Rezension: Legacy of Vader, Band 1: Die Herrschaft Kylo Rens – mit Gewinnspiel!

Im Juni 2026 erschien bei Panini der Sammelband der ersten sechs Comics rund um Die Herrschaft Kylo Rens. Die Reihe, die insgesamt zwölf Comichefte umfasst, wurde von Charles Soule geschrieben und von Luke Ross sowie Stefano Raffaele gezeichnet. Wir begleiten Kylo Ren darin kurz nach dem Ende von Episode VIII und bei seinem Versuch, dem Vermächtnis der Skywalker beziehungsweise eher Vaders gerecht zu werden. Das gelingt in großen Teilen, ist aber zu oft reines Sightseeing.

Mit Wilson durch die Galaxis

Zu Beginn des Comics muss Soule erstmal eine Grundbasis schaffen und den jahrelangen Diener von Darth Vader – auf dessen Spuren Kylo schließlich wandeln soll – in die Zeit der Sequels verfrachten. Also erzählt uns Vaneé einfach, was er alles so gemacht hat. Das alles war eine Free Comic Book Day-Geschichte namens Legacy of Vaneé, die hier in den Sammelband aufgenommen wurde. Darin erzählt er, wie toll er es fand, von Vader bestraft zu werden, und wie sehr er ihn vermisst. So sehr, dass er am Leben bleiben wollte, weil sein Meister unmöglich tot sein kann. Also nimmt er seinen eigenen Kopf und packt ihn in eine Maschine, die sein Leben verlängert – und vergleicht diese dann noch mit dem Anzug von Vader.

Nun, das ist nicht ganz zutreffend, für mich sah das Cyborg-Gestell schon irgendwie seltsam aus. Aber gut, auf Mustafar muss man mit dem arbeiten, was man hat (was ja nicht zufällig in Vaders Festung auch bessere Ersatzteile bedeuten könnte). Jedenfalls geht es in der restlichen Handlung dann um Vaneés und Kylos Buddy-Trip durch die Galaxis. Ein frisch gebackener Oberster Anführer und sein treuer Kopf. Von Tatooine über Naboo bis nach Lahtee.

Die Idee dahinter verstehe ich durchaus, aber es erinnert in zu vielen Momenten einfach an das, was auch Vader damals getan hat. Nur dass er eben erst Padmés Erbe und dann Lukes Pfaden hinterhergereist ist. Jetzt das Ganze eine, beziehungsweise zwei Generationen weiter, und wir haben wieder eine Comichandlung, die wir auf zwölf Hefte strecken können. Hier und da blitzen zwar schöne Momente durch, wenn beispielsweise die Bewohner Naboos Angst vor einem Rachegeist haben, der hier gewütet haben soll – was eben Vader in seiner damaligen Comicreihe war, als er das gleiche tat wie Kylo jetzt.

Allgemein jedoch bleibt es bei einem sehr nostalgischen Blick auf das Erbe Vaders und eben die bekannten Orte. Dazu kommen Vaneés sehr bemühte Verrenkungen, alles aus Anakins Leben irgendwie „sithig“ zu verklären, um Vader von vornherein als Advokat der Dunklen Seite zu inszenieren. Geschichtsverklärung allererster Güte – das macht zwar Spaß, ist aber nicht immer stichhaltig. Auch die Lehren, die Kylo dann aus den wenigen Visionen mit seinem Großvater zieht, sind eher grundlegender Natur und kaum überraschend. Eher habe ich mich gefragt, warum er das nicht schon früher so verstanden hat, beziehungsweise, ob er nicht die ganze Zeit schon so gehandelt hat. Zum Beispiel alles allein und aus eigener Kraft zu schaffen, war doch schon lange Kylos Lebensrealität – so sehr, wie er sich von allen anderen abschottet und sie weg oder vor den Kopf stößt.

Weißt du eigentlich, wer ich bin?

Wo wir bei Kylo Ren wären. Die Figur wird mir in dem Comic irgendwie nicht wirklich greifbar. Er wandelt zwischen wütendem Kleinkind, Prätendent und Intrigant. Er stürmt selbstsicher und ohne jeden Verstand einen Palast und ist dann verwundert, dass andere Wesen in der Galaxis auch noch sowas wie Macht besitzen. Er will einen Thron, den Hux bauen soll, und schert sich wenig um die militärische Stabilität seiner Ersten Ordnung und er spielt beide Seiten aus, ohne, dass es einen wirklichen Mehrwert für eine der beiden hätte. Es wirkt, als sei alles nur ein Spiel.

Und das kann man so erzählen, dann muss man das aber auch zu Ende denken. Er hängt dem Vermächtnis von Vader nach, will ihm nacheifern und denkt, er hat durch die Herrschaft über die Erste Ordnung das qua Amt einfach erreicht. Jetzt gibt ihm dieses Amt nicht die nötige Zufriedenheit und schon beginnt er wieder, durch die Galaxis zu ziehen und alles in seinem Weg seinen Launen zu unterwerfen. Das Problem ist: Er und Vader sind vielleicht in ihrem Handeln gleich, und damit wandelt er auf seinen Pfaden, aber nicht in ihrer Rolle. Wenn Vader rumzog und nach Padmés Erbe suchte, lief das Imperium trotzdem, weil ein kluger Anführer oben saß und es lenkte. Wenn Kylo nun das Gleiche tut, bröckelt die Erste Ordnung. Das ist ihm wiederum aber auch nicht recht, und Schuld daran hat natürlich Hux. Hux, der wohl als einziger noch halbwegs militärisches Genie in die Schlachten der Ersten Ordnung einbringt und sich zurecht über den Führungsstil beschwert.

So sind also vielleicht die Handlungen analog dem Erbe Vaders, aber nicht die Vorzeichen. Nun kann man anführen, dass Kylo die Erste Ordnung ja ohnehin nicht so wichtig ist. Da ist natürlich dann die Frage, wie er seine impulsive und unkontrollierte Art absichern will. Denn auf die Feuerkraft seiner Finalizer will er meist auch nicht verzichten und in Gefangenschaft wartet er – bis zur Allein-Erkenntnis – schon mal auf die Hilfe seiner Truppen. Diese aber keineswegs zu respektieren und dann darauf bauen zu wollen, dass sie treu sind, kann langfristig nicht funktionieren. Das sollte auch ohne Lektion klar sein. Aber vielleicht kommt die ja noch im zweiten Teil.

Alte Orte, neue Töne

Ein großer Pluspunkt bei der Sightseeing-Tour von Vaneé und Kylo sind die Orte, die sie besuchen. Manche davon haben auch wir in dieser Epoche noch nicht gesehen. So sind die ehemaligen Podracer-Strecken auf Tatooine verwaist und die luxuriösen Inseln auf Naboo erst recht. Überall sind Zerstörung und Verfall an der Tagesordnung und Luke Ross sowie Stefano Raffaele (für den Vaneé-One Shot) fangen das gut ein.

Auch darüber hinaus wird vor allem Kylo immer gut in Szene gesetzt. Man erkennt Adam Driver problemlos in fast jedem Panel und auch Figuren wie Hux sind wiederzuerkennen. Die Hintergründe sind dabei manchmal etwas rudimentär, aber sie dienen dem Zweck, eine eher charakterfokussierte Erzählung liefern zu wollen. Die Farben sind meist recht dunkel und matt gehalten, was dem Zerfall der besuchten Orte, aber auch dem Zweifeln von Kylo geschuldet ist.

Fazit

Ein Fazit fällt mir bei diesem Werk wirklich schwer. Denn was ist Versäumnis aus kreativer Sicht und was ist einfach Kylos unlogischer Charakter, dessen Ursprung aber nicht in diesem Comic liegt, sondern in der Konzeption der Figur. Die Suche nach Vaders Vermächtnis ist eine Idee, die keinen Innovationspreis gewinnt. Die Lehren, die Kylo daraus zieht, sind ebenfalls nicht revolutionär, und oftmals ist die Handlung unnötig verworren und sprunghaft, wie Kylo es eben auch ist. Wenn ich mich als Leser jedoch nicht zurechtfinde und/oder Kylo nicht nachvollziehen kann, dann hilft es mir auch nichts, dass das ja genau so sein soll. Es trübt dennoch mein Lesevergnügen. Ich würde diesen Band daher nur in der Hoffnung empfehlen, dass der noch erscheinende, zweite Band all diese wirren Anwandlungen der Hauptfigur noch irgendwie einfängt. Ansonsten wirkt es bisher viel zu oft, als handle Kylo rein nach dem Zufallsprinzip. Also das Gegenteil einer logischen Story und mitreißenden Hauptfigur.

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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