Marvel: Charles Soule im Interview zur neuen Darth Vader-Comicserie

Am 7. Juni 2017 startet bei Marvel eine ganz neue Darth Vader-Reihe. Diese schließt allerdings nicht an die bereits beendete Darth Vader-Reihe von Kieron Gillen und Salvador Larocca an, sondern spielt gut 19 Jahre davor, genauer gesagt direkt im Anschluss an Die Rache der Sith. Einen Einblick in den Schaffensprozess des neuen Comics liefert uns Autor Charles Soule, welcher von Marvel.com interviewt wurde. Wir haben das Interview für euch in voller Länge übersetzt.

Marvel.com: Wie hast du dich gefühlt, als du erfahren hast, dass du eine Comicreihe über den ikonischsten Schurken des Star Wars-Universums schreiben würdest, ja sogar über einen der ikonischsten Schurken der Popkultur überhaupt?

Darth Vader (2017) #1 (07.06.2017)
Darth Vader (2017) #1 (07.06.2017)
Charles Soule: Das kann man wirklich nicht in Worte fassen und trotzdem habe ich dieses Gefühl schon ein paar Mal empfunden, seit ich für Marvel arbeite; nicht nur bei den Star Wars-Comics, sondern bei all ihren ikonischen Figuren. Aber Vader… das ist schon ziemlich besonders. Seit meiner Kindheit hat er in meiner Fantasie einen großen Eindruck auf mich gemacht, was wahrscheinlich vielen Leuten auf der ganzen Welt so geht. Es ist also schwer zu glauben, dass ich eine große Geschichte über ihn erzählen darf, insbesondere mit all den ikonischen Elementen, die ich zu seiner Mythologie beitragen werde. Ich bin wirklich ein Glückspilz.

Welche Vorbereitungen und Herausforderungen gab es beim Schreiben dieser speziellen Star Wars-Figur, die beim Schreiben von Poe, Obi-Wan oder Lando keine Rolle spielten?
Ich musste viel darüber nachdenken, was es bedeutet, eine Figur zu schreiben, die so gar keine heldenhaften Eigenschaften hat. Vader ist kein Antiheld; er ist ein bösartiger Charakter, der böse Dinge tut und keine Reue empfindet. Also musste ich meine Instinkte etwas anpassen, denn eigentlich jede andere Figur, die ich schreibe, hat heldenhafte Elemente – sogar die „Schurken“. Vader hat keine. Jedesmal, wenn ich seine Geschichte etwas leichter und lockerer gestalten wollte, entschied ich mich, das Gegenteil zu tun. Bis jetzt hat das ganz gut funktioniert.

Diese Serie spielt direkt nach Die Rache der Sith. Hast du Episode III in Dauerschleife laufen lassen, während du den Comic geplant hast?
Episode III ist wohl mein Lieblingsfilm der Prequels; ich liebe ihn wirklich sehr. Ich hatte ihn also schon ein einige Male gesehen, aber ich hab ihn ihn mir nochmals angesehen, bevor ich angefangen habe. Ich habe auch einige Tie-in-Romane gelesen, in denen Vader auftritt, noch einmal Kieron Gillens wunderbare Reihe gelesen und auch ein paarmal Rogue One geschaut. Viele „Hausarbeiten“ also, sofern man etwas so Angenehmes überhaupt „Arbeit“ nennen kann.

Hast du James Earl Jones‘ Stimme während des Schreibprozesses in deinem Kopf gehört? Wenn ja, was hat er gesagt?
Ich höre natürlich Vaders Stimme, wenn ich die Reihe schreibe, obwohl Vader nicht viel spricht, was natürlich Absicht ist. Er ist tief in seinem eigenen Kopf und wenn es keinen Grund gibt zu sprechen, tut er es nicht. Ich höre auch Palpatines Stimme ziemlich klar, wenn ich seine Szenen schreibe, und ich lese seine Dialogzeilen häufig laut vor und versuche dabei so gut wie möglich an Ian McDiarmids grandiose Leistung heranzukommen – das macht immer Spaß.

Die Szene, in der Vader am Ende „NEEEEEEEIIIIIIN!“ schreit, bekommt online oft harsche Kritik ab, aber ich halte das schon immer für einen starken Moment, der zeigt, wie Vader sich des immensen persönlichen Verlusts bewusst wird – des tatsächlichen Todes von Padmé und des angeblichen Todes seiner Nachkommen. Besonders in Verbindung mit John Williams‘ musikalischer Begleitung entfaltet die Szene ihre volle Wirkung. Kannst du etwas mehr darüber sagen, welche Rolle dieses Thema für Vaders Motivation in dieser Serie spielen wird?
Das ist der Moment, in dem die Serie beginnt, und du hast Recht: Vader hat alles verloren: seinen Mentor, den Jedi-Orden, seine große Liebe, seinen Körper, sogar sein Lichtschwert. In diesem „NEEEIIIN!“-Moment wird ihm das alles klar und dann verschließt er sich sofort. Er hat sich selbst diesen einen Moment gegeben, um anzuerkennen, was er alles verloren hat, aber nun wird er nie wieder daran denken – oder das ist jedenfalls sein Plan. Anders gesagt: Er beschließt in diesem Moment, ein maschinenartiger Mörder zu zu werden; das ist fast ein Schutzmechanismus. Vader muss so tief wie möglich in die Dunkelheit eintauchen, denn im Licht würde er seine monströsen Taten ein wenig zu klar sehen.

An wen wird er sich in diesen schlimmen Zeiten wenden, um seinen Trauer und seine Wut zu besänftigen?
An niemanden. Vader ist allein.

Dieser Vader ist offenbar viel frischer als der erfahrene Vader, den wir in der Originaltrilogie sehen. Was geht ihm durch seinen neuerschaffenen behelmten Sith-Lord-Kopf? Wie unterscheidet sich Vaders Denkart in dieser Reihe von der, die wir kürzlich in Kieron Gillens und Salvador Laroccas Geschichte zwischen Eine neue Hoffnung und Das Imperium schlägt zurück gesehen haben? Ist er ein kleines bisschen naiver?
Naiv würde ich nicht sagen, aber er hat auf jeden Fall einiges an Arbeit vor sich, bevor er seinen neuen Anzug und seine Fähigkeiten der dunklen Seite in einem solchen Ausmaß nutzen kann, wie wir es in Rogue One oder Rebels sehen. Trotzdem ist er immer noch einer der mächtigsten Machnutzer der Galaxie. Was er tut, ist also selbst zu Beginn ziemlich beeindruckend.

Im ersten Handlungsstrang sehen wir, wie Vader an sein berüchtigtes rotes Lichtschwert kommt, welches wir alle in der epischen Schlussszene von Rogue One gesehen haben. Wie kamst du zu der Entscheidung, dass dies der erste Handlungsstrang der Reihe sein sollte?
Um ehrlich zu sein, diese Geschichte lag einfach nur da und wartete darauf, dass man sie aufhebt. Wir wissen, dass Obi-Wan Kenobi Anakins blaues Lichtschwert am Ende von Episode III mitgenommen hat, was bedeutet, dass Vader seine Hauptwaffe zu Beginn der Reihe nicht hat. Ich wollte keinen Vader-Comic schreiben, in dem er kein Lichtschwert hat. Also dachte ich mir, das Problem muss behoben werden – und zum Glück hat Lucasfilm mir in dieser Angelegenheit zugestimmt.

Was kannst du uns schon über die Handlung rund um das Lichtschwert und über Lichtschwerter allgemein verraten? Werden wir einen Ausflug zu den Kyberkristall-Minen auf Jedha unternehmen?
Jedha werden wir nicht sehen, aber wir werden vielleicht ein paar andere ikonische Schauplätze des Star Wars-Mythos sehen. Es gibt offenbar einen ganzen Prozess, um ein rotes Lichtschwert zu bekommen, und der beinhaltet einige wichtige Prüfungen für Vader. Das ist meiner Meinung nach ein toller Anfang für die Reihe.

Auf welche Sache, die du in diesem Comic erklären wirst und die Vader-Fans zuvor vielleicht noch nicht in Betracht gezogen haben, freust du dich am meisten?
Das mag jetzt wenig intuitiv klingen, weil es streng genommen nicht um Vader geht, aber ich freue mich darauf, Palpatines junges Imperium zu zeigen. Es wurde gerade erst in Episode III gegründet. Es gibt also noch viel an Ikonographie und Infrastruktur zu schaffen. Es wird sicher Spaß machen, Geschichten zu erzählen, die auf dieser Idee beruhen.

Der Sammelband zum ersten Handlungsstrang Imperial Machine erscheint am 5. Dezember 2017 und kann schon bei Amazon vorbestellt werden. Über den deutschsprachigen Veröffentlichungstermin ist noch nichts bekannt.

Was erwartet ihr euch von der neuen Vader-Reihe?

2 Kommentare

  1. Zu dieser Serie hab ich meine Meinung komplett geändert. Zu Beginn war ich schon eher genervt von der gefühlt 1000sten Vader Storyline.

    Aber mittlerweile bin ich sehr gespannt. Der Zeitraum unmittelbar nach Episode III rund um Vader klingt extrem interessant und ich erwarte eine sehr düstere Storyline, da ich mir vorstelle, dass Vader zu diesem Zeitpunkt endgültig verloren ist und eine „Jetzt ist sowieso alles egal“ oder „Jetzt erst recht“ Stimmung hat und besonders grausam ist. Vor allem nach dem Abschlachten der Jünglinge. Moralisch tiefer kann man kaum fallen.

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