mehr als zufriedenstellend zu Ende führen. Gerne hätte ich diese separat gehabt und stattdessen weitere neue Jedi kennengelernt, aber dennoch lässt mich Jedi Knights #10 nun nicht mit einem faden Beigeschmack zurück. Und was die ganzen Jedi auf dem Cover angeht, nun die sind am Ende wie so manche Ausgabe dieser Reihe eben doch nur ein bisschen schöne Deko gewesen.


Am nächsten Mittwoch beschert uns Marvel dann Star Wars #8 um die Wartezeit bis zur Bescherung am Abend zu überbrücken.

Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorabexemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

2 Kommentare

  1. Dieser Rezension kann ich wenig hinzufügen, sie trifft voll und ganz ins Schwarze – ein kleines Dankeschön dafür.
    Und warum schreibe ich dann?
    Weil ich froh bin, dass Marvel mit MM einen guten Zeichner dieses Jahr am Start hatte, der hohe Qualität auch bei Gesichtern geliefert hatte und da mussten wir ja dieses Jahr auch anderes sehen.

    1. Danke dir! Ich kann dir auch nur zustimmen, Madibek Musabekov ist wirklich eigentlich immer ein Lichtblick, gerade im Gegensatz zu manch anderen Zeichnungen. Das rettet im Notfall auch schon mal eine weniger ansprechende Handlung.

Schreibe einen Kommentar