Rezension der SWTOR-Erweiterung Knights of the Eternal Throne

KotET-Ankündigung

Knights of the Eternal Throne

Morgen, am 2. Dezember, startet die neue Erweiterung von Star Wars: The Old Republic namens Knights of the Eternal Throne für alle Abonnenten, die nicht schon den frühzeitigen Zugang hatten. Neben neun neuen Kapiteln bringt KotET weitere zahlreiche Veränderungen mit sich. Wie in den Erweiterungen zuvor wird das Levelcap erneut um 5 angehoben, steigt also auf 70. Parallel dazu steigen natürlich auch die Crew-Fähigkeiten um eine weitere Stufe an. Die weiteren Änderungen im Überblick:

  • Aufstände: Fünf neue, wiederholbare, Gruppenquests, die so ähnlich wie die Sternenfestungen sind, allerdings ein höheres Tempo haben.
  • Erweiterte Charakterklassen werden ab jetzt schon bei Level 1 gewählt.
  • Saison 8 der Ranglisten-Kriegsgebiet-Arena hat begonnen.
  • Der Kompetenzwert wurde aus dem Spiel entfernt, die Rüstungen von PvP und PvE sind damit ab jetzt gleich.
  • Galaktisches Kommando: Das neue Erfahrungspunkte-System, nur für Abonnenten ab Level 70; alle Inhalte sind von einer Benutzungsoberfläche aus erhältlich. (Details s. unten)
  • Dunkel gegen Hell: Spieler können ab jetzt einstellen, ob sie für die Dunkle oder Helle Seite kämpfen und tragen damit zur Richtung ihres Servers bei. Damit einher gehen neue Weltenbosse, die je nach Einfluss einer Seite erscheinen und Belohnungen sowie Kosmetikanpassungen.
  • Kapitel der Story sind jetzt wiederholbar und in den Modi „Story“ und „Veteran“ spielbar.
  • Datenkristalle und Kriegsgebietauszeichnungen werden aus dem Spiel genommen und bei den Spielern gegen Credits getauscht bis zu einer Obergrenze von 2 Millionen pro Charakter.
  • Charakterslots wurden erhöht auf 52 (Abonnenten), 26 (Bevorzugte Spieler) und 22 (Gratisspieler).
  • Diverse technische Optimierungen für das Gameplay
  • Diverse Klassenänderungen

Vollständige Patch Notes findet ihr auf SWTOR.com.

Nach dem Release der neuen Erweiterung Knights of the Eternal Throne bleibt die große Frage: Und was nun?
(Diese Rezension enthält keine Spoiler!)

Als Abonnent konnte ich KotET bereits am Montag anspielen und ehrlicherweise habe ich die Story tatsächlich in einem Rutsch durchgespielt. Das mag einerseits an der nervigen Tatsache liegen, dass wie schon bei Knights of the Fallen Empire die Kapitel automatisch weiterlaufen und man sie extra verlassen muss, wenn man zwischendurch pausieren muss (reiner Faulheitsaspekt). Auf der anderen Seite könnte es auch daran gelegen haben, dass ich dieses Mal tatsächlich im Verlauf der Kapitel zunehmend gespannt war, wie sich die Handlung entwickelt. Im Bezug auf die Story an sich macht KotET vieles besser als sein Vorgänger, die Geschichte hat wieder mehr “Star Wars-Feeling” und auch für die Lore-Fetischisten – zu denen ich mich selbst auch zähle – gibt es sehr nette Details. Drew Karpyshyns Mitarbeit ist für Kenner seiner Star Wars-Romane deutlich zu spüren, doch auch Neues, wie der Planet Iokath, wurde sehr schön designed und umgesetzt. Hatte außer mir noch jemand so eine kleine Erinnerung an I Robot dabei, gemischt mit etwas Portal? Ein Wermutstropfen, den ich jedes Mal habe, wenn ich die Ankündigungen zu den Erweiterungen lese, ist dies: „Neue Planeten!“ Natürlich schön, wenn die Handlung sich nicht nur auf bekannten Welten niederschlägt, allerdings ist es schon so eine kleine Mogelpackung, denn beide neuen Planeten sind nur mit dem Storyplay verbunden und haben ansonsten keine weitere Funktion. Positiv wiederum ist, dass sich auch die Dialoge ein bisschen verbessert haben; die Menge an gestelzten Reden und Dialogen hat sich im Vergleich zu KotFE verringert. In einigen Fällen ist es dann eher das Timing, das nicht wirklich passt; sei es wann eine motivierende Ansprache gehalten wird oder auch einfach der Sprecherwechsel, der etwas zu langsam ist, um dynamisch zu wirken. Dennoch ist das Fazit für Story und “visuelles Design” doch sehr positiv.

Bedienungsoberfläche des Galaktischen Kommandos

Bedienungsoberfläche des Galaktischen Kommandos

Ein ganz anderes Blatt ist dann das neue Kommando-System. Wie im Blog von SWTOR.com gesagt wird: „Das System legt quasi das ganze Universum in eure Hände …“ Allerdings nur, wenn man Abonnent ist. Das ist schon das erste Krux an der Geschichte. Aber spulen wir etwas zurück: Was ist das Galaktische Kommando überhaupt? Im Grunde wurde die gesamte Art und Weise, wie man Erfahrungspunkte erhält und bessere Ausrüstung beschafft, umgekrempelt. Früher konnte man sich bessere Ausrüstung entweder mit Credits kaufen oder durch Flashpoints und Operationen bekommen; die beste Ausrüstung wiederum nur durch Operationen. Das ist nun aber passé. Mit dem Galaktischen Kommando erhält man ab Stufe 70 für so ziemlich jede mögliche Mission Kommando-Erfahrungspunkte, natürlich abhängig von der Art der Mission, Boostern, et cetera. Für eine bestimmte Anzahl von Erfahrungspunkten steigt man dann einen Rang im Kommando auf, bis hin zu 300. Pro Rang erhält man eine Kiste mit vier Gegenständen, davon ein unmodifziertes Rüstungsteil (oder Waffe), ein modifiziertes Rüstungsteil mit Chance auf Setbonus, eine Chance auf einen Crewskill-Bauplan, eine Chance auf Jawa-Schrott zum Materialkauf, ein Gefährtengeschenk (Rang 5 oder 6) oder ein Rufitem. Klingt auf den ersten Blick ganz nett, oder? Allerdings sind die Rüstungsteile zufällig, das heißt ich kann bei fünf Rängen auch bei fünf Stiefeln landen. Dazu kommt, dass die Ränge nicht wie der Ruf auf Rishi hinterhergeschmissen werden. Es dauert … es ist ein Grind, der keinerlei Innovation, sondern Verdruss mit sich bringt.

An dieser Stelle wirft das tatsächlich die Frage auf, was Biowares Marktstrategie dahinter sein soll. Ein System, das nur Abonnenten zugänglich ist und denen auch erst ab Level 70 und dann auch noch ein endloses Grinden erfordert, nur um die neue Basis-Ausrüstung zu bekommen? Bisher gab es meistens irgendeinen Grund, der einer bestimmten Gruppe von Spielern zugute kam, seien es die Story-Liebhaber, die Neulinge oder in ganz alten Zeiten vielleicht noch die Raidgilden. Aber diese Neuerung hat für keinen einen wirklichen Nutzen und eröffnet die Frage, wie viele Spieler wohl noch Abonnenten bleiben werden. In den vergangen Jahren hat SWTOR Stück für Stück die Spielertypen, die ein MMORPG hervorbringt, enttäuscht. Angefangen bei den PvP-Spielern, deren Feedback scheinbar nie ankommt, falsch verstanden oder schlichtweg ignoriert wird, zu den Progress-Raidgilden, die seit Shadow of Revan keine neue Operation oder einen vollwertigen Flashpoint mehr gesehen haben, bis hin zu den Story-Spielern, die mit einer linearen Handlung abgespeist werden und damit noch am besten wegkommen. Es bleibt die Frage: Was bietet The Old Republic letztlich noch den Langzeitspielern? Die simple Antwort: Nichts, was man nicht schon getan hat, und Wiederholung von alten Inhalten bis zum Erbrechen. Die fünf neuen sogenannten Aufstände kann man hier getrost weglassen, da es sich um Flashpoint-ähnliche Instanzen handelt, die abgesehen von endlos erscheinendem Mob-Geschnetzel nichts bieten. Das Endlose ist meist aber nach zehn bis maximal zwanzig Minuten vorbei, abhängig von der Menge an Elite-Gegnern, die einfach mehr HP haben.

Einige Spieler bleiben vielleicht weil die Freunde noch spielen, einige weil es eben Star Wars ist und/oder man keine derartige Alternative bisher hat, einige vielleicht weil sie mit dem Minimum an Leistung zufrieden sind. Über kurz oder lang wird sich das Spiel jedoch so nicht halten können. Es ist ohnehin so eine Frage, ob nicht angesichts des Kanons in naher Zukunft ein neues Online-Spiel für Star Wars entwickelt wird, aber das hängt wohl davon ab, wie viel sich Disney weiter von der MMORPG-Sparte verspricht.

Wie gefällt euch die neue Erweiterung und was haltet ihr von den Änderungen?

Über den Autor

Janina

Janina
Janina ist Autorin in der Jedipedia.net und passionierte Spielerin des Online-Rollenspiels Star Wars: The Old Republic. Daneben studiert sie Orientalistik und Anglistik in Bamberg.

1 Kommentar

  1. Thomas

    Hi. Ich habe das SWTOR vor ca. 2 Jahren verlassen. Vorher sehr intensiv jahrelang in einem Raid-Clan mitgemischt (Op’s bei 96% gehabt) Auf diesen Artikel bin ich zufällig gestossen, weil ich eigentlich sehen wollte, ob SWTOR überhaupt noch gibt :). Ich habe damals das Spiel verlassen, weil es meiner Meinung nach mit jedem patch/addon schlechter geworden ist. Für langjährige Spieler war die Einführung des käuflichen lvl.60 Char ein Schlag ins Gesicht (damals war lvl.60 das Maximum). Diese Aktion sollte wohl neue Spieler anziehen, aber ich glaube der Schuss ging damals nach hinten los. Nun haben sich damals unzählige noobs mit 0 Erfahrung, aber mit dem gekauften lvl.60 Char in jede OP und jedes Flaschpoint (natürlich auch in hardcore, oder sogar in alptraum Modus) reingepresst. Das führte dazu, dass die altgesessenen Spieler aufgehört haben und die neuen mit ihren gekauften lvl.60 Chars aus Frust ebenfalls sich von SWTOR verabschiedet haben. Dann hat man noch die Begleiter unglaublich stark gemacht, so dass es praktisch unmöglich war zu sterben, wenn der Begleiter ein Heiler war, oder man hat den Begleiter als Tank vorgeschickt und der hat dann alleine alles platt gemacht. Schade um das Spiel, das zu seiner Zeit wirklich fordernt und interessant war.

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