TV-Rezension: Star Wars Rebels 3×01-02: „Ein dunkles Geheimnis“

Die dritte Staffel von Star Wars Rebels begann in Deutschland heute mit der Doppelfolge „Ein dunkles Geheimnis“, die im Original „Steps into Shadow“ hieß. Wir werden die tägliche Ausstrahlung der dritten Staffel ab heute jeden Tag um 20 Uhr mit Rezensionen begleiten. Disney XD liefert folgende Inhaltsangabe:

Angeführt von einem mächtigeren Ezra befreien die Rebellen einen alten Freund aus dem Gefängnis, um ihnen zu helfen, an Schiffe für ihre Flotte zu gelangen. Allerdings bemerkt Kanan, dass Ezras neue Fähigkeiten einer dunklen Quelle entspringen.

Die Handlung setzt ein halbes Jahr nach „Ezras Versuchung“ ein. Ezras Fähigkeiten sind in der Tat gewachsen und haben einen düsteren Einschlag bekommen – z.B. lässt er einen Kampfläuferpiloten seine Sturmtruppen-Freunde abschießen, bevor er sich dank Ezra mitsamt seinem Läufer in den Abgrund stürzt. Zudem verbirgt Ezra in seiner Kabine nach wie vor das Sith-Holocron, das er mit Maul auf Malachor geborgen hat. Dieser etwas düsterere Ezra, dessen Animationsmodell zudem generalüberholt wurde, ist alles in allem leider noch genauso nervig wie zuvor, verleiht der Story aber etwas frischen Wind. Dass Sato ihn zum Lieutenant Commander befördert und ihn mit der Führung eigener Missionen beauftragt, ist dann aber doch etwas zu viel. Das kann doch nur schief gehen! Am Ende hatte ich mit dem degradierten Imperialen Brom Titus mehr Mitleid als ich Sympathie für Ezra empfand, was in dem Moment auch von den Machern gewollt war, aber ich finde diese Entscheidung bei einer ohnehin schon unerträglichen Figur wie Ezra aus erzählerischer Sicht sehr fragwürdig.

Governor Arihnda Pryce - Star Wars Rebels - Steps into Shadow

Governeurin Arihnda Pryce

Indes taucht erstmals Lothals Gouverneurin Arihnda Pryce persönlich in der Serie auf und bittet Tarkin um die Siebte Flotte, angeführt von Großadmiral Thrawn, als Verstärkung. Pryce ist mit ihrem kompetenten Auftreten eine Bereicherung für die imperiale Seite des Figurenrasters und ich freue mich schon darauf, mehr von ihr zu sehen.

Ezra führt die Rebellen indes auf eine von Hondo vorgeschlagene Bergungsmission zur Reklam-Station, wo das Imperium alte republikanische Sternjäger – genauer gesagt Y-Flügler – verschrottet. Die Rebellion kann diese natürlich gut für ihre eigene Flotte gebrauchen und lässt sich daher auf Hondos Vorhaben ein. Ich muss auch sagen, dass diese Folge der bisher beste Gebrauch von Hondo in Star Wars Rebels ist. Er fügt sich logisch in den Plot ein, liefert guten Humor und kommt authentisch herüber. Zudem ist der Plot der Episode auch dem eigentlichen Sinn der Serie – der Darstellung der Gründungsgeschichte der Rebellion – zuträglich, was man ja leider nur selten behaupten kann.

Der Bendu und Kanan 2

Der Bendu und Kanan

Kanan hat sich indes vom Rest der Ghost-Crew isoliert, um sich mit seiner Blindheit zu arrangieren, und hört beim Meditieren eine mysteriöse Stimme. Nachdem er das Sith-Holocron in Ezras Zimmer gefunden hat, folgt er dem Ruf der Stimme und begegnet dem Bendu, einem Machtwesen, das sich im Gleichgewicht zwischen Hell und Dunkel befindet. Mit derartigen Machtwesen tut Star Wars sich selten einen Gefallen (gerade Abeloth war für mich im Legends-Bereich das ultimative Negativbeispiel), aber da der Bendu nicht als wahnsinniger Machtgott, sondern als friedfertiger Guru auftritt, der eine etwas nüchternere Weltsicht als Meister Yoda hat, aber genauso weise ist, betrachte ich ihn als sinnvolle Erweiterung der Serie. Ich bin ja generell eher ein Gegner von Machtnutzern in dieser Ära, aber der vom Schicksal gepeinigte Ex-Padawan Kanan hat es mir dann doch angetan. Der Bendu hilft ihm bei der Selbstfindung und somit hat Kanans Handlungsstrang hier viel emotionale Tiefe und Ernsthaftigkeit, die in anderen Bereichen der Serie so oft fehlt. Dass der Bendu im Original von der unverkennbar markanten Stimme des Doctor Who-Stars Tom Baker gesprochen wird, hilft da natürlich auch.

Ein weiteres Highlight ist natürlich Thrawns erster Auftritt. Er wird in die imperiale Runde bestehend aus Tarkin, Pryce, Konstatine und Kallus eingeführt und man erfährt, dass er unlängst vom Imperator befördert wurde, nachdem er einen Aufstand bei Batonn brutal niedergeschlagen hatte. Er gestaltet sich als mysteriöser Widersacher, der den Fans aus dem Erweiterten Universum zwar ein Begriff ist, in Rebels aber noch sein wahres Genie zeigen muss. In dieser Folge beobachtet er das Geschehen amüsiert und fasziniert und verschafft sich ein Bild seiner Gegner. Welches Spiel Thrawn auch spielen mag, es ist langfristig und verheißt nichts Gutes. Hier muss ich allerdings die englische Stimme kritisieren. Lars Mikkelsen – Bruder von Galen-Erso-Darsteller Mads Mikkelsen – hat zwar eine fantastische Stimme, die ich u.a. auch aus House of Cards und Sherlock kenne, aber meiner Meinung nach spricht er Thrawn viel zu leise und sanft, sodass er fast schon nuschelt. Aus den erwähnten Serien weiß ich, dass Mikkelsen auch anders kann, und eine etwas markantere Stimme hätte Thrawn gut getan. Zudem erschließt sich mir nicht ganz, warum Thrawns Augen hier Pupillen haben, seine Haut plötzlich hellblau ist und er seltsame Knubbel über den Augen hat. Ich hätte es schöner gefunden, wenn man sich mehr an seinem SWEU-Aussehen orientiert hätte, aber ich kann mit der Serienversion leben. Die Stimme bleibt mein einziger wahrer Kritikpunkt. Thrawn ist aber von Anfang an direkt ein glaubwürdigerer Widersacher für die Rebellen als die karikaturesken Inquisitoren der zweiten Staffel es zuletzt waren.

Absolutes Lob gibt es natürlich dafür, dass in der deutschen Synchronisation Thomas Nero Wolff Thrawn spricht, der bereits in Oliver Dörings Hörspielfassung der Thrawn-Trilogie von Timothy Zahn in die Rolle des Großadmirals schlüpfte. Dazu gab es letzte Woche auch einen Trailer:

Thrawn in Rebels Staffel 3

Thrawn in Rebels Staffel 3

Ezras Mission verläuft schließlich fast katastrophal, als er sich Heras Befehlen widersetzt und eigenmächtige Entscheidungen trifft, um die Verschrottung der Y-Flügler zu verhindern. Meiner Meinung nach hätte Captain Rex diese Mission führen sollen, anstatt nur Beifahrer zu spielen. Man merkt, dass die Serienmacher unbedingt Ezras (mangelnde) Führungsqualitäten testen wollten, Logik hin oder her. Die zweite Hälfte der Doppelfolge bezieht aus Ezras Unfähigkeit dann ihre Spannung, weil es dann darum geht, lebend aus der Bredouille zu entkommen, in die Ezra das Team geführt hat.

Diese zweite Hälfte ist dann tatsächlich gut gestaltet – gute Action, rasante Dialoge und vor allen Dingen atemberaubend gute Umgebungsanimationen. Die Reklam-Station oben in den Wolken sowie die Sturzszene am Ende, als Kanan Ezra rettet, sind ein Fest für die Augen. Auch der Bendu hat ein sehr cooles Design, von seinen großartigen Dialogzeilen ganz zu schweigen, und die Szenerie ist (bis auf die seltsamen Spinnenkreaturen) ebenfalls gelungen. Das Tempo der Folge und die schönen „Kameraeinstellungen“ wirken so frisch, dass ich mich frage, ob wir sie dem neuen Supervising Director Justin Ridge verdanken, der Dave Filoni als Regisseur der Serie ersetzt hat, welcher als Produzent allerdings nach wie vor kreative Kontrolle über die Serie besitzt.

Star Wars Rebels liefert erneut eine vielversprechende Staffelpremiere, die mich bestens unterhalten hat. Ich frage mich nur, ob man das Niveau und die Spannung über die nächsten Episoden hinweg aufrecht erhalten kann, oder ob die Qualität wieder zur Mitte der Staffel hin abflacht wie in der zweiten Staffel. Für „Ein dunkles Geheimnis“ kann ich nach Abwägen der Stärken und Schwächen aber guten Gewissens vier von fünf Holocrons vergeben. Die Episode ist ein Schritt in die richtige Richtung und ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

Abschließend nochmals die Rebels Recon zu dieser Folge mit Blicken hinter die Kulissen:

Jetzt bin ich aber auf eure Meinungen zum Auftakt der dritten Staffel gespannt!

Über den Autor

Florian

Florian
Florian ist Gründer und Admin der Jedi-Bibliothek sowie angehender Englisch- und Spanischlehrer. Er arbeitet außerdem für das Offizielle Star Wars Magazin als Übersetzer und betreut für die Panini-Heftreihe die "Skytalker"-Leserbriefe. Er sammelt vor allem Romane und Comics, doch weiß auch ein schönes Sachbuch zu schätzen. Außerdem hat er bis vor Kurzem Star Wars: The Old Republic gespielt und schaut für sein Leben gern Serien.

4 Kommentare

  1. JeremyJeremy

    Bezüglich Thrawn:

    An Lars Mikkelsens Thrawn-Stimme habe ich persönlich nichts auszusetzten, ich finde seine „eigenartige“ Aussprache sogar passend für Thrawn, der ja als einer von wenigen Imperialen kein „Imperial“-Basic (also englischer Akzent) spricht (Filoni hat glaube ich auch gesagt, da er ja kein Basic-Muttersprachler ist. Eventuell könnte es sich ja sogar um einen Cheunh-Akzent handeln.

    Einziger Kritikpunkt ist nur, dass das Nuscheln manchmal dazu führt, dass man gar nichts versteht (z.B. in Iron Squadron habe ich 5 oder 6 Anläufe gebraucht bis ich verstanden habe, dass er „armed militia“ anstatt „arminitial“ meint).

    Was sein Aussehen angeht, sollte man bedenken, dass es sich immer noch um eine Kinderserie handelt und die EU-Chiss-Erscheinung Thrawn vermutlich einen zu dämonischen Look verpassen würde, aber gerade die Pupillen (auch wenn ich sie als Legends-Fan nicht mag) bieten tolle Möglichkeiten bei Thrawns-Darstellung (z.B. die Szene in S0301 in der Thrawn seinen ersten Auftritt hat und später zu ReclamStation übergeblendet wird und seine Pupillen kurz sichtbar bleiben).

    Die Stirn-Knubbel fand ich auch irritierend, aber wahrscheinlich ist das auf den Animationsstil von Rebels zurückzuführen.
    Vielmehr auffällig finde ich seine Körpergröße (Legends: 1.8m), die ja um die 1.90m zu liegen scheint (Mikkelsen ist interessanterweise auch so groß – Zufall?:D).

    Antworten
  2. InesInes

    Ich stimme Jeremy da zu: Mit Thrawns Design bin ich vollauf zufrieden. Es ist eine gute Entscheidung, dass er Pupillen hat. Einer Figur ohne Pupillen fehlt ein wichtiges Mittel, um Stimmungen auszudrücken. Gerade bei einer animierten Figur würde das wahrscheinlich ziemlich leblos wirken.

    Ich möchte außerdem noch erwähnen, dass ich die gruselige Orgelmusik, die alle Auftritte von Thrawn untermalt, extrem genial finde!

    Antworten
    1. Andreas

      Ich denke das man das auch mit Augenbrauen lösen kann. Dazu brauchts nicht unbedingt Pupillen.

      Antworten
  3. Sorzus Syn

    „Einer Figur ohne Pupillen fehlt ein wichtiges Mittel, um Stimmungen auszudrücken.“

    Ja, eben! Chiss sind explizit dafür bekannt, dass sie, in Anwesenheit ‚Fremder‘ keine emotionen ausdrücken. Chiss sind, wenn sie nicht direkt unter sich sind, so emotional wie ein Stück Toastbrot. Und das mit voller Absicht. Das ist Ihre Kultur. Und gerade das wird durch die pupillenlosen Augen nur verstärkt und kommt viel deutlicher rüber.

    Ich persönlich finde die Design-Entscheidung nicht gut, aber es ist Canon, damit muss ich schlicht leben.

    Gut finde ich aber, dass im deutschen der gleiche Synchronsprecher spricht wie in den Hörbüchern der Thrawn-Trilogie. Die Stimme mag ich sehr.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.