Rezension: Die Jedi-Akademie 1: Flucht ins Ungewisse von Kevin J. Anderson

Die Worte eines Jedi-Ritters sind in der Neuen Republik stets willkommen.

Mon Mothma

Seit Jahren stehen Kevin J. Andersons Bücher der Jedi-Akademie Trilogie in meinem Regal, nun bin ich endlich dazu gekommen sie auch mal zu lesen. Von meinen Kollegen habe ich bereits unglaublich viel Positives gehört, teilweise waren es die ersten Kontaktpunkte mit dem damaligen Erweiterten Universum, den heutigen Legends, oder sogar mit Star Wars überhaupt. Anderson erwähnt bereits im Voraus, nämlich in seiner Danksagung, warum die Reihe so gut angekommen ist und immer noch gut ankommt: Er hat seine Hausaufgaben gemacht. Mit den meisten Autoren der vorangegangenen Werken hat er sich abgestimmt, Ereignisse noch einmal aufgearbeitet, um sie nicht falsch wiederzugeben und so nicht sein eigenes Universum zu erschaffen, sondern das bestehende Universum mit seiner eigenen Geschichte zu bereichern! Also genau das, was immer gewollt wurde und immer noch gewollt wird. Ausnahme ist natürlich die Jedi Prince Reihe, der berechtigter Weise erneut in mehr als einem Punkt widersprochen wird. Mit dabei sind aber die Thrawn-Trilogie, Das dunkle Imperium, Der Pakt von Bakura, sowie Entführung nach Dathomir und die Quellen von West End Games.

Die Jedi-Akademie 1: Flucht ins Umgewisse (Hardcover)
Die Jedi-Akademie 1: Flucht ins Umgewisse (Hardcover)

Der erste Band Jedi Search erschien im Februar 1994 bei Bantam Spectra, die deutsche Übersetzung Flucht ins Ungewisse nur einen Monat später, im März 1994 bei VGS. Übersetzer war damals Thomas Ziegler. Da es nur einen Schnitzer in der Übersetzung gibt, spreche ich diesen auch direkt an: Der Planet Bespin, den wir ja schon aus Das Imperium schlägt zurück kennen, wird durchgehend Bspin geschrieben, also ohne das e. In der uns vorliegenden 46. Auflage der englischen Version ist das nicht der Fall, allerdings sind wir uns nicht sicher, ob es in der ersten vielleicht auch ohne e geschrieben wurde. Ich gehe allerdings von einem Übersetzungsfehler aus. Ansonsten hat Ziegler aber sehr gute Arbeit geleistet, wie eigentlich auch bei den meisten anderen seiner Übersetzungen für Star Wars. Übrigens: Während der Titel Jedi Search sich auf den Handlungsstrang Luke Skywalkers bezieht, bezieht Flucht ins Ungewisse sich auf Han Solos Handlungsstrang.

Wir befinden uns im Jahr 11 NSY. Seit der Geschichte in Flucht der Rebellen, die mich das Buch im Jahr 10 einsortieren lässt, ist Coruscant gefallen, der Imperator wieder auferstanden, Luke zur dunklen Seite konvertiert, wieder zurück auf die helle Seite gekommen, der Imperator ist gestorben, der kleine Anakin Solo wurde geboren und auch Coruscant wurde wieder eingenommen. So viel Zeug in nur einem Jahr, aber so war die Zeit des dunklen Imperiums.

Nun sind Han und Chewbacca auf einer offiziellen Mission Richtung Kessel unterwegs. Hier sollen sie die „Regierung“ und damit die Aufseher des Gefängnisses davon überzeugen, sich der Neuen Republik anzuschließen. Han hat jedoch eine fragwürdige Vergangenheit mit Kessel und den beiden Kollegen, die dort das Sagen haben, Moruth Doole und Arb Skyxnex. Und so wird der Millennium Falke abgeschossen, bevor Han das Anliegen der Republik überhaupt vortragen kann. Nicht wirklich die feine englische Art. Bei der Flucht und dem darauffolgenden Absturz werden sowohl Han als auch Chewie schwer verletzt und müssen nach ihrer Gefangennahme von Medidroiden zusammengeflickt werden. Weil es sich dabei um alte imperiale Gefängnismodelle handelt, wird die OP schlicht ohne Anästhetika durchgeführt. Eine Erfahrung, auf die jedes fühlende Wesen wohl dankend verzichten kann.

Leia hat inzwischen zwei große Probleme. Zum einen kommen ihre Kinder Jaina und Jacen aus ihrem behütenden Exil zurück und haben mit ihren zwei Jahren gar keine Lust, bei ihrer Mutter zu bleiben, die sie ja eigentlich gar nicht kennen. Viel lieber wollen sie bei Winter bleiben, die sie kennen und die zu dem gut versteckten Planeten zurückkehrt, dessen Position nur sie und Luke Skywalker kennen. Zum anderen sollen diplomatische Beziehungen zum Carida-System hergestellt werden, welches dem gefallenen Imperium weiterhin treu ergeben ist. Immerhin gab es hier eine der größten Akademien für imperiale Sturmtruppen und Offiziere. Der Botschafter stellt sich als nicht besonders kooperativ heraus und ist sogar merklich dreist, was in Leia eine gewisse Frustration hervorruft.

Im letzten Handlungsstrang will Luke einen neuen Jedi-Orden ins Leben rufen. Neben einem geeigneten Ort – den alten Jedi-Tempel auf Coruscant kann und will er nicht haben – benötigt er dafür natürlich auch Schüler, die er hier beginnt zu suchen. Neben einem für mich gefährlich wirkenden Kollegen namens Gantoris von einem sterbenden Planeten, findet er auch den ruhigen Streen, der sich in der Gegenwart von Menschen unwohl fühlt. Den in meinen Augen vielversprechendsten Kandidaten findet Han Solo, denn er ist ein Mithäftling auf Kessel und heißt Kyp Durron. Dieser hat außerdem eine Verbindung zu Vima-Da-Boda, die Han und Leia in Das dunkle Imperium kennen gelernt hatten. Ganz nach dem Motto: Suche nicht und du wirst gefunden werden. Dazu kommen nach Lukes Aussage auch noch einige der Hexen von Dathomir, die er selber in Entführung nach Dathomir kennengelernt hat. Eine weitere Spur verliert sich in einem Wettbetrüger, den Lando Calrissian, C-3PO und R2-D2 auffliegen lassen.

Flucht ins Ungewisse kommt ohne eine galaxisweite Bedrohung aus. Es gibt (noch) keinen großen Warlord, das Imperium ist (noch) nicht wieder erstarkt, nur Han muss gerettet werden. Somit ist der „Gegenspieler“ dieses Romans der Gefängnisdirektor von Kessel. Allerdings für die meisten Charaktere nicht offen, sondern sehr subtil, da sie ihn überhaupt nicht als Gegenspieler wahrnehmen können. So erleben wir ein wenig Alltag der Charaktere, im Anime würde man es ins „Slice-of-Life“-Genre einordnen, hier wurde es geschickt eingesetzt, um die Geschichte schön flüssig zu halten und alle Charaktere so zu positionieren, wie sie für die Handlung gebraucht werden. So sind durchgehend alle handelnden Charaktere präsent und sie tauchen nicht sinnlos im richtigen Moment wieder auf, auf billiges Ex-Machina wurde komplett verzichtet.

Auch nach Hans geglückter Flucht nimmt die Spannung nicht ab, denn zum einen müssen er, Chewbacca und Kyp nun durch den Schlund fliegen, zum anderen finden sie auch die Schlund-Forschungsstation und Admiral Natasi Daala vom galaktischen Imperium. Diese sind hier seit vor der Zerstörung des ersten Todessterns isoliert und warten auf neue Befehle von Großmoff Tarkin. Zeitgleich kommen Luke und Lando nach Kessel, um Han und Chewie zu retten. Wir kommen als Leser nicht zur Ruhe.

Es passiert wirklich viel in Flucht ins Ungewisse, aber man fühlt sich zu keiner Zeit erschlagen, die Spannung ist hoch und man kann mit den Charakteren mitfühlen. Als Schwimmtrainer verstehe ich Leias Probleme mit den kleinen Kindern, die sie gerade erst von Winter übernommen hat, besonders, aber auch ihre diplomatischen Aufgaben haben es in sich. Außerdem fiebert man auch mit Han mit, obwohl man als Legends-Fan natürlich weiß, dass er nicht sterben kann, möchte man doch nicht, dass er in irgendeiner Form von einer Energiespinne gefressen wird.

Besonders fasziniert hat mich eine Wissenschaftlerin der Schlund-Forschungseinrichtung, die sowohl den Todesstern als auch die Weltenverwüster erdacht hat. Als Ressourcengewinner. Wohl wissend, was diese anstellen können, hat sie die Maschinen für das Imperium entwickelt und sich selber mit gespielter Naivität beruhigt. Kann man so machen, ist dann aber moralisch verwerflich.

Insgesamt hatte ich wirklich Spaß daran, Flucht ins Ungewisse zu lesen, und freue mich schon sehr auf den zweiten Teil der Reihe. Auch für Neueinsteiger ist der Roman sehr zu empfehlen, auch wenn viele Referenzen auf vorangegangene Ereignisse gemacht werden. Diese sind aber nur „Beiwerk“ und tragen nicht maßgeblich zur Handlung bei, bzw. man versteht sie auch ohne die entsprechenden Werke gelesen zu haben.

Daher vergebe ich fünf von fünf Holocrons!

Bewertung: 5 von 5 Holocrons
Bewertung: 5 von 5 Holocrons

12 Kommentare

  1. Hach ja, nach der Thrawn-Trilogie (wo ich seinerzeit im Unterricht Band 3 als mein Lieblingsbuch vorgestellt hatte 😆), definitiv meine Lieblingsreihe. Aber es ist wohl schon so lange her, es ist echt erschreckend, wie viele Details ich nicht mehr wiedererkannt habe 😅… Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf die nächsten Rezis 😁!
    Aber mal ein bisschen OT: bist du auch Anime-/Manga-Fan?

      1. Wenn das nicht ironisch gemeint sein sollte (weil du Anime in dieser Rezi erwähnst 😅): ich als Fan beider ‚Welten‘ finde das nur immer interessant, weil gefühlt nur wenige SW-Fans auch M/A-Fans sind, scheint sich meist irgendwie auszuschließen 🤔…
        Was sind deine Lieblingstitel? Und lieber Manga oder Anime?

      2. Tatsache. Ich arbeite die Rezensionen immer etwas vor, sodass ich oft nicht weiß, was ich vor ein paar Monaten geschrieben habe 😀
        Ob Manga oder Anime kommt auf die Serie an. Sword Art Online hab ich als Anime lieber, Akame Ga Kill als Manga, Mirai Nikki und Detektiv Conan funktioniert bei beiden. Bei Pokémon sind es komplett verschiedene Geschichten, weil der Manga nicht Ash verfolgt, sondern eine abwandlung der Game-Stories, das ist wirklich klasse. Abgesehen vo den genannten habe ich noch KoNoSuBa, Bleach und Seraph of the End in der Sammlung, die genauso wie meine Star Wars Sammlung beständig wächst 🙂
        Was liest du so?

      3. Also, ich war lange Zeit raus aus dem ‚Game‘ und hatte mich tatsächlich eher auf SW konzentriert. Angefangen hatte es bei mir Ende der 90er, Anfang der 00er mit den Klassikern wie DB, OP und Naruto (die bzw. deren Nachfolger ich bis heute lese). Hab dann zu der Zeit aber auch so gut wie alles gelesen, was es gab, weil der Markt anfangs noch überschaubar war. Präferiere auch eher Manga, denn in Anime ist alles nochmal überdrehter, womit ich nie richtig warm geworden bin, auch wenn ich generell sehr an japanischer Kultur interessiert bin. Und bei Long-Tails haben mich immer auch die Filler gestört. Aus der Zeit stammt aber auch mein absoluter All-Time-Favorite-Anime Neon Genesis Evangelion. Dann kann Mitte der 00er eine ausgedehnte Pause, wo ich gar keine Anime, sondern lediglich einige wenige laufende Manga konsumiert habe. Erst in den letzten Jahren hole ich hier und da was nach, was mit Kleinkind aber immer schwieriger wird 😅. Mein absoluter Lieblingsmangaka ist aber auf jeden Fall Naoki Urasawa, jedes einzelne Werk von ihm ist bombe!

      4. PS: auch wenn DB meine Leidenschaft entfacht hatte (gerade auch, weil ich Martial Arts ebenfalls sehr mag), ist von den drei großen Long-Tails Naruto inkl. Buruto gerade thematisch mein Liebling!

  2. Ach ja. Die Jedi-Akademie Trilogie. Mein erstes Star Wars Buch und der Funke, der meine Leidenschaft für Star Wars entfacht hat. Aufgrund der ganzen Referenzen auf andere Ereignisse wurde diese Galaxie plötzlich so viel lebendiger und ich wollte wissen, was genau da passiert ist. Und die Lesesucht begann. Auch von der Story her mag ich die Trilogie im Legends Bereich am liebsten. Wohl auch der Grund warum es die einzigen Star Wars Bücher sind, die ich zweimal gelesen hab.

      1. Wir haben es zwar lieber, wenn man direkt unter unsere Beiträge quasi Mini-Rezensionen in Kommentarform schreibt, aber wenn das mit einem Verweis auf eine ausführlichere Rezension auf einem anderen Nerdmedium geschieht, lassen wir dies in der Regel auch zu. 🙂

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