
Mit Trials of the Jedi von Charles Soule ist vergangene Woche der letzte The High Republic-Roman erschienen, welchen ich für euch bereits rezensiert habe. Jetzt habe ich endlich auch mal Zeit und Muße, mich Justina Irelands letztem Star Wars-Roman The Acolyte: Wayseeker zuzuwenden, welcher ja schon am 6. Mai, gleichzeitig mit ihrem The High Republic-Jugendroman A Valiant Vow, bei Random House Worlds erschienen ist.
Wayseeker spielt zwischen The High Republic und The Acolyte und betritt damit bisher unbespieltes Terrain. Vernestra Rwoh, mittlerweile eine sehr erfahrene Jedi-Meisterin, ist in dieser Zeit als Wayseekerin unterwegs, die sich unabhängig vom Jedi-Rat nur vom Ruf der Macht zu ihren Missionen leiten lässt. Immer noch begleiten sie dabei die Hyperraum-Visionen, die ihr gelegentlich wertvolle Hinweise liefern. Doch Vernestra ist nicht lange allein unterwegs, denn der Rat sendet ihr die junge, unerfahrene und wenig selbstbewusste Jedi-Ritterin Indara hinterher, um sie für einen wichtigen Auftrag zurück nach Coruscant zu holen. Vernestra und Indara kommen gemeinsam den Machenschaften einer Gruppe Krimineller auf die Spur, die auf dem besten Weg sind, eine schon aus The High Republic bekannte Waffe in Serienproduktion herzustellen: den Nullifier, der Lichtschwerter erlöschen lassen kann.
Das Hauptargument dafür, diesen Roman zu lesen, ist ganz klar der nostalgische Blick zurück auf The High Republic. 80 Jahre nach der großen Hyperraum-Katastrophe haben diejenigen Beteiligten, die nicht das Glück haben, einer besonders langlebigen Spezies anzugehören, bereits das Zeitliche gesegnet. Vernestra ist eine der wenigen, die sich noch – teils wehmütig – an die damaligen Ereignisse und ihre Weggefährt*innen erinnert. Dabei fängt Justina Ireland wunderbar ein, wie es sich anfühlt, ein Fossil in einer Welt zu sein, die sich weiterentwickelt hat. Im Tempel fühlt Vernestra sich nicht mehr wohl, weil so viele, mit denen sie diesen Ort verbindet, bereits eins mit der Macht geworden sind. Der Jedi-Orden aus ihrer Jugend existiert in dieser Form nicht mehr. Man hat sich mittlerweile viel mehr der Politik und dem Senat angenähert, was bei Vernestra einige „Früher war alles besser“-Gedanken auslöst. Gerade im Kontrast zur jungen Indara, die gerne „historische Ereignisse“ wie die Schlacht von Valo studiert, wird auf beinah humorvolle Weise deutlich, wie anders doch die Perspektive einer nun schon so alten und erfahrenen Jedi wie Vernestra ist, die diese historischen Ereignisse noch persönlich miterlebt hat.
Besonders schön für uns Fans von The High Republic ist natürlich, dass wir erfahren, was aus einigen Figuren des Literaturprojekts geworden ist: Wir erfahren von einigen, dass sie noch am Leben sind. Eine weitere The High Republic-Figur hat sogar eine größere Rolle im Roman. Aber auch von einigen bereits Verstorbenen erfahren wir, was sie in ihrem Leben erreicht haben und wie sie es verbracht haben. Insofern liest sich Wayseeker stellenweise beinahe wie ein Epilog zu The High Republic, was bei mir ein wohliges Gefühl ausgelöst hat.
Die Konstellation aus der erfahrenen Vernestra und der noch jungen Jedi-Ritterin Indara, die sich nach einem traumatischen Erlebnis in den Tempel zurückgezogen hat und der daher die Außeneinsatz-Erfahrung fehlt, ist spannend angelegt. Es macht Freude, zu verfolgen, wie Indara, die zu Beginn noch sehr eingeschüchtert von Vernestra ist, nach und nach an Selbstbewusstsein gewinnt – gerade auch durch Vernestras eher unkonventionelle Art, die Indara aus dem modernen Jedi-Orden so nicht mehr kennt. Allerdings kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass da noch mehr an Charaktertiefe oder -Entwicklung gegangen wäre. Gerade die The High Republic-Nostalgie überschattet dann doch häufig die junge Indara, die meiner Meinung nach noch ausbaufähig gewesen wäre.


Wenig überzeugt hat mich auch die recht generische Handlung um den Nullifier. Zuerst fand ich es ziemlich spannend, dass das innovative und für Jedi durchaus gefährliche Gerät aus The Rising Storm hier wieder auftaucht. Allerdings ist die Geschichte, die damit erzählt wird, dann doch recht generisch. Es wird ziemlich viel von Planet zu Planet gehüpft und dem MacGuffin in Form einer Wissenschaftlerin, die für die Produktion des Nullifiers essentiell ist, hinterhergerannt. Für die Bösewichte werden teilweise interessante Hintergründe angeteasert, die dann aber nicht so richtig zum Tragen kommen. Das „große Finale“ ist dann letztendlich recht unspektakulär.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch die Erzählperspektive, aus der uns die Geschichte präsentiert wird. Selten gibt es in Star Wars ja Geschichten aus der Ich-Perspektive. Hier bekommen wir Vernestra als Ich-Erzählerin. Allerdings nur teilweise: Ein anderer Teil der Kapitel ist auch aus Sicht von Indara bzw. anderer Figuren geschrieben, hier allerdings in Er/Sie-Erzählform. Diesen Wechsel zwischen Ich und Er/Sie fand ich persönlich ziemlich seltsam und sehe darin auch keinen wirklichen Mehrwert. Man hätte die Vern-Kapitel auch aus der Sie-Perspektive erzählen können, ohne dass da etwas verloren gegangen wäre.
Fazit
Lest dieses Buch für die The High Republic-Nostalgie und um rauszufinden, was aus einigen Figuren des Projekts geworden ist. Es macht ebenfalls Spaß, das ungleiche Paar aus der alten Vernestra und der unerfahrenen Indara und die Entwicklung ihrer Beziehung zu verfolgen. Die eigentliche Geschichte rund um den Nullifier ist dagegen recht vergessbar. Für das Gesamtpaket vergebe ich daher drei Holocrons.

Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das hunderte Jahre vor den Skywalker-Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unsere Guides zur Lesereihenfolge von Phase I, Phase II und Phase III.











