J.W. Rinzler redet über die abgesagten Making-Of-Bücher der Disney-Filme

Die umfangreichen Sachbücher J. W. Rinzlers, die passionierten Fans einen mehr als detaillierten Blick hinter die Kulissen der Produktion der klassischen Trilogie gaben, sind bekannt und geliebt für ihren unverfälschten Blick sowie ihre akribisch gründlichen Recherchen. Vier Jahre nach dem ersten Star Wars-Film unter der Flagge der Maus fehlt bisher jedoch fast jede Spur von neuen Büchern, die die Schöpfung der nunmehr vier Filme genauer unter die Lupe nehmen. Ein erster Lichtblick, dessen Qualitätsstandard sich allerdings erst noch beweisen muss (vor allem durch die Konkurrenz des neu erschienenen Giganten Archives), wird uns im April von Rob Bedrow geboten. Was aber ist mit einem Making of The Force Awakens? Oder viel wichtiger: Dem Making of zu Rogue One? Der Film, dessen Trailer einen ganz anderen Film bewirbt? Der Film, der wohl mehr als ein einmal durch den kreative Fleischwolf gedreht wurde und viele Fanherzen dennoch höher schlagen ließ? Wie kam es dazu? Auf Herocollector redet Rinzler über mögliche Gründe und fast fertig gestellte Bücher, die leider nie das Licht der Welt erblicken durften. Wir haben die interessanten Parts für euch übersetzt:

Making Rogue One: A Star Wars Story: A Behind-the-scenes Oral History (03.10.2017)
Making Rogue One: A Star Wars Story

[…] Das Buch [Making of zu Das Erwachen der Macht] wurde von J.W. Rinzler und Mark Cotta Vaz geschrieben und sollte im Oktober 2016 erscheinen. Amazon versprach in seinen Produkttexten „exklusive Reflektionen von George Lucas, Kathleen Kennedy, Harrison Ford, Mark Hamill und Carrie Fisher […] ein vollkommen autorisiertes, allumfassenden Buch […] ein Werk, an dem kein Filmfan vorbeikommt.“ Wenn das Buch aber gänzlich autorisiert wurde, kommt die Frage auf, warum es dann nie erschien? „Es gab keine realistische Chance, dass das Buch erscheinen würde“, erzählte uns Rinzler. Er fing an, am ersten Oktober 2001 bei Lucasfilm zu arbeiten, inmitten der Produktion von Der Angriff der Klonkrieger. Er blieb dort weiter angestellt, schrieb Referenzbücher wie die umfangreichen Making-of-Werke zu den klassischen Filmen oder auch zu Indiana Jones, editierte auch andere Bücher, bis die Firma dann verkauft wurde. „Ich wusste bereits beim Schreiben, dass es gestrichen werden würde. Es gab einfach viele Dinge, die der Öffentlichkeit bereits bekannt waren und die Disney und Kathleen Kennedy nicht weiter breittreten wollten. Das ist zwar eher eine Spekulation meinerseits, aber schon das Verschieben des Veröffentlichungstermins, dass Brad Bird zuerst gefragt wurde oder dass Harrison Ford fast umgekommen wäre […] waren alles Dinge, die sie ungern erneut in einem Buch gelesen hätten.

Ende 2015, als die Arbeiten an der Strukturierung des Buches Gestalt annahmen, verließ Rinzler Lucasfilm. Mark Vaz schrieb eine Version des Buches über seine Zeit am Set, bevor Rinzler angeheuert wurde, um es umzuschreiben. „Es war eigentlich schon sehr gut strukturiert und stand kurz davor, fertiggestellt werden zu können, bevor sie sich dazu entschieden, dass ich es erweitern und umschreiben sollte. Man bat mich, zu nehmen, was Vaz schrieb, und sowohl einen Anfang wie auch ein Ende hinzuzufügen. Ich nahm das Manuskript auseinander und tat, was ich auch mit den anderen Making-of-Büchern gemacht hatte: ich machte es chronologisch.“ Als wir Rinzler fragten, warum er ein Buch umschrieb, von dem er wusste, dass es nie herauskommen würde, sagte er simpel: „Dazu gibt es eine einfache Antwort: Man bezahlte mich dafür. Zu der Zeit war ich freischaffend und brauchte das Geld.“

[…]

Ein anderer Eintrag in der Amazon-Datenbank zeigte ebenfalls ein Making-of-Buch zu Rogue One, welches im Oktober 2017 von Abrams Books veröffentlicht werden sollte. „Ich war involviert, den Autor für das Buch anzuheuern [Josh Kushins],“ sagt Rinzler. „Aber ich glaube, dass die neue Leitung von Disney und Lucasfilm einfach nicht interessiert ist an ernsthaften Sachbüchern. Ich habe jahrelang versucht, ein Buch über die Kunst von Indiana Jones zu schreiben, da es dazu gefühlt tonnenweise Archivmaterial gibt, aber sie sind wohl einfach nicht an einem Blick in die Vergangenheit interessiert.“

Wir sagen: Schade! Wer jedoch weiterhin an Rinzlers Arbeit auch außerhalb von Star Wars interessiert ist, der kann sich schon auf sein The Making of Alien-Buch freuen. Indes setzen wir unsere Hoffnungen auf Making Solo, wenngleich hier stark die ILM-Perspektive im Fokus sein wird.

Industrial Light & Magic Presents: Making Solo: A Star Wars Story (16.04.2019)
Industrial Light & Magic Presents: Making Solo: A Star Wars Story (16.04.2019)

Was denkt ihr über die Situation? Hättet ihr solche Bücher gerne gesehen?

Über den Autor

Tom-Michael

Tom-Michael
Tom ist News-Schreiber in der Ausbildung, im echten Leben hingegen ein Student aus Berlin. Als passionierter Cineast atmet er quasi Filme und redet noch viel lieber über sie. Wenn es um Star Wars geht, weint er der Dark-Horse-Ära nach und liest endlich die NJO-Serie.

3 Kommentare

  1. Brian

    „Aber ich glaube, dass die neue Leitung von Disney und Lucasfilm einfach nicht interessiert ist an ernsthaften Sachbüchern.“

    Ich glaube, dass die neue Leitung von Disney und Lucasfilm einfach nicht interessiert ist, zu recherchieren, was Star Wars Fans ausmacht und wofür diese sich interessieren.
    Verdammt, ich liebe das ganze Behind-the-Scenes Material dieser Filme. Rian Johnsons Fotografien vom Set geben tolle Impressionen und dazu hätte ich einfach gerne auch die Story. Rogue One ist einer meiner liebsten Star Wars Filme und ausgerechnet hier finde ich es schade, kein Material zu erhalten.
    Hoffen kann man ja, wenigstens erhalten wir das „Making Solo“

    1. Tom-MichaelTom-Michael(Autor des Beitrags)

      Absolut!
      Zumal ja eigentlich mal ein Buch mit Johnsons kompletter Set-Fotografie erscheinen sollte, auf das ich bis heute vergebens warte…

  2. BePeBePe

    Ich liebe diese Making-Of-Werke auch und vermisse die Bände zu den neuen Filmen schmerzlich. Und mal ehrlich: Ein starkes Franchise sollte den Mut haben, sich selbst zu analysieren und vielleicht auch Fehler in der Produktion rückwirkend beim Namen zu nennen. Aber in der Hinsicht wirkt die neue Führung sehr dünnhäutig.

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