Vorschau und Interview zu Scum and Villainy von Pablo Hidalgo

In der dieswöchigen Star Wars Show wurde das Sachbuch Scum and Villainy von Pablo Hidalgo vorgestellt, das am 16.10.2018 bei becker&mayer in den USA erscheint. Via StarWars.com gibt es heute eine Vorschau und ein Interview mit Pablo zu diesem reichlich illustrierten Buch, das von der Republik, dem Imperium und zur Zeit des Widerstands von Behörden als Kriminelle gesuchte Individuen beleuchtet.

Dan Brooks für StarWars.com: Da deine Liebe für die Mos Eisley Cantina ja gut dokumentiert ist, überrascht es mich nicht, dass du ein Buch namens Scum and Villainy [zu Deutsch: „Abschaum und Verkommenheit“] geschrieben hast. Welchen Reiz hat die kriminelle Unterwelt von Star Wars für dich als langjährigen Star Wars-Experten?

Pablo Hidalgo: Die Vielfalt. Hier kann Individualität wirklich glänzen. Aus der Ferne neigen politische Fraktionen dazu, in Uniformen und Bannern zu verschmelzen, aber in der kriminellen Unterwelt ist es wahrscheinlicher, dass man wirklich kunterbunte Individuen findet, die versuchen, einen persönlichen Eindruck zu hinterlassen, da sie nicht für eine größere Sache kämpfen. Sie sind nur um ihrer selbst willen dabei. Also bekommt man hier eine wirklich reichhaltige Schurkengalerie aus Charakteren.

Die Idee, dass das Buch aus den Akten eines Familiengeschlechts von Polizeibeamten zusammengestellt wurde, ist wirklich witzig und auch ziemlich einzigartig für ein Star Wars-Buch. Wie bist du darauf gekommen?
Ich finde, was an Propaganda so gut funktioniert hat, war die Behandlung des Buchs als Artefakt aus dem Universum, das von jemandem geschrieben wurde, der darin lebt. In jenem Fall war es ein langlebiger Künstler, der auf Jahrzehnte der Propagandakunst zurückblickte. Und jener Autor muss nicht frei von Vorurteilen oder Vorbelastungen sein. Er färbt die Fakten definitiv mit seiner Erfahrung ein.

Wir wollten etwas ähnliches bei diesem Buch hier erzielen, aber der generationsübergreifende Ansatz ermöglicht verschiedene Perspektiven und Kommentare dazu, was der Beruf des Ordnungshüters für verschiedene Gesellschaften bedeutet. In diesem Fall sind dies jeweils ein Beamter der Republik, des Imperiums und der Neuen Republik. Und da Generationen gerne andere Ansichten zur Geschichte haben, kann man so ganz nett ein bisschen Familiendrama in den Text einfließen lassen.

Scum and Villainy – Vorschauseite 1

Du hast Sätze wie „Meine Mutter trug ihr Dienstabzeichen während des Galaktischen Bürgerkriegs“ reingeworfen, was mir wirklich gefallen hat – das ist ein bisschen so, als würde Terminologie aus Polizeiserien der 70er-Jahre auf Star Wars treffen.
Ich bin ein riesiger Fan alter Detektivserien – Columbo, Kojak, Die Straßen von San Francisco –, also ist dieser Einfluss definitiv darin vorhanden. Genauso wie der Kern von Star Wars eine Mischung aus alten Samurai-, Kriegs- und Westernfilmen ist, bedienen sich seine Verbrechergeschichten an Detektiv- und Gansterfilmen der alten Tage, als Edward G. Robinson und James Cagney dem Genre ihren Stempel aufdrückten.

Scum and Villainy – Vorschauseite 2

Die Illustrationen sind wirklich schön. Hast du mit den Künstlern bezüglich einer Richtungsvorgabe irgendwie zusammengearbeitet oder war das einfach immer eine angenehme Überraschung, wenn die fertigen Werke ankamen?
Hauptsächlich habe ich mit meiner Redakteurin Delia Greve und dem künstlerischen Leiter für das Projekt, Sam Dawson, zusammengearbeitet. Ich habe mit den Künstlern nicht direkt zusammengearbeitet, aber Delia und Sam haben die in Entwicklung befindlichen Werke weitergeleitet, wenn sie eintrudelten, und das war aufregend. Als wir das Projekt begannen, wussten wir, dass die Optik wirklich dieses Gefühl eines echten „Artefakts“ vermitteln musste, mit Verbrecherfotos, Beweisberichten und einer Fülle an Überwachungsbildern. Ich habe eine Reihe von Moodboards für die Doppelseiten zusammengestellt, als wir das Buch durchplanten, von denen manche reale Verbrecherfotos enthielten, die ich im Internet fand. Beispielsweise waren die Ausgangspunkte für die Bilder von Dex’s Diner Fotos von Mafiosi aus dem Donnie-Brasco-Fall.

Scum and Villainy – Vorschauseite 3


Die Fallakten sind mit ein paar kleinen Überraschungen gespickt, beispielsweise ein gefundener Brief von Hondo Ohnaka – den hat er jemandem zurückgelassen, den er ausgeraubt hatte, und er erzählt darin, welche Ehre es ist, von Hondo Ohnaka ausgeraubt zu werden. Fielen dir diese Dinge einfach so beim Schreiben an oder gab es einen festen Plan, diese Ergänzungen einzubauen, die dem Buch wirklich Tiefe und auch Leichtigkeit verleihen?
Es war eine Mischung aus Überraschungen und Offenbarungen, als die Stücke entstanden, und anderen Elementen, die mit Absicht von Anfang an geplant waren. Im Falle des Hondo-Beispiels war es so, dass Hondo durch seine prahlerische Stimme so einzigartig gemacht wird, aber wie fängt man dies nun in Beweismitteln ein? Nun, man lässt seine Worte für ihn sprechen. Und das passt dann gut zu Hintergrundinfos zu Kaperbriefen von Piraten, die im alten Star Wars Adventure Journal über Piraten und Freibeuter thematisiert wurden.

Die Bandbreite an hierin vorgestellten Ereignissen, Artefakten und Charakteren ist wirklich eindrucksvoll. Dazu gehören auch Inhalte, die vorher noch nicht detailliert beleuchtet wurden, wie die mandalorianische Rüstung in Dryden Vos‘ Arbeitszimmer. Wolltest du das Buch als Gelegenheit nutzen, weitere Details in der Kontinuität zu erkunden und zu etablieren?
Es gibt ein paar Handlungsfäden, die dieses Buch aus anderen Geschichten und Ideen aufgreift und fortsetzt. Ein Beispiel, das mir einfällt, wäre aus Solo: Das offizielle Buch zum Film, welches früher dieses Jahr erschienen ist. Darin wird ganz nebenbei Dryden Vos‘ Hausarzt erwähnt. Scum and Villainy greift diese Idee auf und identifiziert ihn. Bedenkt man, dass Vos eine Entschädelte in seiner Dienerschaft hat, kann man sich wohl denken, in welche Richtung das gehen wird. Das ist die Art von Bindegewebe, die in diesem Text lauert, aber nicht besonders hervorgehoben wird, da ich hoffe, dass es erfüllender ist für die Leute, hierüber zu spekuleiren.

Scum and Villainy – Vorschauseite 4

Zu guter Letzt darfst du einen Schurke oder eine Schurkin aus Scum and Villainy auswählen, der oder die deiner Meinung nach schlecht davonkommt.
In der imperialen Ära ist es wirklich schwer, Akteure als gut oder böse zu bezeichnen, bedenkt man, wie furchtbar die Regierung ist. Eine Menge Gauner aus jener Zeit verdienten mehr Bewunderung als das Gesetz! Wir sehen Leute wie Liana Hallik mit einem Verbrecherfoto und einem Gesucht-Plakat und wissen, dass sie mehr Integrität besitzt als die Mächte, die ihre Verhaftung fordern.

Scum and Villainy kann auf Amazon.de als 128-seitiges Hardcover vorbestellt werden. Eine deutsche Ausgabe ist aktuell nicht in Sicht.

Über den Autor

Florian

Florian
Florian ist Gründer und Admin der Jedi-Bibliothek und im "echten Leben" Englisch- und Spanischlehrer. Er arbeitet außerdem für das Offizielle Star Wars Magazin als Übersetzer und betreut für die Panini-Heftreihe die "Skytalker"-Leserbriefe. Er sammelt vor allem Romane und Comics, doch weiß auch ein schönes Sachbuch zu schätzen. Außerdem hat er bis 2016 Star Wars: The Old Republic gespielt und schaut für sein Leben gern Serien.

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