Marvel-Mittwoch: Hidden Empire #1, Doctor Aphra #26 und Han Solo & Chewbacca #7

An diesem Marvel-Mittwoch erscheinen wieder drei Hefte. Den empfohlenen Auftakt macht Doctor Aphra #26: Friends and Enemies, gefolgt vom ersten Heft der neuen Mini-Serie zum dritten Crimson-Dawn-Crossover, Hidden Empire #1. Und als geschmackliche Ausrundung des Angebotes dient dann Han Solo & Chewbacca #7: Dead or Alive, Part 2.

Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung des Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Die Ereignisse aus Doctor Aphra spielen noch vor Hidden Empire #1 und enthalten auch eine direkte Verbindung, die man sonst in Hidden Empire nicht versteht. Insofern empfiehlt es sich dringend, dies bei der Lesereihenfolge zu beachten.


Doctor Aphra # 26 – rezensiert von Matthias

Der Inhalt

Doctor Aphra #26 (16.11.2022)
Doctor Aphra #26 (16.11.2022)

Der Kampf zwischen dem Spark Eternal/Aphra und dem Befreiungskommando unter Sana Starros‘ Führung dauert immer noch an, aber beide Seiten legen immer mal wieder kleine Kampfpausen ein, um sich gegenseitig die Lage bzw. das eigene Handeln zu erklären. Richtig viel profitieren wir Leser aber nicht von diesem Austausch. Das Kampfesglück wogt dabei natürlich etwas hin- und her und nach und nach wird alles ins Feld geführt, was die beiden Seiten so an Tricks und Reserven zur Verfügung haben. Natürlich stoßen auch die beiden Droiden dazu, was für einige muntere Dialoge gut ist, aber nur mäßig der Geschichte voran hilft, denn der Spark Eternal/Aphra kann sie dank des Null-Schwertes unter seine Kontrolle bringen.

Und auch Aphra versucht weiterhin, sich aus ihrem inneren Gefängnis in ihren eigenen bzw. den Erinnerungen von Miril zu befreien. Das gelingt ihr zwar nicht, aber Magna findet einen Weg, zu ihr durchzudringen und die beiden tauschen wichtiges Wissen aus.

Dann beschließt der Spark Eternal/Aphra dass es an der Zeit ist, den Kampf zu verlassen. Die letzte Konfrontation durch Kho Phon Farrus löst der Spark Eternal/Aphra dadurch, dass er Kho eine geheime Botschaft zuflüstert, von der wir Leser aber noch nicht wissen, was sie beinhaltet. Aber es veranlasst Kho, Sanas Team zu verlassen und sich erneut Crimson Dawn anzuschließen. Spark Eternal/Aphra kann so ohne weitere Probleme mittels der Ark Angel IV die Vermillion verlassen. Ihren Verfolgern kommen nicht sehr weit, ehe ein kleines Abschiedsgeschenk seine Wirkung tut.

Die Umsetzung

Da sich alle der handelnden Personen bis zuletzt im gleichen Raum aufhalten, entfallen die ganz wilden Sprünge und Alyssa Wong kann sich ganz auf die stringente Erzählung der Geschichte konzentrieren. Der Wechsel zu Aphra in ihrem inneren Gefängnis und der Durchbruch von Magna sind sehr gut und stimmig umgesetzt. Dass es diesmal etwas viel Aktionen gab, was ich ja immer etwas kritisch sehe, war bei dieser Konstellation mit den beiden stets sehr einsatzfreudigen Droiden aber irgendwie unvermeidbar. Sieht man also mal davon ab, dass die Zahl der Toten angesichts der wilden Ballerei bei annährend Null liegt, hat sich also alles im Rahmen des Erwartbaren bewegt. Ein Highlight war die Geschichte nicht, sie passt sich aber sehr gut in das ein, was im Auftakt zum Crossover passiert.

Minkyu Jungs Zeichenstil scheint mir diesmal etwas zackiger zu sein. Vermutlich soll dies die Dynamik und Spannung der Situation verstärken. Die wilden Aktion-Szenen sind für mein Gefühl nicht so gut umgesetzt worden, was vermutlich daran liegt, dass solche Szenen in dieser Reihe in dem Umfang bislang glücklicherweise nicht vorgekommen sind und damit Jung nicht so geschmeidig von der Hand gehen. Ansonsten gibt es nicht viel auszusetzen. Die Hintergründe sind wieder sehr detailliert ausgearbeitet. Rachelle Rosenberg lässt – passend zu all der Aktion – diesmal ordentlich die Farben sprechen, was ihr bestimmt sehr gefallen hat.

Fazit

Kein überragendes, aber doch grundsolides Heft, also für Aphra-Standards. Insofern eine sehr gute Überleitung zu dem, was den Leser in Hidden Empire #1 erwartet. Ich bin gespannt, welche Rolle dem Spark Eternal/Aphra in den nächsten Heften des Crossovers noch zufällt.


Hidden Empire #1 – rezensiert von Lukas

Immer zu zweit, sie sind.

Yoda, Star Wars: Episode I Die dunkle Bedrohung

Anderthalb Jahre nachdem uns Charles Soule mit der Rückkehr von Qi’ra und Crimson Dawn überraschte, beginnt nun der dritte und letzte Teil seiner großen Comic-Trilogie. Während mich Krieg der Kopfgeldjäger begeistern konnte, war ich von Crimson Reign eher enttäuscht und so darf man sich natürlich gespannt fragen, ob und wie der krönende Abschluss überzeugen wird. Die Spielfiguren sind in Position, der Plan nimmt Gestalt an. Crimson Dawn gegen das Imperium. Die scharlachrote Königin gegen die Sith. Lady Qi’ra gegen Darth Sidious. Das erste Kapitel von Hidden Empire ist eingetroffen.

Inhalt

Hidden Empire #1 (16.11.2022)
Hidden Empire #1 (16.11.2022)

Charles Soule eröffnet sein großes Finale mit der in Crimson Reign etablierten, aber oftmals nur angehängten und so vernachlässigten Nebenhandlung, in der zwei Gestalten, die wir in diesem Heft endlich schemenhaft zu sehen bekommen, eine Aufzeichnung der Archivarin ansehen. So wird auch dieses Heft wieder von Sava Suns durchgehendem Voice-Over erzählt, während sich die beiden Unbekannten hin und wieder darüber austauschen. Es sollte nicht mehr allzu lang dauern (spätestens in Ausgabe #5), bis Soule auch das Geheimnis, um wen es sich dabei genau handelt, lüften wird.

Die Sava führt uns auf einer Doppelseite noch einmal den aktuellen Status Quo vor Augen. Überall in der Galaxis werden ihre Agent*innen aktiviert und stiften Chaos, während wir auch einen kurzen Blick auf die Figuren der jeweils anderen fortlaufenden Comicserien werfen können. Nun geht es in ihrem Plan darum, den Fermata-Käfig, den Qi’ra dank dem Einbruch der Ritter von Ren in Vaders Festung erlangen konnte, einzusetzen – ein uraltes Artefakt der Sith, mit dessen Hilfe sie plant, die Sith-Lords Sidious und Vader zu vernichten. Um dieses zu bedienen, benötigt sie allerdings die Expertise der Ritter, Sava Sun selbst und jene von Kho Phon Farrus, die nach den Ereignissen in Doctor Aphra #26 zurückgekehrt ist. Matthias hat euch oben bereits diese Verbindung angeteast.

Aus Mangel an starken Nutzer*innen der dunklen Seite der Macht, die man für die Nutzung des Fermata-Käfigs braucht, errichten die Archivarin und Kho Phon Farrus anhand ihres gesammelten Wissens eine riesige Maschine, mit der sie die Macht der Ritter kanalysieren und den Käfig aktivieren wollen. In der Zwischenzeit konferiert der Imperator persönlich mit den Anführern der großen Verbrechersyndikate, um ihren ebenfalls dank Qi’ra in Crimson Reign begonnenen Konflikt beizulegen und sie gemeinsam gegen Crimson Dawn einzuschwören. Im Folgenden bekommen wir zu sehen, wie auch das Imperium nach und nach gegen Crimson Dawn vorgeht und Qi’ras Agent*innen ausschaltet – von Lord Vader über die Imperiale Flotte bis sogar zum Inferno-Kommando. Schließlich ist es so weit und die Flotte findet ihr Flaggschiff, die Vermillion.

Hier beginnt die Szene, die wir letzte Woche in der Vorschau sehen konnten und die wir auch unten wieder für euch eingebettet haben. Aus dem Kontext gerissen und nur in der Vorschau erschien sie mir noch etwas fremdartig und melodramatisch. Jetzt im Zuge des Hefts und der Seiten davor, danach und sogar dazwischen muss ich sagen, dass sie richtig reinhaut. Qi’ra, die sich entgegen der Annahme des Imperiums nicht auf der Vermillion befindet, spricht endlich in einem fesselnden Dialog mit dem Imperator persönlich, während sich das Flaggschiff eine Raumschlacht mit der Flotte liefert und das Dreamteam Archivarin/Ritter/Kho Phon Farrus den Käfig aktivieren. Die Erschütterung der Macht, die es zur Folge hat, spürt Palpatine und wir sehen ihn in einem der seltenen Momente der Angst. Nach wie vor befremdlich, ja, jedoch macht es auch unmissverständlich klar, mit was für einer starken Waffe wir es hier scheinbar zu tun haben.

Palpatine nutzt seine unfassbare Macht, um Qi’ra zu erwürgen, lässt sie jedoch am Leben, um von den Kräften des Käfigs zu hören. Dann kracht die Vermillion in den Interdictor-Kreuzer des Imperiums, wodruch beide zerstört werden. Sidious kontaktiert unverzüglich seinen Schüler, der die Erschütterung ebenfalls gespürt hat und beauftragt ihn damit, den Käfig zu beschaffen und alle zu töten, die von seiner Existenz wissen. Und während Qi’ra die Überlebenden von der Vermillion sterben lässt und die Ritter von Ren ihr nach dem Aktivieren des Käfigs den Rücken kehren, ist die scharlachrote Königin nach wie vor zuversichtlich, dass alles Teil dess Plans sei und klappen werde, obwohl die Dinge aus dem Ruder laufen. Mit diesem Cliffhanger entlässt uns Soule in die Wartezeit zur nächsten Ausgabe.

Obwohl das Heft Überlänge hat, war es glücklicherweise nicht mit Handlung vollgestopft. Es hat eher die zusätzlichen Seiten genutzt, um sich Zeit für die Handlungsorte und Charaktere zu nehmen und uns vor allem mit dem Dialog zwischen Palpatine und Qi’ra ein echtes Highlight zu liefern. Auch die Action kam so nicht zu kurz, ohne dabei die Handlung zu verdrängen. Nach fünf sehr langsamen Heften der letzten Miniserie, konnte Soule hier wirklich mal wieder das Gefühl liefern, dass etwas auf dem Spiel steht und dass es auch vorangeht. Wie in der epischen Finalausgabe von Krieg der Kopfgeldjäger freue ich mich aber auch über gut geschriebene Konfrontationen und episch inszenierte Raumschlachten, wie sie hier präsentiert werden. Ein sehr vielversprechender Anfang also, auf den jetzt hoffentlich nicht wieder langweilige mittlere Ausgaben folgen.

Zeichnungen

Steven Cummings übernimmt nahtlos wieder, womit das Heft keinen optischen Bruch bietet, wie er zwischen Krieg der Kopfgeldjäger und Crimson Reign stattfand. Allerdings hat sich der Zeichenstil etwas entwickelt, wodurch mir vor allem Palpatine und Vader nicht mehr so cartoony vorkommen, wie ich es im Vorgänger hin und wieder kritisiert habe. Vom Gesamteindruck und den passenden Farben von Guru-eFX her, ist es für mich persönlich optisch sogar das beste Heft der Qi’ra-Saga. In den Doppel- und Splashpages kann Cummings ein Gefühl für Größe und galaktischer Tragweite vermitteln, dass sich sogar hier die Überlänge positiv auf das Heft auswirkt. So kann das Heft von sich behaupten, inhaltlich wie zeichnerisch eine Wucht zu sein.

Fazit

Nach den Hängern im Mittelteil der Trilogie und der monatelangen Pause, schafft es Hidden Empire #1 wieder, an die positiven Erfahrungen und den vielversprechenden Anfang der Trilogie anzuknüpfen. Ein schönes Heft, mit Luft nach oben, einem angsterfüllten Palpatine, einer Qi’ra, die beinahe alles verliert und damit zwei Kontrahent*innen, für die verdammt viel auf dem Spiel steht. Der Rest der Reihe kann kommen.

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

Han Solo & Chewbacca #7 – rezensiert von Lukas

Haben Sie nicht vorher überlegt, wie Sie wieder rauskommen?

Leia, Star Wars: Episode IV Eine neue Hoffnung

Inhalt

Im letzten Heft hat Han etwas pausiert, was nun jedoch aufgeholt wird. Wir erfahren, dass er nach Greedos Treffer noch am Leben war und die Crew um den Rodianer auch davon wusste. Aufgrund seiner Plotarmor muss er allerdings verschont bleiben und wird so auf jenem Hinterwäldlerplaneten abgesetzt, an dem er Ende letzter Ausgabe wieder in der Handlung aufgetaucht ist. Dort wird auch sogleich die durchgehende Humorschiene, die sich durch das Heft zieht, etabliert, verstehen doch die Einheimischen abgesehen von ein paar wohlplatzierten Ausnahmen kein Wort Basic. Und weil die Galaxis so unfassbar klein und ihre Zufälle unglaublich groß sind, sieht Han im genau richtigen Moment in den Holo-Nachrichten, wo sein Kumpel Chewie ist und dass er zum Tode verurteilt wurde….

…nämlich auf dem Gefängnisplaneten Gulhadar, zu dem die Handlung springt. Maz Kanata, Chewbacca und ihre neue Freundin Phaedra setzen den von letzterer entwickelten Plan zum Ausbruch um, wobei sich natürlich Vergleiche mit den letzten noch frischen Andor-Folgen aufzwingen. Waren die Pläne dort noch möglichst realistisch und die Stimmung bedrückend, so haben wir hier wieder die klassische Leichtigkeit und Portion Glück, die Star Wars-Helden meistens mit sich bringen. Chewie wird dank Pillen von Phaedra für tot erklärt und Maz unterbricht die vollzogene Hinrichtung von Doktor Evazan und Ponda Baba. Hier musste ich doch etwas auflachen, wenn man sieht, wie das unzertrennliche Paar sogar gemeinsam hingerichtet werden soll und nur Maz Kanata und der Ausbruch dies verhindern. Mit der als Putzkraft verkleideten Phaedra und Chewie in der Leichenhalle gelingt es dem Trio, das Gefängnis zu verlassen und nur durch den gerade eintreffenden Han Solo auch mit einem Schiff zu entkommen. Zurück auf Tatooine konfrontiert das Team sogleich Greedo und fragt nach dem Verbleib des Millennium Falken.

Nur zwei kurze Absätze zur Handlung, wodurch mir aber wie nach der Lektüre auffällt, dass viel mehr eigentlich nicht passiert. Han gelangt aus seinem Exil, Chewbacca aus dem Gefängnis, sie finden wieder zusammen. Nach dieser Reunion des Titelduos kann es nun in die letzten drei Ausgaben der Serie gehen. Dabei legt Autor Marc Guggenheim den Figuren immer einen lockeren Spruch auf die Lippen und lässt sie leicht durch die Handlung kommen. Zwei, drei lustige Momente und fertig ist ein kurzes, aber etwas fillerartiges Comicheft mit Han und Chewie.

Zeichnungen

Die Zeichnungen stammen dieses Mal von Paul Fry und tanzen so leider etwas aus der Reihe. Ich finde, dass sie etwas generisch wirken, wobei aber zum Beispiel Chewie überhaupt nicht getroffen wurde. Es gibt Panels, da könnten seine Haare Tentakel sein, siehe zum Beispiel die Vorschau unten. Derweil könnte Han selbst in dieser Ausgabe auch von Chuck Norris gespielt worden sein, wobei allerdings nicht nur der Bart schuld trägt, sondern auch die fast karikierenden Gesichtszüge. Die Farben von Alex Sinclair passen ebenfalls nur so halb in die jeweilige Stimmung der Szenen, vor allem beim Ende in der Mos Eisley Cantina stellten sich bei mir die Haare zu Berge. Ich hoffe nur, dass David Messina nächste Ausgabe wieder glänzen kann.

Fazit

Ein mittelmäßiges Filler-Heft mit mir überhaupt nicht gefallenden Zeichnungen, die die Gesamtwertung sogar noch etwas runterziehen. Im Gesamtkontext der Reihe ist dies aber zu verkraften, wobei ich nun das Gefühl habe, dass Hans und Chewies vorübergehende Trennung in den letzten zwei Heften hauptsächlich der Länge der Reihe diente und fehlende Ideen für die größere Handlung ausgleichen sollte.

Der Rezensent vergibt 2 von 5 Holocrons!
Bewertung: 2 von 5 Holocrons

Mit Hidden Empire #2 geht es am 7. Dezember weiter, Doctor Aphra #27 und Han Solo & Chewbacca #8 sind dann erst nach Weihnachten wieder im Einsatz, beide am 28. Dezember. In der nächsten Woche gibt es dann wieder einmal ein ganz besonderes Heft: Star Wars: Revelations #1. Zudem startet mit Yoda #1 eine neue Reihe.

Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorab-Exemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

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