Rezension: The Clone Wars 1×21: „Freiheit für Ryloth“

Mit der heutigen Rezension widme ich mich einer weiteren Folge des Ryloth-Arcs, welcher mit Freiheit für Ryloth seinen Abschluss erhält. Ausgestrahlt wurde diese Folge in den USA erstmals Mitte März 2009 unter dem Titel Liberty on Ryloth und in Deutschland erneut einen Monat später. Regie führte diesmal Rob Coleman und der Autor war Henry Gilroy.

„Die Fähigkeit zum Kompromiss ist eine Tugend, kein Zeichen der Schwäche.“

Offizielle Folgenbeschreibung: „Jedi-Meister Mace Windu möchte den Twi’lek-Freiheitskämpfer Cham Syndulla als Verbündeten gewinnen. Er hofft, dass die Republik und die Rebellen gemeinsam Ryloths Hauptstadt Lessu dem Würgegriff der Separatisten entreißen können. Aber um sich Syndullas Unterstützung zu sichern, muss Mace zuerst den Streit zwischen ihm und dem korrupten Senator Orn Free Taa beenden.“

Star Wars: The Clone Wars Episodenguide
Mace Windu führt die Soldaten in die Schlacht.

Zum Inhalt: Diese Folge ist in vielerlei Hinsicht interessant. Zum einen sehen wir den Handlungsort Ryloth bereits – chronologisch gesehen – wesentlich früher in der Handlung von The Clone Wars und zum anderen treten Charaktere auf, die ebenfalls im früheren Verlauf bereits charakterisiert wurden.
Zuerst möchte ich anmerken, dass ich sowohl von der Exposition als auch vom Verlauf der Folge sehr positiv überrascht bin. Entgegen der Folge aus meiner letzten Rezension, die ich vornehmlich für eine zu konstruierte Handlung kritisierte, wirkt diese Folge sehr stimmig. Zwei Beispiele dafür wären hier zum einen die fehlende Möglichkeit der Republik, weitere Truppen zu entsenden, was schließlich dazu führt, dass sie sich mit der örtlichen Rebellengruppe verbünden, und zum anderen die Strategie von Count Dooku, mit der Methode „verbrannter Erde“ den vermeintlichen Sieg der Republik abzuschwächen. In diesem Kontext wirkte es für mich auch überraschend nachvollziehbar, dass diese MTTs, welche Windu als Möglichkeit dienen, sich ein Stück weit über die Brücke zu schleichen, nicht zufällig im richtigen Moment ohne Grund einfach auftauchen, sondern von ihrer Beutejagd, die Tambor und Dooku vereinbaren, zurückkehren.
Zwei kleinere Kritikpunkte fallen mir im Rahmen dieser Folge noch ein, welche ich erst beim erneuten Schauen so wirklich störend empfand.
Zum einen tragen die Kontrolldroiden überdimensionale Staubsauger, um die MTTs nach menschlichen Lebensformen zu scannen, während es der separatistischen Blockade zwei Folgen vorher noch möglich war, einen gesamten Venator-Sternenzerstörer aus der Distanz nach Lebensformen abzuscannen. Ich verstehe hier den Trade-off zwischen Visualisierung des Geschehenen und Funktionalität, es wirkt aber leider etwas übertrieben unpraktisch für eine solch moderne Galaxis.
Zum Zweiten eine wirklich sehr kleine Feinheit, die mir aber gerade als Spieler von Star Wars The Old Republic störend auffiel. Die jubelnden Twi’lek, die noch wenige Minuten vor dem Angriff der Rebellen und der Republik auf die Hauptstadt als lebende Schutzschilde vor den Toren platziert wurden, tragen während des Jubels plötzlich Waffen und Holster. Dieser Fakt stört mich deswegen, da in Star Wars The Old Republic auch nie die Lichtschwerter oder Waffen aus den Zwischensequenzen entfernt werden, wenn man mal gefangen sein sollte.

Wat Tambor ist nicht bereit dazu, den Rückzug zu befehlen.

Mace Windus Auftritt in der Folge hat mich dagegen sehr unterhalten. Es hatte gerade damals als jüngerer Zuschauer immer etwas besonderes, wenn Yoda oder Windu aktiv wurden. Nicht zuletzt, da Samuel L. Jackson in Episode II solch eine gute Verkörperung für diese Rolle war. Ich finde, die Autoren haben es geschafft, Windus Charakter sehr gut widerzuspiegeln und seine Persönlichkeit und sein Auftreten gut in die Animationsserie zu übernehmen. Spätere Folgen schaffen es teilweise nicht so gut, seine Autorität darzustellen. Ein Beispiel für diese gute Umsetzung sind sowohl die Szenen auf der Brücke als auch seine Interaktion mit Cham Syndulla.
Der Auftritt von Wat Tambor ist eine sehr schöne Entscheidung, wie ich finde, da man hieran und an der Verwendung eines zwar bis dato unbekannten Admirals in der Folge Sturm über Ryloth, merkt, dass auch die Separatisten nicht nur das Triumvirat aus Dooku, Ventress und Grievous aufbieten können, sondern auch andere Anführer haben, die man jedoch nicht aus dem Hut zaubern muss, da Tambor unter anderem bereits in Episode II aufgetreten ist.

Mace Windu vermittelt zwischen dem Rebellenführer Cham Syndulla und dem Senator Orn Free Taa.

Anmerkungen: Nun möchte ich genauer auf die Figuren eingehen, die man bereits in den – chronologisch – früheren Folgen ein Stück weit charakterisiert hat und welche nun erneut auftreten.
Cham Syndulla trat, genau wie Orn Free Taa, bereits in der Folge Nachschubwege (3×3) auf, in welcher die Beschaffung von Nahrungsmitteln für das belagerte Volk von Ryloth im Vordergrund stand. Offensichtlich waren diese Bemühungen nicht von langfristigem Erfolg gekrönt, denn wie Mace Windu in dieser Folge feststellt, gab es ein Massaker, welches dann zwischen Nachschubwege und Sturm über Ryloth stattgefunden haben muss.
In dieser Hinsicht muss ich der Serie zu Gute halten, dass sie es geschafft hat, Cham Syndulla in dieser Folge erst so wirklich zu charakterisieren. Denn die chronologisch vorgelagerte Folge charakterisiert hauptsächlich Gobi Cham gegenüber Ima Gun Di. Dies spart eine doppelte Erklärung seiner Ambitionen und lässt ihn erst in der etwas vertrauteren Umgebung seines Lagers so recht aufblühen, was ich als gut nachvollziehbar empfinde.
Orn Free Taa ist für mich eine sehr komplizierte Gestalt. Ich glaube, nicht einmal die Serienmacher waren sich seiner so komplett sicher. Natürlich kann Syndullas Beschreibung Taas als korrupt und paranoid übertrieben sein, aber die Einführung des Senators widerspricht in gewisser Weise seinem Auftreten in Nachschubwege. Dort spricht er sich für sein Volk und dessen Leiden aus. Natürlich unterscheidet sich ein Senator in der Öffentlichkeit stark von seinem privaten Auftreten. Später in den Folgen rund um die Herzogin von Mandalore tritt Orn Free Taa eher als der ignorante, gefräßige Senator auf und in den Folgen Helden auf beiden Seiten und Das Streben nach Frieden ist er einer der Senatoren, die für mehr Soldaten einstehen, obwohl er Ryloth versprochen hat, keine Besatzung zuzulassen. Diese scheint es am Ende jedoch trotzdem gegeben zu haben, wenn man Syndullas Äußerungen in der später spielenden Serie Star Wars Rebels Glauben schenken darf.

Animation: Meine sonst eher zurückhaltende Kritik an der Animation ist in dieser Folge etwas umfassender. Die Welt Ryloth ist einfach gesagt hässlich. Es gibt bis auf ein paar steile Berge nur Flachland. Alle paar Kilometer steht ein zwar seltsam, aber immer gleich aussehendes Felsmassiv und die Landschaft ist viel zu karg um – ähnlich wie bei meiner Kritik an Rugosa – gewollt zu wirken. Nebenbei ist die Hauptstadt Lessu sehr detailarm dargestellt und sieht gerade in den Totalen nicht wie eine glaubwürdige Stadt aus. Ansonsten wirken die Charaktermodelle relativ gut animiert, wie ich finde.

Die Bürger von Ryloth feiern vereint den Sieg über die Separatisten

Fazit: Freiheit für Ryloth ist meiner Meinung nach eine der besseren Folgen der ersten Staffel. Alle Handlungsabläufe wirken durchdacht und nachvollziehbar und müssen deshalb nicht mit glücklichen Zufällen begründet werden. Außerdem ist das Auftreten Mace Windus als aktiver Jedi eine willkommene Abwechslung und ein Grund, weshalb ich The Clone Wars bisher jeder anderen Star Wars-Animationsserie vorziehe. Die Diversität an Charakteren und Handlungsorten geben der Serie (wenn auch animationstechnisch nicht in den ersten beiden Staffeln) ihren besonderen Reiz und lassen die Galaxis auch in dieser Folge groß und interessant wirken. Darüber hinaus markiert die Einnahme der Hauptstadt als letztes Ziel in diesem Konflikt auch eine glaubwürdige Symbolhaftigkeit des Widerstands der Twi’leks.

vorherige Episode: Die Unschuldigen von Ryloth (Staffel 1, Episode 20)
nachfolgende Episode: Der Holocron Raub (Staffel 2, Episode 1)

Über den Autor

Tobias
Tobias begeistert sich für so ziemlich alles aus dem Star Wars Universum. Primär interessieren ihn Romane und Videospiele aus einer weit weit entfernten Galaxis. Im normalen Leben studiert er in Bamberg Politikwissenschaft und Geschichte.

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