Marvel-Mittwoch: The High Republic #6 und Doctor Aphra #11

The High Republic geht in Runde zwei! Passend zum gestrigen Start der zweiten Welle des Projekts geht auch in der Marvel-Serie ein neuer dreiteiliger Handlungsbogen los. Wie es Keeve nach dem Cliffhanger des letzten Heftes geht und was mit Sskeer geschah, wird nun beantwortet.

Auch bei den Kopfgeldjägern geht es weiter: jene ominöse Großveranstaltung, mittels derer sich Crimson Dawn auf der Bühne des Verbrechens zurückmeldet, wirft weiter ihre Schatten voraus. Aber erstmal müssen sich Doctor Aphra und Starros im heute erschienenen Heft 11 um einen Auftrag Domina Tagges kümmern. Wie nicht anders beim War of the Bounty Hunters zu erwarten, kreuzen sich dabei ihre Wege mit einem weiteren legendären Kopfgeldjäger, Durge, der dem Heft auch seinen Titel gab.

Wie üblich bei den Beiträgen zum Marvel-Mittwoch enthalten die Rezensionen und ggf. auch die Leser-Kommentare Spoiler.

The High Republic #6 – rezensiert von Patricia

Bleeding hearts rarely win wars, Marshal. You would do well to remember that.

Myarga the Hutt

Zum Inhalt

Mit The High Republic #6 startet in der Marvel-Serie zur Hohen Republik nun der zweite Handlungsbogen. Die Story mit dem Titel Heart of the Drengir geht mit dem ersten Kapitel The Galaxy Unites auch direkt actionreich los. Gleich zu Beginn erfahren wir durch Keeves inneren Monolog, dass seit dem letzten Heft ein paar Monate vergangen sind. Zeitlich spielt die Geschichte jedoch immer noch vor The Rising Storm, sodass keine Handlung aus dem Erwachsenenroman vorweggenommen wird.

Direkt wird klar, dass die Galaxis sich seit der ersten The High Republic-Welle verändert hat. Aufregung über die Grenzgebiete ist der Unsicherheit gewichen und Hoffnung der Angst. Für einen Jedi also die ideale Ausgangslage, um ganze Arbeit zu leisten, was auch Vorzeige-Jedi Avar Kriss behauptet. Wir sehen, wie die Drengir immer weiter vorschreiten und trotz der Zusammenarbeit zwischen den Jedi und den Hutten kaum in Schach zu halten sind. Die Dynamik zwischen den Parteien gefällt mir dabei besser als erwartet, denn irgendwie müssen sie zusammen einen gemeinsamen Feind besiegen, obwohl sie gänzlich verschiedene Herangehensweisen an das Problem haben. Terec und Ceret bekommen übrigens nicht viel zu tun, sondern verbringen leider die meiste Zeit abseits der entscheidenden Handlung. Hoffentlich geraten sie in den nächsten Ausgaben nicht weiter in Vergessenheit.

Auch in Heft #6 kommt die Korrespondenz zur Starlight Beacon nicht zu kurz. Zum ersten Mal in der Comicserie treffen wir – wenn auch nur kurz – auf Jedi-Meister Stellan Gios. Hier zeigt sich erneut, dass alle Geschichten den Hohen Republik zusammenhängen, auch wenn man sie separat lesen kann. Auf besagter Starlight Beacon befinden sich mittlerweile auch Keeve und Sskeer, der nicht ansprechbar zu sein scheint. Dass er am Ende des ersten Handlungsbogens nicht „eins mit der Macht wurde“, wie man so schön sagt, kommt allerdings wenig überraschend. Keeve zweifelt an ihren Taten aus dem letzten Heft und sorgt sich um ihren ehemaligen Meister. Der zuständige Doktor spricht dessen Verlust der Verbindung zur Macht an, die ebenso gut aus einer Glaubenskrise resultiert sein könnte. Sicherlich wird diese Überlegung an Keeve nicht spurlos vorbei gehen, und ich bin gespannt wie sie mit ihrer späteren Abtrünnigkeit (wie Cavan Scott sie in Dooku: Jedi Lost erwähnt hat) zusammenhängen könnte.

Die Jedi werden unterdessen komplett von den Drengir überwältigt. Dass die fleischfressenden Wesen (oder besser gesagt, die nährstoffsaugenden Monster) einen riesigen Rancor plattmachen können, zeigt uns erneut, wie gefährlich sie sind. Auch hier ist die Dynamik zwischen Myarga und Avar klasse. Ob Myargas Zitat „Bleeding hearts rarely win wars, Marshal. You would do well to remember that“ eine für den Leser ersichtliche Anspielung auf Elzar Mann oder lediglich eine Kritik an der Vorgehensweise der Jedi sein soll, lässt sich sicherlich diskutieren. Dass Avar ihrer unkonventionellen Verbündeten einen sarkastischen Kommentar zurückwirft, macht die Situation nur noch besser.

Am spannendsten ist jedoch die Handlung zwischen Sskeer und Keeve. Keeve hat sich nämlich entschlossen, nicht Avars Hilferuf zu folgen und begibt sich in Sskeers Nähe. Für dessen Drengir-Arm ist sie gefundenes Fressen, doch genau das war ihre Intention. Die Umarmung der beiden Jedi inmitten des Root Minds, welcher die Drengir verbindet, ist wirklich herzerwärmend. Es ist erfrischend, dass zwischen ihnen wieder eine Art Mentor-Schüler-Gespräch stattfindet, nachdem die letzten Hefte nur von Sorge Verlustangst geprägt waren. Während wir endlich mehr über die Drengir und deren Verbindungssystem erfahren, merkt auch Avar, dass etwas nicht stimmt, denn sie nimmt das Lied der Macht anders war. Diese Stelle ist eine schöne Verbindung zurück zum Roman Light of the Jedi, in dem genau diese Fähigkeit den Jedi bei der Hyperraum-Katastrophe zur Rettung wurde. Keeve schafft es allerdings, weiterhin auch nach außen zu kommunizieren und wir erfahren, was es mit dem Titel des Handlungsbogens auf sich hat.
Auf der Suche nach dem ersten Samen der Drengir müssen Sskeer und Keeve die Jedi Maru und Orbalin zur Hilfe kommen. Endlich bekommt Maru also auch mal etwas actionreiches zu tun! Auch der Auftritt von Archivar Orbalin hat mir gefallen, denn so gibt es abgesehen von Stellan eine weitere wichtige Figur aus The Rising Storm, die wir zu sehen bekommen.

Im Root Mind wird Keeve vom Progenitor erstochen, doch zum Glück ist diese Verletzung nur von kurzer Dauer, denn Sskeer schafft es – nun hoffentlich auch bleibend -, sich endgültig von den Drengir zu lösen, indem er sich den Arm ausreißt. Der arme (pun not intended) musste nun also schon seinen zweiten Arm im Laufe der Ära verlieren. Hoffen wir, dass es nicht noch mehr werden. Zwar gibt es jetzt keine Verbindung zu den Drengir mehr, aber wie Keeve und Maru anmerken, verläuft Telepathie nunmal in beide Richtungen (eine Idee, die es auch in The Rising Storm auf gewisse Art und Weise zu entdecken gibt). Dass die Drengir ihren Hauptstandort einfach auf Keeves Ärmel hinterlassen, erscheint mir eine ziemlich leichte Lösung, aber in Anbetracht dessen, dass dieser Handlungsbogen wohl nur drei Hefte umfassen wird, schreitet die Story so etwas schneller voran. Im nächsten Heft wird das Drengir-Problem dann hoffentlich an der Wurzel gepackt!

Zu den Zeichnungen

Zu den Zeichnungen gab es in den vergangenen Heften immer wenig zu sagen, da sie wirklich großartig waren und das Medium gut genutzt haben. The High Republic #6 merkt man aber leider an, dass es einen Wechsel im Zeichenteam gab, denn statt von Ario Anindito stammen die Zeichnungen nun von Georges Jeanty, die Schattierungen von Karl Story und die Schrift von Joe Caramagna. Lediglich Annalisa Leoni hat weiterhin die Farben gestaltet.
Direkt auf den ersten Seiten wird der Wechsel klar, denn der Zeichenstil orientiert sich zwar an den ersten fünf Heften, kann aber mit Aninditos Detailgetreue nicht mithalten. Persönlich bin ich kein Fan davon, wenn Gesichter der Unkenntlichkeit verfallen und jegliche Gesichtszüge verlieren, sobald sie nicht mehr im Vordergrund stehen. Aber auch in Nahaufnahme erscheinen sie mir einfach zu verzerrt, besonders Avar und Keeve haben in manchen Panels seltsame Gesichtsproportionen, wohingegen Maru viel zu weich im Gesicht erscheint. Gut gefallen hat mir die visuelle Darstellung des Root Minds, allerdings ist dann auch im Panel, in dem Sskeer und Keeve weiter in den Verstand der Dengir gezogen werden, ist die Darstellung der Körper wieder überzogen verzerrt.
Das ist wirklich schade, denn der Comic liefert eine absolut spannende Story, doch die visuelle Umsetzung kann mit der der letzten Ausgaben einfach nicht mithalten.

Fazit

Der Auftakt des Handlungsbogens Heart of the Drengir ist erzählerisch eine der spannendsten Ausgaben bisher. Den Drengir wird endlich auf den Grund gegangen, wir bekommen greifbare Ansatzpunkte im Kampf gegen die Monster und die Charaktere haben eine tolle Dynamik miteinander. Subtile Verknüpfungen mit The Rising Storm in Form von Gastauftritten stärken die Verbindung zwischen den verschiedenen Werken, wobei leider zwei der Comic-Charaktere in den Hintergrund geraten. Während die Handlung direkt an Fahrt aufnimmt, sind die Zeichnungen jedoch qualitativ unter dem Niveau der bisherigen Ausgaben und benötigen mehr Exaktheit und Detailtreue. Dadurch könnte der spannende Handlungsbogen noch mehr an Stärke gewinnen.

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Doctor Aphra #11 – rezensiert von Matthias

Der Inhalt

Aphra und Starros haben jenes Luxus-Kreuzflugraumschiff, auf dem Domina Tagge ihren abtrünnigen Cousin Ebann Drake vermutet, erreicht. Als sie an Bord gehen, finden sie aber keine der Völlerei frönenden Reisenden vor, sondern Tote. Ein ganzes Schiff voller Toter. Nach einigem Suchen stoßen sie nicht nur auf ihre ebenfalls tote Zielperson, sondern finden auch dessen Einladung zu jener besonderen Veranstaltung von Crimson Dawn, zu der derzeit scheinbar alle in der Galaxie unterwegs sind.

Doctor Aphra #11 (30.06.2021)
Doctor Aphra #11 (30.06.2021)

Ebenfalls dorthin unterwegs sind Lucky und Ariole Yu in ihrem Raumschiff The Fleeting. Lucky nutzt die Reisezeit um über ihren Auftrag und seinen möglichen Hintergrund zu grübeln, denn ihre Zielperson ist ihrer beider Ziehvater. Ariole ist aber nicht gewillt, jene Wissenslücken bei Lucky zu schließen, die sich aus dessen längeren Abwesenheit ergeben haben.

Noch ehe sich aber auch Aphra und Sanos auf den Weg machen können, machen sie die unerwartete Bekanntschaft mit Durge, einem hünenhaften Kopfgeldjäger, der hinter Ebann Drake her ist, ihn aber lebend erwischen wollte. Noch ehe die drei klären können, wie sich die Lage auf dem Schiff auf ihre jeweiligen Missionen auswirkt, werden sie von einem Schwarm von kleinen Tieren, Cymoten, aus den Lüftungskanälen heraus angegriffen. Diese stürzen sich direkt, aber erfolglos auf Durge, was Aphra und Sanos die Flucht ermöglicht. Zu dritt fliehen sie dann durch das Raumschiff, während sie die Lage und ihre Möglichkeiten analysieren. Wie immer findet Aphra eine Lösung, die ihnen erstmal einen Teil der verfressenen Cymoten, aber auch Durge vom Hals schafft, zumindest für den Moment.

Domina Tagge nimmt die Meldung von Ebanns vorzeitigem Ableben mit der kalten Professionalität auf, die man von ihr erwarten würde und passt das Missionsziel der beiden sogleich an die veränderte Lage an. Sie sollen nun an Ebanns statt der Einladung von Crimson Dawn Folge leisten und Lady Domina so viele Informationen über ihre neuen und alten Rivalen dort verschaffen, wie nur möglich.

Die Umsetzung

Die von Alyssa Wong entwickelte Geschichte für dieses Heft erinnert etwas an die Alien-Reihe, aber auch die Erlebnisse von Luke im ersten Kanon-Roman Heir to the Jedi. Einerseits passt das ganz gut zu Aphra, andererseits kann es nicht überdecken, dass die Handlungsabläufe in Wongs Aphra-Reihe doch viel zielstrebiger und weniger chaotisch ablaufen, als wir es in den Jahren zuvor gewohnt waren. Das muss ja nicht schlecht sein, fällt mir nur in diesem Heft wieder mal besonders stark auf. Davon betroffen ist auch ein wenig der Aphra-typische Humor, der aber nicht völlig verloren gegangen ist, sondern hier und da noch mal aufflackert. Ansonsten sagt mir ein starkes Gefühl, dass wir Durge, jene Mischung aus Ritter und Kampfroboter, noch nicht zum letzten Mal gesehen haben. Lesern von Legends-Comics dürfte jener zweitausend Jahre alte Gen’Dai aus der Zeit der Klonkriege bereits bestens bekannt sein. Leider hat man seinen dramatischen Auftritt durch das Cover von Chris Sprouse und den Titel des Heftes bereits vorab gespoilert. Erwähnenswert ist noch, dass sich seine bemerkenswerte Langlebigkeit mal wieder bestätigt, denn es scheint, die Meldungen seines Todes im Jahre 10 VSY waren mal wieder etwas vorschnell.

Das Künstler-Team aus Minkyu Jung, Victor Olazaba und Rachelle Rosenberg haben wieder die übliche Qualität geliefert. Etwas ungewöhnlich fand ich, dass Joe Caramagna als Letterer nicht nur die Orte bzw. Raumschiffe gelabelt hat, sondern teilweise auch die handelnden Personen. Während dies bei Durge mangels explizierter Vorstellung gerade noch nachvollziehbar ist, wirkt es bei Lucky und Ariole fast so, als hätte Jung etwas wenig Zutrauen in die Wiedererkennbarkeit der eigenen Figuren gehabt. Der Zuschnitt der Panels ist auch wieder gut gelungen, besonders die letzte Seite gibt in einer schönen Komposition einen guten Ausblick auf die liebenswürdigen Charaktere, auf die Aphra dann in den nächsten Heften stoßen wird.

Fazit

Wieder ein sauber durchgetaktetes Heft, mit dem man seinen Spaß haben kann. Nicht überragend, aber solide.

Das War of the Bounty Hunters Crossover wird nächste Woche fortgesetzt, dann mit dem zweiten Heft der zugehörigen Mini-Serie. Mit der Aphra-Reihe geht es dann am 14. Juli mit Heft #12 weiter.

Wir bedanken uns bei Marvel für die digitale Vorab-Ausgabe, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

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