Rezension: Star Wars Comic-Kollektion, Band 10: Blutige Ernte

Am 10. Januar erschien Band 10 der Star Wars Comic-Kollektion von Panini mit der Geschichte Blutige Ernte. Im Comicfachhandel war dieser Band bereits am 05.01.2017 erhältlich. Das Hardcover enthält zudem auch Blutige Ernte – Die Vorgeschichte.

Der Comic

Blutige Ernte ist ein Legends-Comic, der in den USA unter Blue Harvest als fünfteilige Heftreihe bei Dark Horse veröffentlicht wurde. Alle fünf Ausgaben wurden von Randy Stradley geschrieben, der einigen auch unter seinem Pseudonym Mick Harrison bekannt ist, und von Douglas Wheatley zeichnerisch umgesetzt. Koloriert wurden die Hefte von Dave McCaig, Dan Jackson und Chris Chuckry. Blutige Ernte ist der dritte Teil der Dark Times-Reihe, deren erster Teil bereits in Band 6 der Kollektion veröffentlicht worden war.

In Deutschland wurde Blutige Ernte in den Einzelheften Star Wars #76, #77, #78, #80 und #82 von September 2009 bis September 2010 bei Panini veröffentlicht. Dark Times: Blue Harvest #0 wurde im Rahmen des Gratis-Comic-Tags als Dark Times: Blutige Ernte – Prolog hierzulande herausgebracht. Übersetzt wurden die Geschichten dabei von Michael Nagula. Im Dezember 2013 wurden dann alle sechs Einzelhefte der Geschichte Blutige Ernte im Star Wars Sonderband #77 veröffentlicht.

Folgende Inhaltsangabe liefert Panini:

Die Ereignisse dieses Bandes finden direkt nach Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith statt. Nach Palpatines berüchtigter Order 66, die zur Auslöschung fast aller Jedi führte, befindet sich die Galaxis im Umbruch und die wenigen Jedi, die noch am Leben sind, sind auf der Flucht unter ihnen Dass Jennir. Jetzt, da alle Jedi Geächtete sind, sucht Dass Jennir nach einer neuen Bestimmung, ohne dabei seine Ideale zu verraten oder tatsächlich zu einem Gesetzlosen zu werden.

Star Wars Comic-Kollektion, Band 10: Blutige Ernte - Vorschauseite
Vorschauseite 1

Der Comic führt die Handlung von Vector weiter und setzt auf Cato Neimoidia an, wo der Jedi Dass Jennir auf eine Anzeige einer gewissen Ember Chankeli aufmerksam wird, die ihn für die Zerschlagung einer Sklavenhändlerbande auf ihrem Planeten anwirbt, nachdem alle anderen Bewerber abgelehnt oder abgehauen sind. Gleichzeitig wurde Darth Vader nach den Geschehnissen um Celeste Morne zurück zum Imperator beordert. Dieser berichtet ihm zwar, Neuigkeiten zu Dass Jennir zu haben, untersagt ihm aber eine Verfolgung und schickt ihn stattdessen nach Bandomeer, um die Vertragseinhaltung einer Ionitmine zu gewährleisten. Eine klare Unterforderung also für Vader, der dementsprechend auch schlecht gelaunt ist. Bereits im vorigen Comic arbeitete Vader an einem Verrat seines Meisters und auch in Blutige Ernte werden erneut die Zweifel gezeigt, die der Dunkle Lord am Imperator hat. Sehr schön wird hier auch die Order 66 wieder aufgegriffen, als Vader seinen Klon-Kommandanten Vill fragt, ob es einen ähnlichen Befehl auch gegen ihn – Vader – gibt. Da sich Vill weigert, wird er kurzerhand von der Klippe gestürzt, was sein Schweigen auch relativ sicher garantiert. Die inzwischen stark geschrumpfte Crew der Uhumele hingegen ist deprimiert und ihr Captain Schurk-Heren suhlt sich lieber im Alkohol, um seine Schuldgefühle zu bewältigen. Bomo dagegen hat inzwischen auch eingesehen, dass er Dass Jennir vielleicht Unrecht getan hat und vermisst ihn sogar. Statt Jennir lernt die Crew jedoch den mysteriösen Beyghor Sahdett kennen, der sie auch gleich mal vor einer imperialen Patrouille rettet. Mysteriös, mysteriös.

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Auf Telerath lernt Dass Jennir derweil die gegenwärtige Lage kennen. Es gibt nicht nur eine kriminelle Bande, sondern gleich zwei. Einmal eine T’surr-Sklavenhändlerbande unter dem Kommando von Ken-Kiba und auf der anderen Seite die Gewürz schmuggelnden Chagrianer, die von Musori geleitet wird. Gleich zu Beginn darf Jennir das sogenannte Schwertgesetz kennenlernen, das auf dem Planeten gilt. Demzufolge dürfen Streitigkeiten nur mit dem Schwert geregelt werden und nicht mit dem Blaster. Musori klingt nicht nur dem Namen nach japanisch angehaucht, seine Bande ist es auch. Allen voran Mors Demanna, der gleich mal wie ein klassischer Samurai auftritt und auch den gesamten Comic über vor allem von seiner Ehre spricht. Das Szenario an sich ist sehr interessant, insbesondere weil Jennir sich dann natürlich nicht an die Vereinbarung mit Ember halten will, sondern beide Banden gegeneinander ausspielen möchte. Die Idee ist natürlich nicht neu, im Bonusteil des Comics wird auch darauf eingegangen, dass das Vorbild hier ganz klar Akira Kurosawas Meisterwerk Yojimbo der Leibwächter ist. Kleine Randnotiz hier: Der Film gehört mit zu den Begründern des späteren Italowesterns, weshalb uns Blutige Ernte auch ein stückweit an Eine Handvoll Dollar erinnert. Dass Jennir gelingt es zwar, die zwei Banden gegeneinander aufzuhetzen, allerdings gerät er zwischen die Fronten, als ihn niemand anders als Ember an Ken-Kiba verrät, mit dem sie – wie sich herausstellt – auch noch einen Deal hat. Blutige Ernte ist reich an zwielichtigen Charakteren, von denen einer schlimmer als der letzte ist und vermittelt sehr gut das Bild einer Stadt, die im Kreuzfeuer der Kriminalität lebt, wo sich jeder selbst der nächste ist.

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Die Geschichte hat mir insgesamt sehr gut gefallen, insbesondere da auch Jennir nicht der strahlende Held ist, der immer den Tag rettet, sondern ohne Hilfe eigentlich versagt hätte. Zudem wird sein Drang, die Bewohner der Stadt von den Banden zu befreien, ebenfalls sehr schön erklärt und nicht nur auf seine Rolle als Jedi zurückgeführt. Getrieben von der Schuld, Bomos Familie nicht gerettet zu haben, will Jennir auf keinen Fall auch noch auf Telerath versagen. Einziger Negativpunkt ist das abrupte Ende der Geschichte, als sich Jennir Ken-Kibas Meute entegegenstellt. Wer den Comic bei seiner Erstveröffentlichung gelesen hat, wird sich sicher noch daran erinnern, dass sein Nachfolger Feuerträger erst über ein Jahr später erschien. Der Zeichenstil im Comic hat mich durchwegs überzeugt; richtig froh war ich auch, als Jennir seinen Rauschebart wieder los wurde und plötzlich nicht mehr aussah wie ein Greis. Einziger Negativpunkt lag in der Wahl der T’surr, die ebenfalls wie die Chagrianer blauthäutig sind, nur sehr viel brutaler und dümmer dargestellt werden. Das war dann einmal von der Kolorierung her etwas unglücklich ausgesucht und auf der anderen Seite ist es natürlich immer etwas arg pauschal, wenn man zwei Gruppen einheitlicher Spezies gegenüberstellt.

Das Bonusmaterial

Das Bonusmaterial von Band 10 der Star Wars Comic-Kollektion gliedert sich in vier Abschnitte auf zehn Seiten: „Die Geschichte“ von Marco Ricompensa, „Das Lichtschwert: Ein Monument der Saga“ von Jackie Lang, „Die Ankunft der Jedi-Ritter“ von Angelo Licata und die Cover-Galerie, diesmal inklusive von Skizzen.

Wie in den Bänden zuvor leitet Marco Ricompensa in „Die Geschichte“ kurz in den folgenden Comic ein und gibt einen kurzen Abriss über die Hauptpersonen Dass Jennir, Bomo Greenbark und Darth Vader sowie eine kurze Rekapitulation der bisherigen Ereignisse.

In „Das Lichtschwert: Ein Monument der Saga“ erläutert Jackie Lang den historischen Einfluss und Hintergrund, der die Schöpfung der Lichtschwerter in Star Wars maßgeblich beeinflusst hat.

Angelo Litica berichtet dagegen von dem Kinoerfolg, der Die Rückkehr der Jedi-Ritter seinerzeit war und welche Auswirkungen das mit sich brachte. Darunter auch der Kritikpunkt, dass die primitiven Ewoks einen Sieg über die Sturmtruppen erbrachten und wie George Lucas das ganze rechtfertigte.

Zum Abschluss erhalten wir auch in diesem Band erneut eine Cover-Galerie sowie Skizzen von Douglas Wheatley. Wie zuvor schon sind jedoch nicht alle Cover abgedruckt sondern nur die Bände #14, #16 und #17.

Fazit

Dark Times gehört für mich mit zu den besten Comic-Reihen des ganzen Erweiterten Universums und insbesondere Blutige Ernte ist für mich einer der Höhepunkte. An diesem Band hat mir tatsächlich auch fast die gesamte Aufmachung gefallen. Das Bonusmaterial mit den Verweisen auf die Geschichte des Lichtschwerts, die Skizzen und natürlich die Comic-Geschichte selbst, geben ein rundes Bild ab. Blutige Ernte ist bisher der Höhepunkt dieser Sammelreihe, wird aber vielleicht noch von den Folgegeschichten der Dark Times-Reihe übertroffen, sofern diese in der Kollektion erscheinen werden. Das einzige Bonusmaterial, das etwas verloren wirkt, ist der Beitrag von Angelo Litica, da sich mir der Zusammenhang zum eigentlichen Comic nicht wirklich erschließt. Das tat dem Lesespaß allerdings keinen Abbruch, daher gebe ich diesem Comicband gerne 5 von 5 Holocrons.

Der Rezensent vergibt 5 von 5 Holocrons!
Die Rezensentin vergibt 5 von 5 Holocrons!

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Weiter in der Kollektion geht es am 20. Januar (Zeitschriftenhandel) bzw. dem 23. Januar (Buchhandel) mit Star Wars Comic-Kollektion: Band 11: Darth Maul – Todesurteil.

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