Rezension: Adventures in Wild Space 3: The Steal von Cavan Scott

Nachdem Anfang diesen Jahres bereits die ersten zwei Teile (sowie die Novelle The Escape) erschienen waren und an dieser Stelle auch rezensiert wurden, ist nun seit letztem Monat auch der dritte Band der Jugendromanreihe Adventures in Wild Space im Handel. The Steal stammt aus der Feder des Autors Cavan Scott, der bereits The Escape und The Snare verfasst hatte, und erschien am 30. Juni beim britischen Egmont-Verlag. Es führt die Geschichte der beiden Geschwister Lina und Milo Graf fort, deren Eltern – gefragte Kartographen – zuvor vom Galaktischen Imperium entführt worden waren. Die US-Ausgabe von Disney-Lucasfilm Press, die im April 2017 erscheint, wird den Titel The Heist tragen.

Die Haupthandlung von The Steal beginnt mit dem im Vorgänger The Nest angekündigten Anflug auf Lothal, wo Lina und Milo die hiesigen Rebellenzellen zu finden hoffen. Mit ihrem Raumschiff, der Whisper Bird, setzen sie in einem abgelegeneren Raumhafen auf und geraten sofort in die erste gefährliche Situation, als ein Fremder versucht, ihnen ihr Schiff zu stehlen. Aus dieser Lage rettet sie ein gewisser Devaronianer namens Cikatro Vizago, der das Gespräch der Geschwister mitgehört hatte und versicherte, sein Chef könne ihnen bei ihrer Suche helfen. Lina und Milo nehmen das Angebot an der Seite ihres Droidens, CR-8R, und des Kowakianischen Echsenaffens, Morq, an und begleiten Vizago. Im Gespräch mit dessen Chef, dem Mon Calamari Rask Odai, müssen die beiden schnell feststellen, dass es sich bei Odai eigentlich um den Leiter einer Verbrecherorganisation handelt – er erfüllt zwar Vizagos Versprechen, den Kindern bei ihrer Suche zu helfen, indem er ihnen einen Scanner überlässt, mithilfe dessen sie das Rebellenkommunikationssignal zu orten in der Lage sich sähen, nimmt ihnen als Bezahlung jedoch CR-8Rs Kopf ab, worin wiederum ihrer Eltern wichtige Karten gespeichert sind. Im weiteren Verlauf der Geschichte treffen die Kinder auf eine ehemalige Schmugglerin, die sich als Shalla Mondatha vorstellt und ihnen bei der Wiedererlangung des Kopfs sowie der darin gespeicherten Daten helfen will, und finden tatsächlich die Rebellen, derer wegen sie Lothal überhaupt erst angesteuert hatten. Dort erfahren die beiden, dass das Galaktische Imperium den berüchtigten Kopfgeldjäger The Shade auf sie angesetzt hatte. Das Buchende dürfte denjenigen Leser, der auch die wunderbaren Bilder von David Buisán betrachtet, nicht sonderlich überraschen, wird an dieser Stelle aber selbstverständlich nicht verraten.

Zuallererst möchte ich die Nachvollziehbarkeit der Handlungen der einzelnen Personen loben. Selbst diejenigen, welche die beiden vorangegangenen Bände beziehungsweise die Novelle The Escape nicht gelesen haben, sollten keine sonderlichen Schwierigkeiten damit haben, in die Handlung einzusteigen. So beschreibt Scott bereits zu Beginn des Buchs, als Korda den Kopfgeldjäger auf die Graf-Geschwister ansetzt, sehr genau, aus welchen Motiven heraus der imperiale Kapitän handelt. Eingegangen wird dabei in The Steal auch auf die Gefühle und die Persönlichkeit der Charaktere; was mich gerade an The Nest sehr gestört hatte, war diese Art von Leichtigkeit, mit der sich zwei kleine Kinder – man bedenke immerhin, dass Lina elf und Milo zehn Jahre alt ist – auf einer unbewohnten Dschungelwelt mit völlig fremden Großwildjägern einer drachenähnlichen Monsterkreatur (dem ironischerweise sogenannten Riesenstinker) stellen, als wäre das etwas Alltägliches. So etwas haben wir in The Steal nicht: Nachdem nicht nur die Eltern der Grafs, sondern auch CR-8R und Morq verschwunden sind, bricht Milo am Raumhafen weinend zusammen, und auch Lina kann, so erwachsen sie ihren Bruder doch zu trösten versucht, ihre Tränen nicht unterdrücken – das macht die ganze Situation in meinen Augen logischer, realistischer, verständlicher und, ja, auch irgendwie schöner.

Was mir an The Steal außerdem sehr gefällt, sind die nostalgischen Erinnerungen, die dieses Buch – ob nun von Scott gewollt oder nicht – zumindest bei mir, aber sicherlich auch bei dem ein oder anderen Leser hervorruft: Jedesmal, wenn die Whisper Bird wieder den Geist aufzugeben droht und Lina ihr liebes Schiff dennoch sicher im Raumhafen zu landen vermag, erinnert mich das unweigerlich an den Millennium Falken, wenn Milo mit Morq herumblödelt und die Situation nicht ganz so ernst nimmt, dann ist er Han Solo, und wenn die für ihr Alter durchaus recht disziplinierte und realistische Lina ihren Bruder mal wieder zur Ordnung rufen muss, dann habe ich zwangsläufig an Leia zu denken; C-3PO alias CR-8R, der den Kindern zwar einerseits auf die Nerven geht, andererseits aber doch nicht wegzudenken ist, darf man dabei natürlich nicht vergessen.

Zuletzt darf an dieser Stelle natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass Tom Huddleston mit der Ankündigung in The Nest, es ginge nach Lothal, seinem Kollegen Scott einen ordentlichen Auftrag mitgegeben hat – und dieser kann definitiv als erfüllt angesehen werden: Für Freunde der Serie Star Wars Rebels ist The Steal in diesem Sinne eigentlich Pflichtlektüre. Wer dazu ein paar Spoiler haben möchte, der darf nachfolgend die Box aufklappen:

Verbindungen zu Star Wars Rebels - Spoiler

Scott verrät uns nicht nur, aus welchem Grund ein Horn des devaronianischen Schwarzmarkthändlers Cikatro Vizago angebrochen ist, er deutet am Romanende sogar an, dass Ryder Azadi schon während seiner Zeit als imperialer Gouverneur mit der Rebellenallianz zusammenarbeitet. Und das Wichtigste: Bei den Rebellen, deren Übertragung die Graf-Geschwister gefolgt sind und die sie nun endlich gefunden haben, handelt es selbstverständlich um Ephraim und Mira Bridger, die den beiden gleich ihren etwa dreijährigen Sohn Ezra vorstellen und auf die wir uns vor allem auch in The Dark wohl noch freuen dürfen.

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Dazu kommen dann noch die schönen Zeichnungen von Buisán, durch die wir uns die Hauptstadt von Lothal gleich viel besser vorstellen können.

Eigentlich möchte ich hier allerdings nicht in überschwänglicher Lobhudelei verfallen, ohne zumindest ein paar negative Punkte zu nennen, und davon gibt es natürlich auch in The Steal welche, wobei es sich dabei aber eher um Lappalien handelt. Seltsam fand ich beispielsweise, dass Lina und Milo sich, nachdem sie vor der Whisper Bird weinend zusammengebrochen, einig sind, dass sie niemandem mehr trauen könnten und nun auf sich allein gestellt seien – nur, um lediglich wenige Minuten danach der völlig fremden Schmugglerin Shalla Mondatha ihre gesamte Geschichte zu erzählen und sich von ihr in eine dunkle, bis obenhin mit Käfern gefüllte Kiste stecken und zurück ins Verbrecherhauptquartier bringen zu lassen.

Kleine Ungereimtheit in Bezug auf Rebels

Im Zuge des Treffens mit den Bridgers stellt Scott Ezra zudem fälschlicherweise als Baby vor, obwohl dieser im Jahre 16 VSY eigentlich schon etwa drei Jahre alt sein sollte – ein bereits festgestellter Fehler, der in der Neuauflage von der Redaktion dann aber behoben wird.

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Darüber hinaus müsste ich eigentlich anmerken, dass die Suche nach den Graf-Eltern in ihrer Gesamtheit (also bei Betrachtung der Reihe an sich) in The Steal, immerhin schon der dritte beziehungsweise praktisch der vierte Band, nur sehr langsam voranschreitet; auf der anderen Seite ist das für mich aber kein richtiger Kritikpunkt, weil Scott dadurch die Möglichkeit bekommt, seine Figuren ordentlich zu charakterisieren, ihre Beweggründe nachvollziehbar zu erklären und die Geschichte durch den Fokus auf einen einzelnen Handlungsstrang gar spannender zu gestalten. Man darf zudem nicht vergessen, dass es sich hierbei um einen Jugendroman mit einer Länge von 160 Seiten handelt. Gerade oben genannten Punkt ziehe ich einem schnellen Voranschreiten der Handlung auf Kosten der Charakterisierung und Nachvollziehbarkeit, wie wir sie teilweise aus Erwachsenenromanen kennen, vor (man erinnere sich in diesem Zusammenhang an Aufstieg oder Das Verhängnis der Jedi-Ritter 9: Apokalypse als Negativbeispiele).

Wie eben bereits gesagt, hatte ich mir eigentlich vorgenommen, hier nicht ausschließlich zu loben, muss aber doch zugeben, dass ich sowohl von The Steal als auch von Adventures in Wild Space im Allgemeinen ziemlich begeistert bin; und die zweieinhalb Kritikpunkte, die ich hier angebracht habe, sind dabei kaum der Rede wert. Tatsächlich fasse ich The Steal noch nichteinmal wirklich als Jugendroman auf – ich behaupte, dass Adventures in Wild Space genauso von Erwachsenen gelesen werden kann und ebenjene in Spannung zu versetzen vermag – mich beispielsweise. The Steal ist dabei natürlich insbesondere für leidenschaftliche Rebels-Verfolger eine Empfehlung wert.

Ich lasse es mir an dieser Stelle daher nicht nehmen, die volle Anzahl an fünf Holocrons zu vergeben, dafür aber auch mit entsprechenden Erwartungen an The Dark zu gehen.

Was meint ihr zu diesem Buch?

Wir danken Egmont UK für das Rezensionsexemplar!

Adventures in Wild Space 3: The Steal (Donnerstag, 30. Juni 2016)

Adventures in Wild Space 3: The Steal (30.06.2016)
Gattung/Sprache: ()
Ausgabe/Format:Taschenbuch
Erscheinungsdatum:30.06.2016
Autor(en):
Cover:
Verlag: (Verlagsseite)
Reihe:
Seiten:160
ISBN:978-1-4052-7995-6
Preis:£6.99
Kanonstatus:
Ära:
Chronologie:-16 VSY
Bestellbar hier:Amazon.de (Amazon.com)

Mehr Infos zu dieser Reihe und ihren bevorstehenden deutschen Ausgaben findet ihr in unserer Datenbank.

Über den Autor

Timon

Timon
Timon war bis vor kurzem Abiturient im wunderschönen Norden Deutschlands und wird ab Oktober an einem noch nördlicheren Ort studieren. Er ist seit Jahren ein leidenschaftlicher Star Wars-Freund und zudem in der Jedipedia aktiv.

4 Kommentare

  1. MatthiasMatthias

    Eine deutliche Steigerung gegenüber den ersten 3 Bänden.

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  2. Frogo

    Ich lese die Reihe zur Zeit und versuche schon die ganze Zeit, konkrete Hinweise darauf zu finden, wann genau sie denn nun spielen soll, da es dazu wohl widersprüchliche Angaben gibt. Wookiepedia sagt z.B. 18 VSY, und beruft sich dabei explizit auf Ezras Darstellung als Baby. Aber hier lese ich, dass just das ein Fehler war? Habt ihr da irgendwo eine konkrete Quelle, die die 16 VSY eindeutig bestätigt? Ich persönlich fänd diese Angabe auch deutlich passender, weil mir das Imperium ansonsten schon viel zu bekannt imperial dargestellt wird, was gerade mal ein Jahr nach Ausrufung doch recht unwahrscheinlich erscheint. Drei Jahre erscheinen da deutlich realistischer.

    Davon ab gefiel mir der Band auch sehr gut, so kann es gerne weitergehen!

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    1. FlorianFlorian

      Das mit 16 VSY haben wir aus derselben (offiziellen, aber hier nicht namentlich nennbaren) Quelle, die gesagt hat, dass da statt „baby“ „toddler“ hätte stehen sollen. Der aktuelle Status lautet allerdings „Unklar“, da Egmont nochmal mit Lucasfilm Rücksprache halten muss und Lucasfilm generell keine genauen Timeline-Jahre öffentlich festlegt, bis sie es aus irgendeinem Grund festgelegt werden müssen. Aus diesem Grund bleiben wir einfach bei 16 VSY, da es – bis auf diese Baby-Stelle – sonst wunderbar passt.

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      1. Frogo

        Danke für die Info! Ja, 16 VSY passt wie gesagt auch meiner Ansicht nach deutlich besser, dann schließe ich mich da einfach mal eurer Einschätzung an (und hoffe, dass es irgendwann auch nochmal offiziell bestätigt wird) 🙂

        Aus Neugier: Wurde das in der später erschienenen US-Ausgabe denn zu „toddler“ korrigiert? Weiß das zufällig wer?

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