Rezension: Die Hohe Republik – Es gibt keine Angst von Cavan Scott

Nach der hierzulande Veröffentlichung des ersten Comic-Handlungsbogens der Hohen Republik in Form der Panini-Heftreihe, erschien Ende November 2021 auch der Sammelband, welcher die ersten fünf Ausgaben zusammenfasst und von Cavan Scott geschrieben, sowie von Ario Anindito gezeichnet wurde. Darin vereinen sich zum einen die Themen, Orte und manche Figuren der drei Romane der ersten Welle, während die Bedrohung durch die Drengir ausgebaut wird. Wie gut das gelingt, soll Gegenstand dieser Rezension sein.

Diese Rezension ist möglichst spoilerfrei gehalten und thematisiert nur vor dem Comic spielende Ereignisse.

Der Ausgangspunkt

Der Beginn des Comics startet direkt damit, dass uns die Hauptfigur der Reihe – Keeve Trennis – bei ihrer vermeintlich letzten Prüfung, bevor sie in den Ritterstand gehoben wird, vorgestellt wird. Die Geschehnisse, die sich dann darum entfalten haben mir zunächst ein ungutes Gefühl gegeben, da es sich anfühlte wie die Notwendigkeit nach einer gigantischen Bedrohung und man nicht mit einem kleineren Problem einsteigen konnte. Dass immer direkt die Galaxis oder in diesem Fall eine gewisse Station in der Schwebe hängen müssen, übersteigt etwas den Rahmen dessen, was ich mir zum Einstieg gewünscht hätte. Meine Sorgen wurden jedoch dahingehend abgemildert, dass Scott es gut schafft, die Gefahr nicht künstlich bis zum ultimativen Showdown ansteigen zu lassen, sondern das Problem noch rechtzeitig erkannt und gebannt wird. So wirkt das Problem groß, wird aber zusätzlich nicht unnötig aufgebläht.

Die Hauptfigur(en)

Doch während die Gefahr zu Beginn des Bandes vielleicht etwas zu groß wirkte, so ist es dennoch sehr gut gelungen, binnen des ersten ursprünglichen Heftes die Hauptfigur sympathisch und menschlich darzustellen. Keeve Trennis‘ Zweifel und ständige Erinnerungen daran, dass es keine Angst gibt (um den Bogen zum Titel zu schließen), gemischt mit ihren Flüchen und den Störungen durch „Streunern“, die sie immer wieder aufsammelt und sie dann mit Fragen löchern, fängt gut eine junge Jedi ein, die sich – auch verdeutlicht durch ihre Verehrung von Avar Kriss – stark auf Autoritätspersonen verlässt und dann im Laufe des Comics feststellen muss, dass dieses Vertrauen sie nicht davon entbinden kann, auch schwere Entscheidungen zu treffen, die letztlich auch ebendiese Autoritätspersonen direkt oder indirekt betreffen. Am Ende des Bandes ist mir Keeve Trennis sehr ans Herz gewachsen, da sie sich ihre Zweifel immer beibehält und am Ende vielleicht dem titelgebenden Mantra nicht mehr blind folgen kann. Ist es in Ordnung Angst zu haben? Vielleicht ist es nicht der richtige Weg, sich vor der Angst zu verschließen und dadurch Hilfe auszuschlagen, die man eigentlich bräuchte (wie ihr Meister Sskeer).

Um bei Sskeer zu bleiben, muss an dieser Stelle direkt einmal die Idee eines trandoshanischen Jedi gelobt werden. Nach seinem Auftritt in Das Licht der Jedi fand ich das Konzept bereits spannend und man hat ihn sowohl visuell als auch charakterlich sehr passend umgesetzt. So neigt er dazu stoisch und verschlossen zu sein, seine bedrohlichere Erscheinung auch bewusst zu nutzen als auch schließlich dazu, hitzköpfige Entscheidungen zu treffen. Doch genau diese Eigenschaften führen am Ende dazu, dass er es ist, der einem gewissen Einfluss gut widerstehen kann. Man hat der Figur also trotz ihrer eigentlich sehr unjedihaften Art einen Vorteil gegeben, der zentral für den Erfolg der Mission ist. Am Ende ist ein trandoshanischer Jedi somit also nicht nur Teil des Ensembles, weil es eine coole Idee ist, sondern weil man durch ihn eine Wendung organisch herleiten kann.

Zuletzt – um die coverschmückenden Figuren komplett zu machen – ist auch Avar Kriss eine der Hauptfiguren. Nachdem sie zur Marschallin der Starlight Station ernannt wurde, ist auch sie maßgeblich daran beteiligt, der Drengir-Bedrohung Herrin zu werden. Dabei setzt sich ihre prinzipiengeleitete Haltung aus Das Licht der Jedi fort und auch ihre Strenge, die sie gegenüber Sskeer an den Tag legt deutet stark auf den dogmatischen Jedi-Ansatz hin, der 300 Jahre später der Untergang des Ordens sein wird. Auch bei ihr spürt man erste Konflikte, die sich um ihre Rolle als Kommandantin dieser Station drehen und auch sie fügt sich damit sehr gut in das Spannungsfeld zwischen Vorzeige-Jedi und inneren Selbstzweifeln ein, was später auch ihre befreundeten Jedi Elzar Mann und vor allem Stellan Gios charakterisieren wird.

Das Medium und der Horror

Während ich die Drengir in In die Dunkelheit von Claudia Gray noch belächelt habe (wie im JediCast besprochen), erwachen sie hier wirklich zum Leben und wirken auch bedrohlicher. Das ist zweifellos dem Medium als auch den hervorragenden Zeichnungen von Ario Anindito geschuldet, aber auch dem Schreibstil und den Handlungsorten merkt man ein inhärentes Bedrohungsszenario an. Ein verlassenes, geplündertes, mit unheilvollem Gas gefülltes Raumschiff, auf dem man Leichen findet oder eine Höhle voller Ranken, die zum Leben erwachen sind an diesem Gefühl sehr stark beteiligt.

Inhaltlich wird sehr viel mit dem Verschwinden von Figuren, dem mysteriösen Tod der Opfern und allgemein einer Art Foreshadowing gearbeitet. Der Leser weiß oft schon vorher was gleich passieren wird, da er die Bedrohung und Anzeichen gewisser Wesen oder eben der Nihil schon zu lesen weiß und ist gespannt darauf, wie die Figuren damit umgehen werden. Auch Keeves Gedanken fangen genau diese Vermutungen und Anspannung gut ein. So gelingt es dem Comic schlussendlich die Drengir-Bedrohung greifbarer zu machen als es In die Dunkelheit vermochte und macht mich selbst auch gespannt, wie man dieser Plage begegnen wird.

Vereinigung der anderen Werke

Was Scott ebenso gut schafft ist es, nicht nur durch kurze Anspielungen, sondern inhaltlich verwoben die drei Romane der ersten Welle aufzugreifen. So – vielleicht als kleinster Bezug – spielen Imri und Vernestra aus Die Bewährungsprobe zumindest an Bord von Starlight eine größere Rolle. Außerdem wird die Befreiung der Drengir in In die Dunkelheit visuell in den Kontext gesetzt und uns auf einer sehr tollen Seite, bei welcher die Panels mit Ranken unterteilt sind, deren Geschichte bis hin zur Gefangenschaft durch die Totems präsentiert. Und schlussendlich wird mehrmals auf die Schlacht im Kur-Nebel aus Das Licht der Jedi angespielt, bei der Sskeer seinen Arm verloren hat und man das Giftgas der Nihil erstmals erlebte. Nicht zuletzt visualisiert dieser Band auch die Eröffnung der Starlight-Station, welche vorher vor allem in Das Licht der Jedi und Die Bewährungsprobe jeweils das Ende der jeweiligen Werke darstellte.

Darüber hinaus schafft es der Comic auch uns erstmals wirklich Visualisierungen mancher Charaktere und Raumschiffe zu geben, die über Konzeptzeichnungen hinausgehen. Wie sieht das innere der Starlight-Station aus? Wie genau sieht ein Vektor aus und letztendlich wie bedrohlich wirken die Drengir wirklich? All diese Sachen hat man bisher wie gesagt nur in Konzeptzeichnungen oder eben dem Kinderbuch The Great Jedi Rescue sehen können.

Fazit

Mit Es gibt keine Angst gelingt Autor Cavan Scott und Zeichner Ario Anindito ein qualitativ sehr guter Einstieg in die Comic-Welt der Hohen Republik. Nicht nur wird eine Hauptfigur etabliert, die Zweifel und eine Art Emanzipation beziehungsweise Selbstfindung abseits ihrer Vorbilder vornimmt, sondern auch andere Figuren, wie der Trandoshaner Sskeer so in die Handlung eingebaut, dass es seinem Wesen entspricht. Darüber hinaus greift es die im Roman noch eher weniger greifbare Drengir-Bedrohung gut auf und visualisiert sie hervorragend, wodurch sie erstmals wirklich bedrohlich wirkt. Durch die zuletzt auch noch starke Verknüpfung zu den vorher spielenden Romanen wird der Sammelband für jeden Fan der Hohen Republik zu einem besonderen Genuss, aber auch Einsteiger bekommen eine in sich geschlossene Handlung präsentiert, die es schafft uns mit Keeve und Sskeer mitfiebern zu lassen.

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsxemplares!

  • Wenn ihr noch andere Meinungen zu der Reihe haben wollt, seien euch
Logo zu Star Wars: Die Hohe Republik

Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das 200 Jahre vor den Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unseren Guide zur Lesereihenfolge.

Schreibe einen Kommentar