TV-Rezension: Star Wars Rebels 3×20: „Zwillings-Sonnen“

Nachdem die vorige Episode rund um Chopper eher wieder mal Füllmaterial war, wurde die heutige Folge „Zwillings-Sonnen“ (Originaltitel: „Twin Suns“) von den Fans ungeduldig erwartet, denn sie zeigt uns ein erneutes Zusammentreffen zwischen Maul und Obi-Wan Kenobi, auf dessen Ausgang alle gespannt waren.

Maul ist in <em>Twin Suns</em> verzweifelt auf der Suche nach Obi-Wan.

Maul ist in Twin Suns verzweifelt auf der Suche nach Obi-Wan.

Zu Beginn von „Zwillings-Sonnen“ sehen wir Maul auf Tatooine, wie er verzweifelt und erfolglos versucht, Obi-Wan zu finden. Schließlich beschließt er, Ezra für seine Zwecke einzuspannen. Nachdem Ezra erneut eine von Maul manipulierte Vision gehabt hat, beschließt er, nach Tatooine zu reisen, weil er befürchtet, Obi-Wan Kenobi könnte in Gefahr sein. Dort wandert er gemeinsam mit Chopper verloren durch die Wüste, bis er schließlich fast stirbt. Sein Leiden lockt, wie von Maul geplant, Obi-Wan Kenobi an, welcher sich um Ezra und den Droiden kümmert und sie aufpäppelt. Doch da erscheint Maul und ist bereit für die erneute Konfrontation mit seinem schlimmsten Feind Kenobi…

Die Geschichte, die in dieser Folge erzählt wird, leidet an einem zentralen Problem: Ihre Hauptfiguren sind eindeutig Maul und Obi-Wan, welche sich erneut im Kampf gegenübertreten und an deren Schicksal der Zuschauer interessiert ist. Allerdings ist „Zwillings-Sonnen“ im Erzählkonzept der Serie Star Wars Rebels gefangen, welches vorgibt, dass sich die Serie um die Crew der Ghost und insbesondere um die Figur Ezra drehen muss, welche als Identifikationsfigur für die Zielgruppe dient. Daraus ergibt sich der Zwang, krampfhaft Ezra in diese Geschichte zwischen Maul und Obi-Wan einbauen zu müssen, was natürlich nicht gutgehen kann.

Obi-Wan bereit zum Kampf gegen Maul in <em>Twin Suns</em>

Obi-Wan bereit zum Kampf gegen Maul in Twin Suns

Mauls Idee, Ezra einzusetzen, um Obi-Wan aus seinem Versteck zu locken, ist an Hirnrissigkeit und Ineffizienz kaum zu überbieten. Ezra befindet sich auf einem ganz anderen Planeten, braucht erst einmal Zeit, um nach Tatooine zu kommen und ob er überhaupt kommen wird, ist nicht sicher. Wenn Maul aber einfach nur jemanden braucht, der mit seinem Leiden Kenobis Helferinstinkt weckt, warum dann so einen Aufwand betreiben und erst Ezra herholen? Maul hätte einfach den nächstbesten Dorfbewohner nehmen und ihm Schmerzen zufügen können. Ezras zwanghafte Integration in diesen „Plan“ ergibt überhaupt keinen Sinn und er trägt auch nichts zur Geschichte bei, außer dass er ein weiteres Mal beweist, wie dämlich er ist. Maul hat ihn wohl noch nicht oft genug reingelegt, damit er endlich kapiert, dass man den Visionen, die ihm der Ex-Sith-Lord schickt, nicht trauen kann. Außerdem zeugt es auch erneut von Arroganz, dass Ezra meint, er könne Obi-Wan irgendwie helfen oder ihn warnen. Obi-Wan ist ein Jedi-Meister, der schon ganz gut auf sich selbst aufpassen kann. „Zwillings-Sonnen“ ist nun nach „Dem Spion auf der Spur“ die zweite Folge, in der Ezra durch eine Hilfeaktion nur alles schlimmer macht. Vielleicht sollte er einfach mal zuhause bleiben und nichts tun; damit würde er der Galaxie anscheinend mehr helfen.

In <em>Twin Suns</em> kommt es zur Konfrontation zwischen Maul und Obi-Wan.

In Twin Suns kommt es zur Konfrontation zwischen Maul und Obi-Wan.

Der positivste Aspekt der Folge ist meiner Meinung nach natürlich, dass Maul, der Episode I niemals hätte überleben dürfen, endlich tot ist und in weiteren Rebels-Folgen nicht mehr nerven kann. Auch ist es richtig und wichtig, dass Obi-Wan ihn erneut töten darf, da ihm sonst der Verdienst genommen worden wäre, den Sith-Schüler erledigt zu haben. So wird der Fehler aus The Clone Wars, Maul auf unlogische Art und Weise und aus reinem Fan-Service wieder auferstehen zu lassen, zumindest ansatzweise wieder gutgemacht. Allerdings ist die Art und Weise, wie sein Tod dargestellt wird, doch ziemlich unspektakulär und unwürdig. Der Kampf zwischen Maul und Obi-Wan dauert kaum ein paar Sekunden und schon sackt Maul tot zusammen. Etwas mehr Gegenwehr hätte man doch von einem solchen Meister der Kampfkunst schon erwartet. Auch hätte ich gern Obi-Wan mehr in Aktion gesehen. In Rebels Recon wird zwar recht gut begründet, warum das Duell so kurz ist, aber meiner Meinung nach fehlt ihm aufgrund der Kürze trotzdem die emotionale Wucht. Bevor man so recht mitfiebern kann, ist alles schon wieder vorbei. Selbst wenn man durch ein sehr kurzes Duell Obi-Wans Überlegenheit betonen will, hätte man es dramaturgisch geschickter machen können. Man hätte zum Beispiel das sehr knappe Kampfgeschehen mit Flashbacks zu vergangenen Duellen anreichern können, um zu zeigen, wie emotional aufgeladen das Duell für beide Seiten ist.

Generell ist es aber schön, dass wir Obi-Wan einmal in Person in Rebels zu sehen bekommen. Er ist sehr passend animiert und synchronisiert und zeigt auch schon in dieser Folge die typischen Obi-Wan-Verhaltensweisen aus der Originaltrilogie. So philosophiert er auch hier schon über die Abhängigkeit der Wahrheit von der Perspektive und gibt Ezra geheimnisvolle Nicht-Antworten. Ich fand es auch interessant, zu hören, dass er zu diesem Zeitpunkt wohl zu der Überzeugung gekommen ist, dass Luke der Auserwählte ist, und dass Bail Organa das Gerücht in die Welt gesetzt hat, dass Obi-Wan tot sei.

Insgesamt handelt es sich bei „Zwillings-Sonnen“ also um eine eher schlecht erzählte Folge, die bei mir aber ein paar Pluspunkte holen kann, indem sie uns einen tollen Obi-Wan zeigt und indem sie Maul endlich den längst überfälligen Tod sterben lässt. Somit komme ich auf drei von fünf möglichen Holocrons.

Der Rezensent vergibt 3 von 5 Holocrons!

Der Rezensent vergibt 3 von 5 Holocrons!

Hier könnt ihr euch nochmals die Rebels Recon zur Folge ansehen:

Wie fandet ihr „Zwillings-Sonnen“?

Über den Autor

Ines

Ines
Ines bildet im echten Leben zahlreiche Padawan-Schüler an einem Gymnasium in den Fächern Englisch und Deutsch aus. Star Wars konsumiert sie am allerliebsten in Romanform und hat sich zum Ziel gesetzt, sämtliche Romane des Kanons zu lesen. Bereits jetzt ist sie begeistertes Claudia-Gray-Fangirl.

3 Kommentare

  1. Dorfwirth007Dorfwirth007

    Als ich vor ein paar Jahren das erste Mal von Star Wars Rebels gelesen habe, hatte ich hohe Erwartungen und freute mich darauf. Ich erwartete eine Serie im „The Clone Wars“ Stil. Leider kann ich Rebels heute nichts positives außer ein paar Thrawn-Auftritte abgewinnen. Die Episoden waren von Anfang an vorhersehbar, und langweilig. Die Hauptcharaktere haben mich mehr genervt als unterhalten, vor allem Zeb und Ezra sind nicht auszuhalten. Das größte Problem von Rebels ist die Unverwundbarkeit der „Helden“. Nie stirbt jemand, bzw. nie stellt das Imperium die Bedrohung für sie dar, die es angeblich sein soll. Wenn jeder Hinterhalt, jede Gefangennahme und jede Schlacht mit dem Sieg der Rebellen endet, und sich das mehrfach wiederholt, baut sich gar keine Spannung mehr bei Actionszenen auf. Die Möglichkeit, auf die Motive der Imperialen einzugehen, wurde auch komplett verabsäumt.

    Da die Star Wars Galaxis so facettenreich ist, wären Story-Arcs á la „The Clone Wars“ wirklich die bessere Wahl gewesen. Mit verschiedensten Charakteren, eventuell auf beiden Seiten, könnte man das Star Wars Universum wirklich um spannende Geschichten erweitern.
    Leider haben wir nur die Geschichte von ein paar Idealisten und dem wohl unwichtigsten Teil der Star Wars Galaxis serviert bekommen.

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    1. My-Cal

      …besser hätte ich es auch nicht kommentieren können…

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    2. JeremyJeremy

      Kann mich dem auch nur anschließen, dass Problem ist halt mMn leider das die Serie für Kinder gedacht ist und deswegen in diesem Rahmen steckt, der die Ansprüche an die Plots und die Komplexität zu sehr runterdrückt.

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