Marvel-Mittwoch: Sana Starros #3 und Yoda #6

Probleme, Probleme, Probleme… treiben an diesem Marvel-Mittwoch mal wieder Sana Starros und Yoda um. Seien es jetzt dunkle Visionen und ihre Folgen, wie in Yoda #6: Students of the Force, Part 3, oder Rancor-mäßig gefährliche Gefälligkeiten für die erweiterte Verwandtschaft bei Sana Starros #3. Es sollte keinem Leser langweilig werden.

Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung des Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Sana Starros #3 – rezensiert von Carola

Nachdem ich mich letzten Monat noch so daran erfreute, dass die „eigentliche“ Handlung von Sana Starros – Family Matters voranschreitet, führt uns Justina Ireland mit dem heute veröffentlichten dritten Teil in einem völlig unerwarteten Ausmaß wieder davon fort. Good Times wirkt fast wie eine Deva-Lompop-Sonderausgabe innerhalb dieser kleinen Sana-Starros-Reihe, was mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt.

Ein Familienausflug in den Zoo

Sana Starros #3 (19.04.2023)
Sana Starros #3 (19.04.2023)

I personally think grudges are healthy.

Die Lebensweisheiten der Deva Lompop

Dieser eine Ausgabe füllende Abstecher zu Deva Lompop von Thea, Mevera und Sana, die ja in erster Linie Aryssha und das Familienerbstück zurück wollen, erscheint mir für eine 5-teilige Story zu ausschweifend. Ich mag das Konzept der familiären Verbundenheit von „Auntie“ Deva zu den Starroses und finde es schön, die skrupellose, respekteinflößende Shani von ihrer behütenden, sanfteren Seite kennenzulernen, die sich uns in der Comic-Kurzgeschichte A Very Nihil Interlude schon angedeutet hat. Außerdem finde ich es reizvoll, sie grundsätzlich in die Geschichte einzubringen – als eine Person, die Avon noch persönlich gekannt hat und durch ihre lange Lebensdauer auch einfach viel Erfahrung mitbringt als potentielle Mentorin für Sana. Wenn auch vielleicht mit fragwürdigen Lektionen! Doch dass Deva mit den drei Starroses erst einem Syndikat einen Gefallen tun muss, damit sie dann im Gegenzug einen zur Erreichung ihres Zieles frei haben, geht mir zu weit. Zumal wir auf der Gegenseite hautnah miterleben, wie die Zeit rennt, bis das Imperium Zugriff auf die Informationen von Avons Datenträger erlangt.

Auf Devas Party erfährt Sana beiläufig, dass ihre Familie ihren Bruder Phel des Erbstück-Raubes verdächtigt. Sana ist verständlicherweise immer entnervter von all dieser Geheimniskrämerei, zumal sie ohnehin sehr wenig von ihrem Bruder hält und erst recht nicht seinen Fehltritten hinterherräumen möchte. Dennoch begibt sie sich von der Party aus mit den anderen Starroses unter der Führung von Deva und der Pantoranerin Lanitra – ihrerseits nicht nur Teil eines Syndikats, sondern augenscheinlich auch queere Tierrechtlerin – für eine Befreiungsaktion in einen Zoo auf Hon-Tallos. Außerdem ruft Sana auf Devas Anordnung hin noch den uns aus der Auftaktausgabe bereits bekannten Jand zu ihrer Unterstützung. Trotz der Differenzen wirkt die erste Hälfte auf mich unbeschwert, teils sogar flirty. Hauptziel der Befreiungsaktion ist das Rancor-Weibchen Nussi, das zur illegalen Zucht eingesetzt wird. Lanitra legt gleich nach ihrem Eintreffen mit den ersten Tier-Befreiungen los, die natürlich für eine ordentliche Aufruhr sorgen. Sana muss daraufhin mit Deva in einem kleinen, aber feinen Heldinnenakt ein Kind vor einer Hraghippe retten. Anschließend können sie mit einer kreativen, leicht unorthodoxen Methode Nussi befreien. Hierbei lässt Deva eine Bemerkung fallen, in der sie sich selbst als Raubtier bezeichnet und die ich absolut großartig fand. Außerdem wird mal wieder Sanas fast schon blindes Vertrauen in ihre weiblichen Bezugspersonen offenbar. Für mich gipfelt dieses in ihrer Bereitschaft, Devas ungewöhnlichem und unappetitlichem Plan ohne große Widerrede zu folgen. Am Ende geht dieser zumindest ganz gut auf und trotz einer kurzen Auseinandersetzung mit dem Zoo-Inhaber und dem erneut auftauchenden Gilden-Kopfgeldjäger Marl Jibs (den ich irgendwie nicht so recht ernst nehmen kann) scheint die Befreiung der Tiere soweit doch reibungslos zu funktionieren. Allerdings gelingt Jibs ein größerer Schlag gegen die Starroses, der in der nächsten Ausgabe zu Abwägungen von Prioritäten und Loyalitäten führen könnte. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie das weitergeht!

Kontrastprogramm in der Nebenhandlung

Arysshas Nebenhandlung nimmt in dieser Ausgabe sogar noch eine Seite weniger ein als in der vorigen, lässt mich aber trotz des geringen Umfangs gleich zweimal vor innerer Anspannung den Atem anhalten. Ganz besonders intensiv empfand ich hierbei die erste Szene, in der Cerasus sich gegenüber seiner Ehefrau sanft, reuevoll und zugewandt zeigt. Er erinnert dabei stark an den Cerasus, von dem wir in Arysshas kleinem Rückblick in Back to Basics eine Idee bekommen haben und in den sie sich möglicherweise wirklich anfänglich aufrichtig verliebt hat. Dem gegenüber steht natürlich seine sonstige übergriffe Art und nicht zuletzt auch sein kaltes Auftreten in der zweiten Sequenz, die eine aufregende Wendung für uns bereithält.

Gestaltung

Ich habe mich mittlerweile wirklich gut an Pere Pérez’ Stil gewöhnt und die dritte Ausgabe könnte gestalterisch die bisher anspruchsvollste gewesen sein. Im Bezug auf die Charaktere haben mir vor allem Sanas schmollende und resignierte Gesichtsausdrücke gefallen. Sie wirkt in den Panels etwas „kindlich“ und verletzlich, was schön die Seite von ihr einfängt, die wir im Kontakt mit ihrer Familie an ihr erleben dürfen. Das wahre Spektakel der Ausgabe ist aber wohl die Vielfalt an Spezies! Das beginnt bei Devas Partygästen und gipfelt in dem Zoo, wo sowohl die Tiere als auch die Besuchenden den verschiedensten Spezies angehören. Diese Diversität war mir wirklich ein Fest und wie schon in meiner Rezension der ersten Ausgabe angemerkt, erachte ich Flora und Fauna als große Stärke des Künstlers. In der Darstellung des Zoos werden Tiere aus diversen Medien aufgegriffen, die dort entweder frei herumlaufen oder in Käfigen gehalten werden, auf Plakaten oder in Hologrammen zu sehen sind. Als die Starroses mit ihren Begleitungen den Zoo betreten, kam bei mir sogleich eine richtige Familienausflugsstimmung auf und ich fand das bunte Treiben gelungen eingefangen. Hierzu tragen auch Dono Sánchez-Almaras Farben bei. Durch sie gelingt auch ein treffsicherer Stimmungswechsel, als das Chaos ausbricht und die Befreiung beginnt. Im Zuge dessen begeben wir uns vom klaren, sonnigen Tag zunächst in die rot-flimmernde Rancor-Brutstätte, um dann nach einigen Reibereien wieder ans Tageslicht zurückzukehren, das inzwischen einem trüben und bedeckten Himmel gewichen ist.

Mein Highlight bei der Farbgestaltung des Hintergrundes war das Atrium, in dem Deva ihre Feier ausrichtet, und hier insbesondere die Beleuchtungssituation. Einige Panels habe ich richtig lange auf mich wirken lassen. Meinen Favoriten seht ihr oben in den Vorschauseiten, darauf schlürft Deva ihren Drink mit Lanitra zu ihrer linken und Sana zu ihrer rechten Seite. Deva ist für mich generell einfach ein Augenschmaus – mit den bunten Farben ihres Punkette-Federiros, der selbstsicheren Attitüde und den beiden atemberaubenden Outfits.

Fazit

Good Times hatte ich definitiv bei der Lektüre dieser Ausgabe. Vor allem wenn ich mir nicht den Kopf darüber zerbreche, wo wir im Hinblick auf die Handlung herkommen und wo wir mit der Reihe noch hin möchten. Ich habe das Heft vorrangig als unterhaltsame, leichte Kost empfunden; Gleichzeitig lässt es mich mit einer gehörigen Portion Spannung zurück, was Mevera und Thea, aber vor allem Aryssha wohl blüht. Sanas Zerrissenheit zwischen ihrem berechtigten Ärger und ihrer althergebrachten Loyalität ihrer Familie gegenüber finde ich nachvollziehbar dargestellt. Ihre Anwandlungen, dass sie doch lieber ihre Väter hätte besuchen sollen, lassen mich jedes Mal schmunzeln, weil ich sie gleichzeitig so passend und so halbherzig finde. Phel vermag bisher noch nicht so richtig mein Interesse zu wecken, aber möglicherweise ändert das ja die nächste Ausgabe. Ich versuche jedenfalls, mit mehr Flexibilität in meinen Erwartungen das kommende Heft abzuwarten, und setze weiterhin mein Vertrauen in Irelands Storywriting-Kompetenzen. In der Zwischenzeit lehne ich mich zurück und genieße die Fülle an ausgewogenen weiblichen Charakteren, meine größte Freude an dieser Comicreihe.

Yoda #6 – rezensiert von  Ines

Das heutige Heft Yoda #6 schließt den dreiteiligen Handlungsstrang Students of the Force ab, welcher einige Jahrzehnte vor Episode I spielt. Wie schon in den beiden vorigen Heften arbeitete wieder das Team aus Autorin Jody Houser, Zeichner Luke Ross und Kolorist Nolan Woodard zusammen.

Der Inhalt

Yoda #6 (19.04.2023)
Yoda #6 (19.04.2023)

Der Comic beginnt direkt auf Corvair II, wo der von Visionen geplagte Wookiee-Jüngling Krrsish in der vorangegangenen Ausgabe seine trandoshanische Kameradin Gheyr angegriffen hat, da er sie für eine Bedrohung hielt. Gheyr versucht, sich zu verteidigen und an Krrsishs Vernunft zu appellieren, und auch Jak’zin will die beiden Kämpfenden trennen, doch erst Meister Yoda kann den wütenden jungen Wookiee stoppen. Er macht seinem Schüler klar, dass er vielleicht selbst von Wut, Angst und der dunklen Seite geleitet war, als er blind auf die Visionen vertraute und Gheyr angriff.

Zurück im Tempel auf Coruscant, tauschen sich Yoda und Dooku über den Vorfall aus und vertreten unterschiedliche Meinungen: Yoda hält es für gefährlich, auf Visionen zu vertrauen, die man nicht komplett versteht, während Dooku glaubt, dass Krrsish mit seinem Eingreifen eventuell Gheyr vor einer Zukunft auf der dunklen Seite gewarnt und bewahrt haben könnte. Die junge Trandoshanerin nimmt jedoch ihr Schicksal selbst in die Hand und beschließt, den Jedi-Orden zu verlassen, um sowohl Krrsish als auch sich selbst vor der dunklen Seite zu retten. Sie verabschiedet sich von ihren Freunden und fliegt mit Dooku weg von Coruscant. Im letzten Panel sehen wir den alten Yoda, der sich Vorwürfe macht, bei vielen seiner Schüler:innen versagt zu haben, wieder auf Dagobah im Gespräch mit der mysteriösen Stimme.

Die Umsetzung

Das letzte Heft des Handlungsstrang überrascht mit einer Nicht-Auflösung: Wir erfahren nicht, wer Ende richtig lag mit seiner Einschätzung der Vision: Yoda oder Dooku? Gheyr oder Krrsish? Wahrscheinlich werden wir es auch nie herausfinden, da durch Gheyrs Ausstieg aus dem Orden eine Art Präventionsparadox entsteht: Sie wird nun wahrscheinlich nie der dunklen Seite verfallen, aber ist das der Fall, weil sie ohnehin nie der dunklen Seite verfallen wäre oder weil Krrsish sie durch seinen Angriff gewarnt und vor einer düsteren Zukunft bewahrt hat? – Beim Nachdenken über die verschiedenen Möglichkeiten, kann man sich ganz schön das Gehirn verrenken und genau das macht den offenen Ausgang des Handlungsstrangs auch so spannend und passend. Damit wird das Problem der Jedi mit Visionen perfekt illustriert und als Leser:innen müssen wir uns selbst fragen, wie wir mit diesen vagen Warnungen umgehen würden – eher ignorieren, wie Yoda es tut, oder handeln, wie Dooku es empfiehlt?

Richtig traurig finde ich es, dass es am Ende die Initiantin Gheyr ist, die mit ihrem Ausstieg aus dem Orden die Initiative übernehmen muss, da die Erwachsenen das Problem selbst nicht lösen können, widersprüchliche Ratschläge erteilen und auch keine Anstalten zu machen scheinen, Krrsish und Gheyr räumlich zu trennen und somit voreinander zu schützen. Yoda macht sich am Ende selbst Vorwürfe, da er glaubt, Gheyr ihre Zukunft als Jedi übergestülpt zu haben, als er sie als Baby fand, ohne andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Auch hier bleibt offen, ob Yodas Entscheidung richtig war oder nicht, und der Comic lässt die Leser:innen mit noch mehr Fragen zum Nachdenken zurück.

Etwas verwirrt war ich in diesem Comic lediglich über die zeitliche Einordnung. Yoda sagt an einer Stelle, dass er „vor Jahren“ mit Krrsish über seine Visionen gesprochen habe. Es scheint also einen relevanten Zeitsprung zwischen den ersten Visionen und der Mission auf Corvair II gegeben zu haben, der aber so im vorigen Heft nicht benannt wurde. Ein erklärender Text wie „einige Jahre später“ wäre da hilfreich gewesen. Auch ist es mir leider nicht klar, ob die jungen Jedi in diese Heft nun schon Padawane oder noch Jünglinge sind. Im Intro-Text werden sie als Padawane bezeichnet, in Heft #5 nennt Yoda sie aber noch bei der Ankunft auf Corvair II Initianten. Vom Aussehen her würde ich die dort abgebildeten menschlichen Schüler eher als Padawane als als Jünglinge einschätzen, aber am Ende bleibt das leider unklar.

Die Zeichnungen sind wie in der vorangegangenen Ausgaben sehr gelungen. Gerade die aufgeheizten Emotionen der jungen Jedi im Kampf und der plötzliche Ausbruch von Brutalität kommen perfekt zum Ausdruck. Auch der wohlwollende, sympathisch aussehende Dooku ist wieder gut getroffen. Man kauft ihm ab, wirklich keine bösen Absichten zu haben und sich lediglich um die Jünglinge sowie seinen Freund Sifo-Dyas zu sorgen.

Fazit

Insgesamt bin ich mit dem offenen Ausgang des Handlungsstrangs vollstens zufrieden. Jody Houser hat über drei Hefte hinweg eine sehr nachdenklich machende und tiefgehende Geschichte erzählt, die wirklich mal etwas Neues ist. Das verdient erneut die volle Anzahl an Holocrons. Nun befürchte ich nur, dass der nächste und letzte Handlungsstrang mich nicht so packen wird wie der nun beendete. Der am Ende des Heftes angeteaserte Kampf zwischen Yoda und Grievous sowie eine geheime Separatisten-Waffe klingt nun eher nach Standard-Action-Kost. Aber wir werden sehen…

Bewertung: 5 von 5 Holocrons
Bewertung: 5 von 5 Holocrons

Mit Yoda #7 geht es schon am 3. Mai weiter, während wir auf Sana Starros #4 noch bis zum 31. Mai warten müssen. Am nächsten Marvel-Mittwoch steht dann Darth Vader im Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn Darth Vader: Black, White & Red #1 und Darth Vader #33: Unbound Force, Part 1 erscheinen. Aber auch Darth Vaders spezielle Freundin Chelli Aphra ist mit Doctor Aphra #31: The Parting Glance dabei.

Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorab-Exemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

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