Ende Januar 2026 erschien bei Panini der 13. Band der Die Hohe Republik – Abenteuer-Reihe. Wie immer ist diese im Deutschen durchnummeriert und fasst halbwegs chronologisch passende Dark Horse-Comics in deutschen Sonderbänden zusammen. In diesem Band ist der Zweiteiler rund um Crash Ongwa enthalten, der die finale Etappe der Hauptreihe auf Eriadu vorbereitet, sowie das Annual, in dem fünf kurze Geschichten zu Charakteren aus der Hohen Republik erzählt werden.
Ver-Krix-t nochmal

Die zweiteilige Reihe zu Beginn des Sonderbands dreht sich wieder um Crashs Crew und den Kampf um Corellia. Aktuell ist sie auf dem Trip, sich an all jenen zu rächen, die den Krieg auf Corellia möglich gemacht haben. Zusammen mit Ruu und der restlichen Crew werden also immer neue Ziele gesucht und dann schnell weggeblendet, wenn es um Konsequenzen geht. Bis irgendwann Krix Kamerat, das Kameratdenschwein, wieder auf den Plan tritt und Marchion Ro als Ziel nicht mehr unerreichbar scheint.
Insgesamt funktioniert dieser Zweiteiler recht gut. Vor allem schafft Daniel José Older einen Abschluss für eine Figur, der langsam wirklich mal notwendig wurde. Währenddessen lässt er Bezugspersonen Raum, um mit Crash zu interagieren und gibt der Hauptfigur auch genug Zeit zur Selbstreflexion über Erlebtes. Wie geht sie mit Trauma um? Welche Entscheidung ist die richtige? Und wie lange kann sie den Rachefeldzug noch einschlagen? All das ist im besten Fall passend, im ungünstigsten Fall etwas abgedroschen. Funktioniert hier aber – gerade in Hinblick auf die Botschaft eines eher für Kinder geschriebenen Comics – größtenteils ganz gut.
Nur ab und an gibt es Szenen, die seltsam erwachsen wirken und brutal sind. Zudem bin ich weiterhin kein Fan davon, dass Krix Kamerat in einer Reihe, die mit Akzeptanz und auch Wiedergutmachung arbeitet und diese proklamiert, von Beginn der ersten Phase an als unrettbar dargestellt wurde. Einerseits gefällt mir das, weil es wiederum dem Klischee vorbeugt, dass man jeden Antagonisten retten könnte (Ben Solo, hust). Andererseits sind die Vorzeichen hier etwas anders. Denn Krix litt als Kind ja genau wie Zeen unter einer massiven Indoktrination. Und nur weil sie diese plötzlich überwand, kann sie nicht erwarten, dass er es im gleichen Moment auch schafft. Das ist ja das traurige an einer Sekte. Und alles danach war gegen Krix gerichtet, sodass er sich nur umso mehr in die Nihil hineinstürzte.
Auch hier wird ihm keinerlei Menschlichkeit mehr zu gesprochen. Ständig wird er nur als Ratte bezeichnet. Dabei ist seine Suche nach Zugehörigkeit – wenn leider auf der falschen Seite – am Ende genauso tragisch wie bei allen anderen Charakteren, die jedoch eine „Rettung“ verdient haben, wie zum Beispiel Lourna Dee. Und ja, Krix tut nicht wirklich viel, um sich reinzuwaschen. Er stürzt sich eben in das, was er kennt. Das typische Henne-Ei-Problem. Durch die Ablehnung und falsche Schlagseite zu Beginn der Handlung in Phase I hat er sich immer weiter hineingesteigert. Es kommt am Ende also wohl doch nur darauf an, wen der Autor retten will oder sympathisch findet, nicht darauf, ob eine Figur es verdient hat oder nicht.
Der erste Teil der beiden Crash-Comics ist übrigens schwer erträglich, wenn es um die Zeichnungen geht. Mich hat der Stil von Rachele Aragno leider nicht abgeholt. Es wirkte wie einer dieser sehr stilisierten RTLII-Nachmittags-Cartoons aus meiner Kindheit, die ich damals schon nicht gerne gesehen habe. Zudem bringt Nickolas Brokenshire im zweiten Teil wesentlich bessere Bilder aufs Papier, was wieder zu einer inkonsistenten Gesamterscheinung führt, die bei einem Zweiteiler vermeidbar gewesen wäre.
„Meister Eimer, wir brauchen euch!“
Zudem enthalten sind die fünf Geschichten aus dem The High Republic Adevntures Annual. Diese stammen aus der Feder verschiedener Autoren und zeigen uns Ausschnitte aus der Zeit zwischen Welle II und III. Dabei wird deutlich, dass jede Figur dabei genau das tut, was sie am besten kann. Nehmen wir zum Beispiel Vernestra: auf Coruscant chillen und sich in alten Erkenntnissen und Lehren sonnen, während alle anderen um sie herum sinnvolle Dinge zu tun haben.
Nach dem obligatorischen Vern-BurnTM schauen wir mal auf die anderen Stories. Der Auftakt mit Drei Jünglinge und der Snackfrosch des Todes hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte von Charles und Rosemary Soule ist sehr niedrigschwellig und ein paar Jünglinge (die bereits eine Rolle in der vorherigen Kollaboration von Vater und Tochter Soule hatten) helfen dabei einem Kind, nicht an Snackfröschen zu ersticken. All das, während sie einen Film schauen, der gefährlich nach Indiana Jones aussieht. Einfach eine lustige, kleine Geschichte mit dem tollen Detail, dass die Jünglinge Meister Buck auch einfach „Eimer“ nennen dürfen. Ich weiß woher es kommt, es wirkt auf Deutsch aber trotzdem seltsam.
Am besten haben mir die Geschichten von Churo und Driggit gefallen. Churo ist auf Mission, um Nal Hutta zu retten, und lernt dabei, dass alles, was man tun würde, auch Konsequenzen für etwas anderes hätte. Würde ich fies sein, könnte ich Churos Story als „Inkarnation der Lehren des Pfads der Offenen Hand“ bezeichnen. Aber das tue ich nicht. Wobei ich glaube, dass Marda sehr froh über die kleinen Pilzmännchen gewesen wäre, nur um danach durch die Galaxis zu reisen und zu skandieren: „Ich hab’s euch ja gesagt“.
Driggits Story ist beim Lesen etwas verwirrend und auch reichlich oberflächlich, zeigt aber eine glaubwürdige Dynamik zwischen ihr und der Tarkin-Tochter. Da ist eben kein langes, vor sich hergetragenes Misstrauen, sondern die Figuren sind klug genug, taktische Täuschungen als solche wahrzunehmen, ohne ewigen Groll zu hegen. Erfrischend und glaubwürdig in dieser Hinsicht.
Auf der weniger hoffnungsvollen und fast schon tragischen Schiene fährt eigentlich nur Cavan Scotts Story über Baron Boolan. Darin wird – für diese Zielgruppe und im Bedenken, dass in der ersten Story noch Frösche das größte Problem waren – ein ziemlich schwerer Verrat begangen, der zudem noch tragische Konsequenzen hat. Doch deshalb hat mir die Story auch gut gefallen, da sie, für Adventures eher unüblich, zeigt, dass die Nihil eine wirkliche Bedrohung sind und es mit Figuren wie Boolan an der Spitze noch umso mehr wurden.
Die Zeichnungen der fünf kurzen Geschichten stammen von verschiedenen Zeichnerinnen und Zeichnern. Jeder Stil hat hier sehr gut zum Inhalt gepasst. Bei der eher dunklen Story von Cavan Scott halfen Nickolas Brokenshires realitätsnahen Zeichnungen, während der helle und kindliche Stil von Andy Duggan gut zu den drei Jünglingen gepasst hat. Churo von Juan Samu hat mir sehr gut gefallen, da er dem kleinen Hutten sehr viel Persönlichkeit entlocken konnte. Gerade, da er bisher vor allem in Schriftform auftrat und wir damit nun ein viel umfassenderes Bild von ihm bekommen haben.
Fazit
Der dreizehnte Sonderband der Abenteuer-Reihe hat mich tatsächlich sehr gut unterhalten. Gerade die Mischung und die Abwechslung in der zweiten Hälfte mit fünf Kurzgeschichten, bei denen jeder eine finden wird, die ihn überzeugt, haben das Lesevergnügen kurzweilig gemacht. Der Crash-Zweiteiler ist inhaltlich ebenfalls gelungen, sofern man in die dritte Phase mit dem unhinterfragten Status Quo hineingeht, dass Krix sowieso nur eine Ratte und verloren ist. Meine Kritik richtete sich ja eher weiterhin an die Grundkonzeption dieses Charakters als Repräsentationsfläche für intolerante Personen, die in meinen Augen unfair war, da er selbst ein Opfer der intoleranten Indoktrination ist und wohl am ehesten Rettung verdient hätte. Trotzdem war sein Finale hier – unter der „unrettbar“-und-„Ratte“-Prämisse – gut inszeniert und dann auch passend. Ob man den Band unbedingt lesen muss, um im großen Die Hohe Republik-Kosmos am Ball zu bleiben, glaube ich nicht. Es ist eher ein Aufatmen vor der finalen dritten Phase und dem Konflikt auf Eriadu.
Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das hunderte Jahre vor den Skywalker-Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unsere Guides zur Lesereihenfolge von Phase I, Phase II und Phase III.










