Rezension: Schatten des Imperiums von Steve Perry

Wenn ein Mann mit einem feuernden Blaster auf einen zukommt, bleibt man nicht stehen und stellt dumme Fragen.

aus Schatten des Imperiums, Kapitel 21

Nachdem er, ich weiß nicht wie lange, in meinem Regal gestanden hat, habe ich es im Mai 2019 endlich auch geschafft, Steve Perrys Roman zum Multimedia-Projekt Schatten des Imperiums zu lesen.

Nachdem ich vor einigen Jahren schon den Comic rezensiert hatte und Ines zu dessen Neuauflage in der Star Wars Comic-Kollektion von Panini eine ähnliche Meinung äußerte, habe ich mich auf das Buch gefreut, da ich erwartete, endlich die Zusammenhänge zu verstehen, die im Comic nicht rübergebracht werden konnten.

Schatten des Imperiums (Hardcover)
Schatten des Imperiums (Hardcover)

Schatten des Imperiums war 1996 das Star Wars-Projekt schlechthin. Man hatte vor, einen Film ohne Film zu produzieren, und so erschienen nicht nur der Comic und das Buch, sondern auch ein Soundtrack, ein Computerspiel, Merch und so weiter. So sollte das Feuer vor den Special Editions der klassischen Trilogie und Episode I noch einmal geschürt werden. Der Roman von Steve Perry erschien dabei im Mai bei Bantam Spectra. Die deutsche Erstauflage erschien noch im Oktober desselben Jahres als Hardcover bei VGS und ein Jahr später als Taschenbuch bei Heyne.

Worum geht es genau? Nun, nach Das Imperium schlägt zurück ist Han Solo in Karbonit eingefroren und wird vom Kopfgeldjäger Boba Fett durch die Galaxis gekarrt, um an Jabba den Hutten verkauft zu werden. Seine Freunde wollen ihn selbstverständlich retten und schaffen das erst in Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Doch was passiert in dem Jahr dazwischen? Das ist die Geschichte von Schatten des Imperiums.

Neben den bekannten Charakteren, offensichtlich minus Han, kommen drei neue, wichtige Charaktere hinzu: Prinz Xizor, Unterlord (und damit Chef) der Schwarzen Sonne, Guri, ein Human-Replica-Droide und Xizors Assistentin, und Dash Rendar, quasi Han Solo zwei.

Prinz Xizor ist ein Rivale Darth Vaders um die Gunst des Imperators. Der ambitionierte Falleen, hat das Ziel, in nicht allzu ferner Zukunft das Imperium zu übernehmen, wofür er zunächst Vader als das Schoßhündchen des Imperators ersetzen und letztlich den Imperator entmachten will. Zu diesem Zweck ist es sein Plan, Luke Skywalker töten zu lassen, da Vader versprochen hatte, ihn lebend zu beschaffen und auf die dunkle Seite zu ziehen.

Vader wird dabei mehrfach, wie ein Spielball hin und her geschoben und schafft es erst im letzten Drittel wieder, sich zu behaupten. Allerdings kommt er in üblicher Vader-Manier nicht langsam zurück, sondern mit einer Fanfaren-Ankündigung.

Nachdem Luke einen Anschlag auf sein Leben überlebt hat, macht Leia sich auf die Suche nach dem Ursprung der Attentäter. Sie sind sich einig, dass es nicht das Imperium sein kann, da Vader Luke ja lebend gefangen nehmen möchte. Die Idee ist also, das Informationsnetz der Schwarzen Sonne zu nutzen, da dieses das beste der ganzen Galaxis ist. Dass dieser Plan unglaublich dumm ist, erfährt Leia von allen anderen Beteiligten: Lando, Luke, Dash, Chewbacca, 3PO, R2 und Wedge. Dass sie dem Syndikat damit sogar in die Hände spielt, fällt ihr natürlich erst viel später auf.

Perry hat unglaublich gute Arbeit bei diesem Roman geleistet und ich bin geneigt zu sagen, dass er zu den besten im Star Wars Legends-Bereich gehört. Er liest sich wie ein moderner Roman und enthält die modernsten Informationen seiner Zeit. So wird das imperiale Zentrum bereits Coruscant genannt, wie es in Erben des Imperiums nur vier Jahre zuvor festgelegt worden ist. Nach heutigem Maßstab ist in der Zwischenzeit nicht viel erschienen und nichts davon spielt zwischen den beiden Episoden. Überrascht hat mich die Freizügigkeit, mit der Perry hier vorgegangen ist. Normalerweise bleiben Star Wars-Romane eher jugendfrei und behandeln eher das Drumherum. Maximal werden vage Andeutungen gemacht, wie es in Jyn, die Rebellin der Fall war, oder jemand versteht denn Sinn dahinter nicht, wie es in Der Erbe der Jedi-Ritter Luke passiert ist. Hier aber wird ganz offen gesagt, dass Prinz Xizor sich gerne verschiedene Frauen ins Bett holt und, wenn das nicht klappt, auch Guri mal herhalten muss. Dabei verführt er Leia quasi „on-screen“.

Dabei wirkt das Ganze aber zu keiner Zeit obszön oder fehl am Platz. Es ist wunderbar in die unglaublich spannende Handlung eingebaut. Unglaublich gut geschrieben ist der Roman deshalb, weil er unglaublich spannend ist, auch wenn man den Comic schon gelesen hat. Viele Stellen kommen im Comic gar nicht vor und tragen so zur allgemeinen Klärung bei.

Auch die jeweiligen Charakterentwicklungen sind unglaublich gut getroffen. Beispiele sind hier Luke, der zu Beginn der Handlung quasi gerade aus Yodas Training kommt und am Ende in Jabbas Palast marschiert, oder Dash Rendar, der am Anfang quasi Han zu Beginn von Episode IV ist und am Ende der vom Ende von Episode V. Lando scheint von Anfang an „wieder“ zur Gruppe dazuzugehören und macht kaum Entwicklung durch.

Ein Kritikpunkt, der im Internet häufiger zu finden ist, ist, dass es viele verschiedene Handlungsstränge gibt, die mehrfach pro Kapitel angeschnitten werden. Weil es so viele verschiedene Gruppen gibt, die sich an verschiedenen Orten aufhalten, sei das extrem verwirrend. Dem kann ich allerdings nicht zustimmen. Nicht nur, dass wir als Star Wars-Leser an sowas gewöhnt sein sollten, das passiert nämlich eigentlich relativ häufig, nein, ein Wechsel des Handlungsstrangs und damit der handelnden Personen und Handlungsorte wird immer mit einem Absatz und *** angekündigt. Es ist also unmöglich, zu denken, dass es keinen Wechsel gegeben haben soll.

Lediglich das Ende der neu eingeführten Personen (auch wenn es in zwei von drei Fällen später wieder relativiert worden ist) fand ich ein wenig zu vorhersehbar. Da ging es einfach nur noch um das Wie und Wann.

Na ja. An meiner Begeisterung könnt ihr sicherlich schon ablesen, dass ich fünf Holocrons vergebe.

Bewertung: 5 von 5 Holocrons
Bewertung: 5 von 5 Holocrons

9 Kommentare

  1. Da kommen Erinnerungen auf. „Schatten des Imperiums“ ist auch in meinen Augen eine der Perlen des alten EU – an der sich übrigens jetzt (zumindest für mich) die „Star Wars“-Comicreihe messen lassen muss, welche ja nun mit ihren Geschichten in den gleichen Zeitraum vordringt.

    Xizor fand ich als Konkurrenz zu Vader damals hervorragend herausgearbeitet. Und er hat, auch wenn er sonst glaube ich nur noch in der Kopfgeldjägerkrieg-Trilogie einen größeren Auftritt hatte, ähnlich wie Thrawn einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Von Dash Rendar mal ganz abgesehen.

    Ich merke: Nach deiner Rezension habe ich unheimlich Lust bekommen, den Roman mal wieder zu lesen. Allerdings werde ich mich bei meinem Lese-Marathon erstmal weiter chronologisch vorarbeiten. Gestern ward „Der Todeskreuzer“ beendet. Heute ist der Comic „Imperium: Hochverrat“ dran.

    Wünsche euch ein schönes WE!

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