Star Wars-Autoren über den Einfluss der Story Group auf ihre Werke

Auf syfy.com wurde ein interessanter Artikel veröffentlicht, in dem diverse Star Wars-Autoren eine Frage beantworten, die wir Literatur-Fans uns schon lange stellen: Wie viel Freiheit haben die Autoren eigentlich beim Schreiben ihrer Romane und wie viel Einfluss übt die 2014 mit dem Start des neuen Kanons ins Leben gerufene Lucasfilm Story Group aus? Bekommen die Autoren vorgefertigte Skripts oder eine lange Liste von Verboten ausgehändigt? Wir haben die wichtigsten Aussagen der Autoren zu diesem Thema für euch zusammengefasst.

Chuck Wendig über die Nachspiel-Trilogie

Nachspiel (18.04.2016)

Nachspiel (18.04.2016)

„Ich hatte sehr viel Freiheit bei der Entwicklung und Gestaltung der Geschichte; die Lenkung durch Lucasfilm zielte darauf ab, die Geschichte zu schärfen und meine Vision mit dem Gesamtuniversum in Einklang zu bringen. Das war so ziemlich die ideale Beziehung und ich fühlte mich nie unterdrückt oder bevormundet.“

Adam Gidwitz über Du willst also ein Jedi werden?

„Eine meiner anfänglichen Ideen haben sie tatsächlich abgelehnt. [Ich wollte, dass] ein Jedi kurz nach dem Ende von [Die Rückkehr der Jedi-Ritter] einem Padawan diese Geschichte erzählt. Und sie sagten mir, dass J.J. Abrams vertraglich ein absolut unbeschriebenes Blatt für Episode VII zugesichert wurde, sodass ich nicht einmal die Existenz von Jedi nach Episode VI andeuten durfte.“

Tom Angleberger über Hüte dich vor der Dunklen Seite der Macht

„Ich erinnere mich daran, wirklich nervös gewesen zu sein, die Geschichte so zu erzählen wie ich es wollte. Und dann waren wir auf der Skywalker Ranch und ich war so nervös, dass sie meinen Wunsch, in einer Art ‚Lieber Leser‘-Erzählstil zu schreiben, einfach direkt abschießen würden. Und dann sagt Adam: ‚Ich werde mein Buch in der zweiten Person erzählen!‘ Und ich sagte dann nur: ‚Oh, ich mache Lieber Leser.‘ Denn Adam hatte mit diesem Zweite-Person-Ding schon das Eis gebrochen und sie haben die Idee vollstens unterstützt! Sie sagten quasi: ‚Ja, mach nur!‘ Also erkannte ich, dass sie wirklich wollten, dass wir einfach nur unser Ding machen.“

Angleberger bestätigte, dass er „fast keine Vorgaben“ beim Schreiben des Buches hatte. „Aber wir wussten, dass die Story Group es sich irgendwann anschauen würde. Wir wussten, dass wir nicht mit allem davonkommen würden, aber wir wussten auch, dass wir wenigstens versuchen durften, mit Sachen davonzukommen. Und ich bin mit ein paar ziemlich lustigen Sachen davongekommen.“

Alexandra Bracken über Drei gegen das Imperium

Alexandra Bracken durfte ihrerseits die Adaptionen der Original-Trilogie von Giswitz oder Angleberger lesen, bevor sie ihre Adaption zu Eine Neue Hoffnung schrieb, aber man verriet ihr, dass Gidwitz in der zweiten Person schreiben würde.

Sie sagten es mir, um mir zu zeigen, dass ich damit wirklich tun konnte, was auch immer ich wollte. [Mein Redakteur] sagte mir, dass sie vor allen Dingen von mir wollten, dass ich beim Schreiben des Buches eine Menge Spaß habe. Und anfangs hatte ich keinen Spaß beim Schreiben des Buches, weil es mich so sehr stresste. Und dann hatte ich einen separaten Besuch bei Lucasfilm und die Story Group sagte mir: ‚Du kanst kleinere Änderungen und Abwandlungen vornehmen. Wir wollen nur nicht, dass du etwas widersprichst, was im Film selbst oder demnächst in Das Erwachen der macht passiert. Aber du kannst kleine Szenenanpassungen vornehmen und den Dialog ein wenig anpassen, damit er besser deinen Bedürfnissen entspricht.'“

Claudia Gray über Verlorene Welten

Verlorene Welten (16.11.2015)

Verlorene Welten (16.11.2015)

Claudie Gray bekam ursprünglich den Auftrag, einen „Romeo & Julia im All“-Jugendroman zu schreiben, der an die Ereignisse der Original-Trilogie anknüpft. Mit relativ wenigen Ausnahmen durfte loslegen und genau die Geschichte schreiben, die sie schreiben wollte. „Als sie auf mich zukamen, dachte ich, sie würden mir sagen, was ich schreiben soll, aber das war überhaupt nicht der Fall. Ich hatte viel Freiheit. Der Entwurf musste genehmigt werden, aber es war mein Entwurf und sie ließen mich wirklich die Geschichte erzählen, die ich erzählen wollte. Es war wundervoll.“

John Jackson Miller über Eine Neue Dämmerung

„Damals, vor 2014, hat das Fiktionsteam bei Lucasfilm alles gegengelesen und Geschichten für die Entwicklung genehmigt. Aber ich denke, damals war das eher eine Art Luftraumüberwachung – sie wussten über alle anderen Veröffentlichungen Bescheid und wollten nur sicherstellen, dass die Dinge, die wir taten, nicht mit Dingen kollidierten, die anderswo stattfanden.“

Aus seiner Sicht haben sich nach Einführung der Story Group ein paar Dinge geändert, aber „das bedeutet weniger, dass Inhalte in unsere Richtung als Autoren fließen, sondern eher ein ‚Hey, hier ist eine Figur, deren Namen du erwähnen solltest.'“ Als er beispielweise seine Kurzgeschichte „Bottleneck“ schrieb, die in The Rise of the Empire erschienen ist, wurde er gebeten, eine Figur einzubauen, die später in Alexander Freeds Battlefront: Twilight-Kompanie auftauchte.

„Das war kein plumpes ‚Darum geht es in der Story‘, aber Anleitung im Sinne von ‚Hier ist etwas, das erst später erscheinen wird, aber wenn du diese Figur jetzt einbaust, dann wird es so aussehen, als hätten wir es geplant.‘ Und das haben wir ja auch getan! In der Vergangenheit war es möglich, dass Charaktere aus einem Medium in einem anderen auftraten, aber das geschah eher organisch und war nichts, das vorsätzlich getan wurde.“

Cecil Castelluci über Bewegliches Ziel

„Ihr müsst verstehen, [dass ich schrieb] bevor Das Erwachen der Macht herauskam. Wir wussten nicht, was passieren würde, und niemand durfte etwas wissen. Da waren also Dinge in meinem Buch und ich wusste nicht einmal, was ich wusste. Ich schrieb einen Rahmen für die Geschichte und dann gingen [die Redakteure] darüber und streuten kleine Dinge ein. So hat das quasi funktioniert. Ich wusste, dass Leia ihre Memoiren einem Droiden diktieren würde. Also habe ich dem Droiden einfach irgendeinen Namen gegeben. Aber dann sagten sie: ‚Nein, der Name des Droiden lautet PZ-4CO.‘ Das war, weil sie wussten, dass er [sic!] in dem Film sein würde. Und das war er! Man hört seinen Namen! Ich war vermutlich die einzige Person, die deswegen aufgeregt war. Im Grunde durften wir einfach unser Ding machen und dann kamen andere Leute hinzu und korrigierten den Kurs.“

Ben Acker & Ben Blacker über Komm zum Widerstand

„Oh, wir hatten so viel Freiheit. Es ist genau das Buch, das wir schreiben wollten. Ich würde sagen, man wird nicht wirklich kontrolliert, sondern beraten, und das ist ja die Aufgabe eines Redakteurs. Und [unser Redakteur] hat dabei einen großartigen Job gemacht. Das Wichtigste, was die Story Group (die alles liest) tut, ist ihr Wissen darüber zur Verfügung zu stellen, was in jeder Ecke des Star Wars-Universums vor sich geht. Sie sind echt gut darin, sich einen Entwurf oder ein Manuskript anzusehen und zu sagen: Also den Droiden kannst du nicht benutzen, weil er 30 Jahre nach Die Rückkehr der Jedi-Ritter nicht mehr benutzt wird. Aber was ist mit dieser Art von Droide? Oder statt diesen Alien zu benutzen, könntest du auch einen neuen Alien erfinden, sodass keine Verbindungen zu etwas anderem entstehen und du ein eigenes kleines Stückchen von Star Wars besitzt. Das war eine echt coole und überraschende Sache.“

Adam Bray über die Sachbücher Star Wars: Absolut alles, was du wissen musst und Star Wars: Das ultimative Buch

„Wenn ich Star Wars-Sachbücher schreibe, variiert die Freiheit, die ich habe, von Projekt zu Projekt ein wenig. Mein Hauptziel ist es, im existierenden Kanon zu arbeiten und die Dinge darzustellen, wie sie schon sind. Aber manchmal gibt es Lücken, die gefüllt werden müssen. In diesen Fällen gibt mir die Story Group viel Freiheit, neue Informationen zu erfinden, solange ich sie ihnen später zur Genehmigung vorlege. Das sind meistens eher Hintergrundetails als Handlungsstränge, aber manchmal suggerieren diese Details, dass es da noch eine Geschichte gibt, die darauf wartet, erzählt zu werden.

Als ich an den Handbüchern für die animierte Star Wars Rebels-Serie arbeitete, war die Serie neu und es gab viele Fahrzeuge und Technik, die Namen und Fakten brauchte. Das hielt mich also auf Trab. Nummern und Droiden-Namen zu erfinden, macht mir Spaß, besonders wenn man sie mit etwas von Bedeutung verknüpfen kann. Wenn ich Fragen zu obskuren Details habe, kann ich Leland Chee oder Pablo Hidalgo bei Lucasfilm ansprechen. Und ein oder mehrere Mitglieder der Story Group lesen immer meine Manuskripte, checken die Fakten und geben mir Feedback für die In-Universe- und Out-of-Universe-Inhalte.“

Was haltet ihr von den Aussagen der Autoren und von der Politik der Story Group?

Florian hat an den Übersetzungen mitgearbeitet.

Über den Autor

Ines

Ines
Ines bildet im echten Leben zahlreiche Padawan-Schüler an einem Gymnasium in den Fächern Englisch und Deutsch aus. Star Wars konsumiert sie am allerliebsten in Romanform und hat sich zum Ziel gesetzt, sämtliche Romane des Kanons zu lesen. Bereits jetzt ist sie begeistertes Claudia-Gray-Fangirl.

1 Kommentar

  1. TarkinTarkin

    Mit anderen Worten: Jeder kann quasi machen was er will, solange es sich nicht mit den wirklichen Eckpfeilern (Filmen) überschneidet. Sehr toll. *facepalm* Da können sie die Story Group auch gleich abschaffen, die ist so sinnlos wie eine Handvoll Sand in der Wüste.

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