Rezension: Star Wars #101: Darth Vader: Entfesselte Macht, Teil 2 & Yoda, Teil 7

Diese Information mit dem Rat der Jedi teilen wir müssen.

Yoda

Nach der Sonderstory Offenbarungen in der Jubiläumsausgabe kehrte Paninis monatliche Star Wars-Heftserie am 19. Dezember wieder zu den aktuellen Reihen Yoda und Darth Vader zurück. Der kleine, beziehungsweise große Jedi-Meister trifft dabei im Verlauf der Handlung auf General Grievous, wie man bereits dem regulären Kioskcover von Phil Noto entnehmen kann. Lord Vader ziert dieses Mal mit ungewöhnlicher Ausstattung die Comicshop-Ausgabe in einem Motiv von Leinil Francis Yu. Die deutsche Übersetzung stammt ein weiteres Mal von Matthias Wieland.

Nach einer kurzen Unterbrechung in der großen Jubiläumsausgabe 100, erfolgt in Ausgabe 101 des Star Wars Comicmagazins die Fortsetzung der beiden aktuell laufenden Comicreihen um zwei der populärsten Charaktere der gesamten Star Wars Saga überhaupt: Sith-Lord Darth Vader und Jedi-Meister Yoda.

Hinweis: Unsere Rezensionen zu Paninis Star Wars-Heftserie spoilern nicht die Handlung der aktuellen oder künftig erscheinenden Ausgaben!

Mit Eine neue Bedrohung beginnt das erste Kapitel des letzten Dreiteilers vor dem Finale der Yoda-Reihe, der den Titel Größe bedeutet nichts erhalten hat. Autor Marc Guggenheim (Han Solo & Chewbacca, Offenbarungen) kratzt zunächst wieder einmal die Rahmenhandlung an, in der Yoda kurz vor Episode V auf Dagobah mit der nach wie vor noch nicht klar zugeordneten Stimme eines Machtgeists spricht. Auf den zwei Seiten erfahren wir für die Kürze der Zeit viel über Yodas Haltung zum aktuellen Zustand der Galaxis und seiner eigenen Rolle darin. Schließlich geht es mit Verbindungen zu Rogue One: A Star Wars Story in die Zeit der Klonkriege, wo sich ein für die Ära recht typisches Szenario entfaltet, das genau so auch einer typischen Folge der Animationsserie The Clone Wars entsprungen sein könnte. Leider wird schnell wieder deutlich, dass sich Matthias Wielands inkonsequente Übersetzung von Yodas Grammatik nicht mehr einheitlich gestaltet, sondern im Vergleich zu den ersten sechs Heften sogar noch abnimmt. Zwar ist das für die Spannung durchaus nachvollziehbar an einer bestimmten Stelle, an der dem Lesenden noch nicht klar werden soll, dass es sich um den getarnten Yoda handelt, es ergibt aber auch keinen Sinn, dass der Jedi-Meister für die Dauer plötzlich grammatikalisch einwandfreie Sätze spricht. Solche Momente stören immer wieder und sorgen dafür, dass man den dargestellten Yoda nur schwer mit den Filmen und Serien in Verbindung bringen kann.

Hinzu kommt, dass die Zeichnungen von Alessandro Miracolo zu den schwächsten der Reihe zählen. Der Stil mag sich leider nicht entscheiden, ob er entsprechend der die Ära geprägten Animationsserie wirklich „cartoony“ aussehen möchte oder einen eher fotorealistischeren Look nach den Prequel-Filmen zeigt. So ist er leider weder Fisch noch Fleisch und hat gegenüber den ersten beiden Dreiteilern definitiv das Nachsehen. Rein inhaltlich ist die Konfrontation zwischen Yoda und Grievous samt eindrucksvollem Lichtschwertduell eine Konstellation, die vor allem mein jüngeres Ich, das mit The Clone Wars aufgewachsen ist, lange ersehnt hat und kann dabei durchaus unterhalten. Auch zeichnerisch kommen die ikonischen Kampfstile der beiden gut rüber, auch wenn sich dabei eindeutig so manche aus den Filmen abgepauste Pose eingeschlichen hat. Der auch schon in The Clone Wars konsequent durchgezogene Umstand, dass sich Anakin und Grievous einfach nicht begegnen dürfen, damit ihr berühmter Dialog am Anfang von Episode III: Die Rache der Sith noch Sinn ergibt, wird auch hier wieder zum halben Running Gag, da Anakin zwar auf derselben Mission wie Yoda und sich somit in derselben Anlage wie der Cyborg-General befindet, es aber unter einem erzwungenen Vorwand einfach nicht dazu kommt, dass sie aufeinandertreffen. Herrlich.

So enttäuscht der letzte Dreiteiler im Auftakt etwas im Vergleich zur bisherigen Yoda-Serie. Greg Paks Darth Vader-Reihe hingegen bleibt durch und durch Greg Paks Darth Vader-Reihe und ist leider weiter unschön von Adam Gorham gezeichnet. In Entfesselte Macht, Teil 2 geht die nie endende Seifenoper zwischen Vader und seiner Retraumatisierung durch die wie seine Frau aussehende Sabé in die unendlichste Runde und will mit dramatischen Rückblenden und ungewöhnlichen Situationen punkten, wie schon Vaders ungewöhnliche Waffe auf dem Comicshop-Cover zeigt. Mir erschließt sich nicht, wie die Reihe einfach so ungehindert weitergehen kann und der Anspruch immer mehr nachlässt. Aber es scheint sich ja genug zu verkaufen, obwohl Pak gerne die Wucht eines klassischen Opernautoren auf einer Bühne der großen Gefühle entfalten würde, dabei aber einfach nur eine dilettantische, bekloppte Fan-Fiction erschafft. Wenn ich etwas Positives sehen möchte, dann, dass Gorhams Menschen und Umgebungen zwar hässlich sind, aber immerhin Vader vor allem in größeren Panels relativ eindrucksvoll wirkt. Die überzogenen und dämlichen Sätze, die er dazu spricht, machen aber selbst das direkt wieder kaputt.

Rein optisch hat man es dank dieser beiden Kapitel an Heftinhalt bei Star Wars #101 leider mit einem der schwächsten Hefte seit langem zu tun. Dem gegenüber stehen Anakins beziehungsweise Vaders Präsenz in beiden Storys für Fans des Auserwählten, ein das innere Kind Freude bereitendes Duell zwischen zwei der coolsten Lichtschwertkämpfern der Prequel-Ära und die langsam auf die Zielgerade abbiegende Yoda-Reihe. Bald sollte auch Star Wars #102 in meinem Briefkasten liegen, bei dem zum „Glück“ Raffale Ienco wieder bei Darth Vader den Federstift schwingt. Dazu bin ich sehr gespannt auf das in der Vorschau und auf dem Cover versprochene, lange überfällige Wiedersehen mit Doktor Aphra. Doch bei Greg Pak große Vorsicht walten lassen wir müssen – oder eher große Vorsicht wir müssen walten lassen, wenn es nach Matthias Wieland geht. 😀

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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