Rezension: Die Hohe Republik, Band 3: Ende der Jedi

Der finale Sammelband der ersten Phase voller Marvel-Comics ist vollgepackter als üblich und enthält neben dem Finale der Die Hohe Republik-Marvel-Reihe namens Ende der Jedi auch den Zweiteiler in Überlänge namens Das Auge des Sturms, in dem wir die Hintergrundgeschichte von Marchion Ro erhalten, die als eine Art Epilog zur ersten Phase fungiert. Wie beide Comics überzeugen können, warum es teilweise zu viel zu erzählen und zu wenig Zeit gibt und ob man diese Comics auch vor Der gefallene Stern lesen kann, der erst im März bei Blanvalet erscheint, soll unter anderem Gegenstand dieser Rezension sein.

Ende der Jedi

Der erste Teil des Sammelbandes widmet sich den finalen fünf Ausgaben der Die Hohe Republik-Reihe, die alle unter dem Namen Ende der Jedi zusammengefasst werden. Hier merkt man auch etwas die notgedrungene Einteilung in Arcs, denn eigentlich hätte der Auftakt des Bandes noch gut zum vorherigen Zweiteiler Schatten der Nihil gepasst und diesen ergänzt.

Zum Inhalt

Wie der Name des Bandes nahelegt, begegnet man in diesem Comic wenig Harmonie und vielmehr einer Katastrophe nach der anderen. Das sorgt natürlich zum einen dafür, dass einem nicht langweilig wird, wodurch man sich aber auch wieder leicht überfordert fühlen kann. So bereisen wir in diesen fünf gesammelten Heften insgesamt drei wichtige Schauplätze, bei denen immer auch ein Kampf stattfindet. So wird zunächst der Handlungsbogen rund um Xais abgeschlossen, dann zurück zur Starlight gesprungen, von da zur Halle der Nihil und dann zum Finale wieder zur Starlight. Ein etwas langsameres Erzähltempo gegen Ende hätte der Reihe also gut getan, aber es musste nun mal alles in 15 Einzelheften auserzählt werden.

Trotzdem wissen die Actionsequenzen zu überzeugen und man kann aufgrund der guten Zeichnungen von Ario Anindito und Georges Jeanty den Handlungen auch recht gut folgen. Dennoch droht gerade in dieser zusammengefasten Form ein Art Wiederholungsgefühl aufzukommen, das man bei der ursprünglichen monatlichen Veröffentlichung der deutschen beziehungsweise amerikanischen Hefte nicht so direkt gespürt hat. Als ich den Comicband nun in einem Rutsch gelesen habe, war es mir fast zu viel Action und zu wenig Zeit, das Gesehene und Geschehene auch zu verarbeiten. Sowohl für die Charaktere als auch für mich als Leser.

Trotzdem schafft es Autor Cavan Scott hervorragend, seine Hauptfigur konsequent weiterzuentwickeln. Da sie einst aus seinen Selbstzweifeln geboren wurde (wie er in unserem Interview erzählt hat), macht es wirklich Freude, ihr dabei zuzusehen, wie sie trotz der Verwüstung und des Chaos um sie herum neuen Mut findet und sich über ihre Vorbilder erhebt. Sie soll kein Vermächtnis ihres Meisters weitertragen und die Zeit der Fan-Poster von Avar im Kinderzimmer sind auch vorbei. Sie muss erkennen, dass selbst die größten Idole scheitern können und sie aus deren Schatten treten muss, um das Licht der Jedi wiederzufinden.

Die Zeichnungen

Auch wenn die Zeichnungen von Georges Jeanty nicht ganz an die von Ario Anindito heranreichen, ist mir beim Lesen kein klarer Bruch im Stil aufgefallen und das spricht für die konstant gute Qualität dieser Reihe. So werden gerade im zweiten Teil der Story einige beeindruckende Panels präsentiert, wie die Erstürmung der Halle der Nihil mit allen Jedi oder auch Avars Lied der Macht und die Einblendung all der anderen Jedi, die gerade auf Starlight zugegen sind. Einige dieser Panels haben es deshalb auch zurecht zu Covermotiven von Nachdrucken der amerikanischen Einzelhefte geschafft.

Die Sache mit Der gefallene Stern

Kann man diesen Band nun lesen, bevor man voraussichtlich im März 2023 in den Genuss von Der gefallene Stern von Blanvalet kommen kann? In meinen Augen ja! Das Marketing war sehr offensichtlich, was es mit dem namensgebenden „Gefallenen Stern“ auf sich haben wird, und damit spoilert man sich den Roman schlussendlich kaum. Denn der Kniff, den wir damals im JediCast zum Roman noch kritisiert haben, hat zumindest für deutsche Leser einen Vorteil: Die Handlung in Comic und Roman sind nicht nur erzählerisch, sondern auch örtlich getrennt und können somit kaum aufeinander Bezug nehmen. So werden bedeutende Charaktermomente nicht vorweggenommen und man kann diese noch ohne Probleme im Roman erleben. Wenn man also bereits eine Vorahnung hat, was mit der Starlight Station geschehen wird, braucht man sich keine Sorgen zu machen, durch diesen Band den Spaß am Roman genommen zu bekommen.

  • Wenn ihr noch andere Meinungen zu der Reihe haben wollt, seien euch
    • jeweils Patricias Rezensionen zum letzten Arc der englischen Originalhefte von Jedi’s End ans Herz gelegt.
    • Außerdem haben wir in größerer Runde im Ausgelesen #31 über den Handlungsbogen Ende der Jedi gesprochen

Das Auge des Sturms

Der zweite Teil des Sammelbandes schließt dann den Zweiteiler Das Auge des Sturms an, welcher von Charles Soule geschrieben und von Guillermo Sanna gezeichnet wurde und den offiziellen Abschluss der ersten Phase darstellt. In ihm erfahren wir mehr über das namensgebende Auge der Nihil und die Vorgeschichte zu den mysteriösen Levelern. Wieso das Ausmaß und einige Kontinuitätsfehler am Ende den eigentlich positiven Eindruck etwas trüben, soll im Folgenden erläutert werden.

Zum Inhalt

Die Idee des Aufbaus dieses Zweiteilers ist zunächst einmal sehr kreativ. Der Fokus liegt ganz klar auf der Familie Ro (nicht nur auf Marchion, wie man zunächst hätte erwarten können) und deren Geschichte samt Herkunft ihrer Spezies, Gründung der Nihil und Akquirierung der Leveler. Das klingt nicht nur ambitioniert, sondern ist es im Rahmen von zwei Ausgaben auch. Daher waren diese beiden Hefte zum Glück auch Hefte mit Überlänge, sodass wir knapp 10 Seiten mehr pro Ausgabe erhalten haben.

Insgesamt überzeugt der Comic schon. Gerade die Nacherzählung der Hintergrundgeschichte der Evereni-Spezies und die Visualisierung von Momenten wie Marchions kindlicher Verbundenheit mit Mari San Tekka oder dem Tod seines Vaters, der uns in Das Licht der Jedi nur erzählt wird, geben diesem Werk definitiv eine wichtige, verbindende Funktion. Leider ist die Geschichte in ihren weniger lichten Momente auch das typische Genre von „Der Bösewicht erzählt im Nachhinein seinen Plan“, damit man vorher bewusst im Dunkeln tappen musste. So wird die Beschaffung mehrerer Leveler zwischen Im Zeichen des Sturms und der Zeit aus dem ebenfalls enthaltenen Comic Ende der Jedi erst nachträglich erklärt und hat deshalb einen etwas faderen Beigeschmack.

Die Motivation Marchions ist ebenfalls für mich ein etwas größerer Kritikpunkt an dem Zweiteiler. Denn einer seiner Untergebenen fragt ihn tatsächlich mal, wieso er all das eigentlich tut. Nun wissen wir, dass es eine zweite Phase gibt, die vor den Ereignissen spielt und deshalb wohl auch diese Frage thematisieren könnte. Aus diesem Grund fällt seine Aussage erneut vage aus und besteht im Grunde daraus, dass er macht was er will, ohne sich von anderen reinreden zu lassen. Hat er seine ursprüngliche Motivation also verloren und ist nur noch aus Gewohnheit dagegen oder wird uns hier wieder etwas vorenthalten?

Letztlich wird in diesem Comic auch noch ein Blick in die Debatte in Lina Sohs Büro geworfen, bei der es darum geht, was man nun nach dem Sturz des Beacons unternehmen soll. Dieser Einblick in die Politik hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich immer noch der Meinung wäre, dass es kein gutes Licht auf die Demokratie der Republik wirft, wenn immerzu in privaten Kleinrunden über solche Dinge geredet wird. Es müsste langsam auch mal eine Senatsdebatte dazu im Hauptraum geben und/oder einen entsprechenden Untersuchungsausschuss nach mittlerweile Hetzal, Valo und nun Starlight. Am Ende enthüllt sich dann schließlich noch Marchions neue Waffe, die zwar (mehr oder weniger) konsequent aus vorher etablierten Konzepten von Chancey Yarrow und Co hervorgeht, aber in ihren Fähigkeiten und vor allem Anzahl dann doch leicht übertrieben wirkt. Ich bin gespannt, wie die Autor*innen in der dritten Phase an das doch sehr verheerende Ende des Comics anschließen werden.

Die Zeichnungen

Durchweg beeindruckend hingegen ist die künstlerische Leistung von Guillermo Sanna. Gerade in Anbetracht der häufigen Ortswechsel und der Vielzahl an auftretenden Charakteren, ist es ihm gelungen, eine konstante Qualität abzuliefern. Von den Stürmen über Everon bis hin zu der weichgezeichneten Welt der Leveler (die wir hoffentlich in Phase 2 noch weiter erkunden werden), haben wir einen Bandbreite an Umgebungen und auch Stilen, die nicht zu enttäuschen weiß. Gerade die Familie Ro wurde auch sehr gut eingefangen und der heranwachsende Marchion war in jedem Stadium als dieser zu erkennen (was angesichts der einzigartigen Merkmale der Evereni nicht so schwer ist, wie es klingt).

Kleine Probleme mit der Kontinuität

Dass sich bei einem so großen und über mehrere Autoren verteilten Literaturprojekt kleinere Fehler einschleichen, ist ganz normal. Zwei davon sind mir nur besonders im Gedächtnis geblieben, da wir diese auch schon im dazugehörigen JediCast diskutiert hatten. Zum einen wird in einem Panel Lourna als Orkanläuferin gezeigt, zu einer Zeit, als sie noch gar keine war, da Asgar da gerade erst die Macht über die Nihil übernommen hat. Sie spricht jedoch erst später in dem Comic, weshalb es durchaus sein kann, dass die Einbindung im Hintergrund künstlerischer Freiheit geschuldet ist. Erzählerisch wird es beim zweiten Fehler problematisch, da wir nun gar nicht mehr so genau wissen, wer die Nihil eigentlich gegründet hat. Hier hören wir, dass es Shalla war oder aber auch ihre Mutter? Oder glauben wir der Aussage in Das Licht der Jedi, denn dann war es Asgar Ro selbst.

  • Wenn ihr noch andere Meinungen zu der Reihe haben wollt, seien euch
    • jeweils Janinas Rezensionen zu den beiden Einzelheften von The Eye of the Storm ans Herz gelegt.
    • Außerdem haben wir in zu zweit im Ausgelesen #34 über den Zweiteiler gesprochen

Fazit

Insgesamt erhält man mit diesem Band wirklich die volle Ladung „Star Wars-Action“, die einem über dem Barcode immer versprochen wird. Zudem erhält man aber auch eine gut fortgesetzte Charakterentwicklung von Keeve Trennis in ihrer Reihe, aus der sie verändert und mit mehr Selbstvertrauen hervorgeht, was die Reihe angemessen zum Abschluss bringt, während ein paar zu viele Schlachten in zu kurzer Zeit geschlagen werden. Auch Das Auge des Sturms ist im Gesamtkonstrukt ein kurzweiliges und spannendes Lesevergnügen, da wir sehr viele Antworten auf die Hintergründe dieses Hauptantagonisten der ersten Phase erhalten. Lediglich hier und da schleicht sich mal ein kleinerer Kontinuitätsfehler ein oder man hat das Gefühl, trotzdem nicht alles erzählt zu bekommen, was die Motivation der Figur angeht. Visuell überzeugen jedoch beide Comicgeschichten auf ganzer Linie mit beeindruckenden Panels und – vor allem bei Das Auge des Sturms – auch passenden Stilwechseln.

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsxemplares!

Logo zu Star Wars: Die Hohe Republik

Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das 200 Jahre vor den Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unseren Guide zur Lesereihenfolge.

Ein Kommentar

  1. Dann wird dieser Comic wohl doch auf meine Liste mit baldigen Anschaffungen landen, wobei ich den Zweiteiler noch bis zum Schluss, nach allen anderen Geschichten aus Phase 1, aufheben werde und erst dann lese. Danke für die Rezension.

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