Die Essential Legends-Collection hat es auch in den deutschen Markt geschafft. So erschienen bereits die Republic Commando-Bücher in neuem Design bei Panini. Jetzt folgt die Trilogie zu Darth Bane aus dem Hause Blanvalet. Im Gegensatz zum englischen Original passen die Cover und vor allem Buchrücken nicht perfekt zueinander, aber das gehört bei deutschen Veröffentlichungen aus zwei verschiedenen Verlagen fast schon zum guten Ton. Da müssen wir oft froh sein, wenn innerhalb einer Buchreihe die Designs gleich bleiben.
Darth Bane ist eines jener Werke, von dem ich bereits viel gehört habe, es bisher aber nie geschafft habe, es komplett zu lesen. Wie eine Recherche in meiner Kindle-Bibliothek offenbarte, habe ich bereits 2018 angefangen das Werk zu lesen und es da nur bis zum Anfang von Kapitel 14 geschafft. Warum ich damals aufgehört habe, weiß ich nicht – im Zweifel lag es an einer Statistik-Klausur in der Uni.
Doch jetzt habe ich den ersten Band der Trilogie in einem Rutsch an drei Tagen durchgelesen und bin am Ende unterhalten und oft triumphierend mitschreitend aus dem Werk gegangen. Eine Packung Popcorn neben mir und vielleicht noch das Flanieren auf einem bequemen Kinosessel und das Gesamtpaket wäre perfekt gewesen. Denn Darth Bane: Schöpfer der Dunkelheit ist vor allem eines: Sith-Powerfantasy im Videospiel-Charme der 2000er.
Der schnelle Weg zu(m) Gott

Zum Zeitpunkt dieser Rezension habe ich die weiteren beiden Bände noch nicht gelesen. Das gibt mir die Möglichkeit, unbeeindruckt vom finalen Gesamtwerk diesen ersten Band einzuschätzen. Und vielleicht auch deshalb musste ich beim Lesen immer wieder denken, dass das alles ziemlich schnell passiert. Ich vermutete, dass die berüchtigte Regel der Zwei das zentrale Thema sein wird und der Weg dahin im Rahmen der Trilogie dargestellt wird. Dass jedoch der Bergbaujunge Dessel am Ende bereits zum quasi Gottkaiser der Sith gekrönt wird, war mir dann doch etwas zu schnell.
Das Problem ist, dass der Roman räumlich in seinen Konflikten sehr begrenzt ist. Der Krieg zwischen der Bruderschaft der Dunkelheit unter Lord Kaan und der Armee des Lichts unter General Hoth ist sehr fokussiert auf einen Planeten. Zeitsprünge werden – wenn überhaupt – nur kurz behauptet, aber sind selten spürbar. Weder auf dem Schlachtfeld von Ruusan, noch in der Akademie auf Korriban. Die gleichen Leute gehen ein und aus, die gleichen Probleme stellen sich, die gleichen Sorgen treiben alle um.
Deshalb fühlt sich Banes Ausbildung und schlussendlicher Aufstieg für mich etwas zu gehetzt erzählt an. Ja, er sucht sich seine Lehren, er muss das alles erst verstehen – das stimmt. Aber wenn er sie mal gefunden hat, durchdringt er sie sofort und entwickelt komplett neue Theorieschulen daraus. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich das Werk als eine Art kondensiertes Skript für ein Videospiel wahrgenommen habe. Die wichtigen Momente sind in Zwischensequenzen dargestellt, und genau diese lesen wir. Der ganze Weg, das eigentliche Gameplay, das Leveln, davon wird uns nur erzählt oder komplett mit „13 Tage war er in den Gräbern“ übersprungen.
Dadurch fühlt sich manche Erkenntnis, manche Entwicklung und am Ende auch die sehr spannende Idee der Neuordnung der Sith nicht immer belohnend oder gar verdient an. Bane schreitet durch den Plot als hätte er keine Zeit in zwei weiteren Bänden. Klar, dass kann sich relativieren, wenn ich diese dann gelesen habe. Aber selbst der Epilog hat bei mir für Kopfschütteln gesorgt. Wieso schiebt man eine so wichtige Personalie quasi einfach nach und widmet ihr nicht mehr Raum? Lässt es offen und nimmt sich Zeit dafür im zweiten Band?
Sie haben es einfach nicht verdient
Was ebenfalls zu dem gehetzten und mancherorts unverdienten Gefühl beiträgt, ist die schiere, geballte Inkompetenz aufseiten der Bruderschaft. An manchen Stellen habe ich mich wirklich gefragt, ob es sich bei diesen Protagonisten um Sith handelt oder um eine schlechte Laienschaustellertruppe. Natürlich müssen sie so sein, damit Banes Kritik am bisherigen Weg verfängt. Aber müssen sie auch so plakativ die Vorwürfe von Bane erfüllen? Können sie nicht in manchen Punkten wirklich stärker sein, weil sie eine Einheit bilden und damit Bane den Wind aus den Segeln nehmen? Stattdessen bestätigen sie freigiebig die Klischees und Vorwürfe des gerade dazugestoßenen Bane und legitimieren sein Handeln mehr als einmal.
Doch jetzt die Wende: Trotzdem macht das alles sehr viel Spaß. Denn wenn sich das Werk wie eine Aneinanderreihung an Videospielsequenzen anfühlt, dann erfreut das natürlich mein Gamer-Herz. Es ist eben Popcorn-Unterhaltung mit Sith-Fokus. Drew Karpyshyn hat schließlich nicht umsonst die Story von Knights of the Old Republic erdacht und große Teile davon geschrieben. Das setzt er hier fort. Natürlich hat Revan auch tausende Jahre später einen Auftritt und natürlich ist er der zentrale Punkt für Banes neuen Weg.
Egal ob die Darstellung der Kämpfe, die sehr platte Arbeit von Githany mit ihren weiblichen Reizen und die mindestens genauso platten Erfolge, die sie bei jeglichen Männern (und davon gibt es genug in diesem Roman) damit hat oder das wandelnde Ritter-Klischee Valenthyne Farfalla – der Roman weiß zu unterhalten und geht nicht immer gezwungen in moralische oder philosophische Tiefe. Wo platte Videospiel-Logik reicht, da gibt es auch nichts anderes. Wo es etwas Fundament braucht, um der doch bedeutenden Regel der Zwei einen soliden Unterbau zu geben, da holt Karpyshyn schon zu Philosophie und Denkprozessen aus.
Eine Galaxis zwischen Alter und Hoher Republik
Das Worldbuilding, die Darstellung der Galaxis und der beiden Fraktionen wiederum sind in meinen Augen durchgehend gut gelungen. Der Roman fühlt sich tatsächlich an als wäre er auch im heutigen Kanon noch so machbar. Die Jedi bekämpfen die Sith schon irgendwie noch, aber so wirklich stark sind diese in ihrer Bruderschaft nicht mehr. Gleichzeitig hängen andere den alten Wegen an und finden damit eine Strategie, die tausend Jahre später auch noch für Plagueis und Sidious zum guten Ton gehört.
Die dreckigen Cortosis-Minen der Republik, wo einfache Bürger ausgenutzt werden und sich die Republik dann noch aufspielt, als wären sie die Samariter, zeigen perfekt, wie die Republik genau da, wo keiner hinschaut, genauso verwerflich ist, wie sie es dem Imperium vorwirft. Billig produzieren lassen in Ländern der dritten Welt und sich selbst zu moralisch überlegenen Wesen aufspielen. Ein Widerspruch, der nicht nur Dessel sauer aufstößt, sondern auch in unsere Welt übertragen werden kann. Dass dieses Vorgehen manche dieser leidtragenden Bürger radikalisiert und sie in die Arme der Sith treibt, ist eine schöne, frühe Feststellung im Roman, die hervorragend hergeleitet wird.
Der Konflikt auf Ruusan zeigt zudem, wie erbarmungslos und verlustreich zwischen den beiden Seiten gekämpft wird. Jedi und Sith fallen wie die Fliegen, die Soldaten dazwischen sind kaum eine Erwähnung wert. Die Umwelt leidet, ganze Landstriche und Wälder werden vernichtet. Eine Blockade hält die Stellung, obwohl beide Seiten davon keinen Vorteil haben. Es ist eine Materialschlacht aus Prinzip.
Smells like Sith-Spirit
Zuletzt will ich noch auf die Darstellung der Macht und der Dunkle Seite an sich eingehen. Abgesehen von einigen sehr technokratischen Ritualen, die vor allem am Ende eine Rolle spielen und sehr leichtgläubig umgesetzt werden, hat mir diese nämlich gut gefallen. Gerade zu Beginn des Romans, wenn Des aka Bane noch langsam erkennt, was in ihm schlummert, zeichnet Karpyshyn ein spannendes Bild vom Einsatz der Macht. Das obligatorische „Ich kann Dinge sehen oder tun, die schwer erklärbar sind“ wird ergänzt durch eine Außenwirkung. Banes Emotionen, sein Hass, seine Angst oder Wut – Triebkräfte der Sith – wirken nicht nur auf ihn. Sie haben auch eine Wirkung auf seine Umwelt und heizen diese dadurch ebenfalls dazu an, aggressiver zu werden.
Weiter ausgebildet sehen wir eine ähnliche Fähigkeit bei Lord Kaan, der seinen ganzen Schabernack nur damit zusammenhält, dass er quasi Avar Kriss‘ Lied der Macht in einer Art Moll-Variante aufführt und dadurch die Moral seiner Bruderschaft hebt und sie zusammenhält. Die Zweifel, die manche haben und die anschließende Anstrengung, diese wieder unter dem Schirm der Sorglosigkeit einzufangen, wurde mit entsprechenden körperlichen Folgen für Lord Kann dargestellt und das funktioniert und ist in weiten Teilen des Romans auch subtil genug.
Auch aufseiten der Republik gibt es Anflüge dieses Sith-Gedankens. General Hoth steigert sich so sehr in den Kampf gegen die Bruderschaft hinein, dass er als Jedi schon fast nicht mehr zu erkennen ist. Wie er damit umgeht, welche Bewältigung er im Kontrast zu den Sith nutzt, sind ebenfalls starke Momente der Erzählung, da sie zeigen, dass beide Seiten eigentlich nicht viel voneinander trennt und manchmal nur die gezogenen Lehren, nicht aber die grundlegenden Emotionen, andere sind.

Fazit
Ich könnte noch über viel mehr schreiben. Von Duellen und Rivalität oder von Rakata Prime und schockierenden Morden an Kindern. Das unterstreicht, wie vollgepackt und schnell dieser Roman erzählt ist und dass die vielen Zwischensequenzen am Ende zu einem Gesamtwerk zusammengepackt werden. Das funktioniert, weil es entweder unterhaltend ist oder in wichtigen Momenten zumindest etwas Zeit für Herleitung und Philosophie bleibt. Dennoch hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn sich das Werk für diesen epochalen Aufstieg mehr Zeit gelassen hätte. Aber wer weiß – vielleicht gibt es in Band zwei und drei noch viel wichtigere Momente, wodurch der Weg von Des zu Darth Bane am Ende wirklich als Schnelldurchlauf am besten aufgehoben war. Alle Fans der Alten Republik, von Videospielen wie eben KOTOR oder SWTOR oder schlicht Geschichten rund um die Sith und deren Ab- und Aufstieg, machen mit diesem Buch in keinem Fall etwas falsch. Es ist durch seine schnelle Erzählung extrem kurzweilig und motiviert zum Weiterlesen – so zumindest bei mir.
Wir danken Blanvalet für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.










