Marvel-Mittwoch: Darth Vader #7

Es ist wieder Zeit für eine neue Runde „Leiden mit dem Dunklen Lord“. Nachdem er im Auftakt des zweiten Handlungsbogens von Sidious verstümmelt und auf Mustafar ausgesetzt wurde, bekommt Darth Vader es heute mit dem angeteaserten Ochi von Betoon zu tun.

Wie immer sind Spoiler zum Heft allgegenwärtig, um einen freien Austausch in den Kommentaren zu ermöglichen.

Zum Inhalt

Darth Vader #7 (11.11.2020)
Darth Vader #7 (11.11.2020)

Zum Auftakt der Episode erinnert sich Vader an all seine Ruhmestaten in Episode III, einschließlich der Ermordung der Jünglinge sowie die der versammelten Separatisten auf Mustafar. Gemischt wird diese Erinnerung mit dem Versprechen seines Meisters Frieden in die Galaxis zu bringen, was – welch eine Überraschung – bis heute nicht eingetreten ist. Demnach schwört Vader, erneut in den sehr schönen schwarzen Panels mit rotem Textfeld, dass sein Meister nie wieder wissen wird, was Frieden ist.

Das wirkt anfangs natürlich wie ein weiterer Schritt gen helle Seite, bis wir uns ins Gedächtnis rufen, dass Sidious genau diesen Hass in seinem Schüler erneut entfachen wollte, da er als Antrieb der Dunklen Seite gilt, von der sich Vader ja zunehmend entfernt hat. In seiner blinden Wut tut er also genau das, was sein Meister von ihm erwartet und glaubt trotzdem ihm zu trotzen. Während all dieser Gedanken schleppt sich Vader in den alten Besprechungssaal und lässt sich mit Hilfe von Mausdroiden zusammenflicken. Die Idee, dass er dafür alte Droidenteile an sich anbringen lässt, die freilich noch von den Separatisten da rumliegen, funktioniert sowohl aus logischer Sichtweise, als auch aus ästhetischer.

Doch bevor das ganze ein zu gutes Gesamtbild abgibt kommt der neue Antagonist auf die Bühne: Ochi von Bestoon. Sein Aussehen lässt sich am ehesten mit einer Videospielanalogie beschreiben, dass ihm Stats wichtiger sind als die Ästhetik: Hauptsache irgendwie bestmöglich ausgerüstet sein, auch wenn nichts wirklich zusammenpasst.

Im dann folgenden Kampf zwischen ihm und Vader versucht der Dunkle Lord zu ergründen was er ist und stellt treffend fest, dass er von den Sith kommt, aber selbst keiner zu sein scheint. Wie immer bei der Dunklen Seite unterstellt man dem anderen Ambitionen und so versucht Vader Ochi vor Palpatine zu warnen und ihm klarzumachen, dass er nicht mehr als ein Spielball für ihn ist. Wenn wir das mal kurz weiterdenken ergibt das nicht nur Sinn, weil Vader nicht länger gegen ihn kämpfen kann oder ihn gar retten will, sondern vielmehr, weil er versucht sich gegen Sidious aufzulehnen und deshalb Verbündete aufzutreiben möchte.

Als Vader dann die Oberhand über Ochi gewinnt, kommt es zu einer spannenden Unterhaltung in der er erfahren will, was der Imperator plant und was Ochi von diesen Plänen aufgeschnappt hat. Dieser erwidert, dass der Imperator dabei ist eine unglaubliche Macht aufzubauen. Doch bevor Vader erfahren kann wo er diese Macht baut, erscheint ein Wesen, dass es bereits in den Filmroman zu Episode IX geschafft hat: Das Auge des Nebelsumpfs (oder auf Englisch, The Eye of Webbish Bog).

Im Zusammenspiel dieser beiden Themen: Aus der Frage nach dem Wo und dem Auftauchen des Auges ergeben sich spannende Überlegungen für den Fortgang des Handlungsbogens. Zum einen können wir davon ausgehen, dass Ochi mit der errichteten Machtbasis von Sidious wohl irgendetwas auf Exegol meint. Im Filmroman zu Der Aufstieg Skywalkers ist es wiederum das Auge des Nebelsumpfes, welches Kylo Ren Vaders Wegfinder gibt. Im Laufe der Reihe scheint es also früher oder später zu der Aushändigung des Wegfinders zu kommen, was bedeutet, dass Vader noch von Sidious‘ Plänen erfahren wird. All das sind spannende Vorzeichen auf die kommenden Ausgaben.

Die Zeichnungen

Wie in jeder Ausgabe der bisherigen Vader-Reihe von 2020 ist Raffaele Ienco für die Zeichnungen verantwortlich und liefert erneut eine gute Mischung aus Standardkost und schönen Vollbildmomenten. Zusätzlich fiel es mit Mustafar dieses mal leichter die Hintergründe zu gestalten: Etwas Lava hier und ein paar Felsbrocken da. Dafür sind mit den Großaufnahmen des Massakers an den Jünglingen und den Separatisten, Vaders Reparatur seiner Rüstung und schließlich dem Auge des Nebelsumpfes sehr tolle Motive gelungen! Gerade das erste Bild – erneut in rotem Ton gehalten, da es Vader ist, der sich erinnert – hat schon fast Posterpotenzial (Vorschau Nummer 4). Auch die Kolorationen von Neeraj Menon und das Lettering von Joe Caramagna behalten die gewohnt hohe Qualität der Reihe bei!

Fazit

Die Richtung und die Aussicht auf Antworten ob und wie Vader von Exegol wusste, machen mich gespannt auf die kommenden Ausgaben. Das liegt primär daran, dass ich es mag wenn hastig erdachte Storyideen der Filme nicht im leeren Raum verbleiben, sondern in den Kanon sinnvoller integriert werden als es ihr Einstand zunächst zuließ. Demzufolge ist mit dem Auge des Nebelsumpfes und Ochi von Bestoon da bereits eine gute Richtung zu erkennen, was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass ich diese beiden Konzepte generell nicht unbedingt überzeugend finde. Aus Sicht des Freundes von (hoffentlich) beantworteten Fragen stimmt mich die Entwicklung einerseits also glücklich, während die Idee eines Assassinen und dieses komischen Monsters allgemein keine Euphorie bei mir auslösen. Dafür können aber Pak und Co nichts und arbeiten mit dem ihnen Gegebenen bestmöglich, weshalb ich dieses Heft nicht wesentlich schlechter bewerte als die bisherige Reihe, die Kritikpunkte aber trotzdem beachten muss und will.

Bewertung: 3 von 5 Holocrons
Bewertung: 3 von 5 Holocrons

Wie fandet ihr das Heft?

Wir danken Marvel für die frühzeitige Bereitstellung des digitalen Rezensionsexemplars, wodurch diese Marvel-Mittwoch-Rezension überhaupt ermöglicht wurde.

Schreibe einen Kommentar