Rezension: Battlefront: Twilight Company von Alexander Freed

Battlefront: Twilight Company (03.11.2015)
Battlefront: Twilight Company (03.11.2015)
Battlefront: Twilight Company ist der letzte Kanonroman von Del Rey vor Das Erwachen der Macht und auch der letzte mit einer eigenen Geschichte vor Ende März 2016. Es ist zugleich der allererste Roman von Autor Alexander Freed, der sich zuvor hauptsächlich durch Comics, Videospiele und diverse Kurzgeschichten einen Namen gemacht hat. In diesen Medien war er auch bereits bei Star Wars unterwegs, u.a. im Umfeld des MMORPGs Star Wars: The Old Republic, für das er (neben einigen anderen Inhalten) die beliebte Klassenstory des Imperialen Agenten geschrieben hat. Twilight Company erscheint am kommenden Dienstag, dem 3. November auf Englisch bei Del Rey, und im Februar 2016 auf Deutsch bei Panini. Das Buch spielt in den Monaten vor und nach Das Imperium schlägt zurück und folgt den Abenteuern der titelgebenden Rebelleneinheit, mit besonderem Fokus auf Sergeant Hazram Namir.

Eigentlich könnte ich meine Rezension mit dem Satz „What you see is what you get“ bereits abschließen. Allerdings wäre das dann doch etwas unfair, da es doch noch so viel über Battlefront: Twilight Company zu sagen gibt. Der Roman ist aber wirklich genau das, was man davon erwartet: Ein Roman über die dreckigsten Situationen des Krieges; ein Roman, dessen Protagonisten beiläufig von imperialen Truppen in Stücke gerissen werden können und auch werden; ein Roman, in dem Verzweiflung jede Seite durchtränkt; ein Roman ohne Jedi und mit nur ganz kleinen Randauftritten von Filmfiguren wie Darth Vader, Prinzessin Leia, Carlist Rieekan oder Nien Nunb. Hazram Namirs Perspektive dominiert ca. 80% des Romans; kleinere Kapitel werden auch manchen seiner Kameraden (z.B. der Soldatin Brand) oder Figuren auf der Gegenseite überlassen (u.a. einer Soldatin der Sturmtruppen auf Sullust und einem imperialen Ausbilder von Carida).

Die Figuren an sich sind zunächst nicht sonderlich interessant, was teilweise aber an Namirs Perspektive liegt, da er durch den Krieg so abgestumpft ist, dass sein Interesse an seinen Mitstreitern gering ist. Durch Andeutungen bekommt man aber dennoch genug von diesen mit, um oberflächliches Interesse zu entwickeln, das bei manchen später auch zu Sympathie avanciert. Der erste der vier Akte des Buches wird dadurch etwas langwierig, allerdings ist das kein Grund zur Verzweiflung, denn ab Akt 2 nimmt das Buch kontinuierlich Fahrt auf. Während ich das Werk nach Akt 1 weglegen wollte, ist es danach zu einem meiner Lieblingswerke des neuen Kanons geworden. Kein makelloses Juwel, aber ein Juwel nichtsdestotrotz.

Womit fesselt der Roman den Leser? Erstens mal durch die sehr gute Einbettung in den noch jungen, aber stetig wachsenden Kanon. Über die Episoden IV und V hinaus gibt es als Verankerungspunkte noch die Romane Tarkin und ganz besonders A New Dawn, aber auch Kurzgeschichten im Sammelband The Rise of the Empire. Wer dachte, dass Count Vidian aus A New Dawn eine Eintagsfliege war, die der Kanon sogleich wieder vergisst, der revidiere diese Meinung: Vidians Verdienste und sein letztendlicher Verlust stehen im Zentrum des Hauptplots, in dem die Twilight-Kompanie die effiziente Infrastruktur des Imperiums, die Vidian bekanntlich mit aufgebaut hat, ins Visier nimmt. Dabei springen wir zwischen bekannten und neuen Planeten hin und her und irgendwann finden wir uns plötzlich mitten in der Handlung von Episode V wieder, ohne es zu merken. (Wir lassen sie aber auch schnell wieder hinter uns.) Der Übergang von Roman- zu Film- zu Romanhandlung ist dabei so fließend und gut gemacht, dass ich Freed dafür besonders loben muss.

Was Freed womöglich bei den Charakteren fehlt, das macht er mit einer sehr lebendigen Sprache und der Liebe fürs Detail wieder wett. Wer nach dem grausamen Schreibstil und den hanebüchenen Plot von Chuck Wendigs Aftermath noch Kopfweh hat, für den ist dieser Roman das dringend nötige Aspirin. Fast schon poetisch lesen sich Freeds Beschreibungen des Krieges und von seiner Prosa her sollte man nicht meinen, dass dies das erste Mal ist, dass er einen Roman schreibt. Auch die Handlung ist durchweg logisch aufgebaut; jede Aktion hat eine Reaktion und wenn die Rebellen mal zu gut Deutsch „aufs Maul“ bekommen sollten, weil sie fahrlässig geworden sind, dann treffen die Sturmtruppen auch gerne mal ins Schwarze. Dorthin, wo es wehtut. (Was nach der seichten Action von Star Wars Rebels wirklich gut getan hat.) Das Imperium ist hier genauso real und bedrohlich wie in Lost Stars, aber auch um Einiges brutaler. Blaster, Biowaffen, Bombardement – die drei tödlichen Bs imperialer Kriegsführung kommen hier voll zu tragen. Und Darth Vader baut man auch nicht nur aus Spaß ein, sondern er führt gleich einer Urgewalt einen wichtigen Wendepunkt (oder Endpunkt) für die Charaktere herbei, bevor er wieder seiner Skywalker-Jagd nachgeht.

Die Liebe zum Detail äußert sich in Umgebungsbeschreibungen, Schiffsbeschreibungen, innerer Handlung, Realismus, Fokus auf Kontinuität und die bis auf den Tag genaue Datierung der Ereignisse. Wer möchte, kann z.B. kleinere Scharmützel oder Todesfälle bisweilen auf den Tag genau in Relation zur Filmhandlung datieren. Eine derart konsistente Datierung vermisst man bisher im Kanon. In einigen dieser Punkte – besonders bei der logisch fortlaufenden Handlung – hätte Chuck Wendig sich durchaus ein paar Scheiben (nicht Scheibchen, sondern dicke, fette Scheiben!) von Freed abschneiden können. Größere Relevanz für die Saga mag Twilight Company zwar nicht haben, auch wenn im dritten Akt durchaus bedeutsame Dinge in Angriff genommen werden, aber Spaß macht dieser Roman dennoch.

Direkte Verbindungen zum Battlefront-Spiel gibt es wenig. Ja, es taucht Sullust auf und dort wird auch gekämpft, und auch eine der dargestellten Filmschlachten spielt eine zentrale Rolle in der Handlung, aber ansonsten macht Twilight Company einfach das, was es tun muss, um zu funktionieren, und verlässt sich (anders als die Romane zu The Force Unleashed) nicht auf die peinlich genaue Darstellung von Spielmechaniken oder derlei Dinge. Twilight Company zeigt uns, wie das Leben der Rebellensoldaten abläuft, die im Hintergrund der klassischen Trilogie von Darth Vader und den Sturmtruppen niedergemäht werden, während die Großen Drei und ihre Freunde unversehrt davonkommen. Es ist kein perfekter Roman (Stichpunkt Charakterarbeit, auch wenn einem Namir gegen Ende ans Herz wächst und er nachvollziehbarer wird), aber er kann in einigen relevanten Bereichen ordentlich punkten und hat mich daher überzeugt, ihm 4 von 5 Holocrons zu vergeben.

Der Rezensent vergibt 4 von 5 Holocrons!
Der Rezensent vergibt 4 von 5 Holocrons!

Also von mir aus darf Freed gerne seine Schreibfertigkeiten an einem weiteren Star Wars-Roman verfeinern. Aber jetzt bin ich erst einmal auf eure Meinungen gespannt.

Wir danken Del Rey ganz herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Battlefront: Twilight Company (Dienstag, 3. November 2015)

Battlefront: Twilight Company (03.11.2015)
Medium/Sprache: ()
Ausgabe/Format:Hardcover
Erscheinungsdatum:03.11.2015
Autor(en):
Cover:
Verlag: (Verlagsseite)
Reihe:
Seiten:416
ISBN:978-0-345-51121-8
Preis:$28,00 USD
Kanonstatus:
Ära:
Chronologie:3 NSY
Nachschlagen auf:Amazon.de (Amazon.com, Amazon.co.uk)

7 Kommentare

  1. an BF:TC hatte ich eigentlich gar keine Erwartungen. Jetzt bin ich aber echt gespannt was mich erwartet wenn Amazon (mal wieder 2 wochen verspätet) liefert.
    Also erst mal 2 Wochen Pause bis zum nächsten Star Wars Content, mit den Journey-Büchern bin ich gerade durch. Aftermath fand ich auserdem eines der besseren Kanon-Werke 😉

  2. Ich fand diesen Roman um „Menschen im Krieg“ überraschend gut, sehr gut sogar. Trotz einiger Löcher nimmt er derzeit bei mir – knapp gefolgt von Lost Stars – den Platz als bester Kanon-Roman ein. Der Schreibstil hat mir richtig gut gefallen. Der zynische, desillusionierte Berufssoldat Namir mag jetzt nicht der Sympathieträger sein, aber ich fand ihn sehr viel realer als all die meisten anderen „Helden“ der übrigen Kanon-Romane.

    Dass die Logistik und Kriegswirtschaft als strategische Komponente verstärkt eingebaut wird, finde ich gut, das vermittelt dem Krieg und seinen Schlachten die notwendige Tiefe. Dazu passt es dann auch, dass er über einige – in diesem Sinne eigentlich unwichtige – Schlachten erstaunlich schnell hinweggegangen ist. Ich hatte eigentlich etwas wie den Nachfolge-Roman für Republic Commandos erwartet, bin aber über die völlig andere Auslegung der Geschichte nicht im Geringsten enttäuscht und würde gerne einen weiteren Roman von ihm lesen. Er mag nicht ganz an die Top-Spitze der bisherigen SW-Romane heranreichen, trotzdem hätte ich ihn schon in der 5 Holocrons-Kategorie gesehen.

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