Rezension: Leia, Prinzessin von Alderaan, Band 1 von Haruichi Furodate

Ich mag Gewitter.

Prinzessin Leia Organa von Alderaan

Noch vor dem Star Wars – Rebels Manga startete im Mai 2019 die Manga Adaption von Leia – Prinzessin von Alderaan bei LINE in Japan. Wie dort bei Manga üblich werden die einzelnen Kapitel zunächst in Magazinen veröffentlicht und später als sogenannte Tankobon noch einmal gesammelt. Diese sind es dann auch, die wir im Westen dann als Manga-Bände in den Händen halten. Ebenso wie dem Rebels-Manga, ist auch Leia noch im Status ongoing, was bedeutet, dass die einzelnen Kapitel noch nicht komplett gezeichnet oder veröffentlicht sind und die Sammelbände entsprechend ebenfalls noch ausstehen. Der zweite Sammelband ist allerdings bei YenPress, dem amerikanischen Verlag, bereits angekündigt.

Die Vorlage zu Prinzessin von Alderaan wurde  2017 von Claudia Gray geschrieben und bereits einmal von Ines und einmal von Julian rezensiert. Außerdem wurde die englische Version des vorliegenden ersten Manga-Sammelbandes ebenfalls bereits von Ines rezensiert.

Leia wird von Haruichi Furudate gezeichnet, der (sein Geschlecht ist der Öffentlichkeit nicht bekannt, das VIZ Media-Übersetzungsteam nutzt allerdings die maskuline Form, der ich mich hier anschließe) seit 2008 im Weekly Shonen Jump seine Manga veröffentlicht und dessen größter Erfolg der Manga Haikyu! ist, welcher sich um Volleyball dreht und einen recht erfolgreichen Anime nach sich herzog. Nach eigener Aussage versucht er dort dem Stil seines großen Vorbildes Tite Kubo (Bleach) gerecht zu werden. Warum erzähle ich euch das? Es geht mir darum, direkt klar zu stellen, dass es sich bei Leia allein aufgrund der Autorenwahl schon nicht um einen klassischen Shojo-Manga (ein Manga für und mit Mädchen) handeln kann. Wer das dachte und nur wegen der Titelfigur meinte, dass es schon „zu mädchenhaft“ sei, kann also alleine schon wegen des Mangaka seine Argumente in die Tonne klopfen. Vielen Dank.

Leia ist ein sehr erwachsen gezeichneter Manga und ist stilistisch eher mit Verlorene Welten als mit Rebels vergleichbar. In weiten Teilen, insbesondere auf den kolorierten Hochglanzseiten in der Einleitung, liest sich der Manga tatsächlich eher wie ein westlicher Comic mit starkem japanischen Einfluss als ein Manga, der eine westliche Geschichte adaptiert. Insbesondere bei Panels mit vielen Raumschiffen, Landschaften und Städten fällt das extrem ins Auge. Charaktere haben selbstverständlich einen klaren japanischen Stil, sind jedoch selten großartig überstilisiert. Das fällt vor allem bei den Gesichtern auf, die zwar klar als Manga-Gesichter zu erkennen sind, jedoch annähernd normale Proportionen haben. Einzige Ausnahme sind hier sehr emotionale Momente, die generell als Stilmittel genutzt werden und bei denen die Haruichi auf die üblichen Gesichtsausdrücke zurückgreift, und Amilyn Holdo, die ein wandelndes Stilmittel ist und den ganzen Manga über immer dann heraussticht, wenn sie auftaucht. Das finde ich aber absolut passend, denn so war es ja auch in der Romanvorlage und ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat, aber sie erinnert ja schon ein bisschen an die Luna Lovegood des Star Wars-Universums, wenn sie nicht gerade sinnlos Großkampfschiffe gegeneinander krachen lässt.

Von der Adaption her fühlt sich der Manga sehr schnell an, wesentlich schneller als das Buch, und beim Lesen hatte ich den Verdacht, dass extrem viel ausgelassen wurde. Tatsächlich aber wird mit diesem ersten Manga-Sammelband nur ein knappes Drittel der Romanvorlage abgedeckt (wir befinden uns am Ende von Band 1 auf Seite 114 des Romans), sodass die Ereignisse alle da sind und nur der Seitenzahl wegen ein wenig vereinfacht wurden, wenn überhaupt. Zusätzlich bekommen wir sogar noch eine Einleitung, die während Episode III spielt und in der Vorlage nicht vorhanden ist, aber absolut zur Story passt.

Ebenso wie im Rebels-Manga sind imperiale Militärs bereits stilistisch klar als böse zu erkennen. Sturmtruppen und Offiziere haben gerne mal schattierte Flächen, wo eigentlich kein Schatten sein sollte, um sie bedrohlicher aussehen zu lassen, und in dem Zusammenhang wird auch auf klassische Grusel-Elemente aus der Manga-Szene zurückgegriffen, Stichwort Hilfsmission auf Wobani.

Leia, Prinzessin von Alderaan bekommt daher eine uneingeschränkte Leseempfehlung von mir. Sowohl für Leute, die den Roman schon kennen (hier lohnt es sich allein schon wegen der gelungenen Visualisierung), als auch für Neu-Leser, die neben der Visualisierung auch die Geschichte noch vollends genießen können.

Bewertung: 5 von 5 Holocrons
Bewertung: 5 von 5 Holocrons

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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