Marvel-Mittwoch: Darth Vader #3

Nach viermonatiger Corona-Zwangspause erscheint am heutigen Mittwoch der dritte Teil der neuen Vader-Reihe Dark Heart of the Sith.

Wie immer bei unserem Marvel-Mittwoch wird hier die Handlung nicht spoilerfrei bewertet werden, da wir eine freie Diskussion in den Kommentaren ermöglichen wollen.

Zum Inhalt

Darth Vader #3 (15.04.2020)
Darth Vader #3 (15.04.2020)

Wir setzen, wie bei der Reihe mittlerweile üblich, genau dort an, wo wir das letzte Mal aufgehört haben. Das Ziel, nach Naboo zu reisen, um die Aufzeichnungen zu finden, wurde in die Tat umgesetzt und die Ausgabe beginnt mit einer Großaufnahme von Vader, der sich die Landschaft von Naboo anschaut und dessen Mantel im Wind weht. Neben ihm grasen Shaaks, was ihn direkt an seinen Aufenthalt mit Padmé in Episode II auf ebendiesen Wiesen denken lässt. Auch hier wandelt der Comic also weiterhin auf dem Pfad der Erinnerungen und deren Auswirkungen auf das Hier und Jetzt, etwas, das mir sehr gut gefällt.

Nachdem die Todestruppler mal wieder vorsorglich an die Seitenlinie verfrachtet wurden, begeben sich Sabé, ZED-6-7 und Vader zum Seeanwesen von Padmés Familie, um dort die Aufzeichnungen zu finden. Dabei tauchen die ersten Überraschungsgäste der Ausgabe auf. Nach Sabé bekommt Vader nun auch noch Gesellschaft von Padmés ehemaligen Personenschützern Typho und Tonra. Die greifen Vader natürlich erstmal an, obwohl Sabé ihnen vorher Bescheid gegeben hat, dass alles in Ordnung sei. Aber wo kämen wir hin, wenn nicht nach 10 Seiten spätestens das Lichtschwert durch die Luft wirbelt?

Trotzdem empfand ich die Motivation der beiden für ihren Angriff verständlich. Sie gehen natürlich davon aus, dass Vader nicht mit guten Absichten mit Sabé zusammen reist, und wollen ihn solange ablenken, bis diese fliehen kann. Das veranlasst Sabé natürlich direkt dazu, sie daran zu erinnern, dass sie nicht länger von ihnen beschützt werden muss und selbst ja auch ein entbehrlicher Teil des Sicherheitsnetzes rund um Padmé gewesen ist.

Während sie den Geheimgang nehmen konfrontiert ZED-6-7 Typho dann noch mit auffälligen Korrelationen und stellt seine Loyalität gegenüber der damaligen Senatorin in Frage. Aus Sicht dieses nervigen Droiden eine absolut nachvollziehbare Handlung. Wesentlich besser und vom Panel her absolut hervorragend dargestellt ist dann die Aussage von Typho „I should never have let her go“ mit Vaders Helm im Hintergrund. Durch die Schatten und Lichtstimmung auf Vaders Helm wird wieder so viel Subtext geliefert, der mir schon in den Blicken Vaders in Ausgabe eins so sehr gefallen hat. Auch hier schaut er einerseits fast schon traurig, andererseits aber auch wie der bedrohliche Serienkiller, der hinter dem auftaucht, der zu viel wusste, was wiederum seinen Schatten auf das Ende des Hefts vorauswirft.

Danach geht es mit einem Bongo zu einem alten Gunganversteck. Dabei kommt es mit zu einem der stärksten Momente der Ausgabe. So reden Sabé und Tonra über ihre Zeit auf Tatooine, die in Schatten der Königin eine Rolle spielte und darauf abzielte, Sklaven zu befreien und nach Anakins Mutter zu suchen. Dieser Moment muss in Vader eine vollkommene Gefühlsexplosion verursachen. Er, der Mörder Padmés, der sowieso schon zerrissen ist, erfährt, dass seine Frau auch noch Jahre bevor sie sich lieben lernten alles dafür getan, hat seine Mutter zu retten. Das dunkle Herz des Sith scheint dadurch wohl zunehmend heller zu werden. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns zwischen Episode V und VI befinden und Vader am Ende das Licht wählt. Laut Palpatine im Filmroman zu Der Aufstieg Skywalkers spürt er schon vor dem Verrat auf dem Todesstern die Gefahr, dass sein Schüler nicht vollends von der Dunklen Seite überzeugt sein könnte, und bedeutende Grundsteine dafür werden sicherlich in dieser Reihe gelegt!

Auch an seinen eigenen Heldenmut wird er in dieser Ausgabe zunehmend erinnert, so lobt Typho auf der Treppe zum Bongo seine Aufopferung für Padmé und Sabé pflichtet dieser Aussage später noch bei, wenn sie beide ein Kunstwerk betrachten, auf welchem Anakin an den Feierlichkeiten am Ende von Episode I teilnimmt. So sagt sie, dass er bereits in jungen Jahren der Königin gedient habe (Zerstörung des Kontrollschiffes) und sie seinen Verlust genauso beklagen wie den Verlust ihrer Königin. Selbst wenn Vader daraufhin einen Wutanfall hat und das Gemälde zerstört, so erkennt man wieder in der Lichtstimmung seines Helmes die Traurigkeit und die Erkenntnis, dass er vielen Leuten tatsächlich etwas bedeutet hat.

Dazwischen schlängelt (hehe) sich übrigens noch die obligatorische Konfrontation mit der Unterwasserfauna des Planeten, die Vader aber recht schnell in den Griff bekommt. Da musste ich zunächst stutzen, da Vaders Anzug hier wasserdicht ist, in einem Videospiel, das Ende letzten Jahres erschien, jedoch nicht. Das hängt jedoch wohl damit zusammen, dass sein Anzug in erwähntem Videospiel vorher einige Schrammen davontrug und somit bleibt auch hier der Kanon gewahrt.

Am Ende kommt dann endlich der in meinen Augen erleichternde Reveal, dass sie Vader niemals vertraut haben, sondern ihn dorthin lotsen wollten, um ihren Schwur – den Mörder Padmés zu finden und zu töten – in die Tat umzusetzen. Typho verweist dann darauf, was er auf der Treppe sagte. Dabei ziehen sie nicht den Schluss, dass Vader Skywalker ist, sondern nur, dass Vader Padmé und Anakin getötet haben muss, da er auf diesem Planeten residierte und sich beide dort treffen wollten und nie wieder zurückkehrten. Beides wird mit rot hinterlegten Panels der beiden Opfer Vaders untermalt, woraufhin er sein Verbrechen zugibt und daraufhin, durch Tonra angelockt, ein Sando-Aqua-Monster auf das Gunganversteck zustürmt. Wir werden in der nächsten Ausgabe also wahrscheinlich eine Art „Jona und der Wal“-Story erhalten, ich jedenfalls bin gespannt, wie es nach dieser Offenbarung und dem Cliffhänger weitergeht.

Die Zeichnungen/Kolorationen

Darth Vader #3 (Chris Sprouse The Empire Strikes Back Variant Cover) (15.04.2020)
Darth Vader #3 (Chris Sprouse The Empire Strikes Back Variant Cover) (15.04.2020)

Ich habe ja oben bereits einige wohlwollende Worte zu den Panels verloren, die ohne Text auskommen und bei denen man trotzdem weiß, dass es Erinnerungen von Vader sind, da diese rot hinterlegt wurden. Alle Beteiligten, ob nun Zeichner Raffaele Ienco oder Kolorist Neeraj Menon, arbeiten hier auf sehr hohem Niveau. Gerade die Darstellung der Vergangenheit, oder auch das angesprochene Gemälde wirken durchdacht und man erkennt jede Figur auf dem Bild sofort wieder. Bekannte nabooianische Architektur wurde auch toll eingefangen, genauso wie die örtliche Flora und Fauna.

Fazit

Mit Ausgabe drei schafft es die Reihe wieder zu ihrer vollen Stärke zurück. Sie hat zwar immer noch ein Todestruppler-Statisten-Fetisch und lässt Vader mindestens einmal, wenn nicht öfter mit dem Lichtschwert wedeln, aber zumindest Letzteres ist wohl einfach die notwendige Essenz, um eine Geschichte rund um Vader zu erzählen, auch wenn ich mich mal über eine gänzlich ruhige, bedächtigere Ausgabe freuen würde. Da in diesem Fall aber die Gewalt teilweise wieder zu Abbrüchen der Erinnerungen Vaders führt, erfüllt diese sogar teilweise eine gewisse Funktion und verhindert, dass er zu sehr ins Grübeln gerät. Ansonsten macht mir die Offenbarung der wahren Beweggründe der Zusammenarbeit von Sabé, Typho und Tonra mit Vader Hoffnung auf die zukünftigen Ereignisse, da ich es auf Dauer für unglaubwürdig gehalten hätte, gerade in der Suche auf Vader zu vertrauen. So ergibt es jetzt natürlich alles Sinn.

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

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