TV-Rezension: Star Wars Resistance 1×01-02: „Der Rekrut“

In "Der Rekrut" wird Kazuda Xiono von Poe Dameron für den Widerstand rekrutiert.

In „Der Rekrut“ wird Kazuda Xiono von Poe Dameron für den Widerstand rekrutiert.

Endlich Premiere! Mit der Doppelfolge „Der Rekrut“ ist die brandneue Serie Star Wars Resistance heute im deutschen Fernsehen gestartet. Und natürlich wollen wir auch diese Serie mit Rezensionen begleiten, wie wir es auch schon bei Star Wars Rebels getan haben. Diese werden immer kurz nach der deutschen Erstausstrahlung erscheinen.

Worum ging es also in der Pilotfolge der neuen Serie? – Kazuda Xiono, genannt Kaz, ist als Pilot der Neuen Republik in geheimer Mission unterwegs und soll wichtige Informationen an den Widerstand liefern. Als er und seine Begleiter jedoch von der Ersten Ordnung angegriffen werden, hilft ihnen Poe Dameron aus der Patsche. Dieser ist beeindruckt von Kaz‘ Pilotenfähigkeiten und nimmt ihn unter seine Fittiche. Kaz soll sich auf dem Treibstoffdepot Colossus als Spion beweisen und herausfinden, wer dort für die Erste Ordnung arbeitet. Poes Kontakt dort ist der Mechaniker Jarek Yeager, der jedoch nicht so recht an eine Bedrohung durch die Erste Ordnung glaubt. Durch einige Missverständnisse, an denen der Nikto Neeku Vozo nicht ganz unschuldig ist, meldet sich Kaz mehr oder weniger freiwillig, um in einem Raumschiffrennen gegen die exzellente Pilotin Torra Doza anzutreten. Mit Hilfe von Yeager, Neeku und der Mechanikerin Tam Ryvora schafft es Kaz, das schrottreife Schiff Fireball soweit wieder flugtauglich zu machen, dass er beim Rennen antreten kann. Doch hat er auch eine Chance gegen Torra Doza?

Kaz gerät in "Der Rekrut" ständig in Schwierigkeiten.

Kaz gerät in „Der Rekrut“ ständig in Schwierigkeiten.

Die erste Folge einer Serie hat vor allem die Aufgabe, uns die Figuren vorzustellen und Interesse an ihnen und ihrem weiteren Schicksal zu wecken, sodass man Lust hat, die kommenden Folgen der Serie zu schauen. Resistance schafft es, uns in der Pilotfolge schon eine ganze Menge von Figuren vorzustellen – es sind über 15 Personen, die namentlich eingeführt werden. Das ist schon recht viel, aber da die Vorstellung der Figuren gut über die ca. 43 Minuten verteilt ist und nicht alle Figuren eine größere Rolle spielen, kann man sich gut zurechtfinden.

Unser Protagonist, um den sich hier alles dreht, ist natürlich Kaz. Dieser soll im Optimalfall, der Sympathieträger der Serie sein, doch diese Sympathie für Kaz konnte Star Wars Resistance bei mir leider nicht wecken. Sein Charakter besteht in der Hauptsache aus einer großen Portion Selbstbewusstsein, gepaart mit einem unglaublichen Talent, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Beim Schauen der Pilotfolge geriet ich immer mehr ins Staunen darüber, wie viel Blödsinn eine einzige Figur eigentlich innerhalb von 43 Minuten anstellen kann. Um es mal kurz aufzuzählen: Kaz…

  • …schickt sein Geschwader beim Angriff der Ersten Ordnung weg, nur um dann allein in Schwierigkeiten zu geraten, aus denen ihn nur zufällig Poe Dameron befreien kann.
  • …lauscht im Schiff des Widerstandes an der Tür und wird dabei erwischt.
  • …setzt sich aus Versehen statt auf einen Barhocker auf einen Droiden.
  • …lässt sich trotz der Warnung „Halt dich von Ärger fern“ auf eine Darts-Wette mit einem fremden Barbesucher ein.
  • …wirft einem Barbesucher einen Dart in den Rücken.
  • …verursacht eine Kneipenschlägerei.
  • …meldet sich versehentlich zu einem Rennen an, obwohl er kein Schiff und kein Geld hat. (Für diesen Punkt kann Kaz selbst am wenigsten.)
  • …streichelt ein kleines Tier und wird von ihm in den Finger gebissen.
  • …hört nicht auf den erfahrenen Mechaniker Yeager und bringt dessen Schiff zum Absturz, weil er unbedingt gewinnen will, obwohl von dem Rennsieg nichts für ihn abhängt außer Prestige.

Wie schon angedeutet, trägt Kaz an einigen dieser Schwierigkeiten, in die er gerät, weniger Schuld als an anderen, aber generell ist die Häufigkeit, mit der er Probleme und Missgeschicke anzuziehen scheint, schon fast auf Jar-Jar-Binks-Niveau. Und das halte ich dann doch für jemanden, der uns zu Beginn als Staffelführer der Neuen Republik vorgestellt wird, für unglaubwürdig. Immerhin sollte er als Angehöriger des Militärs doch über ein Mindestmaß an Disziplin, Verantwortungsbewusstsein, Aufmerksamkeit und Körperkoordination verfügen. Natürlich ist es für ein gutes Storytelling wichtig, den Protagonisten nicht zu perfekt erscheinen zu lassen und ihm auch Fehler zu geben, aber zu unfähig sollte er dann auch wieder nicht sein. Wenn man Kaz nicht mal drei Minuten allein lassen kann, ohne dass er Chaos verursacht – ob gewollt oder nicht gewollt – dann schwindet seine Glaubwürdigkeit als Republik-Pilot ebenso schnell wie meine Sympathie für ihn. Dazu kommt das penetrante und sich andauernd wiederholende peinlich berührte schiefe Grinsen, das ungefähr aussagen soll „Oh sorry, das wollte ich nicht! Ich kann nichts dafür! Oh Mist, ich stecke in Schwierigkeiten! Was soll ich nur tun?“ Genau dasselbe Grinsen hatte auch schon Ezra aus Star Wars Rebels drauf, aber bei Kaz ist die Häufigkeit, in der das Grinsen auftritt, noch beträchtlich höher, sodass es mir irgendwann ziemlich auf die Nerven ging. Wenigstens scheint aber etwas Selbsterkenntnis bei Kaz vorhanden zu sein. „Sogar wenn ich etwas richtig mache, mache ich es falsch“, lamentiert er an einer Stelle. Hoffentlich ist es der erste Schritt zur Besserung.

Der Mechaniker Yeager will nichts mit dem Widerstand zu tun haben.

Der Mechaniker Yeager glaubt nicht an eine Bedrohung durch die Erste Ordnung.

Von den Nebenfiguren sticht vor allem Yeager hervor, der durch seine ruhige und hilfsbereite Art Pluspunkte sammelt und der anscheinend auch noch eine interessante Entwicklung vor sich hat, da er die Bedrohung durch die Erste Ordnung verleugnet und mit der Spionageaktion nichts tun haben will. Hier steckt auf jeden Fall noch Potential. Auch Poe Dameron ist ziemlich gut getroffen, wobei hier sicherlich Oscar Isaacs Stimme einen großen Beitrag leistet. Des Weiteren wird auch Major Vonreg als Antagonist schön bedrohlich und mysteriös eingeführt. Obwohl ich niemand bin, der Figuren in Rüstung und Helm automatisch super findet, hat Vonreg bei mir direkt Eindruck gemacht. Außerdem ist auch Kaz‘ Vater, der Senator der Neuen Republik ist, und anscheinend auf eine fehlgeleitete Art und Weise „immer nur das Beste für seinen Sohn will“, ebenfalls ein spannender Charakter. Die Dynamik zwischen Kaz und seinem Vater ist für mich der interessanteste Aspekt der Figur Kaz und ich hoffe, dass diese Beziehung noch näher beleuchtet wird. Auch der Konflikt zwischen dem Widerstand und dem Senat, der ihn nicht so richtig unterstützen will, könnte durch diese beide Figuren genauer betrachtet werden. Und falls die Serie wirklich über Episode VII hinaus läuft, könnte es natürlich noch spannend für den Vater werden, da so ein Senator sich wahrscheinlich gern mal im Senat auf Hosnian Prime aufhält. Zu den weiteren Nebenfiguren kann ich noch nicht wirklich etwas sagen, da ich nicht das Gefühl habe, schon genug über sie zu wissen. Neekus Eigenheit, alles wörtlich zu verstehen, fand ich in dieser Folge lustig, aber auf Dauer könnte es vielleicht nerven. Vielleicht stellt er sich aber auch nur blöd und ist in Wahrheit der Spion für die Erste Ordnung, der von Anfang an nur Kaz töten wollte, indem er ihn zu dem Rennen zwingt? Das wäre dann eine interessante Entwicklung, die die ganze Folge in einem anderen Licht erscheinen ließe.

Kaz findet in Neeku und Poe neue Freunde.

Kaz findet in Neeku und Poe neue Freunde.

Ein paar Worte möchte ich auch noch über den Handlungsaufbau verlieren. Die ganze Geschichte wirkt schon recht bemüht, Kaz unbedingt an den Punkt zu bringen, dass er am Ende der Folge das Rennen fliegt. Dazu ist es erforderlich, dass jeder, auf den Kaz trifft, sofort alles stehen und liegen lässt und sich mit dem neuen Jungen beschäftigt, der gerade aufgetaucht ist. Poe ist dadurch, dass Kaz es geschafft hat, aus einem ruhenden Jäger einen Feind, der nicht damit rechnete, abzuschießen, so sehr von dessen Pilotenqualitäten überzeugt, dass er ihn direkt als Spion einsetzt. (Was sagen Pilotenfähigkeiten nochmals über die Fähigkeiten als Spion aus? Und seit wann ist es eine gute Idee, einen Neuzugang – der zudem gerade beim Tür-Lauschen erwischt wurde – direkt in einer so delikaten Angelegenheit wie Spionage einzusetzen?) Auch Yeager ist natürlich sofort bereit, dem Kneipenschlägereien verursachenden Neuling direkt sein Schiff zu leihen. Und Neeku, der zugegebenermaßen sehr naiv-gutherzig erscheint, hilft ihm beim Besorgen der Teile für lau. Dazu herrschen auf Colossus anscheinend extrem seltsame Spielregeln, die besagen, dass jeder, der sich für ein Rennen anmeldet, dann aber nicht antritt, im wörtlichen Sinne von der Plattform geworfen wird. (Wieso treten anscheinend ständig Piloten nicht an, die sich angemeldet haben? Wieso lassen sich alle anderen diesen barbarischen Brauch gefallen, der nur einer Person, nämlich der Wirtin, nutzt, die Kasse mit Rennwetten machen will?) All dies scheint nur dazu zu dienen, dass Kaz das Rennen fliegen muss, das er eigentlich gar nicht fliegen will, aber eigentlich doch fliegen will, weil er allen zeigen will, was für ein toller Pilot er ist. Warum so kompliziert? Warum darf Kaz nicht einfach ehrlich und aufrichtig sagen, dass er ganz heiß darauf ist, so ein Rennen zu fliegen? Warum meldet er sich nicht selbst und aus eigenem Antrieb zu so einem Rennen an und bemüht sich aus eigener Initiative um ein Schiff oder Sponsoren? So könnte er selbst mal etwas Tatkraft zeigen, statt dass ihm immer nur alles passiert, ohne dass er einen Einfluss darauf hat.

Auf der Station Colossus finden regelmäßig Rennen statt.

Auf der Station Colossus finden regelmäßig Rennen statt.

Was zu guter Letzt die Animation angeht, hat mich Resistance weder enttäuscht noch begeistert. Die bekannten Figuren wie Poe und Leia sind gut erkennbar. An Kaz stört mich, dass er Ezra so ähnlich sieht. Man hätte hier meiner Meinung nach auf einen ganz anderen Typ setzen müssen, um sich nicht zu wiederholen. Das Rennen am Ende der Serie ist dagegen nett anzusehen. Auch ansonsten ist die Serie kompetent animiert, für meinen Geschmack aber zu bunt und knallig. Aber das ist, wie gesagt, eine reine Geschmackssache.

Insgesamt konnte mich „Der Rekrut“ noch nicht wirklich überzeugen, was vor allem an der Tatsache liegt, dass der Protagonist Kaz zu wenig Eigeninitiative zeigt und zu viel Mist baut und dabei verlegen grinst. Ich sehe bis jetzt einfach noch keinen Grund, warum der Kerl mir sympathisch sein und ich mich für sein weiteres Schicksal interessieren sollte. Das wird sich hoffentlich in den kommenden Episoden noch ändern. Abgesehen von Kaz gibt es einige vielversprechendere Nebenfiguren, deren Potential im weiteren Verlauf der Serie hoffentlich ausgeschöpft wird. Bis jetzt gibt es für die Doppelfolge „Der Rekrut“ mittelmäßige drei Holocrons, weil ich zu einer ganz frisch geschlüpften Serie mal noch nicht so mies sein will. Wenn Kaz so nervig bleibt, kann die Tendenz aber in Zukunft nach unten gehen.

Der Rezensent vergibt 3 von 5 Holocrons!

Die Rezensentin vergibt 3 von 5 Holocrons!

Was haltet ihr von der ersten Folge von Star Wars Resistance?

Hier könnt ihr euch Bucket’s List mit mehr interessanten Fakten zu „Der Rekrut“ ansehen:

Über den Autor

Ines

Ines
Ines bildet im echten Leben zahlreiche Padawan-Schüler an einem Gymnasium in den Fächern Englisch und Deutsch aus. Star Wars konsumiert sie am allerliebsten in Romanform und hat sich zum Ziel gesetzt, sämtliche Romane des Kanons zu lesen. Bereits jetzt ist sie begeistertes Claudia-Gray-Fangirl.

6 Kommentare

  1. A Star Wars My-CalA Star Wars My-Cal

    Treffender hätte ich es auch nicht formulieren können. Neeku als Spion der Ersten Ordnung kam mir auch sofort in den Sinn, ich würde ja brüllen, wenn er es am Ende wirklich sein sollte – wäre ein netter Plot-Twist. Ansonsten finde ich es schön, dass BB-8 [in meinen Augen] als der eigentliche Held der Serie dargestellt wird, die kleine Knutschkugel habe ich echt vermisst und ist der wahre Grund, warum ich die Serie weiter schauen werde.

  2. FlorianFlorian

    Neeku Vozo ist großartig und ich liebe ihn. 😀

    Was Kaz angeht, so empfand ich ihn in der ersten Folge nicht ganz so nervig wie du, auch wenn ich dir Recht gebe, dass da bald eine Kurskorrektur notwendig sein wird, denn in den nächsten beiden Folgen wurde es mit ihm immer schlimmer. Dass er in der ersten Folge aber dank Neeku nichts dafür konnte, dass ihm diese Missgeschicke passieren, milderte in „Der Rekrut“ meine Wahrnehmung von ihm.

    Ich mag übrigens auch den knalligen Farbstil von RESISTANCE – funktioniert mit den Designs sehr gut. Mir gefällt auch, dass wir – anders als in Rebels und auch in den frühen TCW-Folgen – lebendige Hintergründe haben, in denen sich Charaktere aller Art tummeln. Das ist ein echtes Plus der Serie. Die Animation ist stellenweise noch etwas ruckelig, aber das war bisher bei jeder Animationsserie, die ich gesehen habe, am Anfang so, und wird sich sicherlich bald legen.

    An sich bin ich gespannt auf mehr von der Serie, da ich positiv überrascht wurde, und auch Kaz ist mir nicht unsympathisch – die Autoren sollten ihm halt weniger Missgeschicke zuschreiben, dann passt das.

  3. ThrawnThrawn

    Ich stimme dir hinsichtlich Kaz zu, er ist wirklich zu unreif, als dass man ihm den Staffelführer in der Neuen Republik abnehmen könnte. Aber so anstrengend fand ich ihn wiederum nicht.
    Außerdem möchte ich noch eine Sache anmerken:
    Poe kam nicht zufällig vorbei, er war mir Kaz verabredet, weil Kaz den Widerstand im Namen der Neuen Republik geheime Informationen übergeben sollte.

    1. InesInes(Autor des Beitrags)

      Ich meinte in meiner Rezension nicht, dass Poe zufällig vorbeikam. Natürlich war das Treffen geplant. Aber es war Zufall, dass er genau rechtzeitig kam. Er hätte auch eine Minute später da sein können, dann wäre Kaz in die Luft geflogen.

      1. FlorianFlorian

        Also wenn wir anfangen, Star-Wars-Werke aufgrund von „glücklichen Zufällen“ in der Handlungsstruktur zu zerpflücken, dann würden die wenigsten Geschichten überleben… Die Staffel einfach wegzuschicken war zwar nicht schlau was das eigene Überleben angeht, aber er hat damit seine Freunde vor dem Tod gerettet.

      2. InesInes(Autor des Beitrags)

        Es liegt mir fern zu kritisieren, DASS der glückliche Zufall eingetreten ist. Das ist ein in der Tat oft verwendetes Element bei SW und in vielen anderen Geschichten. Daran störe ich mich überhaupt nicht. Ich kritisiere nur Kaz‘ unüberlegte Entscheidung, sich allein in Gefahr zu begeben, aus der er im Normalfall nicht lebend rausgekommen wäre. Diese Entscheidung allein wäre auch kein Grund für Kritik. Ich führe sie nur auf, weil sie sich in eine ganze Reihe von „Fails“ auf Seiten Kaz‘ einreiht und mich eben diese Häufung stört.

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