Gastrezension: Palpatines Auge von Barbara Hambly

Der Roman Palpatines Auge von Barbara Hambly erschien im Juni 1996 bei Del Rey und die deutsche Version im September desselben Jahres als Hardcover bei VGS bzw. spätere Auflagen als Taschenbuch bei Heyne. Es handelt sich bei diesem Buch um den ersten Teil der von Fans so benannten Callista-Trilogie, welche offiziell aus drei Einzelromanen besteht.

Palpatines Auge (Hardcover)
Palpatines Auge (Hardcover)

Wir befinden uns im Jahre 12 NSY.  Han, Luke und Leia sind auf einer diplomatischen Mission nach Ithor unterwegs. Doch als sie dort empfangen werden, wird Han von einem Mann, der sich als alter Bekannter von ihm herausstellt, angegriffen. Der Mann scheint geistig verwirrt zu sein, da er ständig nur zusammenhanglos von einem verlassenen Planeten namens Belsavis und „Kindern der Macht“ spricht. Han und Leia beschließen, diesen Planeten zu suchen, um  Näheres herauszufinden.

Parallel träumt Luke immer wieder von einem geheimnisvollen Asteroidengürtel, zu dem er in seinen Träumen geführt wird. Schließlich folgt er der Macht dorthin.

Er findet dort die Superwaffe Palpatines Auge, eine Art Todesstern, nur in Form eines riesigen Schiffes. An Bord  trifft er auf den Geist der Jedi Callista Ming, die während der Klonkriege versucht hat, die Waffe aufzuhalten. Sie starb jedoch dabei und transferierte gerade noch rechtzeitig ihren Geist in das Schiff, um es weiterhin einzudämmen. Luke verliebt sich in sie und strebt danach, sie zu retten. Ferner findet er dort noch eine Menge anderer Passagiere vor: zwei verfeindete Stämme von Gamorreanern, Sandleuten, Jawas, aber auch noch viele andere Spezies. Diese glauben durch eine Gehirnwäsche, welche die künstliche Intelligenz des Schiffes ihnen verpasst hat, das Bewusstsein verstorbener Sturmtruppen in sich zu tragen.

Währenddessen treffen Han und Leia auf Belsavis Roganda Ismaren, eine von vielen ehemaligen Konkubinen des Imperators. Diese ist einmal beim Akt mit ihm schwanger geworden und gebar einen Sohn, Irek Ismaren, der machtsensitiv ist. Sein Körper wurde zum Großteil durch eine kybernetische Rüstung ersetzt, die ihm die Fähigkeit gibt, an seinem Körper an vielen Stellen Lichtschwertklingen zu erzeugen, und ihn so gut wie unverwundbar macht. Aber damit nicht genug: Durch Implantate in seinem Gehirn wurde seine Verbindung zur Macht über die Jahre stärker und stärker und er erhielt die Fähigkeit, sich mit der Macht in Maschinen zu hacken und sie zu manipulieren. Er und seine Mutter planen schon seit Jahren einen Putsch gegen die Republik.

Kommen wir nun zu meiner Meinung zum Buch. Falls ihr meine Beschreibung der Handlung gelesen habt und eure Reaktion sehr verwundert aussah, so kann ich euch sagen, dass das alles mein Ernst ist. Ich habe mir das nicht ausgedacht. Diese Geschichte ist dermaßen hanebüchen, dass man sich gar nicht wie in Star Wars fühlt. Außerdem kam es mir beim Lesen schlicht so vor, als ob Hambly die Macht überhaupt nicht richtig verstanden hat. Sie dachte scheinbar nicht an eine Kraft, die die Galaxis zusammenhält, sondern eher an ein Talent, das manche Wesen haben. Das ist besonders seltsam, wenn man bedenkt, dass damals noch niemand etwas von den Midichlorianern wusste, die im Vergleich dazu sogar noch sehr gut nachzuvollziehen sind.

Wenn ich schon vom Lesen spreche, komme ich gleich zum Schreibstil. Dieser ist einfach nur anstrengend, denn Hambly formuliert wirklich alles so weit aus, dass es eine halbe Seite oder mehr füllt, besonders, wenn sie die Umgebung beschreibt. An einer Stelle beispielsweise schaut Leia aus dem Fenster auf die Landschaft Ithors und die Autorin gibt über eine halbe Seite lang wieder, was man da sieht. Das Ganze ist dementsprechend kein schönes Leseerlebnis. Was man Hambly allerdings lassen muss, ist, dass sie Liebesgeschichten wirklich exzellent schreiben kann; das sieht man u.a. auch anhand ihrer Kurzgeschichte in Sturm über Tatooine. Han und Leia trifft sie hier auch sehr gut und gibt viele Einblicke. Leider rettet dies das Buch auch nicht, da man sich beim Lesen zum Großteil einfach nur fragt, was sie sich dabei bloß gedacht hat.

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 1 von 5 Holocrons

10 Kommentare

      1. Später bestimmt;) Eigentlich habe ich das Buch zur Hand genommen weil ich in den Legenden erst einmal nur Einzelbände lesen wollte. Habe erst heute von der „Callista Trilogie“ gehört und in meiner Sammlung nachgeschaut. Mir fehlt der zweite Teil. Klingt jetzt etwas komisch aber ich kaufe alte Star Wars Bücher nicht Planmäßig. Das meiste sind Flohmarktfunde. Darum will ich keine Reihe anfangen wo mir noch was fehlt. Umso besser das ich über die Rezension gestolpert bin.

  1. Palpatines Auge ist Stand jetzt das einzige Star Wars-Buch, bei welchem ich das Fertig lesen auf ungewiss verschoben habe. Den Schreibstil als anstrengend zu beschreiben, ist eigentlich schon zu höflich.
    Ein gutes Beispiel ist eine Stelle im ersten Drittel, in welcher Luke das Auge erkundet. Ohne seinen Charakter in irgendeiner Hinsicht auszubauen, beschreibt Frau Hambly, wie sehr Luke doch verletzt sei, und wie er sich kaum konzentrieren könne, etc. Und dass nicht nur an kurzen Stellen, sondern fortlaufend.

    Summa summarum kann ich nur gänzlich von diesem Buch abraten. Einerseits ist es wirklich miserabel geschrieben, andererseits fügt sich das Buch auch kein bisschen in den Kanon (EU) ein, da das Hauptobjekt, Palpatines Auge, ein Projekt aus den Klonkriegen sein soll. Wie das erklärt werden kann, übersteigt meine Vorstellungskraft.

    1. Gut, Letzteres liegt teils daran, dass die Klonkriege und der Status von Palpatine und der Galaxis in den 90ern noch nicht bzw. anders definiert waren (man denke an die Klonzylinder aus der Thrawn-Trilogie) als dann durch die Prequels. Das konnte Hambly einfach nicht wissen. Immerhin hat Karen Traviss die Figur der Callista dann in ihren Klonkriegsbüchern wiederverwendet.

      1. Das Frau Hambly von den Klonkriegen nichts wissen konnte, war mir bewusst. Ich meinte lediglich, dass für die Legends-Kontinuität dieser Roman kaum eine Rolle spielt und man ihn daher auch nicht zwingend sich antun muss. Bezüglich Callista in den Klonkriegen: Wo wurde sie denn in der RC-Serie eingebunden? Kann mich nicht an sie erinnern, das letzte Lesen liegt aber auch schon etwas zurück.

      2. In Order 66 und in Imperial Commando, aber Traviss hat ja nicht nur die Reihe geschrieben, sondern auch The Clone Wars: Keine Gefangenen. In allen drei taucht Callista in kleineren bis mittleren Rollen auf.

        Was die Relevanz des Romans angeht hast du Recht, auch wenn Callista dann in Das Verhängnis der Jedi-Ritter in der Abeloth-Story wiederkehrt, sodass man zumindest diese Figur kennen sollte.

  2. Ich hatte das Buch gar nicht so schlecht in Erinnerung… aber ist ja auch gute 20 Jahre her 😅
    Ansonsten finde ich auch, dass es sich durch Callista in der Continuity eine Rolle verdient hat. Da gibt es viele andere Bücher, wo deutlich weniger hängen bleibt.

    1. Die Ismaren tauchen übrigens auch noch mal in „Aufstand der Rebellen“ aus der Reihe „Das Erbe der Jedi-Ritter“ auf.
      Auch Ithor spielt in dieser Roman-Reihe eine traurige Rolle. Vielleicht ist Hamblys Beschreibung des Planet eines der letzten Zeugnissen diese unberührten „Biotops“.

      Habe das Buch auch nicht ganz so schlecht in Erinnerung. Ich habe es gelesen als es erschien und ein zweites mal nachdem ich anfing, Romane und Comics ab der Zeit nach Episode 6 chronologisch zu lesen.
      Die Reihe „Das Erbe der Jedi-Ritter“ und auch die folgenden Roman-Reihen greifen sehr oft auf Charaktere älterer Romane (auch Jugendromane) zurück.
      Ich habe es daher als Bereicherung empfunden, alles gelesen zu haben, auch wenn ich mich doch mal durch das ein oder andere Buch quälen musste.

      1. Klar, da hast du selbstverständlich recht. Es ist mir auch egal, ob manche bücher schlecht sind, da mich das alte EU so oder so als Ganzes unglaublich fesselt. Daher hat palpatines Auge für mich dennoch großen Wert, als Sammlerstück.

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