Marvel-Mittwoch: The Rise of Kylo Ren #3

Mit der bereits dritten Ausgabe von The Rise of Kylo Ren wird heute die zweite Hälfte der Miniserie rund um Ben Solos Fall eingeläutet. Wie in unserem Marvel-Mittwoch übrig dürft ihr euch in den Kommentaren nach Herzenslust unterhalten und diskutieren, ohne dabei auf Spoiler zu achten.

Mit der heutigen Ausgabe erhalten wir die – in meinen Augen – bisher schwächste Ausgabe der Miniserie. Das – nur um es gleich vorwegzunehmen – ist aber Meckern auf sehr hohem Niveau, wie sich auch im Laufe der Rezension herausstellen wird.

Zur Ausgabe

Die Haupthandlung fokussiert sich diesmal auf eine Erzählung von Ben Solo, in der er versucht den Rittern von Ren zu erklären, dass er würdig sei. Diese verlangen jedoch einen ehrlichen/guten Tod eines anderen Lebewesens, woraufhin er von der Auseinandersetzung spricht, die am Ende der letzten Ausgabe zwischen ihm und den drei Schülern aus Lukes Tempel angedeutet wurde.

Dabei konzentriert sich diese Ausgabe sehr darauf, allen drei Jedi-Schülern eine eigene Identität zu geben. So sah sich die Dame in der Runde immer in direkter Konkurrenz zu Ben und versuchte stets besser als er zu werden. Den Rat, den Luke Voe daraufhin gab, dass die Macht wie eine Tür sei und bei manchen zu Beginn eben weiter offen steht als bei anderen, aber alle die Tür im Laufe ihres Lebens ganz öffnen können, hat mir dabei noch am besten gefallen. Dadurch wird in meinen Augen die Macht wieder etwas mehr in die Richtung gedrängt, die sich aus Übung speist und weniger aus Veranlagung allein, während der Einfluss der Veranlagung in der Erklärung jedoch auch nicht ganz ignoriert wird. In jedem Fall ist diese Metapher erfrischender als die tausendste Wiederholung des berühmten Obi-Wan-Zitats aus Episode IV.

Hennis, der Quarren, verstand die Macht demgegenüber als Puzzle. Er versuchte die verschiedenen Enden der Macht zusammenzufügen und daraus Wissen zu erlangen und wird im Comic beim Studium alter Holocrons gezeigt. Mit Sicherheit sind da einige dabei, die Luke damals im Versteck von Jocasta Nu fand. An dieser kurzen Story fand ich besonders schön zu sehen, dass direkt jemand aus dem Holocron mit dem Jedi spricht und diese Person auch kleidungstechnisch eher nach Alter Republik, möglicherweise sogar nach High Republic-Ära aussah. Wäre auch eine Schande gewesen, wenn Charles Soule nach den beiden Ausgaben der Star Wars-Hauptreihe als auch der zweiten Ausgabe von The Rise of Kylo Ren nun aufhören würde, solche Anspielungen einzubauen. Auch wenn sie – sofern sie zutrifft – in diesem Heft erfrischend subtil war.

Tai, der Mensch mit der Glatze, ist ein typischer Gedankenleser, der in den Kopf seines Gegenübers eintauchen und diesen dadurch teilweise sogar beeinflussen kann. Er spricht Ben in der Rückblende gut zu und enthebt ihn von dem Anspruch – aufgrund seiner Abstammung – auch immer der beste sein zu müssen. Er muss nicht das Gewicht des Erbes tragen, nur weil er aus der Skywalker-Linie stammt, sondern alles was er tut und tun wird ist allein seine Entscheidung. Die Aussage: „Sei wer du bist“ passt in diesem Kontext also sehr gut und damit hat mir auch dieser Teil von seiner Aussage her ähnlich gut gefallen wie die philosophische Einlassung zur Macht gegenüber Voe. Leider hat diese Botschaft nicht so wirklich in Ben Fuß fassen können, da wir ja wissen wie er seinen Namen gegenüber Snoke immer noch als Last begriffen hat.

Nach dieser Vorstellung kommt es dann schon zu dem den Rittern von Ren gegenüber erwähntem Kampf zwischen Ben und den drei Jedi-Schülern. Dabei zeigt sich, dass Voe weiterhin hitzköpfig und konkurrenzdenkend an den Kampf herangeht, während Tai versucht Bens Gedanken zu erreichen und ihn dadurch zu schwächen. Als Voe ihn dann schließlich Mörder nennt, gerät Ben in eine ähnliche Wutsituation wie in seiner vermeintlichen Konfrontation mit Luke am Ende von Episode VIII und stößt sie – als Resultat der Wut – von der Klippe. Als er realisiert was er getan hat, versucht er Voe zu retten, wird aber von Hennix attackiert, den er durch das Zurückschleudern dessen Lichtschwerts jedoch tötet. Deutlich wird dabei, dass er keinen der beiden sterben lassen wollte und für Hennix sogar noch versucht dessen Lichtschwert mit der Macht aufzuhalten. Am Ende überleben jedoch nur Voe und Tai die Auseinandersetzung, die Ben dann – um ihnen das „Leben zu retten“ und fliehen zu können – unter dem Tempel auf Elphrona begräbt. Am Ende sieht man nur, wie die beiden Jedi sich sicher sind, dass Ben nicht mehr gerettet werden kann, und nun schwören ihn aufzuhalten.

Das Problem an der ganzen Geschichte ist, dass das Opfer von Hennix eben kein gutes Opfer, kein guter Tod war wie ihn die Ritter von Ren verlangen, da Ben ihn ja nicht bewusst getötet hat. Deshalb fordern diese ihn auf mit ihnen zu kommen, um eventuell die Möglichkeit zu ergreifen noch einen guten Tod als Aufnahmekriterium zu organisieren. Dieser Fakt hat bei mir leider das Gefühl des „Fillers“ hinterlassen. Klar die Verzweiflung und Unsicherheit von Ben wird gut dargestellt und auch die kurzen Episoden aus der Ausbildungszeit frischen alles etwas auf, aber eine Auseinandersetzung mit den drei Jedi-Schülern gab es bereits vor Elphrona, sodass der einzige Sinn der ganzen Ausgabe eigentlich nur ist, dass ein Jedi im Kampf mit Ben gestorben ist, er das aber nicht gewollt hat und das Opfer am Ende nichts wert ist. Nun muss Ben allerdings in Ausgabe vier immer noch beweisen, dass er würdig ist und vergleichsweise schnell zu einem Ritter von Ren werden. Wenn eines von beiden in dieser Ausgabe finalisiert worden wäre – am besten natürlich das Beweisen der Würdigkeit – dann hätte ich diese Ausgabe genauso hervorragend gefunden wie die bisherigen beiden.

Fazit

Die Reihe rund um den Aufstieg von Kylo Ren setzt sich stark fort und beweist, dass Soule auch die Macht und die Zweifel von Ben sehr gut darstellen und beschreiben kann. Leider bewegt sich diese Ausgabe auf der Stelle und bringt – auch dadurch, dass die Haupthandlung eine Rückblende ist – wenig Neues in die Entwicklung von Ben Solo ein. Wäre diese Reihe keine vierteilige Miniserie, hätte ich über die blaupausenähnliche Ausgabe hinweg gesehen, doch unter den bekannten Voraussetzungen hätte ich mir etwas mehr tatsächliche Handlung gewünscht. Dass Ben die Kämpfe gegen seine ehemaligen Freunde bereut, war ja schon seit Ausgabe eins klar, ebenso wie dass er niemanden wissentlich töten will. Ich hoffe meine Angst der zu schnellen Umsetzung des tatsächlichen Wandels von Ben zu Kylo Ren in der kommenden letzten Ausgabe bewahrheitet sich nicht und ich kann retrospektiv diese etwas weniger relevante Geschichte der heutigen Ausgabe dann doch noch höher bewerten.

Wir bedanken uns bei Marvel für die digitale Vorab-Ausgabe, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

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