Nachdem nun die Zeichen immer mehr auf Krieg standen, bricht der Zweite Galaktische Bürgerkrieg nun vollends im vierten Band der Reihe Wächter der Macht aus. Dieser wurde wieder von Aaron Allston verfasst und erschien als Legacy of the Force: Exile erstmals am 27. Februar 2007 in englischer Sprache und am 10. August 2009 in deutscher Sprache. Das Cover zieren dieses Mal Han und Leia.
Nach dem Putschversuch auf Hapes sind Han und Leia weiterhin auf der Suche nach den Drahtziehern. Gemeinsam mit ihrem alten Freund Lando Calrissian reisen sie nach Corellia, um einer weiteren Spur nachzugehen. Dort erfahren sie, dass eben die corellianische Regierung für das Attentat und den Putschversuch verantwortlich waren und können mit Wedge Antilles fliehen, der als Oberkommandierender der corellianischen Streitkräfte zurückgetreten ist, da solche Anschläge gegen seinen persönlichen Verhaltenskodex verstoßen. Alema Rar, die sich nun mit der Schmugglerin Lavint zusammengetan hat, setzt ihre Jagd auf die Solos fort.

Währenddessen beginnt die Politik, sich in die Belange des Jedi-Ordens einzumischen. So wird gefordert, dass Jacen in den Rang eines Meisters erhoben wird. Wir erleben hier eine ähnliche Parallele wie schon beim Fall der Galaktischen Republik. Luke missbilligt dies natürlich sehr, was den Orden weiter von der Allianz entfremdet, wobei dieser Akt eigentlich als symbolische Stärkung von Seiten der Allianzführung geplant war.
Auf der anderen Seite beginnt Jacen auf Anraten seiner Ratgeberin Lumyia, Ben Skywalker als potenziellen Sith-Schüler zu testen, und schickt ihn auf die Suche nach einem Amulett, das einen in der Macht verbergen kann. Eine Technik, die Jacen jedoch selber schon beherrscht. Ben bricht auf und dringt in ein Bürogebäude auf der Welt Almania ein, nur um zu erfahren, dass das Amulett bereits gestohlen wurde. Sein Weg führt ihn schließlich auf die uralte Sith-Welt Ziost.
Damit haben wir wieder eine Fülle an verschiedensten Handlungssträngen, die wieder politisch aufgeladen sind und dieses Mal auch in den lange heranbrauenden Kriegsausbruch münden.
Lando is back!
Aaron Allston ist ja bekannt für seinen Humor in seinen Romanen, und umso besser passte dazu die Rückkehr Lando Calrissians an der Seite von Leia und Han. Lando ist immer eine Freude zu lesen, seien es seine wieder mal abstrusesten Geschäftsideen, die dann doch funktionieren oder einfach nur seine lockere bzw. charmante Art. So verkleidet er sich undercover als reichen Schnösel und spielt diesen exzellent (was mich etwas an Andor erinnert hat). Ich finde, dieses Zitat bringt es wunderbar auf den Punkt:
„Wir haben eine Reservierung und eine Landeautorisierung. Wir – das sind die Liiiiebeskommandant und das Geschwader der guten Laune.“
Lando Calrissian im Anflug auf die Fliegender Händler, 40 NSY, kurz vor Ausbruch des Zweiten Galaktischen Bürgerkriegs
Auch Booster Terrick ist mit seiner Fliegender Händler – einem ehemaligen Sternzerstörer – wieder mit von der Partie und dient den Solos und deren Freunden als Basis. Booster mochte ich schon sehr in den X-Wing-Romanen, darum hat es mich sehr gefreut, ihn hier wiederzusehen, unverändert und geschäftstüchtig wie eh und je und ein Quell amüsanten Humors.
Und auch hier sehen wir, dass jede*r der Autor*innen von Wächter der Macht ihre Lieblingsthemen bzw. -charaktere in die Romane einbauen, sodass die Romane nochmal alle eine persönliche Note bekommen. Bei Aaron Allston sind es hier insbesondere (ehemalige) X-Flügler-Piloten der Renegaten-Staffel und deren Freunde und Familie, bei Karen Traviss Boba Fett und die Mandalorianer und bei Troy Denning Alemar Rar. Das wird nicht jedem gefallen, aber ich finde das hier gut gelöst, denn die Charaktere tauchen dann auch größtenteils in den Romanen der anderen Autor*innen auf, und ich finde, die Charaktere haben die Handlung allgemein gut bereichert. Die persönlichen Noten der Autor*innen machen das natürlich auch vielfältiger.
Bens Reise in die Dunkelheit
Ben wurde von Jacen schon vor einer Weile zu seinem Schüler auserkoren und will ihn auf Lumyias Geheiß nun testen, was Ben auch nahe an die Dunkle Seite führen wird. Ich habe ja schon in den vorherigen Rezensionen erwähnt, dass Ben sich zwischen den Stühlen fühlt und sich vor Jacen fürchtet, und trotzdem versucht er, ihm seine Wünsche zu erfüllen. Wir dürfen nicht vergessen, Ben ist noch sehr jung und muss auf einmal erwachsen werden. Er wird sturer und bleibt trotz Anraten seiner Eltern weiterhin in der Nähe von Jacen, was einen kleinen Keil zwischen ihn und Mara und Luke treibt. Bei all dem fragt man sich: Warum? Denkt Ben, dass er Jacen bekehren kann? Er ist sich selber nämlich auch nicht ganz schlüssig, wie hier das beste Vorgehen ist.
Auf seiner Reise nach Almania und bei seinem Einbruch erleben wir einen sehr professionell agierenden Ben, der jedoch auch noch etwas Unsicherheit (zumindest zu sich selbst) ausstrahlt. Doch auf Ziost, der alten Sith-Welt, wird er deutlich düsterer. Er findet dort den abgestürzten Frachter des Diebes, der von Unbekannten abgeschossen wurde. Wenig Zeit nach seiner eigenen Landung wird auch sein Schiff zerstört. Er findet den Dieb und ist bereit, ihn einfach zu töten, auch als die Tochter des Diebes, Kiara, auftaucht. Kurz denkt er auch darüber nach, vor ihren Augen den Todesstoß zu versetzen – einfach nur die Tatsache, dass er das überhaupt erwägt, zeigt, wie tief Jacens Manipulationen auf ihn schon eingewirkt haben –, doch schafft er es, sich zu besinnen. Der Vater von Kiara war schon vorher verletzt und blieb wohl nur am Leben, weil ihm die Sorge um seine Tochter seine letzte Kraft gab. Doch trotz Bens Bemühungen kann er ihn nicht mehr retten. Gemeinsam machen sie sich auf, um irgendwo ein weiteres, flugfähiges Schiff zu finden. Auch, wenn Ben hier Milde zeigt, zeigt sich später wieder seine kalte, von der Garde der Allianz und Jacen indoktrinierte Seite: Er überlegt, Kiara in der Kälte zurückzulassen, weil er den Erfolg der Mission über das Leben des Mädchens – oder im schlimmsten Fall über sich selber – stellt. Sogar sein Astromechdroide zeigt sich hier emotionaler, was umso mehr zeigt, wie tief Ben schon gestiegen ist. Was Ben jedoch nicht weiß, ist, dass es nicht Jacen ist, der ihn hier beeinflusst, doch was es ist, sei aus Spoilergründen nicht erwähnt. Wichtig ist aber, dass Ziost Bens Zweifel gegenüber Jacen verstärkt, was einem als Leser*in Hoffnung macht, dass Ben noch den rechten Weg wiederfinden kann.
Jagd nach den Solos
Wie schon erwähnt, befindet sich Alema Rar weiterhin auf der Jagd nach den Solos und ist nun mit ihnen auf der Fliegender Händler. Ihre Fähigkeit, Wesen ihre Anwesenheit schnell vergessen zu lassen, und die Manipulation von Kameras, erlauben ihr ein weiteres Katz-und-Maus-Spiel, welches schließlich in einem Duell zwischen ihr und Lumiya und Luke und Leia auf der anderen Seite gipfelt. Mehr sei hier ebenfalls aus Spoilergründen nicht gesagt.
Somit verweben sich wieder die Handlungsstränge und bereiten weitere Ereignisse für die kommenden Romane vor. Sei es Bens Hadern mit Jacen, der Keil zwischen den Jedi und der Allianz, oder der ausgebrochene Krieg, zwischen der Konföderation – angeführt von Corellia, Bothawui und Commenor – und der Allianz. Es verspricht weiterhin spannend zu bleiben. Damit kann ich auch hier eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen und fünf von fünf Holocrons vergeben.











