Rezension: Legacy II, Band 2: Planet des Todes von C. Bechko & G. Hardman

Im 81. Star Wars-Sonderband hat Panini die zweite Geschichte der Comicreihe Legacy II veröffentlicht. Diese trägt den Titel Planet des Todes und erschien im Original als Outcasts of the Broken Ring – beides sehr passende Titel für diese Geschichten, wenn auch in ihrer Aussage verschieden. Die Geschichte stammt erneut aus der Feder des Autorenduos Corinna Bechko und Gabriel Hardman, aber anders als beim ersten Band, den ich hier rezensiert habe, stammen die Zeichnungen nicht von Gabriel Hardman selbst, sondern von Brian Albert Thies.

Es folgt die Inhaltsangabe des Verlags:

Ania Solo ist zusammen mit ihrem befreundeten Mon Calamari Sauk aus dem Carreras-System geflohen. Mit dem imperialen Ritter Jao Assam sind sie auf der Jagd nach dem Sith-Lord Darth Wredd, dessen Spur sie zum Heimatplaneten von Sauk führt. Allerdings wurden die einst lebendigen Ozeane des Planeten von den Sith vergiftet und unbewohnbar gemacht. Die Bevölkerung wurde danach versklavt und baut jetzt an einer geheimen Flotte für die Piraten, die unter Wredds Führung stehen. Ania, Sauk und Jao Assam wollen die Sklaven befreien, Wredds Pläne durchkreuzen und ihn zur Verantwortung ziehen.

Die Ereignisse dieses Sonderbandes finden 138 Jahre nach der Schlacht von Yavin statt.

Sonderband #81: Legacy II, Band 2: Planet des Todes
Sonderband #81: Legacy II, Band 2: Planet des Todes (18.08.2014)

Aus dieser Inhaltsangabe können wir mehrere Dinge ableiten. Einerseits, dass Bechko und Hardman die von John Ostrander und Jan Duursema in der ersten Legacy-Reihe geleistete Vorarbeit gut ausnutzen, indem sie das Schicksal von Dac aufgreifen. Dies geschieht auch auf eine der Handlung sehr zuträgliche Art und Weise, die dem Leser das Gefühl gibt, wie in der klassischen Trilogie in „gesetzlosem Grenzland“ („frontier setting“) unterwegs zu sein. Gleichzeitig hat die Serie auch andere Gegebenheiten, die sie ausreichend von der klassischen Trilogie abheben, um ihr einen eigenen Charme zu verleihen. Es macht wirklich Spaß, die Reihe zu lesen – von der ersten Seite bis zur letzten. Die Qualität des ersten Bandes wurde gehalten, wenn nicht sogar durch eine etwas fokussiertere Handlung sogar überboten.

Und das führt mich zum zweiten Punkt, der aus der Inhaltsangabe ersichtlich ist: Fehler. Nicht Fehler der Autoren – die machen ihre Sache sehr gut – sondern Fehler des Verlags und des Übersetzers. Ohne jetzt zu viel zu verraten, sei gesagt, dass eine Kernaussage der Inhaltsangabe schlichtweg falsch ist. Ja, es ist eine Fehlannahme, der auch die Protagonisten um Ania Solo und Jao Assam auf den Leim gehen, aber für eine Verlagsbeschreibung finde ich es etwas grenzwertig, das als „Fakt“ darzustellen. Nunja, daran will ich mich nicht weiter aufhalten, so schlimm ist es nicht – viel wichtiger ist, dass ich beim Lesen der Übersetzung stellenweise Kopfweh bekam.

Die Mon-Calamari-Figur Luen, eine weibliche Wissenschaftlerin, wird vom Übersetzer 3/4 des Comics über mit männlichen Bezeichnungen belegt – bis auf einmal ihr Geschlecht angesprochen wird. Danach kommen weibliche Bezeichnungen. Die Figur hat in Brian Albert Thies‘ Illustrationen eindeutig weibliche sekundäre Geschlechtsmerkmale und selbst wenn man das übersieht – sobald man bei der Übersetzung an dem Punkt angelangt ist, an dem man bemerkt, dass die Figur weiblich ist, geht man halt nochmal zurück und passt das an den vorherigen Stellen an. Dazu kommt, dass Michael Nagula auch Begriffe aus der ersten Legacy-Reihe, die er zehn Sonderbände lang übersetzt hat, nicht korrekt wiedergibt. Wir haben die „One Sith“ oder, nach bisheriger Übersetzung „die Einen Sith“ (sowohl im englischen als auch im bisherigen deutschen Gebrauch Plural), die nun auf einmal „der Eine Sith“ (Singular) sind. Kann sein, dass ich mehr Wert auf Übersetzungen lege als manch anderer Leser, aber sowas ist einfach ärgerlich. Vor allem, da Herr Nagula nun seit 15 Jahren für Dino/Panini Star Wars-Übersetzungen anfertigt und auch die Redakteure schon einige Jahre an der Star Wars-Reihe beteiligt sind. Unnötige Anglizismen wie „Meeting“ statt „Treffen“/“Besprechung“ möchte ich da gar nicht erst weiter erwähnen…

Legacy #9 - Outcasts of the Broken Ring, Part 4
Legacy #9: Outcasts of the Broken Ring, Part 4 (27.11.2013)

So weit meine Kritik an der deutschen Ausgabe. Wenden wir uns nun dem eigentlichen Inhalt zu. Wie ich schon angedeutet habe bekommen wir eine Geschichte, die das Star Wars-Gefühl wunderbar einfängt und dabei sehr gut auf bisher etabliertem Material aufbaut. Wir haben mit Meister K’Kruhk eine Figur, die die Comicreihen Republic, Dark Times, Legacy und Legacy II auf subtilere, aber nicht minder interessante Weise verbindet, wie Celeste Morne es in Vector getan hat. Wir haben viele Elemente aus Legacy wie Imperatorin Marasiah Fel, Gar Stazi und Antares Draco, die in der Coruscant-Nebenhandlung auftauchen, welche im weiteren Verlauf des Comics direkten Einfluss auf die Haupthandlung nimmt – es ist immer schön, wenn Autoren es schaffen, ihre Nebenhandlungen für die Hauptgeschichte relevant werden zu lassen. Sehr interessant ist auch Darth Wredd, der für mich etwas zu kurz kam in diesem Band, der aber, wie wir aus Sonderband 80 wissen und hier nochmal bestätigt bekommen, die „Einen Sith“ zu vernichten gedenkt, um zu den Lehren Darth Banes und der Regel der Zwei zurückzukehren.

Der Band bereitet auf jeden Fall die Bühne für ein gefühltes Dutzend weiterer Abenteuer, aber wir wissen bereits, dass wir nur noch mit zwei Sonderbänden zu rechnen haben (voraussichtlich im Februar und August 2015), bevor die Reihe ihr durch den Wechsel der Comiclizenz von Dark Horse zu Marvel bedingtes Ende erfährt. Ich hoffe inständig, dass wir auf einige offene Fragen bezüglich Darth Wredd und auch Ania Solos Vergangenheit, auf die von Marasiah Fel in diesem Band erneut düster angespielt wird, noch Antworten erhalten werden. Eine Frage hätte ich allerdings, und die stelle ich gerne offen zur Debatte: War Imperatorin Marasiah Fel schon immer so eine, nun, Kratzbürste? Erinnert mich ein bisschen an Leia aus The Star Wars

Ein besonders großes Lob meinerseits ergeht an Brian Albert Thies. Gabriel Hardman hat im ersten Band Zwischen den Welten hohe Maßstäbe gesetzt, was die Zeichnungen angeht, und Herr Thies schafft es nicht nur, seinen Stil gut an den von Hardman anzupassen, sondern schafft es auch, auf der Qualitätsleiter nochmal eine Sprosse höher zu klettern. Die Illustrationen geben eine düstere, erwachsene Welt wieder, übermitteln zugleich aber auch an den richtigen Stellen ein Gefühl von Spannung und unbeschwertem Abenteuer. Damit fügt die künstlerische Gestaltung der Geschichte sich perfekt in ihre narrative Struktur ein – eine begrüßenswere Synergie, die man selten sieht. Ich stehe Zeichnerwechseln im Laufe einer Geschichte ja recht kritisch gegenüber, aber hier ist das echt gut gelungen. Mein Negativbeispiel ist Knights of the Old Republic, wo die Zeichnungen mancher Ausgaben aufgrund von Zeichnerwechseln stark an Qualität und Kontinuität einbüßten und ich manche Hauptfiguren beim anderen Zeichner fast nicht wiedererkannte, was zum Glück die Ausnahme war – davon fehlt hier dankenswerterweise aber jede Spur.

Trotz der Unzulänglichkeiten der deutschen Ausgabe, die ich dem Verlag und auch dem Übersetzer als konstruktive Kritik anbieten möchte, hat mir die Lektüre dieses Comicabenteuers sehr viel Spaß und kurzweilige Unterhaltung bereitet. Ich bin gespannt auf die nächste Ausgabe in Sonderband 84 und gebe guten Gewissens 5 von 5 Holocrons für eine der Glanzserien des Star Wars Legends-Universums.

Der Rezensent vergibt 5 von 5 Holocrons!
Der Rezensent vergibt 5 von 5 Holocrons!

Ich danke Panini Comics für die großzügige Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

5 Kommentare

  1. Der Comic ist heute auch bei mir angekommen, wurde natürlich sofort gelesen. Alles in allem stimme ich dir zu. Der Blick auf Dac und damit auf die Ereignisse der letzten Legacy-Reihe sind sehr gut gelungen, die Zeichnungen gefallen mir, Marasiah Fel nervt. Die übersetzungstechnischen Sachen, die du angesprochen hast, sollten zukünftig vermeidbar sein. Ich würde dem Comic vier Holocrons geben – mE erreicht der Comic trotz allem nicht die Spannung seines Vorgängers.

    1. Hm, ich finde, die Erzählung war etwas kohärenter als bei seinem Vorgänger, da sah ich die 5 von 5 gerechtfertigt. Aber schön, dass wir uns bei Marasiah Fel einig sind… irgendwas in der gemeinsamen Familiengeschichte zwischen Ania und Marasiah scheint da schiefgelaufen zu sein.

      1. ja, so ging es mir auch.

        beim ersten dachte ich „wann gehts weiter?“ und jetzt mehr so „und das wars schon?“

        ich bin mit dem comic eher unzufrieden und hoffe, dass die nächsten beiden wieder besser werden ….

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